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Warum bereits Grundschüler programmieren lernen sollten

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dpa
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Digitalisierung muss Chefsache sein, sonst kommt sie nicht richtig voran. Das gilt in Politik und Wirtschaft ebenso wie in der Schule. In Düsseldorf kommt vom 23. bis 25. März der Deutsche Schulleiterkongress zusammen - 2.000 "Chefs der Schulen" also, die eine Gelegenheit haben, sich über richtungsweisende Fragen unserer Bildungspolitik auszutauschen.

Eine Kernfrage unserer Bildungspolitik ist diese: Wie werden unsere Kinder fit für die Zukunft. Konkreter: für den Arbeitsmarkt der Zukunft. Und dieser ist nunmal zu großen Teilen digital.

Schon heute klafft hier eine Lücke. Fachkräfte im Digital- und IT-Sektor sind rar. Mittlerweile suchen beispielsweise unsere Startups passend ausgebildete Mitarbeiter nicht nur in ganz Europa, sondern in Asien, Afrika und Südamerika.

Digitale Kompetenz ist unerlässlich

Kaum jemand findet ausreichend qualifizierten Nachwuchs an der Schule im Kiez. Und das, obwohl es oft Kooperationen der Startups für Schülerpraktika gibt. Der Bitkom hat für 2015 außerdem errechnet: 43.000 Stellen im IT-Mittelstand sind unbesetzt. Der Fachkräftemangel heute Realität.

In den kommenden Jahren wird sich das Problem verschärfen, wenn wir nicht reagieren. Die Schulkinder von heute werden morgen von einer digitalen Lebens- und Arbeitswelt umgeben sein. Wir wissen nicht, welche Berufe sie in 20 Jahren erlernen werden. Und wir wissen auch nicht, ob es diese Berufe heute schon gibt.

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Eines wissen wir aber ganz sicher: Die digitalen Kompetenzen unserer Kinder werden in Zukunft ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestimmen. Die Jungen und Mädchen, die gerade an unseren Schulen fürs Leben lernen sollen, müssen in die Lage versetzt werden, im immer stärker wachsenden IT-Sektor gut bezahlte Jobs zu finden.

Die Schule muss sie darauf vorbereiten. Coden und Programmieren sind die Fremdsprachen unserer Zeit. Große Aufgaben also für Politik und Gesellschaft. Und selbstverständlich auch für die Schulen.

Dort, wo viele Schulleiter unsers Landes zusammenkommen, besteht die Chance, dass diese Themen auf einflussreicher Ebene diskutiert werden. Ein guter Schritt daher, dass der Kongress auch Themen wie Cybermobbing und den Einsatz digitaler Medien im Schulalltag auf der Tagesordnung hat.

Wenn die Schulleiter die Digitalisierung an ihren Schulen ernsthaft vorantreiben wollen, ist schon ein großer Schritt getan. Gerade heute, wo die digitale Fitness unserer Schüler noch zu sehr großen Teilen vom Engagement einzelner Lehrer abhängt.

Informatik kindgerecht?

Wenn die Schulleiter digitale Tools an ihre Schulen holen, handeln sie auch im eigenen Interesse. Sie ermöglichen ein viel individuelleres Lernen. Lehrer werden zu Lernbegleitern statt zu Wissensvermittlern.

Sie haben bessere Möglichkeiten, individuell auf ihre Schüler einzugehen. Das sorgt für ein tieferes Verstehen. Auch können Stärken und Schwächen schneller erkannt und darauf reagiert werden.

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Das hilft auch bei der Inklusion. An einer Grundschule im Valley kann ein amerikanischer Lehrer problemlos via Tablet ein chinesisches Kind unterrichten. Warum sollte das nicht auch an einer Berliner Grundschule mit einem syrischen Schüler funktionieren? Ganz nebenbei, bei den jüngeren sehr spielerisch, lernen zugewanderte Schüler dann unsere Sprache und unsere Kultur.

Die größten Hausaufgaben hat aber ganz unzweifelhaft die Politik zu machen. Digitalisierung muss dringend stärker in den Lehrplänen und der Lehrerausbildung verankert werden.

Gemeinsam mit der CDU Berlin fordere ich für mein Bundesland, dass alle Schüler von Anfang an programmieren lernen. Konkret: Wir brauchen einen kindgerecht ausgestalteten Informatikunterricht ab der 1. Klasse.

Digitale Themen, programmieren, Medienkompetenz, IT-Kenntnisse und viele andere Skills müssen in die Lehrpläne. Außerdem fordere ich für Berlin die Einrichtung von Profil-Oberschulen mit dem Schwerpunkt IT/Digital, ebenso wie eine bessere Kooperation von Schulen und ansässigen Firmen.

Es ist noch viel zu tun

Aber selbst wenn diese Forderungen mal beschlossen sind, stehen nicht auf einmal Computer in allen Schulen und die Klassen legen los mit dem Programmierkurs. Wir müssen auch Geld in die Hand nehmen, um die Schulen gut auszustatten. Der Digitalpakt Deutschland von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka ist ein sehr wichtiger Schritt.

Das Ziel, alle 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mit Computern und WLAN auszustatten, ist ein klares Signal für Digitale Bildung und die Zukunft unseres Landes. Wir in der Politik sind gut beraten, dieses Projekt mit ausreichend Finanzmitteln auszustatten.

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Eine weitere große Baustelle: die Lehreraus- und Fortbildung. Lehrer heute müssen in allen digitalen Themen fit sein. Das heißt: Damit digitale Bildung in der Schule funktioniert, müssen auch die Lehrer erstmal lernen, was sie den Schülern dann später beibringen sollen.

Das funktioniert bei neuen Lehrern in ihrer Ausbildung und bei denen, die heute schon an den Schulen arbeiten, über Fortbildungen. Gerade Fortbildungen mit digitalem Schwerpunkt müssen verpflichtend angeboten werden.

Die große Aufgabe, unserer Schüler digital fit für die Zukunft zu machen, meistern wir nur gemeinsam: Politik, Lehrer und auch Eltern. Wir sind ein Land, dessen größte Ressource nicht Bodenschätze sind, sondern der Hirnschmalz unserer Bürger.

Ein Land, zu dessen größten Marken neben Daimler und Adidas unzweifelhaft auch die duale Berufsausbildung und der Diplom-Ingenieur gehören. Wir müssen alles dafür tun, dass das auch so bleibt.

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