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Wer sich selbst finden will, muss auf Reisen gehen

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REISEN
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"Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag auf Reisen, wenn ihr mehrere Monate oder gar ein ganzes Jahr lang unterwegs seid?" Eine gute Frage, die eine Leserin in einem Reiseforum neulich gestellt hat. Was machen wir da eigentlich?

Dinge erleben

Zu allererst geht es auf Reisen natürlich deshalb, um neue Dinge zu sehen, ein anderes Land zu erleben, eine Kultur kennenzulernen und fremde Menschen zu treffen.

Dazu besuchen wir Sehenswürdigkeiten, schauen uns einmalige Sachen an, wir laufen herausfordernde Wanderwege und gehen in Museen.

Wir versuchen, in das Leben in einem fremden Land einzutauchen, kaufen auf Wochenmärkten ein und setzen uns in Parks oder Cafés. Hier können wir die Einheimischen am besten beobachten, ansprechen und besser verstehen.

Zeit nehmen, sich selbst zu finden

Eine Reise ist gerade in jungen Jahren und auch zu Beginn der Reiseerfahrung ein Stück Selbstfindung.

In der oft hektischen Welt zu Hause, gefesselt von einem arbeitsintensiven Job und voller Freizeitstress, fehlt uns manchmal doch die Zeit für uns selbst. Was will ich eigentlich vom Leben? Und wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich sein und was ist mir im Leben wichtig?

"Verbringe jeden Tag einige Zeit mit dir selbst."

Dalai Lama

Auf Reisen können wir uns die Zeit nehmen, diese Fragen zu beantworten. Wir lesen inspirierende Bücher, machen Yoga und meditieren. Dabei verkoppeln wir neue Impulse mit Bekanntem von zu Hause zu kreativen Dingen. Das braucht Zeit und mentalen Freiraum.

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Sich weiterbilden

Ein gewisser Teil des Tages geht bei uns Reisenden in die Weiterbildung. Reisen ist Fremdsprachunterricht, Geografie, Religion und Neues lernen in einem.

So lassen wir uns auf die Eigenheiten eines Landes ein, nehmen beispielsweise Spanisch-Unterricht in Peru, lernen Tango tanzen in Argentinien, Salsa in Kuba oder das Amulettmeißeln in Neuseeland.

Gleichzeitig haben wir die Zeit, uns auch neue, allgemeine Fähigkeiten anzueignen. Manch einer lernt eine neue Programmiersprache, ein anderer startet eine Webseite, ein wieder anderer macht eine Ausbildung als Yoga-Lehrer.

Und, last but not least, lernen wir auf Reisen die Welt zu verstehen. So machen wir Touren, auf denen uns in Costa Rica gezeigt wird, wie eine Kaffeebohne aussieht oder wir pflücken Schokoladenbohnen von den Sträuchern in Ecuador und machen daraus Schokolade. Am Ende verstehen wir dadurch auch unsere heimischen Produkte besser, beispielsweise was hinter einer Tafel Schokolade im Supermarkt alles so steckt.

Sich austauschen

Ein großer Anteil des Tages geht bei Reisenden oft für den Austausch mit anderen Reisenden drauf. Gemeinsam sitzen wir dann mit Leuten aus der ganzen Welt zusammen und philosophieren über das Leben in unserer Heimat.

Das bringt uns im Übrigen auch der Selbstfindung und Weiterbildung näher.

Alle Fünf gerade sein lassen

Ja klar! Eine Reise ist -neben vielen Anstrengungen- auch überdurchschnittlich viel Spaß. Ja, wir liegen mal mehrere Stunden am Tag in Hängematten, lassen uns in Indonesien oder Thailand alle paar Tage massieren und feiern auch mal Nächte durch in Hong Kong.

Wir lernen in Nicaragua den Sunday als Funday kennen (Sonntag = Spaßtag) und erfahren, dass wir hier machen dürfen, was wir wollen. Wir trinken Sekt zum Frühstück, surfen vier Stunden am Tag und schauen Sonnenuntergänge bei einem Dosenbier an.

Das alles gehört zur Reiseerfahrung irgendwie dazu.

Ein typischer Tagesablauf

Ein typischer Tagesablauf ist alles andere als ein 9-to-5-Tag. Wir schlafen aus und frühstücken entspannt.

Nach dem Frühstück steht zumeist ein Highlight auf der Agenda. Etwas, was wir uns zuvor raus gesucht haben oder aber auch mal spontane Dinge. Das kann etwa eine Bustour zu einem Wasserfall sein, ein Straßenfest, ein Museum, ein Aussichtspunkt, eine Wanderung, ein Strandspaziergang, eine Delfine-Beobachtungs-Tour oder eine Quad-Tour. Das ist ein bisschen wie im Urlaub - wir schauen uns halt Dinge an, die wir mögen.

Der Nachmittag steht dann normalerweise im Sinne der Weiterbildung und der Selbstfindung. Hier nehmen wir uns Zeit für uns, lesen, lernen und entspannen. Am Abend kommen die Reisenden dann oft zusammen, tauschen an Stammtischen, in Hostels oder Bars die täglichen Erlebnisse aus und lassen den Tag, manchmal bis spät in die Nacht, ausklingen.

Daseinsberechtigung Reise

Am Ende sind wir Reisende oft etwas gescholten, weil wir uns die Zeit und den Freiraum nehmen, unterwegs zu sein. In dieser Zeit erschaffen wir keinen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, wir arbeiten nicht im klassischen Sinne einer 9-to-5-Aufgabe und wir sind dann auch kein Teil dieser heimischen Gesellschaft.

Dazu magst du, lieber Leser, deine eigene Meinung haben. Und manch einer bezeichnet diese Zeit möglicherweise als Verschwendung.

Für mich sind diese Monate Auszeit, die ich mir dann nehme, unglaublich wichtig für mein Schaffen während meiner Arbeitszeiten. Denn wenn ich zurück komme von meinen Reisen, bin ich kreativer, schaffe in kürzerer Zeit mehr, habe Lust auf die Arbeitsaufgaben und bin heiß darauf, mein neues Wissen anzuwenden.

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So profitieren am Ende doch alle ein bisschen mit.

Liebe Reisende, ich habe mir erlaubt, diesen Beitrag aus der WIR-Perspektive zu schreiben. Wohl wissend, dass für jeden von uns der Reisetag etwas anders aussehen wird, hoffe ich doch, die "typischen" Reiseinhalte getroffen zu haben. Ist das so? Dann schreibt mir? Totaler Blödsinn sagst du? Dann schreib mir auch! Ich freue mich auf deine Kommentare, entweder direkt hier, unter dem Beitrag, oder auf meiner Facebook-Seite.

Was ich auf Reisen noch so erlebe und wie ich den Spagat zwischen dem Reisen und Arbeiten versuche, liest du auf meiner Webseite.

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