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Deutschland und Albanien sind durch freundschaftliche und enge Beziehungen miteinander verbunden.

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Zum Besuch des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama bei Kanzlerin Angela Merkel.

Bundeskanzlerin Merkel empfing am 28.11. den Ministerpräsidenten der Republik Albanien, Edi Rama im Kanzleramt. Anschließend traf er den Bundestagspräsidenten Lammert, der erst selbst Albanien besucht hatte. In einer gemeinsamen Unterredung standen die bilateralen Beziehungen, regionale Fragen sowie der Stand der EU-Annäherung Albaniens. Nach der inzwischen erfolgreich beschlossenen Justizreform in Albanien, einem Schlüssel zur Eröffnung der Beitrittsverhandlungen, hofft das Mitglied der Nato und offizieller Beitrittskandidaten der EU auf eine Beschleunigung der Aufnahme in die Europäische Union. Die Stimmung dafür ist gut und dazu hat der Ministerpräsident Edi Rama bedeutend beigetragen. Seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten hat sich die politische Lage in dem kleinen Balkanstaat deutlich stabilisiert. Die politischen Kräfte ziehen an einem Strang und wollen den Beitritt schnellstmöglich. Das Land vermittelt dem Besucher eine Aufbruchstimmung und den Investoren ein großes Feld von Erfolg versprechenden Einsatzmöglichkeiten.

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Bundeskanzlerin Merkel würdigte deshalb ausdrücklich die Reformbemühungen und stellte mehr deutsche Hilfen und Know-how über das BMZ in Aussicht. Schon jetzt werden z.B. nachhaltige regionale Kläranlagen oder Kleinanlagen der Abwasserentsorgung und Aufbereitung mit ca 10-15 Millionen jährlich unterstützt. Hier wäre eine deutliche Aufstockung sehr hilfreich. Merkel will mit Rama ausloten, was sich bilateral verbessern lassen könnte.

Das Land braucht eine gut funktionierende und nachhaltige Wasserwirtschaft, Verkehrsnetze, nachhaltige Landwirtschaft, z.B. professioneller Weinanbau, umweltfreundlicher Tourismus und ein umfassendes Gesundheitswesen. Die dafür notwendige Ausbildung von jungen Albanern erfolgt in einer Reihe öffentlicher und privater Universitäten. Auch hier könnten die Deutschen sehr hilfreich sein, besonders im Bereich der dualen Ausbildung. Auch hier kann investiert werden und deutsches Wissen transformiert werden. Wichtig ist jedoch, die Abwanderung zu stoppen und der nächsten Generation Hoffnung zu vermitteln, das eigene Land zu entwickeln. Dem steht bisher ein niedriges Bruttosozialprodukt und niedrige Einkommen im Weg. Sicher wären hier europäische Partnerschaftsprogramme notwendig und könnten sehr helfen Ausgleich zu schaffen.

Dafür ist sicher die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein entscheidender Schritt. Dazu sagte die Kanzlerin: "Wir dürfen feststellen, dass sich Albanien grundlegend gewandelt hat in den vergangenen Jahren und dass weitere Reformschritte unternommen wurden und auch unternommen werden".Der albanische Regierungschef Rama bedankte sich für den deutschen Beitrag zur Unterstützung seines Landes und sagte zu, dass sich Albanien nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen werde. Vielmehr seien alle Türen offen für Investoren aller Art. Das Land stehe klar zu westlichen Werten und rechtlicher Stabilität.

Bei dem Besuch Albaniens als Mitglied einer Delegation unter der Leitung der Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Rita Süssmuth und Otto Bernhardt sowie der Bundestagsabgeordneten Kordula Kovac im September erlebte ich selbst die Offenheit und den Modernisierungswillen aller wichtigen Staatsvertreter. Der Präsident des Parlamentes, Ilir Rexhep Meta hat Klartext gesprochen und in Aussicht gestellt, dass man sehr ernst bestrebt sei die gerade vollzogene Justizreform auch praktisch und überprüfbar umzusetzen. Natürlich sei der Transformationsprozess nach Jahrzehnten der politischen Isolation und dem Neuaufbau nach der Wende in Albanien schwierig und müsse mit etwas Geduld und Vertrauen begleitet werden.
Auch Staatspräsident Bujar Nishani appellierte an die Regierung in Deutschland und bat um Verständnis für die Probleme, aber auch für Einsicht in die großen Chancen der Modernisierung eines kleinen Staates, der sich als Teil Europas sähe.

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Das Land mit gut 60 % Muslimen , Christen und Atheisten beweist , dass die Religionen friedlich miteinander auskommen und geben damit ein hervorragendes Beispiel für Europa und den Balkan selbst. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft des Landes für Gäste, Investoren, aber auch Hilfesuchende Flüchtlinge ist legendär. Viele Tausende Juden fanden in Albanien Schutz im zweiten Weltkrieg und auch nach 1945 wurden immer wieder politisch verfolgte Menschen aus Asien oder dem Mittleren Osten aufgenommen, obwohl Albanien selbst Hilfe braucht. Es ist eines der ärmsten Länder Europas und braucht Unterstützung in jeder Hinsicht. Trotzdem nimmt das Land Flüchtlinge auf, wie gerade in 2015-16 ca 3000 iranische Dissidenten , die jahrelang in Bagdad festsaßen. Diese großartige humanitäre Hilfe ist nicht selbstverständlich, sondern beweist die ausgeprägte Gastfreundschaft der Albaner. Diese Bereitschaft ist ein zivilisatorischer Wert von unschätzbarer Bedeutung in einer Zeit, in der die meisten Staaten Europas Abschottung praktizieren.

Dies ist auch das Ergebnis eines demokratischen Neuanfangs mit einem Mehrparteiensystem und funktionierenden Wahlen seit 1991. Seit dem ist Deutschland ein Unterstützer und einer der Hauptinvestoren in Albanien.

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Das Land hat nur 2,8 Millionen Einwohner und die Hauptstadt Tirana wuchs in den Jahren nach der Wende auf das Dreifache, nämlich ca. 600.000 Bürger. Die Infrastruktur hinkt hinterher und kann auch von dem kleinen Balkanstaat nicht allein bewältigt werden. Es braucht Investoren, Geduld und Vertrauen. Die junge und weltoffene Staatsführung verdient diesen Vorschuss. Als Beleg dafür dient Edi Rama selbst, der schon lange vor der Bekleidung des Staatsamtes ein viel beachteter Künstler war und auch heute noch mit seinem Galeristen Michael Schulz in Berlin Ausstellungen macht und international präsent ist.