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Digitale Transformation meets Finanzbranche - Fluch oder Segen?

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DIGITAL BANK
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Die Digitalisierung von Dienstleistungen und die daraus erwachsenden Herausforderungen sind derzeit eines der beherrschenden Themen der unterschiedlichsten Branchen - vom Gesundheitsmanagement über die Automobilbranche bis hin zum Finanzmarkt.

Smart, mobil, jederzeit und überall. Wer nicht mit digitaltauglichen Dienstleistungen und Services Schritt hält, wird schnell abgeschrieben. So scheint die digitale Transformation über ganze Branchen hinwegzufegen - und zwar unaufhaltbar. Auch in der Finanzbranche weht der digitalisierte Wind stetig stärker - von der Seite und von vorne.

Fin-Techs, also Start-Ups im Finanzbereich - so scheint es - würden das Ruder übernehmen, bargeldlose Zahlungsmethoden könnten das Bargeld verdrängen. Onlineunternehmen wie Amazon, eBay, Apple & Co versuchen sich aufgrund ihrer Digitalexpertise und Flexibiliät bei Produkteinführungen ein Stück vom großen Kuchen abzuschneiden.

Irritierend erscheint mir dabei die zu starke Fokussierung auf ein ‚Battle' nach dem Motto ‚entweder überleben nur die einen oder nur die anderen'. Jüngst prophezeiten Chris Skinner ) oder J. P. Nicols wieder einmal die Disruption von Banken. Doch ganz so einfach darf man es sich nicht machen.

Richtig ist, dass die Technik immer raschere Ideenumsetzungen ermöglicht und die Digitalisierung unseren privaten wie Arbeitsalltag vor zahlreiche Herausforderungen stellt - gleichzeitig aber auch viele Erleichterungen bietet.

Ich bin überzeugt, dass die Banken als Institutionen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Banken waren die Vorläufer der digitalen Innovationen. Denn zahlreiche Lösungen gibt es nur ‚digital', auch wenn man früher andere Buzzwords dafür verwendet hat. Richtig ist auch, dass heute noch nicht alle Finanzinstitute flexibel genug sind, sich mit der Adaption ihrer Prozesse und den neuen Technologien schwer tun und an der Kundenschnittstelle - beispielsweise einer App - nicht ‚cool' genug sind.

Trotzdem sind sie unverzichtbar und notwendig als Lizenzholder, Know-how-Träger, Risikonehmer und -berechner, Umsetzer der bestehenden Regulatorik, Datenschützer, und neben vielem mehr natürlich auch Ideenantreiber. Somit sind Banken für viele Dienstleister ein wichtiger strategischer Partner.

Digitalisierung steht für mich für Beschleunigung und Kreativität

Erst kürzlich saß ich in der Jury des Bankathon in Frankfurt, der von zwei Fin-Tech-Dienstleistern ausgerichtet wurde. Was mich hier so faszinierte: Was junge Menschen mit Ideen, Energie und Kreativität in kurzer Zeit umsetzen können. Digitalisierung steht für mich für Beschleunigung und Kreativität.

Wer erfolgreich sein will, muss schneller und beweglicher sein - die time-to-market-Geschwindigkeit erhöht sich mittlerweile auch bei den traditionellen Banken, zumindest kann ich das für unser Haus behaupten. Bei Kooperationen mit Fin-Techs wiederum ist es die Kunst, die richtigen Partner zu finden und gemeinsam die nächste Innovation auf den Markt zu bringen. Aus meiner Sicht könnten Banken und Fin-Techs weit mehr voneinander profitieren, als dass sie in einem Kampf um Marktanteile konkurrieren.

Am Ende des Tages geht es darum, Kunden zu Fans zu machen

Am Ende des Tages geht es darum, Kunden zu Fans zu machen - sowohl im Privat- als auch im B2B-Sektor. Inzwischen sind viele mobile Bezahlsysteme, Identifizierungs-Methoden, Beratung per Video-Chat, Smartphone-taugliche Sicherheitsprozesse am Markt - teilweise auch bereits etabliert. Und klassische Überweisungen, grenzüberschreitender Geldtransfer, Aktiengeschäfte, Abschluss von Finanzdienstleistungen oder Versicherungen werden zunehmend mobil, online und seltener an einem Tisch mit dem Berater getätigt.

Hierbei sind wir aber noch lange nicht am Ende angekommen. Wir müssen uns konsequent die Frage weiter stellen: Wie erleichtern wir die Abwicklung von Bankgeschäften - sicher, unkompliziert und unabhängig davon, wo wir uns gerade befinden. Vor Ort in der Filiale, am heimischen PC oder unterwegs mit Smartphone oder auf dem Sofa am Tablet.

Apple, Google & Co erobern nicht nur zunehmend die privaten Haushalte mit trendigen und vernetzten Produkten, sondern erhalten zunehmend Einzug in die Geschäftswelt. Sie verändern dort Prozesse, Verhalten, Entscheidungszyklen und -wege. Genau diese Usability ist es, die der Kunde auch im Banking erwartet.

Digitalisierung mit einem „Human Touch"

Doch: Trotz dieser unbegrenzten technischen Möglichkeiten, die uns allen ins Haus stehen, und der unaufhaltsamen Evolution von vernetzten Technologien, wird der menschliche Faktor im Bankwesen relevant bleiben - gerade bei beratungsintensiven Themen wie der Baufinanzierung, dem Vermögensmanagement oder der Altersvorsorge. Gleichzeitig wollen und werden wir den technologischen Fortschritt mitgehen und als Vordenker unter den großen Banken vorantreiben. So war und ist unsere Online-Filiale eines der ersten Beispiele wie Digitalisierung mit einem „Human Touch" kombiniert werden kann.

Genau diese geforderte Innovationskraft zu spüren und zu sehen, darauf freue ich mich auch am kommenden Wochenende vom 12. bis 14. Juni. Wenn beim Burda Hackday im Münchner HVB Forum kreative, pfiffige Programmierer und Informatikstudenten und Business Developer ihre Köpfe zusammenstecken, um in nur zwei Tagen ihre Vision vom Bankgeschäft der kommenden Jahre zu entwickeln. Was sind genau die Banklösungen der Zukunft, die uns weiterbringen? Wie wird das Banking der Zukunft tatsächlich aussehen? Wie werden User ihre Inhalte rund um Finanzthemen erhalten? Aus technologischer Sicht scheint alles möglich. Wir nehmen diese Challenge an und freuen uns darauf.

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