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Anleitung für ein Dankbarkeitstagebuch

15/03/2017 12:03 CET | Aktualisiert 15/03/2017 12:04 CET
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Haben Sie Zöpfe? Sind Sie ein zwölfjähriges Mädchen, das täglich in ihr rosafarbenes Tagebüchlein schreibt und die i-Punkte mit einem Herzchen verziert? Nein?

Dann entsprechen Sie nicht dem Menschen, dem man zutraut, ein Tagebuch zu schreiben. Da Sie jedoch kein zwölfjähriges Mädchen sind, sondern ein Erwachsener sind... Nein, als Erwachsener führen Sie kein Tagebuch (mehr).

Was Sie nicht in Ihr Tagebuch schreiben

Anders als in Hollywood Filmen dargestellt, eignet sich Ihr Tagebuch nicht für negative Einträge, wie beispielsweise diese:

  • 24.04.1998 - Thomas hat mich verlassen!!!! Wie konnte er? Mich! Wenn er doch nur wüsste, wie sehr er mir mein Herz gebrochen hat...
  • 01.02.2001 - Wozu habe ich an dem Treffen mit meinen Kollegen um 21.00 Uhr teilgenommen? Gebracht hat es erneut nichts. Und zu allem Überfluss habe ich das Theaterstück meiner Tochter verpasst. Mann! Ich Esel! Werde ich es denn nie lernen?...
  • 19.06.2014 - Warum nur versteht mich meine Frau nicht? Einmal bin ich diese Woche erst zu spät gekommen! Gut... Es ist zwar erst Montag. Dennoch ist das kein Grund, furios mich durch die Bude zu jagen und mir Vorwürfe zu machen. Meine Kumpels hatten eben Redebedarf und währenddessen verging eben die Zeit...

Wie nett(!). Gott sei Dank haben Sie all diese negativen Geschehnisse aufgeschrieben. Sie wären bestimmt traurig, könnten Sie sich an all die schmerzlichen Erfahrungen nicht mehr erinnern. Da täte es gut, all diese notiert zu haben.

"Gut, das ich es aufgeschrieben habe. Ich hätte es beinahe erfolgreich vergessen.", denkt sich ja wohl niemand von uns. Oder etwa doch? Was denken Sie?

Machen Sie aus Ihrem gewöhnlichen Tagebuch ein Dankbarkeitstagebuch.

Wenn negative Einträge nicht auf den Seiten Ihres Dankbarkeitstagebuches stehen sollen. Ja, was denn dann?

Sollen etwa nur positive Einträge...

... in mein Dankbarkeitstagebuch? Wäre das nicht einseitig? Schließlich haben wir auch mal negative Momente in unserem Leben.

Wenn Sie das so betrachten, fühlt es sich wie ein sehr starker Kontrast an. "Keine negativen Erfahrungen? Nur positive Erfahrungen?", das fragen Sie sich selbst im Geiste.

Und obgleich positive Erfahrungen über die maßen wertvoll sind, so geht es bei einem Dankbarkeitstagebuch nicht darum, nur einfach die positiven Erfahrungen aufzuschreiben, sondern sein Leben bewusst wahrzunehmen.

Wir können an der Stelle ruhig ehrlich sein. Denn wir würden es weder aufschreiben wollen, noch Jahre später lesen wollen, dass wir am 28.12.2015 eine Straße entlang liefen und das ein Auto mit Tempo 50 über eine Pfüze fuhr und damit unsere Kleidung benässte.

Das wollen wir nicht lesen!

Es geht darum, sein Leben durch ein Dankbarkeitstagebuch - durch das Schreiben an sich - bewusst wahrzunehmen. Dazu gehören vor allem ein jedes Erlebnis, an das Sie sich gerne erinnern.

Das schließt doch negative Erfahrungen aus, oder?

Tut es nicht! Denn es kommt darauf an, in welchem Zusammenhang und mit welchem Blickwinkel wir ein entsprechendes Erlebnis betrachten:

Ich wurde am 28.12.2015 von einem um die Kurve biegenden Auto benässt. Doch im Nachhinein war dies gut so. Denn als ich in den Sportladen ging, um nach einem Handtuch zu fragen, erkannte ich eine Schulfreundin von mir. Lange suchte ich nach ihr, doch fand sie nie.

Nun ja, bis Heute! Auf diese Weise, haben mich das Auto und meine nassen Kleider zu meiner Freundin aus alten Tagen geführt. Natürlich bevorzuge ich trockene Kleidung, aber wie schön das mir das damals geschehen ist.

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Natürlich mag die Erfahrung "anspruchsvoll" gewesen sein. Und in dem Moment, in dem Sie nass geworden sind, haben Sie sich aufgeregt. Wir alle könnten dies verstehen. Aber... Und das 'Aber' ist hier wichtig! Aber aus dieser Situation hat sich etwas für Sie positives ereignet.

Sie sind durch diese Erfahrung zu der Erfüllung einer Ihrer Herzenswünsche gelangt. Wenn sich das mal nicht nach einem tollen Eintrag in Ihrem Dankbarkeitstagebuch anhört!

Was soll mir das bringen, bis...

... auf das ich mich toll und dankbar fühle? Dass ich weiß, was in meinem Leben schon alles Positive geschehen ist...

Vielleicht geht es Ihnen so wie mir, bevor ich im Jahre 2013 mit meinem Dankbarkeitstagebuch begonnen habe.

Sie denken sich (zurecht), "Mir passiert nichts Gutes. Mein Leben ist eine einzige Anstrengung." Hätte ich freudige Erlebnisse erlebt, hätte ich bei den beiden vorigen Sätzen nicht zustimmend genickt! "Ja, aber ich habe doch recht!. Wäre mir was Positives widerfahren, könnte ich mich daran erinnern", ja wie denn? Wenn Sie es nicht aufschreiben, vergessen Sie es bereits nach ein paar Tagen!

Natürlich wundert Sie das nicht! Wenn Sie es nicht benennen können, wenn Sie sich nicht daran erinnern können, existiert es nicht für Sie.

Ja, Sie müssen. Sie müssen die Momente in Ihr Tagebuch schreiben, die Ihnen Gänsehaut bescheren. Und bei denen sich erneut Gänsehaut einstellt, wenn Sie Ihren Eintrag Monate später erneut durchlesen.

Denn selbst der aufregendste Moment vermag im aufkommenden Alltag Ihres Lebens zu verblassen. Bis Sie in zwei Wochen erneut darüber wüten, dass nichts passiert, was Sie erfreuen könne.

Wertschätzung lässt Sie glücklich sein

Wenn Sie die Dinge aufschreiben, für die Sie dankbar sind, weil sie in Ihrem Leben einen großen Stellenwert besitzen. Dann üben Sie sich in diesem Moment in Wertschätzung. Einem Gefühl, durch das Sie all jenes erkennen, dass Ihr Leben so reich beschenkt.

Sie wissen um die Bedeutung eines Momentes, einer Erfahrung und wollen ihn festhalten. Ihn für immer bewahren, sodass Sie sich später erneut daran laben können.

Es mag wohl daran liegen, dass Sie in diesem Moment Liebe und Wertschätzung geben. Und weil Sie Wertschätzung geben, erkennen Sie umso mehr, wie wertvoll diese Dinge sind, für die Sie dankbar sind.

Wie schreibe ich denn einen Eintrag in mein Dankbarkeitstagebuch?

Mit Datum! Dies wäre schon mal sehr hilfreich. So bringen Sie nicht nur Struktur in Ihr Tagebuch, sondern können die Erlebnisse auch bestimmten Tagen zuordnen. "Ach ja, genau. Das ist damals - dann und wann - geschehen", bemerken Sie, wenn Sie sich Ihre Einträge durchlesen.

Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, jeden Eintrag mit: Ich bin so dankbar für... beginnen zu müssen. Schreiben Sie auf, was Sie wollen. Und schreiben Sie es auf eine Weise, die Ihnen gefällt. Machen Sie es nach Ihrem Stil! Denn Ihr Dankbarkeitstagebuch soll Ihnen ein gutes Gefühl geben. Es soll Ihnen Freude bereiten.

Muss ich jeden Tag etwas hineinschreiben?

Nein! Sie müssen nicht täglich etwas in Ihr Tagebuch schreiben. Ebenso wenig müssen Sie eine Mindestanzahl an Einträgen pro Tag oder pro Woche verfassen. Wie gesagt: Haben Sie Freude dabei, in Ihr Dankbarkeitstagebuch zu schreiben. Und wenn Sie etwas gefunden haben, dass Sie festhalten wollen, dann schreiben Sie es auf.

Sollte es Tage geben, an denen Ihnen nicht nach Schreiben ist, an denen nichts Besonderes geschehen ist; das ist dann eben so! Dafür gibt es wiederum Tage, an denen so viel geschieht, dass Sie drei Seiten beschreiben.

Letztlich ist und bleibt es ein Tagebuch, was Sie für sich führen. Indem Sie wertvolle Momente festhalten, für die Sie dankbar sind und die Ihnen ein gutes Gefühl geben. Dabei ist es egal, ob Sie es als Dankbarkeitstagebuch, Liebestagebuch oder Erfolgstagebuch benennen. Schreiben Sie einfach!

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