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Autoritärer Führungsstil

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Portra via Getty Images
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Ein autoritärer Führungsstil lohnt sich für jedes Unternehmen, dass von oben nach unten befiehlt - Top Down Prinzip. Es verlangt Gehorsam von denjenigen, die geführt werden - den Mitarbeitern. Typisch bei einem Pyramidensystem ist, dass einige wenige an der Spitze der Organisation stehen und von oben herab anderen diktieren, was sie wie zu tun hätten. Dabei lassen sie ihre Kollegen nur so viel wissen, wie es ihnen selbst nicht gefährlich werden kann, denn bei einem autoritären Führungsstil kann man sich viel erlauben, nur keine bewusst denkenden Kollegen, die einem auf Augenhöhe begegnen und hinterfragen, was man diktiert.

Ist Ihr Führungsstil autoritär oder werden Sie respektiert?

Sie sind die Schlüsselperson. Sie haben die Verantwortung. Es kommt nur auf Sie an. Sie entscheiden, was richtig und was falsch ist.

Wenn Ihnen das bei sich selbst oder bei einem Ihrer Kollegen auffällt, dann ist der Führungsstil autoritär. Deswegen müssen Sie kein schlechter Mensch sein. Es bedeutet jedoch für Sie, dass Sie sich täglich abrackern müssen. Sie machen sich Ihre Arbeit schwerer als sie ist. Was denken Sie: Wird ein solch autoritärer Führungsstil geschätzt? Wird ein solcher Führungsstil Ihr Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen?

Auf diese Frage gibt es nur eine richtige Antwort: Nein!
Ein autoritärer Führungsstil wird weder von talentierten und starken Kollegen geschätzt, noch bringt er Ihr Unternehmen nach vorn. Denn einfallsreiche und um die Ecke denkende Ideen werden blockiert. Denn sie widersetzen sich den strikten Arbeitsvorgaben von oben.

Beispiel:

Das ist wie zu Beginn der Karriere Michael Jordan's.
Hätte man schon zu Beginn seiner Karriere geweissagt, "Michael Jordan wird die Liga beherrschen", es hätten nur wenige Menschen dem widersprochen. Doch obgleich seines Könnens, gewann er in den ersten Jahren mit den Chicago Bulls nicht die Meisterschaft! Warum?
Neben ihm wirkten seine vier Mannschaftskollegen wie Statisten auf dem Basketballplatz. Denn er diktierte, wo es 'seiner Meinung nach' lang ging. Er warf den Ball am öftesten auf den Korb. Passte dafür umso seltener zu seinen Kollegen. Er tat sich sehr schwer, denn alle Last lag auf seinen Schultern. Denn er hat sich diese Last aufgeladen, indem er als Alleingänger unterwegs war.
Doch änderte sich alles, als er seinen Alleingang auf und neben dem Platz ablegte. Solch autoritärer Führungsstil stoppte ihn und sein Team, es bewahrte sie alle vor Erfolg.
Er begann damit, seine Kollegen ins Spiel einzubinden. Er passte zu ihnen und sie begannen damit, eine Mannschaft zu werden. Dies war der wahre Beginn der Legende von "His Airness". Daraufhin wurde er nicht mehr als Einzelgänger, sondern als starke Führungskraft gesehen. Jemand, der andere mitzieht, statt sie zu benutzen. Und ja, die Titel folgten - und wie.
Eine solch kooperierende Führungskraft wird respektiert und geachtet. Denn ihr folgt man freiwillig und nicht, weil es einem befohlen wird. Dies betrifft nicht nur Führungskräfte. Ein Mensch kann noch so fachlich erfahren sein, wenn es menschlich jedoch nicht passt, dann stemmt man sich gegen einen solchen Menschen und will mit ihm nichts zu tun haben.

Sie wissen es bereits. Als Führungskraft wollen und brauchen Sie den Respekt Ihrer Kollegen. Sie können sich den Respekt Ihrer Kollegen nur verdienen. Denn das Vertrauen anderer Menschen einzufordern, fußt stets auf Zwang - das wollen Sie nicht. Indem Sie anderen Menschen helfen und sie unterstützen, werden Sie zu einer geachteten Autorität - dann brauchen Sie nicht autoritär zu sein. Denn Ihr (möglicher) autoritärer Führungsstil wird Ihnen nie das ehrliche und bedingungslose Vertrauen geben, dass Sie durch einen kooperativen Führungsstil erreichen können.

Wenn Sie verheiratet sind, dann wird Ihre Frau freiwillig "Ja" gesagt haben. Oder haben Sie sie gezwungen, sich mit Ihnen zu vermählen?

Autoritärer Führungsstil - Nur bedingt 'Vorteile'

Autoritärer Führungsstil selbst bietet nur bedingt 'Vorteile'. Wobei es sich eher um Mangelerscheinungen handelt, als um echte Vorteile.

Schnelle Entscheidungen:

Es werden schnell Anweisungen und Entscheidungen getroffen. Nicht weil die Führungskraft voll im Bilde ist, sondern weil sie glaubt zu wissen, was das Beste 'für alle' ist. Ebenso wird nicht diskutiert, was und wie etwas zu machen sei. Welche Ideen andere Menschen haben, ist hierbei unwichtig. Andere Kollegen werden nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden. Denn niemand ist fachlich so kompetent wie die Führungskraft selbst. Das ist der normale Alltag in so vielen deutschen Unternehmen.

Krisensituationen:

Wenn der Firmengründer gestorben ist, der Markt sich verändert hat oder das Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme steht, dann kann das eine Krise auslösen. Wie schön, wenn man weiß, dass sich die Führungskraft darum kümmern wird. Da allein sie die Verantwortung trägt, muss sie auch mit dieser Krise allein umgehen. Niemand sonst trifft die Entscheidungen, die benötigt werden. Doch fühlt sich dabei die autoritäre Führungskraft einem großen Risiko ausgesetzt. Was, wenn ihre Entscheidungen misslingen? Kennt sie wirklich alle Fakten? Während einer Krise müssen schnell wohl überlegte Entscheidungen getroffen werden. Da sind wir uns einig. Dies braucht Menschen, die Entscheidungen treffen dürfen und treffen wollen. Widerspruch kann man nicht gebrauchen, denn dieser hält nur auf. Da tut es gut, wenn die anderen nichts zu sagen haben.

Natürlich treffen Sie in einem solchen System - autoritärer Führungsstil - schnelle Entscheidungen und übernehmen in Krisen das Ruder. Warum Sie das tun? Außer Ihnen gibt es weit und breit niemanden, der dies tun könnte. Sie haben alle anderen durch Ihren Machtanspruch verdrängt und unten gehalten. Dabei sollten schnelle und gemeinsam getroffene Entscheidungen und Verantwortung aller Kollegen ein Zeichen einer ganzheitlichen Führung sein, nicht wahr?

Autoritärer Führungsstil - Nachteile für Mensch und Unternehmen

Immer flotter raubt die Einmann-Führung dem Unternehmen dessen Seele und dessen Würde.

Segen und Fluch der Information:

Als Einmann-Führung erhält man alle Informationen. Seien es Neuigkeiten, Marktveränderungen, Marketingreports o. ä. Alles läuft bei einem selbst zusammen. Dagegen erhalten die zu führenden Kollegen keine Informationen von 'oben'. Sie erhalten nur Befehle und die Aufforderung, "Machen Sie das so, so und so". Wieso und warum sie so handeln sollten, wird ihnen verschwiegen. Denn sie wissen nicht, was die Gründe dafür sind. Denn sie sind ja nur ausführendes Organ. "Aber meine Kollegen haben keine Ahnung. Bis ich Ihnen das erklärt habe, kann ich mir die Zeit sparen", wird dann gekontert. Ja wie sollen denn die eigenen Kollegen wissen, was gerade akut ist, wenn sie ausgeschlossen werden? Wie sollen Mitarbeiter wissen, was wichtig ist, wenn zum einen alle Informationen nur an die Führungsetage gehen und zum anderen wenn die Führungskräfte sich zwar auskennen, diese Erkenntnisse aber vor ihren Kollegen verstecken?

Unzufrieden unzufrieden:

Fänden Sie es schön, mit einem Menschen arbeiten zu müssen, der alles kann und alles weiß? So wie Sie demotiviert werden würden, fühlen sich Ihre Kollegen jeden Tag. Sie wollen gute Leistung erbringen. Doch misslingt es ihnen, wenn sie sich vorstellen für wen sie diese Leistung erbringen. Spätestens dann fällt die Motivation und zerschellt am Boden in Tausend Teile.

Eigenständige Arbeitsabläufe:

Gibt es in einem hierarchischem Unternehmen nicht. Hier herrschen noch Zucht und Ordnung. Es wird nur so gearbeitet, wie der Chef es will. Was er vorgibt, ist Gesetz. Selbst wenn die Vorgabe fehlerhaft ist, muss sie befolgt werden. Die oberste Regel lautet: Anweisungen werden nicht hinterfragt.

Mitarbeiter haben auch Bedürfnisse:

Sie haben das Bedürfnis nach Entfaltung, Zusammenarbeit, ihre beste Leistung zu geben und einen Teil an die Gemeinschaft zurückzugeben. Zumindest die meisten von uns. Diese menschlichen Bedürfnisse werden durch gute Führung verstanden und genutzt. Schlechte Führung (autoritärer Führungsstil) hingegen ignoriert die Bedürfnisse der Menschen. Unter einer solchen Führung verkommen Menschen zu seelenlosen Maschinen, die Befehle empfangen. Dadurch sinken Motivation, Fehltage steigen und die deprimierten Mitarbeiter richten ihren Zorn gegen die Führungskraft. So erschafft man sich ein Feindbild.

Eigeninitiative führt zu Identifikation mit dem Unternehmen:

So sollte und so kann es in Ihrem Unternehmen und unter einer ganzheitlichen Führung auch sein. Denn spricht man seinen Kollegen jegliche Eigeninitiative und selbstständiges Handeln ab, macht man sie nicht nur von einem abhängig, denn sie trauen sich nichts mehr zu. Man nimmt ihnen auch die Möglichkeit, sich mit dem Unternehmen verbunden zu fühlen, weil sie Verantwortung für das Unternehmen übernehmen. Denn wird man außen vor gelassen, muss sich niemand der sonstigen Kollegen überlegen, wie ein jeder von ihnen den unternehmerischen Erfolg sichern und steigern kann. Ein autoritärer Führungsstil führt zu einem Umfeld, in dem den meisten Kollegen das Unternehmen egal ist, denn genau dieses Gefühl der Ignoranz erhalten Sie täglich von ihrer Führung vorgelebt.

Ich entscheide:

Niemand sonst entscheidet - nur ich. Natürlich werden Entscheidungen somit rasch getroffen, aber sie auszuführen hakt. Denn Entscheidungen müssen diejenigen ausführen, die die Entscheidungen betreffen. Das sind Ihre Kollegen! Entweder die gemachten Anweisungen werden mangelhaft ausgeführt oder gar nicht. Fehlende interne Kommunikation kann dazu führen, dass Informationen und damit Verständnis fehlen. Es kann ebenso die Ursache haben, dass man die Führungskraft ignoriert, weil man sie boykottiert.

Fluktuation:

Wenn es sich Menschen leisten können, verlassen sie ein schlechtes Umfeld. Ein autoritärer Führungsstil vergrault Top-Talente ebenso wie alteingesessene Mitarbeiter. In einem schlechten Umfeld kann niemand sein Potential entfalten. Wie sollte man auch? Ständig hört man, "mach das so und mach das so".

Distanz zwischen Mitarbeitern und Führung:

Obwohl.... Das Wort "Mitarbeiter" würde bedeuten, dass man mit arbeitet, aber beim autoritär geprägten Führungsstil sind es vielmehr Befehlsempfänger. Da keine Kommunikation zwischen den Ebenen und zwischen den Positionen stattfindet, fühlen sich die Mitarbeiter - aber auch die Führungskräfte - allein gelassen. Keiner hat Zugang zum jeweils anderen.

Das Gefühl von Macht über andere:

Es gibt einem das scheinbar gute Gefühl, über andere Menschen bestimmen zu können. Man ist derjenige, an den sich alle anderen mit ihren Fragen richten. Das Streben nach Macht über andere Menschen ist schlecht. Es führt zu überbordender Kontrolle, Angst - die Macht zu verlieren - und kostet Kraft.

Leistungsdruck, der ermüdet:

Statt darauf zu achten, wie man etwas bestmöglich erreicht, ohne sich und andere dabei zu verausgaben, fordert man bedingungslosen Einsatz. Alles wird diesem einen Ziel untergeordnet. Dabei bleibt Menschlichkeit zurück. Das Risiko für Fehltage und Burnout steigt.

Mit dem autoritären Führungsstil kann man erfolgreich sein(!):

Eine solche Opferbereitschaft bezüglich der Leistung kann zu Erfolg führen. Denn es wird - dank starrer Vorschriften - massenhaft abgearbeitet. Wie hochwertig die Massenarbeit ist, bleibt offen. Wenn Erfolge aufgrund der 'einmalig' gestiegenen Leistung aufkeimen, werden diese Erfolge automatisch der autoritären Führungskraft zugesprochen. Einmalig deshalb, weil man sowas nur einmal mitmacht und dann nie wieder.

Mai, Mai, Mai - der Chef ist auf Hawaii:

Toll, der autoritäre Antreiber ist weg, aber die Führung übernimmt niemand. Denn niemand ist es gewohnt zu führen. Niemand ist es gewohnt, Verantwortung zu tragen. Aufgrund der künstlichen Abhängigkeit zum Chef, ist das Team handlungsunfähig, wenn der Chef fehlt.

Autoritärer Führungsstil? Nein, danke!

Unternehmen wollen immer noch schnelle und wohl überlegte Entscheidungen treffen, jedoch im Team! Sie wollen und müssen einfallsreich auf den Markt und auf Kundenwünsche reagieren. Dies gelingt am ehesten, wenn man Mitarbeiter ermutigt, aufmerksam zu sein und selbstständig zu handeln.
All das findet man im kooperativen Führungsstil. Man öffnet die Kommunikation, ist als Gemeinschaft erfolgreich und trägt gemeinsam Verantwortung für das Unternehmen.

"Denn man muss nicht gemein sein, um in dieser Welt erfolgreich sein."

Ihr Christian Walter Hinze

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