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Zum Tode eines mutmaßlichen Pädophilen

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Sascha Lewandowski, der frühere Trainer von Bayer Leverkusen und Union Berlin, ist tot. Er nahm sich am 8. Juni 2016 im Alter von 44 Jahren in seiner Wohnung das Leben. Es steht der Verdacht im Raum, dass gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen ermittelt wurde. Wieder hatte dies nie jemand erwartet, und wieder wird man sich nicht die wichtigen Fragen stellen.

Er kam mit seinem Leben nicht klar, litt an Burnout. Er fühlte sich ausgebrannt, leer. Bei Bayer Leverkusen war ihm das Rampenlicht zu unangenehm, trotz eines guten 3. Platzes ging er wieder zurück in die Jugend. Ein späteres Engagement bei Union Berlin musste er wegen seiner psychischen Probleme sogar vorzeitig abbrechen.

Verdacht des sexuellen Missbrauchs

Genaues wissen wir eigentlich nicht. Doch kurz vor seinem Tod wurde er von der Polizei mit einem 12jährigen Jungen im Auto kontrolliert. Beide sollen, so berichten zwei Zeugen, zuvor für mehrere Minuten in ein Gebüsch verschwunden sein.

Dort wurden Hinweise gefunden, wonach die Polizei Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauch eines Kindes eingeleitet haben soll. Das war wohl der letzte Auslöser, der den langjährigen Jugendcoach dazu brachte, den sogenannten Freitod zu wählen.

Lewandowski war immer allein

Doch wie frei war Sascha Lewandowski wirklich? Er war wohl ein einsamer Mensch, weil er weder in seinem beruflichen noch in seinem privaten Umfeld jemanden hatte, den er sich anvertrauen konnte, mit seinen allzu düsteren Gedanken.

Wer sich als Pädophiler jemanden offenbart begibt sich in die größte Gefahr, selbst wenn er nie etwas gemacht hat. Es ist das private und berufliche Ende, wenn jemand etwas weiter erzählt, weil man sich beispielsweise mit ihm gestritten hat. Vor allem als Profi-Trainer ist das gegenüber niemanden vermittelbar und man begibt sich so letztlich sogar in Todesgefahr.

Entfernt von gesellschaftlicher Kontrolle

Sich abzuschotten ist also der natürlichste Instinkt, den ein solcher Mensch in dieser Situation entwickelt. Die Folge ist auch, dass er sich häufig in der Öffentlichkeit nicht wohl fühlt, weil er Angst hat dass irgendjemand sein Geheimnis erkennt.

Doch wer sich abschottet entfernt sich aus jeder gesellschaftlichen Kontrolle durch sein Umfeld. Er schottet sich letztlich auch intrapsychisch ab und verliert dadurch sein Schuldbewusstsein gegenüber seinem geheimen Ich. Dieses geheime Ich gehörte einfach nicht zum Menschen Sascha Lewandowski.

Zwischen schlimmen Verbrechen und Suizid

Doch man kann mit diesen Gefühlen nicht allzu lange klar kommen. Burnout ist die natürliche Folge eines solchen jahrelangen Verhaltens. Schon im Jugendalter kann dies so sehr belasten, dass sehr viele Jungen wegen ihrer seltsamen Gedanken und Gefühle den Suizid wählen. Bekannt wird dies meist nicht, und wenn dann nur für die Eltern.

Oftmals kann dieses Verhalten letztlich zu schlimmsten Verbrechen führen, und meist wird dann gesagt, dass man es "diesem Menschen niemals zugetraut" hätte.

Ein Pädophiler trägt kein Zeichen auf dem Kopf. Ein Pädophiler muss kein 55jähriger Verlierer mit Sozialproblemen sein, da diese Tätereigenschaften allzu häufig heterosexuellen Ersatztätern zu eigen sind. Ein Pädophiler ist im Regelfall ein ganz gewöhnlicher Mensch.

Sexuelle Orientierung sucht man sich nicht aus

Der einzige Weg, dies zu verhindern und sowohl Kinder und auch den Menschen vor sich selber zu schützen ist es, den Menschen einfach als Menschen zu akzeptieren, und ihn an seinem Verhalten - oder seinen Verhaltensänderungen - zu messen. Niemand sucht sich seine sexuelle Orientierung aus.

Weshalb sollte man ihn deshalb also anfeinden? Warum sollte man ihn nur auf diese Eigenschaft begrenzen, und alles andere wie moralischer Kompass, Intelligenz und Temperament völlig ausklammern?

Diese Fragen in Deutschland aktuell zu stellen ist aber wohl nicht möglich...

R.I.P., Sascha Lewandowski

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