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Die AfD will völkisch sein.

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Dank an Frau Petry für die Aufklärung. Die AfD ist "völkisch", also rassistisch und antisemitisch!

Aus welchen Gründen auch immer jemand die AfD wählt, in der Regel wohl aus blankem Protest und "Unwohlsein", egal. Nun wissen wir endlich was er dann wählt. Die Absicht der Frau Pertry war wohl nicht ganz klar durchdacht oder der historischen Unkenntnis geschuldet, aber im Rückblick doch erhellend. Das Bedenken und verharmlosen der Frau Vorsitzenden der AfD mit dem Begriff "völkisch" offenbart doch eine klare Geisteshaltung. Dankenswerter Weise ist es mehreren Journalisten aufgefallen und wird nun auch angemessen dargestellt. Der Begriff " völkisch" ist eine Wortschöpfung der Kaiserzeit und wurde erst später von den Nazis weiterverarbeitet und mit nationalsozialistisch gleichgesetzt. Der völkische Staat war bei den Nazis der nationalsozialistische Staat.
Doch die Herkunft des Wortes ist nich Hitler entsprungen , sondern Deutschen, die mit dem Begriff eine neue Bewegung des Deutschseins begründen und definieren wollten. Sie suchten nach einem Ersatz für das un-deutsche Wort "national"und kamen auf "völkisch". Was verbanden sie damit. Deutschtum als Religionsersatz , Rassismus und Antisemitismus. Einer der Vordenker dieser Bewegung war der in Berlin geborene und in Göttingen verstorben Paul de Lagade ( 1827-1891) Kulturphiliosph und Orientalist. Seine Politische Interessen: Nationales Christentum, Imperialismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit. Der Göttinger Professor starb an einem Krebsleiden, aber hinterließ ein ausgeprägtes Denkmuster: „Deutschland ist die Gesamtheit aller deutsch empfindenden, deutsch denkenden, deutsch wollenden Deutschen: jeder Einzelne von uns ein Landesverräther, wenn er nicht in dieser Einsicht sich für die Existenz, das Glück, die Zukunft des Vaterlandes in jedem Augenblicke seines Lebens persönlich verantwortlich erachtet, jeder Einzelne ein Held und Befreier, wenn er es tut." Lagade ist heute nicht mehr bekannt, erhielt aber den Nachruhm der Nazis und zeigte eine erheblich Breitenwirkung in Deutschen Bürgertum.
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Das sich Petry diesem Thema widmet ist nicht ganz neu für die AfD. Auch der thüringer Oberstudienrat und Historiker Höcke beruft sich in seiner Gedankenbasis nicht auf den Führerstaat , sondern auf die völkischen kaiserlichen Antisemiten. Das Lagads Ideen so gruselig und unmenschlich im Holocaust endeten, ist bekannt. Das die AfD nicht nur Protestpartei ist, sondern eine das "völkische" Gedankengut bevorzugende Partei ist, sollte sehr bekannt gemacht werden. Denn diese Parteivorsitzende ist mit ihrem Mitvorsitzendem Meuthen ja der Meinung, das die Mehrheitspartei AfD regieren wird. Aber wer das mitmacht, braucht sich nicht wundern, dass er Rassismus und Antisemitismus wählt. Die Reinigung des Deutschen Volkskörpers von den Parteien der Untergangs und den Menschen, die Deutschland überfremden , wird dann wohl Regierungsprogramm. Hier und jetzt wird klar, wohin die AfD steuert. Wer jetzt noch mitmacht, stellt sich außerhalb jeder demokratischen Ordnung und des Grundgesetzes. Wann denken wir endlich über Verbote nach.

Ich bin Menschenrechtler und arbeite und denke auf der Basis der Charta der Menschenrechte , beschlossen am 10.12. 1948. Rassismus und Antisemitismus sind no-go. Nun äußerte sich auch der UN Hohe Kommissar für Menschenrechte zum Rassismus und Nationalismus in Europa.

"UN-Menschenrechtskommissar gegen Rechtsradikalismus: Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Zaid Raad al-Hussein hat zum weltweiten Auftreten gegen rechtspopulistische Politiker aufgefordert. Lügen, Halbwahrheiten, Manipulationen und Angstmacherei machen ihn wütend, sagte der UNO-Kommissar am Montag Abend in Den Haag. Der Niederländer Geert Wilders etwa kämpfe mit Vereinfachungen um die Stimmen verunsicherter Wähler - das habe er mit Donald Trump, dem ungarischen Premier Viktor Orban, Tschechiens Präsidenten Milos Zeman und dem Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer gemeinsam - und auch mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Rechtspopulisten seien „Demagogen und politische Fantasten", die ihrem Zielpublikum eine Schreckensvision verkaufen, warnte der UNO-Hochkommissar. Er befürchtet, dass sich „die Atmosphäre mit Gewalt auflädt"."
heute.at

Auch die AfD bewegt sich in diesem Spektrum und wirft immer wieder Themen in die Runde, auf deren Wellen sie reiten will. Populismus ist keine Politik, auch wenn man jetzt Volksabstimmungen zum Ziel erklärt. Politik muss machbar sein und auf dem Boden der Verfassung geschehen. Deutschland ist ein wohlhabendes und friedliches Land , dank mehrerer Generationen, die in der Parlamentarischen Demokratie aufgewachsen sind. Der Deutsche ist nicht mehr ein reinrassiges Unikat arischer und völkischer Geschichtsfälschung und war es übrigens auch nie und wird es sicher auch nie werden. Deshalb muss dem unsäglichen Blödsinn der AfD entgegengetreten werden und Demokrat bleiben.