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Das Erfolgsgeheimnis des Markus Lanz

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARKUS LANZ
Ralph Orlowski / Reuters
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Vor zwei Jahren stand der TV-Moderator wegen seiner „Wetten dass"-Sendungen unter Kritik. Nun zeigt er mit seiner eigenen Talkshow große StĂ€rke und immer höhere Quoten. Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Fernsehprofis sagen gerne, die Zeit des „Lagerfeuerfernsehens" sei vorbei. Dass es keine TV-Formate mehr gebe, die Millionen Zuschauer ĂŒber Altersgrenzen und Schichten hinweg lĂ€ngere Zeit binden könnten wie eine treue Familie am Kaminfeuer.

„Wetten Dass" soll das letzte Fernsehlagerfeuer gewesen sein, und der Mann, der es endgĂŒtig ausgetreten habe, heiße Markus Lanz. Das war vor zwei Jahren, als die Feuilletons der Republik sich heftig hermachten ĂŒber einen Moderator, der ein sterbendes Feuer nicht mehr entfachen konnte, weil es lĂ€ngst erloschen war.

Quoten steigen stetig

Doch Lanz gelingt seither ein bemerkenswertes Comeback. Mit seiner eigenen Talkshow schĂŒrt er Abend fĂŒr Abend ein eigenes Feuer, das immer heller lodert. Das Publikum wĂ€chst und wĂ€chst und mittlerweile lockt er Millionen zu einem Format rund um Mitternacht - und das auch noch Dienstag bis Donnerstag, gerade so als hĂ€tte ihm jemand die Besenkammer des ZDF als Sprechzimmer zugewiesen.

Zur schwierigsten Zeit also, wenn Deutschland eigentlich schon schlÀft, versammelt er Scharen von Zuschauern, die das ZDF sonst eigentlich nur zur Prime-Time hat: Mit einer Steigerung von 1,4 auf 1,6 Millionen Zuschauer durchschnittlich und einem Marktanteil von 13,3 Prozent erreichte die Talksendung im ersten Halbjahr 2016 tÀglich rund 200 000 Zuschauer mehr als im Jahr 2015.

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Markus Lanz ist damit so etwas wie der Boateng des ZDF, der seinem Sender die denkbar beste Innenverteidigung vor dem Einbruch der Nacht schenkt. Und das ĂŒber eine sehr lange Zeit - schließlich wird Lanz im Sommer 2017 die 1000. Sendung produzieren.

Was aber macht er anders als Kollegen, die vielfach mit QuotenschwĂ€chen zu kĂ€mpfen haben? Es gibt handwerkliche, Ă€ußere Indizien: Lanz bereitet sich akribisch vor, inhaltlich und Ă€ußerlich, er kombiniert Leichtes und Schweres als wĂ€re das selbstverstĂ€ndlich - eine italienische Erscheinung der lĂ€ssigen Eleganz, andererseits hanseatisch tritt- und sprachsicher.

Er verhaspelt sich nicht und schwebt mit der PrĂ€zision einer SĂŒdtiroler Drahtseilbahn immer geschmeidig hinauf in die SphĂ€ren der Metaphern, Pointen und Zitate. Er fĂŒhrt seine Talkrunden freundlich und gefĂŒhlig wie ein SĂŒddeutscher und doch konzentriert und stringent wie ein Norddeutscher. Er ist souverĂ€n ohne bevormundend zu sein, neugierig ohne Voyeur zu sein, erfolgreich ohne arrogant zu sein.

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Ein zweiter Grund fĂŒr den Erfolg liegt in der ungewöhnlichen Mischung, der Vielfalt und Varianz von GĂ€sten, Themen und Konstellationen. WĂ€hrend andere Talkshows zusehends erwartbarer nach altem Links-Rechts-Schema Berechenbarkeiten und politische Korrektheiten orchestrieren, sucht Lanz den permanenten Perspektiv- und TonalitĂ€tswechsel.

Er empfĂ€ngt Persönlichkeiten von Bill Gates bis Tony Blair, von Wolfgang Joop bis Karl Lagerfeld, von Larry Hagman bis David Hasselhoff, Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling oder Reinhold Messner und jede Menge Politiker - aber eben auch die klagende Putzfrau aus dem Ruhrgebiet, den abgebrĂŒhten Börsenzocker oder leidenden Sterbehelfer.

Die bunten Runden zeigen eine Ligatur - es geht nicht um gestanzte Meinungen, es geht vielmehr um die Menschen selbst: um das Komische und Tragische, das Entsetzliche und VerblĂŒffende, das SehnsĂŒchtige und ErfĂŒllende. Aus dieser Mischung entsteht das knistrig-lanzsche LagerfeuergefĂŒhl, das auf dem heimischen Sofa eine Stimmung entstehen lĂ€sst, als sei ein uralter Freund kurz vor Mitternacht mal eben zur ganz persönlichen Beichte vorbei gekommen.

Erfolg durch Freundlichkeit

Doch der eigentliche Grund fĂŒr den Erfolg ist habitueller Natur: Lanz gelingt sein Comeback mit einer bemerkenswerten und leider seltenen Tugend im deutschen Medienbetrieb. Er ist höflich, freundlich und respektvoll zu seinen GĂ€sten, seinen Kollegen, seinen Themen und seinem Publikum.

Anders als manchem in unserer Branche verfĂ€llt er nicht den Versuchungen von Zynismus, HĂ€me, Herablassung, Besserwisserei oder Bevormundung. Er spricht mit jedem seiner GĂ€ste wie mit einem Familienmitglied, dem man grundsĂ€tzlich erst einmal vertraut. Das ist selten und bemerkenswert in einer zersetzenden MediensphĂ€re des Misstrauens. Sein Erfolg beim Publikum dĂŒrfte genau darauf beruhen, dass Markus Lanz beinahe altmodisch anstĂ€ndig bleibt.

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Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung gelingt es ihm damit ein gewaltiges Publikum zu bannen, nicht obwohl, sondern weil er in seiner Sendung eine Kultur der Neugier, der Offenheit und Toleranz pflegt. Er spricht viele heikle Dinge offen an und hinterfragt kritisch.

Doch er achtet jeden, auch wenn er dessen Meinung nun gar nicht teilen sollte. Er leistet damit gerade in aufgeheizten Zeiten einen besonderen Beitrag fĂŒr die politische Kultur und gegen Sprachlosigkeit, Verrohung und Vergiftung von öffentlichen Diskursen. Er lebt eine Tugend - den Respekt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Debattenplattform "The European".

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