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Der IS liegt im Sterben - und will uns dort hin mitziehen

25/03/2016 15:56 CET | Aktualisiert 26/03/2017 11:12 CEST
ASSOCIATED PRESS

Erneut erschüttern Terroranschläge Europa und die Welt.

Terroristen, wahrscheinlich vom IS gesteuert, haben Anschläge auf die belgische und europäische Hauptstadt Brüssel verübt. Bei den Detonationen am Flughafen und der U-Bahn starben mindestens 34 Menschen, über 260 wurden zum Teil lebensbedrohlich verletzt. Die Frequenz der Anschläge scheint zuzunehmen. Doch das ist kein Anzeichen, dass der IS erstarkt, sondern eher das er untergeht. Fast zeitgleich explodierten am Dienstagmorgen, mitten im Berufsverkehr, die Bomben am Flughafen und der U-Bahn in Brüssel. Am Flughafen, so berichten Zeugen später, sollen davor noch Schüsse gefallen sein, und es soll arabische Rufe gegeben haben.
14 Tote und etwa 100 Verletzte sind dort zu beklagen, der Rest in der U-Bahn-Station Maelbeek in unmittelbarer Umgebung des EU-Parlaments.
Minuten später ruft Belgien die höchste Terrorwarnstufe aus, Polizei und Militär patrouilliert schwer bewaffnet durch die Stadt. Der komplette öffentliche Nahverkehr wird stillgelegt. Auch in anderen EU-Staaten wird die Sicherheit erhöht, in Deutschland sieht man weit mehr Polizisten an kritischen Plätzen wie Bahnhöfen oder Flughäfen. Da in Belgien weitere Anschläge befürchtet wurden werden die Anwohner aufgerufen, zu Hause oder auf der Arbeit zu bleiben, Menschenansammlungen sollen gemieden werden.

Nur 2 Minuten vom Anschlag entfernt

Die Metrostation Maelbeek liegt mitten im Europaviertel. In Brüssel sitzen oder tagen mit dem Europäischen Parlament, der EU-Kommission, dem Europäischen Rat und dem EU-Ministerrat viele Organe der EU. Nur 100 Meter oder 2 Minuten Fußweg vom Anschlagsort entfernt hat der EU-Abgeordnete Sven Schulze sein Büro, wo er auch zu diesem Zeitpunkt bereits war. Der 36jährige CDU-Politiker erfuhr zuerst in den sozialen Medien von den Anschlägen, schaltete dann das Fernsehen ein. Seine Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt noch in Brüssel unterwegs, sie meldeten sich aber schnell bei ihm. Alle sind wohlauf, das gilt wohl auch für alle anderen EU-Abgeordneten und ihre Mitarbeiter. Unter den Opfern ist mit Olivier Delespesse ein Regierungsmitarbeiter, der für die Französische Gemeinschaft Belgiens, einem Teilstaat des mehrsprachigen Landes, gearbeitet hat. Ob es auch deutsche Todesopfer gibt ist bisher unbekannt, eine Frau aus Aachen gilt als verschwunden und ist möglicherweise unter den bisher nicht identifizierten Opfern. Ihr Mann ist schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert wurden.

Kein gezielter Anschlag auf EU-Parlamentarier

Die Gedanken von Sven Schulze waren gleichwohl bei seiner Familie, die häufig mit nach Brüssel fahren. So auch diesmal. Eines der Kinder war im Kindergarten, der Rest der Familie in der Zweitwohnung. Auch sie konnte Schulze erreichen, auch ihnen ging es - den Umständen entsprechend - gut. Dass die Terroristen gezielt Politiker oder deren Mitarbeiter töten wollten glaubt der CDU-Politiker nicht. „Ich glaube viel mehr es war ein klares Zeichen, dass dieser Angriff Europa galt." Hätte der Angriff den Institutionen gegolten hätten sich die Terroristen beispielsweise vor dem EU-Parlament in die Luft gesprengt.

Es wird noch weitere Anschläge geben

Es ist der zweite Anschlag binnen weniger Monate mitten im Europa. Im November verübten Terroristen eine Anschlagsserie in Paris, die insgesamt 130 Menschen das Leben kostete. Im August versuchte ein Islamist, der wie andere Islamisten eine Kalaschnikow trug, ein Blutbad in einem Zug anzurichten, wurde aber von mehreren Passagieren überwältigt. Im Januar 2015 gab es den Anschlag auf Charlie Hebdo. Am 24. Mai 2014 stürmte ein Islamist, ebenfalls mit einem Sturmgewehr „Kalaschnikow", in ein jüdisches Museum und richtete ein Blutbad an. Mindestens die Anschläge im März 2016 und November 2015 gehen vermutlich auf das Konto des Islamischen Staat. Es ist zu befürchten, dass die Terrororganisation die Frequenz der Anschläge eher weiter erhöht. Spätestens bei der Fußball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich wird zu befürchten sein, dass erneut zugeschlagen werden soll. Anschließend könnte es in Deutschland ein Terroranschlag geplant sein, beispielsweise auf dem am 25.09. stattfindenden Berlin-Marathon, zu dem mehrere zehntausend Teilnehmer antreten.

Es gab eine lange Pause bei Anschlägen

Die Gefahr von Terroranschlägen mitten in Europa ist nicht neu, aber schon länger her. 2011 wurden zwei amerikanische Soldaten am Flughafen Frankfurt am Main getötet, weitere schwer verletzt. Nach langen Ermittlungen stellte das dortige Oberlandesgericht fest, dass er als Einzeltäter gehandelt hatte. Die letzten von Gruppen zu verantworteten Anschläge liegen fast 10 Jahre zurück. Am 29. und 30. Juni 2007 kam es zu mehreren versuchten Terroranschlägen im Vereinigten Königreich, die aber alle glimpflich verliefen. Nur einer der Attentäter wurde getötet, es gab fünf Verletzte. Auch am 10. August 2006 vereitelten britische Ermittler einen Terroranschlag, wo sich Islamisten mehrere Flugzeuge zum Absturz bringen wollten.

Warum der IS jetzt vermehrt Terroranschläge verüben wird

Das jetzt vermehrt mit Terroranschlägen zu rechnen ist liegt aber weder an der Flüchtlingskrise noch an einem Erstarken des IS. Die meisten Terroristen der letzten Monate waren Staatsbürger eines EU-Mitgliedslandes, hatten somit mit den aktuellen Flüchtlingen nichts zu tun. So ist es auch diesmal: Die drei bisher identifizierten Attentäter wurden in Belgien geboren.
Der IS im Irak und in Syrien ist im Rückzug begriffen - aus Raqqa fliehen die Terrorbestien, Kobane wurde bereits zurückerobert, ebenso wie Kirkuk.
Seit etwas über einen Monat wird Mossul befestigt, weil die Kurden mithilfe der internationalen Koalition auch diese Stadt bald befreien werden. Schon seit dem Beginn des Siegeszuges der Kurden haben die Terrorbestien ihre Taktik geändert. Sie verwendeten immer mehr Kämpfer, um historisch wertvolle Gebäude, Statuen und Kunst zu zerstören. Der IS hat die Taktik hin zur „Verbrannten Erde" geändert, denn wenn er die Menschheit nicht Untertan machen kann will er wenigstens ihre (kulturellen) Grundlagen zerstören. Diese Taktik versucht der IS nun auch bei uns: Weil man Europa nicht beherrschen kann versucht man, Europa zu zerstören. Man sät Hass, verbreitet Angst, versucht uns auseinander zu bringen und unsere freiheitlichen Lebensgrundlagen zu zerstören.

Wir dürfen den Terroristen diesen Sieg nicht schenken

Wer jetzt wie gewisse Populisten gegen Moslems hetzt oder die Freiheitsrechte aller Bürger einschränken will schenkt den Islamisten den Sieg.
Wir müssen unsere Freiheit weiter so leben und lieben, wie wir es bisher tun.
Deshalb sollten wir im Park Musik hören, wir sollten Karikaturen zeichnen und zum Fußball gehen. Denn das ärgert den IS am meisten. Wir sollten aber auch den Kampf vor Ort gegen die Terrorbestien unterstützen. Nach dem Krieg ist die Sache aber nicht erledigt, sondern fängt erst an. Gehirnwäsche bei Männer, Frauen und Kinder haben zu einer Radikalisierung geführt, die unkontrollierte Flucht der irakischen Armee vieler Orten haben Misstrauen gegen den Staat gesät. Die wirtschaftliche Lage ist mancherorts schwierig, weil Händler und Unternehmer geflüchtet sind. Den IS kann man deswegen nicht allein durch militärische Mittel bezwingen. Der Europaparlamentarier Sven Schulz sagt: „Ich werde kommende Woche wieder in meinem Büro in Brüssel sein. Wir dürfen jetzt nicht vor dem Terror zurückschrecken."
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