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Doch kein Pollock, Monet, Ernst, Picasso, ... aus der Schahsammlung in Berlin.

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Absage wegen der islamisch-fundamentalistischen Kulturpolitik ist nicht neu. Schon befinden sich 18 Werke ( Wert ca. 1,4 Milliarden $) der 1500 Exponate umfassenden Sammlung des Schah auf dem Weg nach Berlin in Italien, scheitert der Plan einer Ausstellung in Berlin am Regime des Iran selbst.

Das iranische Volk darf die Sammlung sowieso nicht sehen. Für öffentliche Rappermusik gab es aktuell 5 Jahre Gefängnis und 74 Peitschenhiebe. Der Dirigent des Teheraner Orchesters gab schon vor einiger Zeit auf. Nun hat Rohani auf seinen Kulturminister verzichtet. Dschannati ist der Sohn des Ajatollahs und Vorsitzenden des Wächterrats Ahmad Dschannati und studierte an der Haghani-Schule, einer Kaderschmiede des Regimes. Nach Eintritt in die Revolutionsgarden wurde er Oberkommandierender in der Provinz Chorasan, dann Gouverneur der Provinz Chuzestan.
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Tagesspiegel zur Ausstellungsabsage:

"Eröffnung der Schau "Die Teheran Sammlung" verschiebt sich, wie die verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz bestätigte. Die jüngsten Veränderung im iranischen Kulturministerium hätten zu Verzögerungen geführt. Vor drei Wochen war der als liberal geltende iranische Kulturminister Ali Dschannti zurückgetreten, der die Bereitstellung der Exponate aus Teheran bewilligen musste. Ein neuer Eröffnungstermin ist bisher nicht bekannt."

Kein Pollok aus der Schahsammlung nach Berlin. Nun bedauert der Autor des tagespiegel die Absage als Resultat der Inneren Machtverhältnisse und macht den scheidenden Kulturminister zum moderaten Kulturvertreter.
Das Gegenteil ist der Fall. Dschannt(Jannti) war als sogenannter Konservativer im Kabinett Rohanis und hat schon auf den Biennalen in Venedig seinem Kunstverständnis Ausdruck verliehen. https://www.youtube.com/watch?v=Xof5l3iuykI&feature=youtu.be Kulturdiplomatie sei zwar ein Herzstück der internationalen Beziehungen aber bedeute in jedem Fall die Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur, von der man ansonsten überfremdet würde. Das Regime zeigt also die Exponate der Schahsammlung nur, wenn es diese mit eigenen iranischen systemimmanenten Werken von dem Gottesstaat ergebenen Künstlern garnieren kann. Daneben ist die Präsentation im Ausland aber auch ein Deal, nämlich die Anerkennung des Gottesstaates als internationaler Partner, der er gar nicht seien kann. Wer die Klassik der Moderne aus der Schahsammlung in Berlin zeigt, aber es seiner eigenen Bevölkerung verbietet, kann als normaler Kulturträger nicht ernst genommen werden. Neben der Anerkennung geht es dem Regime auch nicht um Kunst, sondern um internationale Anerkennung, trotz andauernder Massenhinrichtungen, Folter und Interventionskriegen in Syrien, Irak und Jemen. Dieses Regime befindet sich in der selbst auferlegten Isolation aufgrund islamisch-fundamentalistischer Expansionsideologie. Wer auch immer in Berlin als Außenminister, Kulturstaatsministerin oder Präsident des Preußischen Kulturbesitzes oder Kulturmanager dieses verlogenes Spiel mitträgt, schüttelt blutige Hände und verachtet die hunderttausende Opfer mit Zynismus. Der Abgang des Kulturministers Jannti zeigt nicht nur die innere Zerrissenheit des Regimes. Nun will Rohani einen eigenen Vertrauten einsetzen, der die Auslandsbeziehungen noch geschmeidiger verkauft, aber erst noch vom sogenannten Scheinparlament bestätigt werden muss. An der Verlogenheit und dem menschenverachtendem Charakter des Regimes ändert das alles nichts. Hoffentlich bleibt es bei einer völligen Absage, das Kulturpublikum wird es verkraften.
mehr dazu: http://www.huffingtonpost.de/christian-zimmermann/kunstgenuss-uber-menschen_b_12006464.html