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Kunstgenuss über Menschenrechte

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Irans versteckte Kunstsammlung der europäischen und amerikanischen Moderne kommt nach Berlin.
Bitte nicht !

"Claude Monet, Max Ernst, Mark Rothko, Pablo Picasso, Francis Bacon, Victor Vasarely, Roy Lichtenstein und Andy Warhol. 30 dieser Meisterstücke mit einem Marktwert von 1,5 Milliarden Euro und zusätzliche 30 Arbeiten iranischer Künstler werden in der Gemäldegalerie im Berliner Kulturforum an der Spree zu sehen sein, darunter Jackson Pollocks Mural on Indian Red Ground von 1950. Es gilt als das Hauptwerk des amerikanischen Aktionskünstlers und als ein Schlüsselbild des abstrakten Expressionismus", so berichtet die Zeit in höchster Erwartung.

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Zwei Männer der Kunst haben diesen neuen und nicht ganz überraschenden Deal eingefädelt. Majid Mollanoroozi und sein Kollege Max Hollein aus Frankfurt. Unter der Hand erfuhr ich schon letztes Jahr von einem iranstämmigen Künstler und seinem Freund, einem renommierten Kurator von dem bevorstehendem Deal, der sofort die Zustimmung und Unterstützung des Außenministers Steinmeier fand. Dies geschah in der Euphorie die "erfolgreichen" Atomverhandlungen von Wien und gebar noch weitere krudere
Ideen, wie den geplanten Auftritt Barenboims in Teheran. Der Clou mit dem Staatsorchester unter dem jüdischen Chef scheiterte sehr schnell am Regime, dem wohl schnell aufgefallen war, das ein Jude am Spiele war.

Doch die Sozialdemokraten und Grünen im Aussenamt sind auf Dialogdoktrin festgefahren und ignorieren die Realität eines islamisch fundamentalistischen Gottesstaates, der sich als einzige wahre Bewegung der Befreiung der Menschheit unter Gottes Willen versteht. Weswegen er ja auch die Menschenrechte islamisch interpretiert und ziemlich menschenverachtend auslegt. Aber auch in Kultur , also auch der Kunst hat das iranische Regime seine eigene Sichtweise, weshalb die Sammlung des Schah, immerhin mit ca. 1500 Werken der Moderne die bedeutendste Sammlung außerhalb der USA und Europas, wie der Zeitautor Gehlen, nicht gerade ein renommierter Kunst- sondern Politikjournalist, konstatiert, im Iran niemals gezeigt werden wird.

Sicher werden die 30 Werke zum "Marktwert" von 1,5 Milliarden in Berlin Furore machen und Zehntausende Besucher anlocken. Dabei wird die Gegenüberstellung mit bedeutenden Werken der islamischen Kunst des aktuellen Iran erträglich sein, konnte man sie doch schon bei den letzten beiden Biennalen in Venedig im iranischen Pavillon zur Kenntnis nehmen, nämlich tausende schwarz/weiß Bilder von Märtyrern, die der Existenz der islamischen Republik ihr Leben geschenkt haben. Tatsächlich liegen die Zahlen der Opfer der islamischen Republik in den Hunderttausenden, aber mehr Bilder gingen nun mal nicht in den kleinen Standort. Die Ästhetisierung des Märtyrertum ist schon ziemlich fremd für unsere westliche Wahrnehmung. http://youtu.be/Xof5l3iuykI
Auf der Biennale in 2015 trat der Iran dann noch offensiver auf, in dem er nicht nur bisherige iranische documenta -Teilnehmer präsentierte sondern auch Künstlern aus den Nachbarländern die Teilnahme in Venedig ermöglichte. Damit zeigte sich der Iran als die neue kulturelle Mittelmacht des Mittleren Ostens, die es gerne seien möchte. Doch gerade mit der Ausstellung in Venedig "Great Game" zeigt das Regime auch seine Angst, die aus dem Überfremdungsthrauma der islamischen Republik resultiert. Nichts bestimmt die Politik der iranischen Elite mehr, als die Mission der weltweiten Verbreitung der eigenen islamischen Fundamentalismus ( Mahadismus) und die Verhinderung jeglichen Einflusses westlicher Kultur.

So schreibt die NZZ sehr richtig : "Minister Ali Jannati zeigt sich 2015 in Venedig überzeugt: «Kulturdiplomatie ist heute das Herzstück internationaler Beziehungen.» Kultur sei als Feld des Austausches und der Diplomatie, anderseits beharrt man auf offensiver Selbstdarstellung. Denn die Passivität in künstlerischen Belangen führe dazu, dass man dem Einfluss anderer Kulturen ausgeliefert sei, mahnt die Kulturabteilung des Iran. Opfer fremder Einflüsse zu sein wie im 19. Jahrhundert während des historischen «great game» der Grossmächte in Mittelasien - das ist das grosse Trauma Persiens. Lieber präsentiert sich Iran heute als «starke Mitte», als aktiver Spieler, der die Region kulturell und politisch stabilisiert und entwickelt. So sucht der Ausstellungstitel dazu beizutragen, den Begriff des «great game» aus iranischer Sicht neu und positiv zu definieren. Der selbstbewusste kulturelle Führungsanspruch der Iraner kommt in der Einbeziehung von Künstlern aus Indien, Pakistan, Afghanistan, dem Irak oder auch der kurdischen Region in die Schau des iranischen Pavillons zum Ausdruck." http://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/das-grosse-spiel-um-kunst-und-macht-1.18561144

Aber gerade dieser Anspruch auf dem historischen und aktuellen Background zeigt die Intention der iranischen Kulturpolitik gegenüber Europa, die jetzt in der avisierten Ausstellung in Berlin gipfelt. Der Iran will den Wettbewerb der Kulturen und sieht sich da in der moralisch vorherrschenden Position. Der in jeder Hinsicht zerfallende, unmoralische Westen, voller in Sexsucht, Perversion und im Drogenkonsum und Alkohol verlorener Menschen braucht die Gegenüberstellung der freien und glücklichen Menschen im Iran, die unter dem Gottesstaat zum wahren erfüllten Leben gefunden haben, was sich auch noch genau so in der Kunst widerspiegele, wie die westliche Kunst der Moderne den Zerfall der westlichen Gesellschaften abbilde. Deshalb zeigte der Iran anlässlich der Biennale in Venedig 2013 als wichtigste Installation Leuchtwände mit Bildern der Märtyrer.

Doch was soll das alles in Berlin und anderswo?

Die Bilder der Moderne aus der Schahsammlung sind nicht neu. Auch in anderen Sammlungen gibt es solche Exponate. Natürlich hat die Schahsammlung etwas exotisches. Die Umstände sprechen also für eine Ausstellung. Doch will man Kunst genießen, deren Besitzer im Blut des eigenen Volkes Baden.

Wem nützt eine solche Präsentation? Das Regime in Teheran braucht wieder einmal eine internationale Reputation. Der Flair der Wiener Verhandlungen ist verflogen, die Ergebnisse sind super mager. Der versprochene Aufschwung kommt nicht. Warum? Weil das System des Gottesstaates , der islamischen Wirtschaft kein alternatives Modell ist, wie seine Erfinder immer wieder beteuern, sondern nur dem Machterhalt dient. Der Iran ist ein nach 37 Jahren realen islamischen Fundamentalismus, Entwicklungsland geworden. Der Öl-und Gasreichtum nützt nichts, wenn er nicht den Weltmarktregeln entsprechend erschlossen und vermarktet wird. Das Land ist stehen geblieben und stagniert in seiner Veralterung. Die herrschende Klasse ist ideologisch verblendet und jeder Modernität gegenüber verschlossen. Die Jugend des Landes ( 70% sind unter 30 Jahre alt ) wartet sehnsüchtig auf eine Chance der persönlichen wie gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeit. Doch das Regime macht weiter, stilisiert sich zur Weltmacht und negiert die Realität.

Der Iran will um jeden Preis auf die Bühne

Nun ist es die Kunst des Schah. Wie soll das gehen, wenn nicht verblendete Kunst und Politikfreaks aus dem Westen mitmachen. Das Aussenamt schwärmt vom kulturellen Dialog und will die Ausstellung. Doch was soll das bewirken?
Die Bilder der Moderne kann man auch woanders finden und zusammenstellen. Wir kennen Pollock. Der Iran will eine Bühne und bekommt sie durch willfährige Kunstfreunde. Das Regime, das sich nur mit einer gigantischen Hinrichtungswelle über Wasser hält , das Frauen und Menschenrechte mit Füssen tritt, dass aus eigener Unwilligkeit nicht mehr in die Völkergemeinschaft zurückkehren will, sucht nach Anerkennung. 30 Bilder aus der Schahsammlung sollen es ermöglichen und die Kunstwelt des Westens spielt mit?

Wollen wir einem Regime die Bühne bieten, das 100 Menschen pro Tag hinrichtet, das Folter staatlich gutheißt und Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt, dass die Heirat mit 9 jährigen erlaubt, Zeitehen von wenige Tagen erlaubt, um Prostitution zu legalisieren, Homosexuelle hinrichtet, und, und ...

Wer auch immer diesem Regime die Tür öffnet, sich im freien Westen zu präsentieren, macht sich schuldig an den Opfern des Regimes. Millionen von Iranern leben im Ausland, weil der religiöse Fundamentalismus, der staatlich Terrorismus nicht zu ertragen ist. 30.000 inhaftierte Demokraten wurden in 1988 aufgrund einer Fatwa von Ajatollah Chomenii in den Gefängnissen in wenigen Wochen stranguliert. Darunter schwangere Frauen und junge Mütter. Kinder konnten nur noch die Leichen ihrer Mutter abholen. Wollen wir das unterstützen und dem Regime eine Bühne bauen. NEIN.
So wichtig sind die 30 Bilder der Moderne nicht. Wenn der Iran befreit ist von der brutalen und menschenverachtenden Herrschaft, ist noch genug Zeit, die Kunstsammlung des Schah zu besichtigen.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Majid Mollanoroozi, der iranische Mitgestalter der Berliner Ausstellung, ist der selbe Mensch, der die Preise für den unsäglich iranischen Hollocaustsatirewettbewerb ausgelobt und überreicht hat. Wer will eigentlich so einen Menschen in Berlin eine Ausstellung der Moderne eröffnen lassen? Ich erwarte, NIEMAND