BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Christian Schmidt Headshot

Ohne starke Dörfer kann es kein starkes Europa geben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LAPTOP FARM
Jevtic via Getty Images
Drucken

"In Vielfalt geeint" - so lautet seit dem Jahr 2000 das Motto der Europäischen Union. Diese Vielfalt zeichnet ganz besonders unsere ländlichen Regionen aus. Sie bieten einzigartige Landschaften, Kulturen und Dörfer aber beheimaten auch eine vielfältige Wirtschaft, vom lokalen Handwerker bis zum mittelständischen Weltmarktführer ("hidden champions").

Neben wirtschaftlich florierenden oder durch Zuzug wachsenden Regionen, existieren heute in Europa auch Gegenden, die durch Abwanderung, demografischen Wandel, fehlende Arbeitsplätze und Defizite bei der Grundversorgung geprägt sind. Sollte diese Entwicklung nicht aufgehalten werden, ist der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet.

Der Brexit hat uns gezeigt, wohin diese Entwicklung führen kann. Es ist bemerkenswert, dass die Befürworter des Austritts aus der Europäischen Union (EU) den größten Zuspruch in ländlichen Regionen von England und Wales fanden. Ein Gefühl des Abgehängtseins ist der ideale Nährboden für Populisten.

Mehr zum Thema: Wir flohen in die Großstadt, weil in unseren Heimatstädten der Rassismus herrscht

Es ist Zeit, die Weichen zu stellen für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in allen Regionen Europas.

Ländliche Entwicklung: mit gutem Beispiel voran

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), über deren weitere Ausrichtung nach 2020 wir zu beraten haben, muss dafür weiterhin auch auf die ländliche Entwicklung und die Attraktivität ländlicher Regionen ausgerichtet werden. Die Cork 2.0 Konferenz der EU zur ländlichen Entwicklung hat hierfür schon im Jahr 2016 wichtige Impulse gesetzt.

Es gilt nun, diese ambitionierten Beschlüsse in die Tat umzusetzen. Ich werde mich in diesem Zusammenhang für eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit bei der ländlichen Entwicklung in Europa einsetzen.

Das Streben nach Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in allen Regionen muss zu einem Aktivposten auf der politischen Agenda Europas werden. Daher müssen die Fördermittel für die EU-Agrarpolitik und die EU-Regionalpolitik weiterhin angemessen ausgestattet sein.

Deutschland sollte als wirtschaftlich starkes Land in der Mitte Europas bei der ländlichen Entwicklung mit gutem Beispiel voran gehen. So hat sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durch seine erfolgreichen Aktivitäten bereits als zentral Verantwortlicher in der Bundesregierung für die ländlichen Räume etabliert.

Zehn-Punkte-Plan für Ländliche Räume

Die Herausforderungen, mit denen sich ländliche Räume konfrontiert sehen, sind vielfältig und vielschichtig. Unser Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) setzt deshalb den Schwerpunkt auf die Unterstützung regionaler Zukunftskonzepte und die Entwicklung passgenauer Lösungen - gemeinsamen mit den Bürgerinnen und Bürgern auf dem Land.

Mehr zum Thema: Wie deutsche Dörfer durch neue Technologien wieder attraktiv werden

Diese Lösungen wollen wir mit allen Akteuren erproben, zum Beispiel in den Projekten "Land.Digital", "Land(auf)Schwung" und den "Zukunftswerkstätten Land".

Für die Bundesregierung habe ich einen Zehn-Punkte-Plan als Zukunftsstrategie für die Ländlichen Räume formuliert, mit der wir einem weiteren Auseinanderdriften der Regionen entgegenwirken wollen. Dazu zählt, unter anderem, die Verbesserung der Infrastruktur und Nahversorgung.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Außerdem wollen wir die Wirtschaftskraft der Regionen stärken und fördern daher, innovative Ideen von Existenzgründern, Start-ups, Traditionshandwerk und Gastronomie. So schaffen wir jungen Menschen und Familien echte Perspektiven für ein gutes Leben auf dem Land bieten.

Dazu gehört auch, dass wir eine digitale Chancengleichheit zwischen den Städten und den ländlichen Regionen brauchen. Konkret bedeutet das, auch die neuen Leitungspotenziale der nächsten Generation (5G) in den ländlichen Räumen als Standard umzusetzen. Die Vielfalt und Vitalität der ländlichen Regionen sind die Basis unseres Wohlstands und der gesellschaftlichen Stabilität Europas. Dafür werden wir uns verstärkt einsetzen.

______

2017-06-15-1497515233-3750458-image_1496643715.png

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat es auf den Punkt gebracht: "Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen."

Aber wie kann das aussehen? Was muss sich in Europa ändern? Und welche Menschen zeigen uns, wie ein lebenswertes, innovatives Europa aussehen könnte?

Diese und andere Fragen will die HuffPost in dem neuen Ressort "Voices of Europe" beantworten.

Diskutiert mit und schreibt uns unter Blog@huffingtonpost.de.