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Das Klima ändert sich

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Das Klimaschutzabkommen von Paris ist ein historischer Meilenstein. Es ist ein bedeutender Schritt für diejenigen, die bereits seit Jahren an den Verhandlungen beteiligt sind. Was aber passiert mit der jungen lateinamerikanischen Generation, die jetzt erst beginnt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, und Einfluss nehmen will? Inwieweit kann sie sich in die Umsetzung komplexer klimapolitischer Prozesse wie den Intended Nationally Determined Contributions (INDCs) einbringen?

Welche Erfahrungen und Herausforderungen warten auf die Jugend, wenn sie sich an der Klimapolitik beteiligen will? Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat dazu gemeinsam mit der Generación +1, einer Jugendinitiative von Libélula, einem auf Klimamanagement spezialisierten Beratungsunternehmen in Peru, eine Studie erstellt. Die jungen Autoren, die daran mitgewirkt haben, berichten im Folgenden über den Inhalt und ihre Motivation.

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Was hat euch motiviert, an der Studie mitzuarbeiten?

Alonso, 26, Peru: Ich wollte sehen, wie sich die Jugend aus sechs verschiedenen Ländern Lateinamerikas an der aktuellen Klimapolitik beteiligen kann. Wichtig sind für mich vor allem die politischen Beteiligungsmöglichkeiten bei der Umsetzung der INDCs. Dieser Prozess ist ein großer Meilenstein, denn die INDCs werden die Klimapolitik in vielen Ländern neu definieren. Deshalb ist es wichtig zu ermitteln, was die Jugend überhaupt darüber weiß und wie sie daran mitwirken kann.

Carlos, 26, Argentinien: Auf jeden Fall ist der Klimawandel eines der zentralsten Themen der letzten Jahre. Seine Auswirkungen sind höchst unsicher, wir wissen sehr wenig darüber. Dennoch fühlt sich die Jugend in vielen Ländern der Welt dazu verpflichtet, sich nicht nur Sorgen zu machen, sondern mitzuhelfen, Lösungen für diese Problematik zu finden.

Die Worte von Präsident Obama haben mich motiviert, mich aktiver zu beteiligen

Vor diesem Hintergrund wollte ich meine Erfahrung und mein Wissen in die Studie einbringen. Die Worte von Präsident Obama haben mich auf jeden Fall motiviert, mich aktiver zu beteiligen: „Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels erleben wird, und die letzte, die etwas dafür tun kann, das Problem zu beheben."

Karina, 25, Costa Rica: Meine größte Motivation war es, mich als junge Forscherin an das Thema Klimawandel nicht nur aus technischer Sicht anzunähern, sondern auch aus einer politischen und sozialen Perspektive und in einem globalen Kontext. Als junge Generation sind wir oft fälschlicherweise der Ansicht, dass die große Politik ein Gebiet ist, auf dem wir nichts zu suchen haben.

Die Studie hat es mir ermöglicht, die bestehenden Mechanismen, Plattformen und Interessen der Jugend in der lateinamerikanischen Klimapolitik kennenzulernen. Es war sehr interessant zu sehen, dass es wenige formale Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugend bei der Umsetzung der INDCs gibt.

Wie trägt diese Studie zur Agenda nach der UN-Klimakonferen in Paris (COP21) bei?

Alonso, 26, Peru: Zum einen zeigt sie, wie dringend notwendig es ist, die Jugend an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen und auf nationaler und internationaler Ebene auch die entsprechenden institutionellen Vorrausetzungen dafür zu schaffen. Zum anderen unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit,, auch Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugend zu schaffen.

Carlos, 26, Argentinien: Mit Blick auf das Paris-Abkommen bleibt erst einmal festzuhalten, dass die Jugend nicht als relevanter Akteur betrachtet wird. Die Studie kann daher als ein Beitrag gesehen werden, der Auskunft über die Beteiligungsmöglichkeiten für die Jugend gibt. Sie wird jungen Meinungsführern helfen, das Thema der politischen Beteiligung auf die Agenda zu setzen.

Karina, 25, Costa Rica: Die Studie deckt Lücken im Bereich der formalen Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche in der Klimapolitik auf. Zugleich liefert sie Ansatzpunkte für die Entwicklung eines Mechanismus' zur Bürgerbeteiligung, der die Jugend mit einschließt.

Wie geht es weiter in der Klimapolitik?

Alonso, 26, Peru: In Peru herrscht noch viel Unsicherheit darüber, wie mit dem Klimawandel umgegangen werden soll. Außerdem enthalten weniger als drei Monate vor den Präsidentschaftswahlen die Wahlprogramme von sechs der über 18 politischen Gruppierungen, die am Wahlprozess teilnehmen und voraussichtlich die höchsten Stimmenzahlen erhalten werden, keine politischen Leitlinien, die dem Paris-Abkommen entsprechen.

Noch viel weniger ist die Herausforderung des Klimawandels als Querschnittsthema Teil ihres politischen Diskurses und ihres Wahlkampfes. Bis heute gab es auch keine bedeutenden Bemühungen der Zivilgesellschaft, die Kandidaten dazu zu bringen, den Klimawandel als relevantes Thema für die Wahlen und die politische Agenda zu betrachten, mit dem man sich in den nächsten fünf Jahren beschäftigen und das man überwachen muss.

Carlos, 26, Argentinien: Am 10. Dezember letzten Jahres gab es in Argentinien nach zwölf Jahren mit der gleichen politischen Partei an der Spitze einen Regierungswechsel. Mit diesem Wandel verbunden ist ein großer Enthusiasmus, mit dem die Klimaproblematik derzeit angegangen wird. Die Regierung entsandte eine vertrauenswürdige und gut vorbereitete Delegation zur COP21, um das Land zu vertreten.

Heute sprechen wir inzwischen im ganzen Land von Klimawandel, nachhaltigem Verkehr, erneuerbaren Energien und Energieeffizienz

Außerdem fand in den letzten Tagen die erste interministerielle Sitzung statt, auf der die globale Verpflichtung des Landes bekräftigt wurde, die sich in ehrgeizigeren INDCs ausdrücken soll. Heute sprechen wir inzwischen im ganzen Land von Klimawandel, nachhaltigem Verkehr, erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Die Zukunft ist sehr verheißungsvoll.

Karina, 25, Costa Rica: Costa Rica ist dank seiner Bemühungen um die Gestaltung einer staatlichen Politik zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung natürlicher Lebensräume (zum Beispiel die Entwicklung eines Zahlungssystems für Umweltdienstleistungen) weltweit anerkannt. Es gibt eine Sensibilität gegenüber umweltpolitischen Problemstellungen.

Bereits vor der Vorlage der INDCs verpflichtete sich Costa Rica vor der ganzen Welt zur CO2-Neutralität. Die Umsetzung sowie die Erarbeitung von Strategien zur Mitigation und Anpassung an den Klimawandel in unserem Land schreiten daher voran. Ich glaube, die Aussichten für die Festlegung der INDCs sind vielversprechend. Dennoch fehlt noch eine Integration der verschiedenen Sektoren (privat, politisch, Zivilgesellschaft und Wissenschaft), damit die Bedürfnisse und Realitäten jedes einzelnen berücksichtigt werden.

*Derzeit ist die Forschungsarbeit nur auf Spanisch verfügbar. Wir arbeiten an der Übersetzung in weitere Sprachen.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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