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Schöne Grüße aus Cannes! Wie es hinter den Kulissen der Glitzerwelt aussieht

26/05/2017 16:05 CEST | Aktualisiert 26/05/2017 16:08 CEST

Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Designerroben: Die Festspiele von Cannes sind ein Schaulaufen der internationalen Filmbranche. Christine Pettinger ist für Getty Images vor Ort und berichtet über das Leben unter - ja tatsächlich: unter - dem Roten Teppich.

Arbeiten in Cannes hat definitiv seine Vorzüge. Morgens kann ich zum Beispiel entscheiden, ob ich lieber durch die Stadt oder am Meer entlang zur Arbeit laufe. Ein Arbeitsweg an der Croisette, man kann sich wirklich Schlimmeres vorstellen! Die Sonne, die Meeresbrise, überall Glamour - der Cannes-Effekt nutzt sich einfach nicht ab.

Ich bin jetzt zum siebten Mal hier und es ist bei aller Eingeschliffenheit mancher Prozesse doch jedes Mal anders, jedes Mal kommen neue Stars dazu, aber auch unsere Arbeit verändert sich. Dieses Jahr etwa müssen wir wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen viel Schlange stehen, noch bevor wir überhaupt unsere Büros erreicht haben.

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© Pedro Almodovar by Pascal Le Segretain / Getty Images

80 Leute, vier Premieren am Tag, tausende Bilder

Wir sind als größte vertretene Bildagentur dieses Mal mit 80 Leuten vor Ort. Das sind vor allem Fotografen, aber mit jedem Jahr steigt auch die Zahl der Video-Spezialisten. Außerdem gehören natürlich Bildredakteure zum Team, Social-Media-Experten, Techniker, Sales-Leute - sogar ein Team für Virtual Reality ist mit an Bord.

Für mich heißt das: Noch mehr Vielfalt, noch mehr Optionen. Wen schicke ich zu welcher Premiere? Ich koordiniere unsere Mitarbeiter vor Ort, aber auch die zusätzlichen Editoren Teams in London und Los Angeles, die uns unterstützen. Wir haben hier drei bis vier Premieren am Tag, zu denen wir Fotografen an den Roten Teppich schicken, plus zusätzliche Fototermine für Kunden wie L'Oreal, Dior und Kering sowie Fototermine mit Nachwuchsstars.

Dementsprechend hoch ist auch die Menge der Bilder, die wir produzieren: Allein am Eröffnungstag waren es in diesem Jahr 80.000. Die Bilder müssen wir natürlich alle sichten, zwischendurch Mails checken, den Redaktionsplan aktuell halten und schauen, mit welchen Bildern wir in aktuellen Publikationen vertreten sind.

Da kommt ganz schön was zusammen, die französische Gala zum Beispiel bringt während der Filmfestspiele jeden Tag eine Sonderausgabe heraus.

Man kennt sich im Filmfestivalzirkus

Bei all dem Trubel ist es schön, dass es hinter den Kulissen fast schon familiär zugeht. Viele Kollegen kennt man bereits, manche sehen sich ohnehin ständig: Oft sind es die gleichen Teams, die von Agenturen und Magazinen auch auf die Filmfestspiele von Berlin, Toronto, Rom, Venedig, Locarno und Zürich entsendet werden.

Ein richtiger Wanderzirkus ist das. Man trifft sich meist zwischendurch, zum Beispiel beim Schlange stehen - was wir ja nicht nur morgens am Eingang tun, sondern auch tagsüber, etwa wenn wir PR-Agenturen abklappern, um Portrait-Termine zu vereinbaren. Ich mache hier eigentlich drei Jobs: Bildredakteurin, Redaktionskoordinatorin und Eventmanagerin.

Mit den Planungen für Cannes fange ich schon um Weihnachten herum an und nach der Berlinale beginnt dann die heiße Phase der Cannes-Vorbereitungen. Dabei übernehme ich sämtliche organisatorische Aufgaben.

Zwei Dinge sind für meine Arbeit besonders wichtig. Mein erster Grundsatz ist: Niemals aufgeben. Das habe ich in diesem Job gelernt, dass sich Hartnäckigkeit am Ende auszahlt. Schließlich geht es bei uns meistens um Zugang, zu Kunden oder Prominenten oder Medien, und den bekommt man nicht einfach so.

Die zweite Sache ist: Das Team ist das allerwichtigste. Bei uns kann jeder auf jeden zählen und nur deshalb funktioniert die ganze Operation - nur deshalb macht es Spaß. Grundsätzlich bin ich mir sowieso für nichts zu schade, wenn es darum geht, dem Team zu helfen. Ich schleppe auch mal mit einem Fotografen sein Equipment von A nach B.

Dabei komme ich dann nämlich auch mal raus aus unserem Büro, das sich übrigens direkt unter dem Roten Teppich befindet, und sehe ein paar Leute - durchaus auch Prominente.

Kochen auch nur mit Wasser: Prominente

Bei aller Faszination, die Stars noch immer auf mich ausüben, habe ich aber durch meine Arbeit vor allem eins gelernt: Prominente sind auch nur Menschen, so abgedroschen das auch klingt. Ich bin ja hauptsächlich hinter den Kulissen tätig, aber hin und wieder habe ich dann doch Erlebnisse der etwas spezielleren Art.

Zum Beispiel bei der amfAR-Gala, die ja auch diesen Donnerstag wieder stattfindet - ein wichtiges Event, das von der American Foundation for Aids Research ausgerichtet und bei dem Spenden für die AIDS-Forschung akquiriert werden. Halb Cannes reist dafür nach Antibes, auch wir werden mit 90 Prozent unseres Teams für einen Abend umziehen.

Wir haben dort auf dem Veranstaltungsgelände einen Raum hinter der Bühne, wo die Fotografen stehen und von dort in den Saal und auf die Bühne fotografieren können. Natürlich ist der recht spartanisch eingerichtet und nicht so festlich dekoriert wie der Rest der Location.

Daher werden wir auch immer angehalten, dort bloß niemanden von den geladenen Gästen hineinzulassen. Nur: Auch Prominente verlaufen sich manchmal. So kam es, dass ich 2012 schnell in diesen Raum huschen will, als plötzlich jemand hinter mir steht, der da augenscheinlich nicht hingehört.

Ich drehe mich um und wer steht hinter mir? Gerard Butler! Schaut mich an und fragt ganz höflich: „Are you going to the toilet?" Die Toiletten waren aber natürlich ganz woanders und Gerard Butler war mir sehr dankbar, als ich ihm anbot, ihn dort hin zu begleiten. Auf die Toilette ist er dann aber natürlich alleine gegangen.

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