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Schlechtes Betriebsklima - woran es liegt

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Wenn es um schlechtes Betriebsklima geht, stellen Sie sich als Führungskraft Ihres Unternehmens die folgenden vier Fragen:

  1. Was bedeutet das Wort "Betriebsklima" überhaupt?
  2. Warum sollte ich ein "schlechtes Betriebsklima" erkennen?
  3. Wer sollte dies tun?
  4. Woran erkenne ich, dass unser Betriebsklima schlecht ist?

Was bedeutet Betriebsklima?

Menschen beeinflussen das Betriebsklima in ihrem Unternehmen. Sie beeinflussen mit ihrem Wesen, das betriebliche Umfeld, in dem sie sich täglich aufhalten. Daher kann sich ein solches Umfeld verbessern, aber auch verschlechtern. Dies hängt davon ab, wie sich die Menschen entwickeln.
Das Betriebsklima ist also das Umfeld, dass die Menschen als Gemeinschaft prägen. Ein solches Klima kann positiv sein, wenn die Menschen dieselben Werte teilen und wenn man respektvoll miteinander umgeht. Es kann aber auch schlecht sein, wenn sie respektlos miteinander umgehen.

Warum sollte ich ein "schlechtes Betriebsklima" erkennen?

In den meisten Unternehmen läuft das Betriebsklima unbewusst ab. "Es ist, was es ist. Daran können auch wir nichts ändern", wird dann behauptet. Und es stimmt!
Erst wenn Sie Ihr Betriebsklima aufmerksam beobachten und es als wichtig erachten. Erst dann stellen Sie fest, was funktioniert und womit Sie scheitern.

Dabei steigt Ihr Aufwand nicht(!), wenn Sie sich bemühen, ein schlechtes Betriebsklima frühzeitig zu erkennen. Denn die meisten Führungskräfte blenden die Anzeichen eines schlechten Betriebsklimas aus. "Was ich nicht sehe, dass existiert auch nicht..."
Denn ihr Alltagsgeschäft scheint es ihnen zu verbieten, auch noch die Anzeichen eines schlechten Betriebsklimas wahrzunehmen. Etwas, von dem sie vorher nie etwas gehört haben...

"Das Problem kennen ist wichtiger, als die Lösung zu finden, denn die genaue Darstellung des Problems führt automatisch zur richtigen Lösung." - Albert Einstein

In Wahrheit also fürchten sich die meisten Führungskräfte davor "Probleme" endlos zu zerreden. Und am Ende stehen mehr Fragen als Antworten. Ein Problem endlos zu zerreden, ist nicht das gleiche, wie sich über ein Problem bewusst zu sein.
Schließlich können Sie etwas nur dann verändern und schlussendlich verbessern, wenn Sie es zuvor erkannt haben!

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Wer sollte sich dessen bewusst sein?

Nicht nur Sie!
Denn es braucht alle Menschen in Ihrem Unternehmen, die das Betriebsklima beobachten. Begehen Sie nicht den Fehler, es auf einige wenige Schultern aufzuteilen. Denn hätten Sie nur eine Person, die das Betriebsklima in Ihrem Auftrag beobachtet. So wäre dieser Eindruck oberflächlich und eindimensional. Würde jedoch jeder Ihrer Kollegen das Betriebsklima beobachten, so würde der Zustand Ihres Betriebsklimas vielschichtiger dargestellt werden.

Das versäumen acht von zehn Unternehmen

Alle Meinungen und Perspektiven der Mitarbeiter zu nutzen, scheint fast unmöglich. Wenn Sie Ihre Kollegen dazu ermutigt haben, das Betriebsklima bewusst wahrzunehmen, müssen diese auch die Gelegenheit haben, ihren Eindruck zu schildern. Denn wozu solle man etwas beobachten, wenn niemand Interesse an diesem Eindruck hat?

Dies machen Sie, indem Sie Ihre Kollegen in der Führung dazu ermutigen, ihren jeweiligen Kollegen zuzuhören und ihre Meinung zum Betriebsklima anzunehmen. Nicht jede Meinung mag richtig sein oder mag auch für andere Abteilungen richtig sein. Doch dann besprechen Sie in gemeinsamer (kleiner) Runde, was jedermanns Eindruck ist. Daraus kann folgen, dass das Problem von allen verstanden wird und es zu einer passenden Lösung kommen kann. Es kann aber auch dazu führen, dass die Kollegen erkennen, was bereits gut funktioniert. Sie haben dann die Chance, sich diesem Verhalten anzunehmen und es auszubauen.

Mehr zum Thema: Höflichkeit: Warum diese Sprache weltweit verstanden wird

Woran erkennen Sie ein schlechtes Betriebsklima?

  • Hören Sie auf Ihren Bauch Dieser Ratschlag mag komisch anmuten, nicht wahr? Zuweilen jedoch spüren Sie eine negative Stimmung eher, bevor Sie es rational erklären könnten. Sie spüren es einfach. Wenn Sie ein solches Gefühl haben, beobachten Sie es! Wann tritt dieses Gefühl besonders stark auf? Lösen es bestimmte Menschen oder Situationen aus?
  • "Ist doch selbstverständlich" Etwas als selbstverständlich zu halten, fördert eine "ist mir egal" Stimmung unter den Kollegen. Sobald Sie gute Leistung erbringen, wie z.B.: Einen Tisch an einem Tag fertigstellen, einen nervigen Kunden am Telefon beruhigen wird Ihre Leistung nicht gewürdigt. Es ist halt selbstverständlich, dass Sie gute Leistung erbringen! Dies wiegt deshalb so schwer, weil Sie sich als Mensch auch über das definieren, was Sie leisten. Wenn die eigene Leistung von den Kollegen als selbstverständlich erachtet wird, dann werden Sie auch als Mensch als selbstverständlich erachtet. Dann haben Sie denselben Stellenwert wie der Bürostuhl, auf dem Sie sitzen. Denn dieser Stuhl bekommt dieselbe Achtung wie Sie. Schon wieder die gleiche Flasche Wein? Wenn Sie jedes Jahr zum Geburtstag die gleiche Flasche Wein und den ewig gleichen Blumenstrauß bekommen, dann können Sie davon ausgehen, dass sich die Kollegen nur wenig bis gar keine Gedanken gemacht haben.
  • Es spricht sich herum Ein schlechtes Betriebsklima können Sie nicht verbergen. Dann werden es auch Menschen außerhalb des Unternehmens erfahren. Dies kann dazu führen, dass Talente, die Ihr Unternehmen gebrauchen könnte, sich nie bei Ihnen bewerben werden. Denn in einem schlechten Betriebsklima, kann niemand sein wahres Potential entfalten.
  • Viele kommen, viele gehen Wenn es in Ihrem Unternehmen genauso trubelig zugeht wie auf einem Bahnhof, dann läuft etwas schief. Dass neue Menschen kommen, ist in diesem Fall nicht der Anziehungskraft des Unternehmens zu verdanken, sondern dem Umstand, dass die meisten von diesen neuen Kollegen einfach einen Job brauchen. Zusätzlich verlassen dann auch alteingesessene Kollegen das Unternehmen, weil sie das schlechte Betriebsklima nicht mehr aushalten. Denn für sie ist der Kontrast besonders hoch, weil sie sich evtl. an eine Zeit erinnern können, in der die Kollegen noch nett miteinander umgegangen sind. Doch die neuen Kollegen haben diesen Vergleich nicht. Somit muss Ihr Unternehmen mit einer Kollegschaft arbeiten, die nicht nur gering motiviert ist, dass Unternehmen voranzubringen, sondern sich auch erst noch einfinden muss.
  • Mehr zum Thema: Lebens-Coaching

  • Guten Morgen. Hallo? Es wird sich nicht gegrüßt. Es kann ein Sinnbild für eine Ich-bezogene Stimmung im Unternehmen bzw. in einer Abteilung sein. Dies kann einzelne Kollegen betreffen, die sich schlicht nicht grün sind. Es kann aber auch ein Zeichen für Klassenunterschiede und eine zu starre Hierarchie sein. Wie wird die Küche hinterlassen?
  • Wird die Küche chaotisch hinterlassen - dreckiges Geschirr wird stehen gelassen und der Kaffeegrund wird einfach in die Spüle gekippt - so kann dies darauf hinweisen, dass einige Kollegen keine Rücksicht aufeinander nehmen.
  • E-Mails und Co. E-Mails, Chat-Systeme und Instant Messenger ermöglichen eine schnelle Kommunikation. Doch sind sie auch indirekt. Sie haben nicht das Gefühl, mit Ihrem Kommunikationspartner 'direkt' verbunden zu sein. Es fehlt die emotionale Verbundenheit und damit das "Wir-Gefühl". Lästern Über andere Kollegen bezüglich ihrer Leistung, ihrer Haarfarbe oder aber weil sie alleinerziehend ist, zu lästern, führt zu einem depressiven Betriebsklima. Ebenso bilden sich dadurch lästernde Grüppchen innerhalb der Kollegschaft.
  • Team Veranstaltungen Je weniger Kollegen freiwillig an Veranstaltungen teilnehmen, desto größer ist die Gewissheit, dass sich Ihre Kollegen in Ihrem Team unwohl fühlen. Während sie sich auf Arbeit noch einigermaßen abkapseln können, so meiden sie Veranstaltungen. Denn wenn sie die Wahl haben, werden sie sich nicht für Menschen entscheiden, mit denen sie sich unwohl fühlen.
  • Falsche Kritik Es wird Ihnen gesagt, "das haben Sie falsch gemacht!". Doch wird Ihnen verschwiegen, was genau Sie falsch gemacht haben (könnten). Es wird nicht erklärt, woran genau es lag. Es wird auch nicht erklärt, was Sie in Zukunft besser machen könnten oder wie das Unternehmen seine Mitarbeiter bezüglich der Arbeit unterstützen könnte.
  • Mehr Kontrolle Je schlechter das Betriebsklima, desto mehr Regeln und Vorschriften werden aufgestellt. Alles muss "geordnet" werden. Denn offenbar arbeiten die Kollegen kopflos... "Wir wissen zwar nicht, worin das Problem besteht, aber wir machen erstmal....". Mehr Regeln aufzustellen löst das Problem nicht, sondern zeigt viel eher, dass Sie sich Ihres schlechten Betriebsklimas nicht bewusst sind.
Lesenswert:

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