BLOG

Klimawandel: Wir sehen uns mit einer neuen Realität konfrontiert

26/01/2016 14:52 CET | Aktualisiert 26/01/2017 11:12 CET
Kevin Frayer via Getty Images

Wer diesen Monat zu den Vereinten Nationen nach New York reist, zum zweimal jährlich stattfindenden Investor Summit on Climate Risk (27. Januar), sieht sich mit einer neuen Realität, mit einer neuen Welt konfrontiert.

Das globale Klima-Abkommen, das im Dezember in Paris unterzeichnet wurde, hat festgeschrieben, dass nun jede Nation auf dem unumkehrbaren Weg zu einem emissionsarmen - vielleicht sogar emissionsfreien - Wirtschaftswachstum ist.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Die Herausforderung ist heute nicht mehr die Gewissheit, die Richtung oder das endgültige Ziel dieser Veränderung - sondern die Schnelligkeit und die Frage, wie Chancen am besten noch vergrößert werden können.

Für manche Staaten - besonders für jene, die stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind, bedeutet es das Risiko, bereits getätigte Investitionen zu verlieren, und die Suche nach einem Weg, wie die noch unbekannten Gewässer einer Diversifizierung der Energieversorgung am besten durchschifft, wie die unternehmerische Landschaft umgestaltet und wie die Volkswirtschaft restrukturiert werden kann.

Der frische Wind aus Paris verlagert das Interesse der Politik und der Finanzierungsströme hin zu sauberen und erneuerbaren Energien und zu einer nachhaltigen Infrastruktur.

Das World Resources Institute zieht den Schluß, dass die acht größten Emittenten - Brasilien, China, die Europäische Union, Indien, Indonesien, Japan, Mexiko und die USA - ihre erneuerbare Energieversorgung als Folge der nationalen Klima-Aktionspläne (INDCs) verdoppeln werden.

Und das könnte noch tief geschätzt sein: China beispielsweise hat erklärt, den Emissionshöhepunkt um das Jahr 2030 herum zu erreichen und bis 2030 ein Fünftel der Energieversorgung aus kohlenstoffarmen Energiequellen zu beziehen.

Ermutigende Signale kommen aus allen Ecken der Erde.

Viele Experten erwarten, dass all dies als Reaktion auf das starke Signal aus Paris viel früher vollzogen sein wird, nicht nur in China, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Ermutigende Signale kommen aus allen Ecken der Erde:

• Brasilien arbeitet an der Konstruktion einer 254-Megawatt-Solarfarm, Foxconn und andere Unternehmen haben Milliarden Dollar für Solarenergie in Indien zugesagt, und Afrikas größte Sonnenfarm in Marokko wird bald einsatzfähig sein

• Die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Wohlstand einst auf fossilen Brennstoffen basierte, haben gerade erst die Diversifizierung der Energieversorgung beschleunigt und einen Plan für eine Wirtschaftsentwicklung „jenseits von Erdöl" erstellt

• Das Vereinigte Königreich, die erste Industrienation, hat angekündigt, dass bis 2025 alle Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen. Derzeit gewinnt das Land noch ein Viertel seiner Energie aus Kohle

• Die langfristige Verlängerung von Steuervergünstigungen für Wind- und Solarenergie in den USA wird ein Ansporn für die zusätzliche Investition von 73 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung sauberer Energie bis 2020 sein - und erst diesen Monat hat American Electric Power zugestimmt, Wind- und Solaranlagen für 900 Megawatt in Ohio zu bauen

• Goldman Sachs und der Oberste Rechnungshof des US-Bundesstaates New York haben einen neuen, mit zwei Milliarden US-Dollar taxierten Indexfond für kohlenstoffarme Energie aufgelegt

• Nach neuen Zahlen von Bloomberg New Energy Finance wurden 2015 weltweit fast 330 Milliarden US-Dollar in neue Investitionen in saubere Energie gesteckt, mehr als je zuvor - und sechsmal so viel wie noch vor einem Jahrzehnt

• Im letzten Jahr wurden grüne Anleihen für die Rekordsumme von 42 Milliarden US-Dollar ausgegeben - während es 2007 noch fast keine gab

• 2015 lagen die Investitionen in saubere Energien von Ländern mit geringerem Einkommen gleichauf mit jenen aus OECD-Staaten

Dies unterstreicht nur einige der vielen positiven Veränderungen, die derzeit vollzogen werden.

Nichtsdestotrotz: Um den globalen Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts unter zwei, besser noch unter 1,5 ° C zu halten, werden Billionen US-Dollar gebraucht.

Nach Schätzungen der Internationalen Energie Agentur wurden bis 2014 rund 68 Billionen US-Dollar in Energie investiert. Saubere Energie, Energieeffizienz und emissionsarme oder -neutrale Fahrzeuge müssen ein großes Marktsegment einnehmen, wenn die Versprechen von Paris eingelöst werden sollen.

Jede Sphäre der Investorengemeinschaft muss an Bord geholt werden

Jede Sphäre der Investorengemeinschaft muss an Bord geholt werden. Von den beinahe 330 Milliarden US-Dollar, die 2015 in saubere Energien investiert wurden, stammt der Löwenanteil aus der Asset-Finanzierung, neben Fusionen, Akquisitionen und der Refinanzierung von Projekten.

Neues Kapital, das beispielsweise durch eine Erhöhung von Grundkapital aufgenommen wurde, lag im Jahr 2015 etwas unter 15 Milliarden US-Dollar, und Risikokapital für saubere Energie knapp unter sechs Milliarden Euro.

Diese Zahlen mögen eindrucksvoll klingen, sind aber immernoch gering im Vergleich zu den Billionen US-Dollar, die institutionelle Investoren jedes Jahr benötigen, um den Anteil von sauberer Energie auf jenes Niveau zu heben, das benötigt wird, um gefährliche Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden.

Aber genauso wichtig ist es, dass die Investoren ihren Fokus - im Zuge des Erwachens nach der Vereinbarung von Paris - auf ein besseres Management von Klimarisiken richten.

Die Art von Kohlenstoffbilanz-Analyse, die vom California Public Employees Retirement System (CalPERS, dem größten öffentlichen Rentenfonds der USA) durchgeführt wird, ist ein Einzelfall.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Hälfte der gesamten Kohlenstoffbilanz des 300 Milliarden US-Dollar schweren Fonds auf 80 Unternehmen in dem insgesamt 10.000 Unternehmen umfassenden Portfolio entfielen.

Wir wollen, dass sich die Unternehmen an den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft anpassen.

Anne Simpson, Direktorin für Investitionen in Global Governance bei CalPERS, merkte in Paris an: "Die Studie zeigt, dass wir den Punkt, auf den wir unser Engagement richten sollten, laser-scharf fokussieren können. Wir wollen, dass sich die Unternehmen in unserem Portfolio an den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft anpassen."

Nationale und globale Investoren sollten auf eine stärkere Unternehmensberichterstattung über die Klimarisiken, denen sie sich ausgesetzt sehen, drängen. So könnten sie besser evaluieren, welche Firmen gut oder schlecht aufgestellt sind, um in der wachsenden kohlenstoffarmen Weltwirtschaft zu bestehen.

In der Arbeit mit Ceres haben Investoren die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) erfolgreich um eine solche Offenlegung gebeten - aber bis heute ist die Qualität der Offenlegungen weit davon entfernt, den SEC-Richtlinien zu entsprechen.

Investoren müssen auch neue Verbindungen mit fortschrittlichen Risikokapitalgebern, Ländern, Gesellschaften und Banken schaffen.

Investoren müssen auch neue Verbindungen mit fortschrittlichen Risikokapitalgebern, Ländern, Gesellschaften und Banken schaffen, privatwirtschaftlich wie multilateral, um die Risiken von Investitionen in saubere Energie und in nachhaltige, kohlenstoffarme Infrastruktur zu senken.

Der Handlungsbedarf ist groß, aber der Gewinn für Investoren und Unternehmen, die die Umstellung früh und den Übergang schnell vollziehen, sind es ebenso.

Paris hat einen Paradigmenwechsel hin zu einem saubereren, grüneren und um Vieles klügeren Entwicklungsweg für das 21. Jahrhundert angestoßen. Das Abkommen hat ein klares, eindeutiges, entschiedenes kohlenstoffarmes Signal an alle Märkte und Wirtschaftssektoren gesendet: Der weitere Verlauf ist unumkehrbar - aber Geschwindigkeit und Umfang müssen nun im Fokus stehen.

Es ist Zeit, dass sich die Investoren mit dem ernsten Geschäft befassen, den großen Ehrgeiz des neuen globalen Abkommens in eine kohlenstoffarme wirtschaftliche Realität umzuwandeln, die allen Staaten und Völkern zugute kommt.

Auch auf HuffPost:

Smog in China: Jetzt boomt das Geschäft mit "Qualitäts-Luft" aus Kanada

Diese zwei Zahlen sollte jeder 30-Jährige kennen, damit er nicht die Katastrophe schlittert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Lesenswert: