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Zukunft der Arbeit: Was Deutschland vom Ausland lernen kann

24/01/2016 13:06 CET | Aktualisiert 24/01/2017 11:12 CET

Zukunft der Arbeit, Arbeiten 4.0, Arbeitsplatz der Zukunft: Das sind Schlagwörter, die sich nicht nur die Politik auf die Fahne geschrieben hat, es beschäftigen sich auch sehr viele Unternehmen damit. Dabei liegt in Deutschland aktuell noch immer der Schwerpunkt auf dem richtigen Positionieren des Unternehmensimages während internationale Unternehmen längst handeln.

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Nicht nur Startups oder Hitech-Unternehmen zeigen, dass flexiblere Arbeitsweisen und flexiblere Büros und Strukturen sehr wohl zum Erfolg führen können.

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(Bildunterschrift: Steelcase Inc. Work Café)

Zurzeit läuft die vom Bundeswirtschaftsministerium organisierte Filmtour „FUTURALE" zum Thema „Arbeiten 4.0" als Roadshow durch deutsche Städte. Gezeigt werden Filme zum Thema „Digitale Nomaden", „Roboter und Mensch" und „Best Practice Beispiele von Unternehmen, die etwas verändert haben".

Eines der gezeigten Best Practice Beispiele ist das Unternehmen Gore. Dort gibt es den sogenannten Chief Happiness Officer oder die Diversification Trainerin. Der Chief Happiness Officer ist in der Personalabteilung und unterstützt die Mitarbeiter beim Finden des sog. „Sweet Points". Als Sweet Point wird der individuelle Lieblingsarbeitsplatz definiert.

Mitarbeiter können rotieren und dann entscheiden, welches ihr individueller Lieblingsarbeitsplatz ist.

Mitarbeiter können rotieren und dann entscheiden, welches ihr individueller Lieblingsarbeitsplatz ist, an dem sie sich wohlfühlen und bleiben möchten. Die Diversification Trainerin bereitet Mitarbeiter auf Veränderungsprozesse im Unternehmen vor, wie zum Beispiel in der Entwicklung von der Fach- zur Führungskraft. Dabei fungiert sie jedoch mehr als mentaler Coach in der Begleitung von Veränderungsprozessen.

Darüber hinaus gibt es die Führungskraft auf Zeit, d.h. die Mitarbeiter eines Teams wählen ihren „Leader" für einen bestimmten Zeitraum. So wechselt auch die Führungskraft immer wieder mal die Perspektive zwischen führendem und geführtem Mitarbeiter.

Ob auch ein Direktor einer traditionell deutschen Versicherung oder Bank bei solch einem Rollenwechsel mitmachen würde, wenn er sein 100 Quadratmeter großes Eckbüro, seinen Luxus-Chefsessel und weitere Statuspunkte seiner Position aufgeben müsste, um in einem Open Space Büro zwischen den Mitarbeitern an Brainstormings im Team teilzunehmen?

Aber sind es nicht diese Elfenbeinturmentscheidungen - fernab von der tatsächlich gelebten Realität - die gerade die hohe Zahl der destruktiven Mitarbeiter in Konzernen fördern?

In Deutschland arbeiten laut einer Untersuchung von Isaac Getz, Professor of Leadership and Innovation Management at ESCP Europe, ca. 11 % der Arbeitnehmer wirklich engagiert mit, 38 % haben bereits mit ihrem Unternehmen abgeschlossen und arbeiten nur noch das nötigste und ganze 51% beklagen sich täglich derart stark über ihre Unzufriedenheit im Unternehmen, dass sie sogar den Prozess erheblich stören. Sind diese Fakten nicht alarmierend?

Unzufriedenheit entsteht meistens aus mangelhafter Kommunikation.

Die Online-Job-Börse Stepstone hat herausgefunden, dass im Vergleich mit sechs anderen europäischen Ländern die Deutschen am Arbeitsplatz am wenigsten glücklich sind. Als Grundursache haben Getz sowie auch der Freiraumlotse Markus Zimmermann von M19, einer Münchner Change-Beratung, herausgefunden, dass die Unzufriedenheit sich meistens aus einer mangelhaften Kommunikation, Wertschätzung und der fehlenden Selbstbestimmung herleitet. Er begleitet Unternehmen in Veränderungsprozessen und nennt sich selbst „Veränderungsarchitekt".

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(Bildunterschrift: Estel Office More Break)

Internationale Unternehmen haben dies rechtzeitiger erkannt und haben Raumkonzepte und Strukturen realisiert, die speziell die Kommunikation des Teams fördern und das Wohlfühlen am Arbeitsplatz unterstützen.

So hat Estel Office, der italienische Büromöbelhersteller, einen Büroarbeitsplatz mit integrierter Kücheninsel entwickelt, die sogenannte „MoreBreak/Isola Snack". Sie soll die lockeren Zusammenkünfte der Kollegen untereinander fördern und damit die Kommunikation in einer Art familiären Atmosphäre ermöglichen.

Estel Office nennt sein Konzept „Office Living". Denn es sind die Menschen, die darin leben und arbeiten, daher muss sich die Umgebung den Bedürfnissen des Menschen anpassen und nicht umgekehrt. In Deutschland sind die Möbel von Estel über WHO'S PERFECT erhältlich.

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(Bildunterschrift: Steelcase Inc. Brodi Arbeitsplatzinsel)

Auch der US-Büromöbelhersteller Steelcase ist schon seit Jahren ein Vorreiter dieser Philosophie und nennt diese „Human Centered Design". Steelcase hat in seinen Headoffices in Grand Rapids und in Rosenheim sogenannte Work Cafés geschaffen.

Es gibt keine festen Arbeitsplätze für die Mitarbeiter, jeder kann jeden Tag wählen wo er arbeiten möchte.

Es gibt keine festen Arbeitsplätze für die Mitarbeiter, jeder kann jeden Tag wählen wo er arbeiten möchte - ob in einer Wohnzimmeratmosphäre, Lounge-Ruhearbeitsplatz, im Café umgeben von anderen Kollegen zum Socialising und Brainstormen oder sportlich aktiv auf der Workstation, einem Laufband mit integriertem Laptop-Arbeitsplatz.

Das Whitepaper „Think Better" ist z.B. ein Ergebnis der weltweiten Forschungen des Steelcase Workspace Future Teams. Think Better informiert darüber, wie neurowissenschaftliche Forschungen belegen, dass konzentrierte Arbeit harte Arbeit ist.

Da das Gehirn nur über begrenzte Energiekapazitäten verfügt, ist es physiologisch unmöglich, sich einen ganzen Arbeitstag lang mit voller Aufmerksamkeit einzubringen und dabei zugleich hochgesteckte quantitative oder qualitative Ziele zu erreichen. Auszeiten für Regenerations- oder Inspirationsphasen, aber auch körperliche Aktivitäten sind für die optimale Leistungsfähigkeit des Gehirns unerlässlich.

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(Bildunterschrift: Steelcase Inc. Work Café)

Die Lösung von Steelcase lautet daher: „Wenn wir begreifen, wie das menschliche Gehirn funktioniert, können wir besser nachvollziehen, wie sich unsere Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen formen. Mithilfe dieses Wissens wird es dann möglich, Arbeitsumgebungen so zu konzipieren, dass sich die Aufmerksamkeit „gehirngerecht" steuern lässt - unter Berücksichtigung der mentalen Höhen und Tiefen der Menschen im Arbeitsalltag."

So schafft das Unternehmen im Rahmen seiner Work Cafés Inseln für Einzelarbeitsplätze und Inseln als Orte der Zusammenkunft. Denn auch das hat eine Steelcase Feldstudie belegt: „Interessante Ideen entstehen oft beim informellen nicht geplanten Austausch in der Kaffeeküche".

Vielleicht könnten in deutschen Konzernen wieder mehr Innovationen entstehen, wenn die Mitarbeiter nicht mehr nur auf Effizienz getrimmt würden und es dafür mehr Orte der Zusammenkunft für Pausen gäbe ?

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