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Generation Sustentabilidad: Lateinamerikas Jugend fordert mehr Nachhaltigkeit in der Energie- und Klimapolitik

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COLOMBIA PROTEST ENVIROMENT
GUILLERMO LEGARIA via Getty Images
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Das vergangene Jahr wird wohl aus Sicht der heutigen Jugend als das Superjahr der Nachhaltigkeitspolitik in die Geschichte eingehen. Der Papst veröffentlichte seine Umwelt-Enzyklika, die G7-Staaten beschlossen die Dekarbonisierung ihrer Energiesysteme und die Vereinten Nationen stellten neue globale Nachhaltigkeitsziele auf.

Zu guter Letzt gelang es dann mehr als 190 Staaten sich in Paris auf einen Weltklimavertrag zu einigen, dessen Erfüllung das Leben der nächsten Generationen prägen wird. Der politische Rahmen für Generationengerechtigkeit ist damit zumindest auf der multilateralen Ebene gegeben.

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Junge Menschen in Lateinamerika fordern von den jetzigen Verantwortungsträgern eine nachhaltigere Politik

Bereits heute fordern junge Menschen in Lateinamerika von den jetzigen Verantwortungsträgern eine nachhaltigere Politik ein. In urbanen Megastädten wie Rio de Janeiro, Mexiko-Stadt oder Lima aber auch in den ländlichen Gebieten betätigen sie sich zivilgesellschaftlich, politisch und kulturell-kreativ. Mit Blick auf die letzten Weltklimaverhandlungen scheinen einige Regierungen dies durchaus ernst zu nehmen.

Sie trieben die Verhandlungen in zentralen geopolitischen Fragen entscheidend voran. Brasilien nutzte dabei seine engen politischen Beziehungen zu den anderen großen Schwellenländern China, Indien und Südafrika. Mexiko fungierte erneut als wichtige Brücke zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Zudem erneuerten die wirtschaftsliberalen Pazifik-Allianzstaaten Chile, Kolumbien und Peru ihren Willen, selbst finanzielle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel zu übernehmen.

Die Motivation ist dabei nicht altruistisch getrieben. Vielmehr ist der Klimawandel in Lateinamerika Alltag und kein abstraktes, in der Zukunft liegendes Phänomen. Viele junge Menschen werden bereits ihr ganzes Leben mit dessen Auswirkungen konfrontiert. So kommen Extremwettereignisse, wie Hurrikans, dort bereits heute häufiger und stärker vor.

Verlust einer der artenreichsten Regionen der Erde

Anhaltende Trockenheit gefährdet die landwirtschaftliche Produktion und damit auch den Anbau von Biomasse. Die Abholzung des Amazonasregenwalds verringert die Fähigkeit CO2 auf natürliche Art und Weise aufzunehmen und gefährdet so seine globale Klimaschutzfunktion - ganz zu schweigen von dem nicht wieder gutzumachenden Verlust einer der artenreichsten Regionen der Erde.

Der Klimawandel ist in der Region auch zu einer Bedrohung der Energiesicherheit und somit der Zukunftsperspektiven der jetzigen und der nächsten Generation geworden. Das Schmelzen der Andengletscher führt nicht nur zu einer Trinkwasserknappheit sondern auch zu einem Wassermangel für Wasserkraftwerke. Die Erderwärmung bedroht damit eine der klimafreundlichsten Stromversorgungssysteme weltweit.

Prominentestes Beispiel für die Folgen des Wassermangels ist derzeit die Region São Paulo in Brasilien. Die Konsequenz könnte eine verstärkte Nutzung konventioneller Energieressourcen, wie Öl und Gas, sein. Mexiko und Brasilien stehen schon in den Startlöchern, um die fossilen Ressourcen vor ihren Küsten zu erschließen. So könnte aus einer co2-neutralen Stromversorgung schnell eine co2-intensive Stromversorgung werden.

Ölpreisverfall

Lateinamerika ist eine der ressourcenreichsten Regionen weltweit und verfügt gleichermaßen über fossile und regenerative Energieträger. Über die Hälfte der Energieversorgung setzt sich aus heimischen fossilen Brennstoffen zusammen. Diese Ressourcen haben jedoch vor dem Hintergrund des Ölpreisverfalls drastisch an Wert verloren. Vor allem Erdöl exportierende Staaten wie Venezuela oder Ecuador müssen Verluste hinnehmen.

In diesen Ländern trägt der Export des Öls unmittelbar zu den Staatseinnahmen bei. Immer mehr junge Menschen verlassen daher das in einer schweren wirtschaftlichen Krise steckenden Venezuela, um im Ausland ihr Glück zu suchen. Ein herber Rückschlag für die Entwicklung des Landes. Außerdem nimmt die Krise dem Land außenpolitische Handlungsspielräume. Bisher nutzte Venezuela seinen Ölreichtum auch, um Länder vor allem Karibikstaaten politisch an sich zu binden. Eine regionalpolitische Instabilität könnte die Folge sein.

Schmelztiegel der Energie- und Klimapolitik

Venezuela und Ecuador als einzige lateinamerikanische OPEC-Staaten versuchen bisher vergeblich Saudi-Arabien, das den globalen Ölpreis durch seinen expansiven Erdölexport niedrig hält, von einer anderen Politik zu überzeugen. Junge Menschen hinterfragen vor diesem Hintergrund die Nutzung fossiler Energieträger auch in Anbetracht bisheriger Einkommensmodelle.

Lateinamerika ist heute ein Schmelztiegel der Energie- und Klimapolitik. Sein Ressourcenreichtum und die zugleich auftretenden Auswirkungen des Klimawandels führen zu intensiven gesellschaftlichen Debatten. Journalistische Netzwerke, zivilgesellschaftlichen Organisationen oder parteipolitischen Nachwuchseinrichtungen vernetzten sich dazu digital und institutionell über Landesgrenzen hinweg und fordern die Themen politisch ein.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Bereich Wind- und Solarenergie sowie die soziale Dimension der Nachhaltigkeitspolitik prägen die Diskussionen. Vor allem letzteres bezieht sich auch auf Fragen der Bürgerbeteiligung und der politischen Einbindung junger Menschen in die Politik. In dieser Artikelreihe werden die verschiedenen Perspektiven der jungen lateinamerikanischen Generation auf die aktuellen Herausforderungen der Energie- und Klimapolitik in Lateinamerika dargestellt.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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