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Der "showdown" in Aleppo.

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Über den Verlust von Anstand und Moral angesichts der Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die syrische Armee "erkämpft" sich gerade ein Sieg mit Hilfe iranischer, irakischer, afghanischer, pakistanischer Söldner, also schiitischer Milizen und den Bomben der Russen gegen geschätzte 900 "Rebellen" und 200.000 Zivilisten. Die syrische Koalition der Schuldigen an den hunderttausenden Opfern des Bürgerkrieges verhöhnen die Zivilisten, indem sie Flugblätter über Ost-Aleppo abwerfen, die der Bevölkerung die Wahl lassen , zwischen Flucht oder Tod. Hier ereignet sich wieder einmal unter den Augen der Weltöffentlichkeit mit der Beteiligung einer Weltmacht und Mitglied des "Sicherheitsrates" eine ethnische und religiöse Säuberung riesigen Ausmaßes ohne jede Menschlichkeit.

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Die Syrische Staatsführung unter dem Augenarzt Assad verjagt seine Bürger aus ihrem Lebensraum, zerbombt die Städte in Schutt und Asche, um nach der Vertreibung und dem Morden den Partnern das Feld zu überlassen. Die Siegermilizen werden plündern, morden und in Besitz nehmen, was übrig bleibt. Der iranisch-schiitische Imperialismus einer fundamentalistisch-islamischen Expansion, Befreiung genannt , reißt sich den Irak und Syrien unter den Nagel.

Russland duldet diese Machtergreifung und Assad unterwirft sich den neuen Herren als Statthalter. Die sunnitischen Zivilisten werden wieder einmal verjagt und in der Türkei , Jordanien oder Libanon aufgenommen, um sich die "guten" zu nehmen und die Übrigen letztlich Richtung Europa zu schicken. Die westliche und besonders europäische Politik und Öffentlichkeit schaut zu und wird alles hinnehmen und irgendwelche Lösungen finden. Die USA werden vielleicht den Deal mit Russland absegnen, um nicht mehr mitmachen zu müssen. Doch die USA werden auch niemanden helfen, besonders nicht dem Iran, der sich an all diesen Erfolgen verschlucken wird. Die "failed region" wird sich nicht allein wieder aufbauen können, auch wenn der Raum Millionen Menschen verloren hat. Die verlorenen Generationen werden erst ausgeglichen werden müssen und die Strukturen staatlicher Existenz sind schon längst nachhaltig zerstört. Aber vielleicht erheben sich aus der Asche der Zerstörung die letzten demokratischen Kräfte oder die verzweifelten Völker und entledigen sich der Mörderbanden.

Wer im Westen hoffte, dass Flüchtlingsdrama sei zu Ende, braucht sich über die nächste Welle der Verzweifelten nicht zu wundern, deren innenpolitischen Konsequenzen noch nicht absehbar sind. Dazu kommen die flüchtenden Kurden, denen in der Türkei und in Syrien und Irak das selbst Schicksal der ethnischen Säuberung droht. Noch sind sie stark und gerüstet, aber ohne die amerikanische Hilfe werden sie verlieren. Flucht, Tod oder Assimilierung heißt ihr Schicksal, wenn ihnen nicht endlich geholfen wird.

Doch was machen die Politiker und die Öffentlichkeit in Europa. Sie rüsten auf, schotten sich ab und wählen die STARKE HAND. Nationalismus und Autokratien werden möglicherweise an die Macht gespült , weil die derzeit Regierenden sich mit ständigem Appeasement und Dialogbereitschaft an die Wand haben drücken lassen. Liberalismus und individuelle Freiheiten werden aufs Spiel gesetzt und der Abschottung geopfert, weil man die expansive Macht des fundamentalistischen schiitischen Islam hat gewähren lassen. Dieser ist inzwischen auch in Europa angekommen. der sunnitische Teil der Muslime hat sich angesichts der 37 Jahre existierenden Staatsterrorismus im Iran selbst radikalisieren lassen. In der Aussenpolitik muss ein Umdenken stattfinden. Die zukünftige Trump-Administration steht scheinbar dafür schon bereit. Jedenfalls sammelt Trump diejenigen um sich, die sich im Bezug zum Nahen Osten schon erklärt haben. Was dabei heraus kommt, wird das nächste Jahr zeigen.

Doch abschließend möchte ich auch noch die Presse und die durch sie manipulierte öffentliche Meinung kritisieren. Gerade aktuell versucht sich die Presse und besonders , die öffentlichen Medien reinzuwachsen von jeder Mitverantwortung, dabei sind ihr Journalismus alles andere als aufklärend und auch keine Wahrheitsfindung. Entweder recherchiert man schlecht oder nur aus dritter Hand, oder man macht sich auch noch lustig über die Opfer des Geschehen. Gerade veröffentlichte der Verein der Journalisten der Bundespressekonferenz, also so etwas wie die journalistische Elite, anlässlich des Bundespresseballs eine "Satire" über die ertrunkenen Frauen und Kinder im Mittelmeer, denen man im humoristischen Überschwang einen "Bundesschwimmlehrgang" anbieten möchte. Hier greift also auch schon Menschenverachtung um sich und nennt sich auch noch Satire. Nein , angesichts der ertrunkenen Opfer scheint hierbei Anstand und Moral verloren gegangen zu sein. Zynischer Weise kann man als Fernsehzuschauer aber auch damit rechnen, dass plötzlich eine Liveschaltung zu dem "Journalisten" Todenhöfer im zerbombten Aleppo stattfindet und derselbe die Lage haarsträubend erklärt. Nein, dieser Journalismus ist unerträglich und unmoralisch.