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Warum wählen ein Privileg ist

11/03/2016 15:38 CET | Aktualisiert 12/03/2017 10:12 CET
Thomas Barwick via Getty Images

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Wählen dürfen ist ein Privileg. Dieses Privileg ist für uns mittlerweile selbstverständlich. So selbstverständlich, dass es von manchen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eher als lästige Pflicht denn als hohes Gut angesehen wird.

Die seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung auf Kommunal-, Landes- aber auch Bundes- und Europaebene ist ein Ausdruck der zunehmenden Politikmüdigkeit unserer Gesellschaft. Das ist eine Entwicklung, die ich nicht verstehen kann.

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In vielen Ländern der Welt kämpfen Menschen für das Recht, wählen zu dürfen

Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben. Dieses Glück ist nur rund 12,5 Prozent der Weltbevölkerung vergönnt. In vielen Ländern der Welt kämpfen Menschen für das Recht, wählen zu dürfen. Weltweit gibt es derzeit nur 24 vollständige Demokratien. Das bedeutet, rund drei Viertel aller Staaten entsprechen nicht den Kriterien einer vollständigen Demokratie.

Sie sind in einigen oder vielen Punkten unfrei, repressiv und haben teilweise oder schwerwiegende Missstände bei der Umsetzung der Menschenrechte. Gerade aus solchen Ländern fliehen derzeit viele Menschen zu uns. Sie suchen Schutz vor Krieg und Unterdrückung, weil sie in ihren Ländern kein Recht haben, über ihre Stimme Einfluss auf die Politik zu nehmen.

Rechte Parteien profitieren von Nichtwählern

Auch heutzutage riskieren noch viele Menschen ihr Leben für dieses Recht, das für uns so selbstverständlich geworden ist. Sei es im Widerstand gegen autoritäre Regime oder auf der Flucht in demokratische Staaten. Schon allein vor diesem Hintergrund ist es mir unbegreiflich, dass viele meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Stimme verfallen lassen und sich in einen bequemen Kokon aus wohliger Ignoranz zurückziehen.

Den meisten ist dabei jedoch nicht bewusst, dass sie auch durch das Nichtwählen eine Wahl treffen. Je weniger Menschen ihre Stimme einer demokratischen Partei geben, umso stärker schneiden erfahrungsgemäß die radikalen Parteien ab. Besonders das rechtsextreme Spektrum profitiert bei jeder Wahl von dem hohen Anteil an Nichtwählerinnen und Nichtwählern.

Antidemokratische Parteien dürfen bei uns keinen Einfluss bekommen. Unsere demokratischen und rechtsstaatlichen Werte, unsere tolerante, offene und freie Gesellschaft müssen unbedingt bewahrt werden. Jede Mitbürgerin und jeder Mitbürger sollte sich dessen bewusst sein, dass sie und er Verantwortung trägt für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Zukunft aktiv mitgestalten

Dieser Verantwortung wird man am einfachsten gerecht, wenn man wählen geht. Wenn ich den zunehmenden Einfluss der rechten Parteien in Deutschland und ganz Europa betrachte, kann ich nur hoffen, dass so viele Wahlberechtigte wie möglich mit ihren Stimmen dagegen halten.

Unsere Demokratie lebt von Beteiligung. Wählen zu gehen ist die geringste Form der politischen Teilhabe, die einfachste Art des politischen Engagements. Es erfordert wenig Einsatz und hat doch viel Bedeutung.

Bei Wahlen geht es eben nicht nur darum Personen oder Programme zu wählen. Es geht um die Zukunft in unserem Land und in unserer Gesellschaft. Wer diese Zukunft mitgestalten will, muss zur Wahl geben und seine Stimme für eine demokratische und offene Gesellschaft abgeben.

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