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Das Geständnis eines gesellschaftsmüden Aussteigers

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LAGERFEUER
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Was ist das eigentlich, ein Aussteiger? Kann nur derjenige erfolgreich aussteigen aus der Gesellschaft, der ihr gänzlich den Rücken kehrt?

Muss ich zum Aussteigen aus der Gesellschaft gleich in eine einsame Blockhütte in die Wildnis ziehen? Zum Selbstversorger werden und jeglichen Konsum verweigern?

Offen gesagt - das sind auch Fragen, die uns häufig durch den Kopf gehen, obwohl wir heute bereits den Großteil unserer Zeit in abgeschiedenen Gegenden oder auf dem Meer verbringen, versuchen, uns halbwegs bewusst zu ernähren und nur sehr eingeschränkt und gezielt konsumieren.

Noch haben wir aber diesen letzten Schritt nicht gewagt, wir sind keine Einsiedler, Selbstversorger oder Eremiten, die vollständig in die Einsamkeit geflüchtet sind.

Zu einem Großteil liegt das aber wohl auch an unserer Begeisterung für das Tauchen und den Ozean, denn Tauchreisen und vollkommene Einsamkeit lassen sich nur schwer miteinander kombinieren. Wenn wir weit draußen in der Natur sind und ganz einfach leben, dann geht es uns am besten.

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Credit:feel4nature.com

Wir sind wohl das, was man Aussteiger aus der Gesellschaft nennt. Wir haben den Zielen und Werten, über die sich unsere Gesellschaft in der Gegenwart definiert, den Rücken gekehrt, uns ausgeklinkt aus den meisten gesellschaftlichen Ritualen, aus denen das Leben der breiten Masse heute besteht.

Auch wenn wir natürlich manchmal mittendrin sind in Städten, unter Menschen, so läuft deren Leben doch vollkommen an unserem vorbei. Heute sind wir nicht mehr als ein stiller Beobachter - unerkannt in der breiten Masse bleibt uns nichts als ein verwundertes Kopfschütteln über die Dinge, um die die Welt der "Normalen" sich heute dreht.

Wie sich eine Gesellschaft definiert

Letzten Endes ist eine Gesellschaft immer das Abbild dessen, was die breite Öffentlichkeit als vollkommen normal erachtet, ohne es wirklich in Frage zu stellen.

Zustände, die einfach als gegeben hingenommen werden - Dinge, über die man sich im Alltag keine Gedanken macht, ob sie nun richtig oder falsch sind.

Diese Normalität - also auch unsere Gesellschaft - ist ständig im Wandel. Das war sie schon immer. So wäre es zum Beispiel vor ein paar Hundert Jahren noch vollkommen "normal" und damit gesellschaftlich anerkannt gewesen, als Einsiedler irgendwo alleine in der Wildnis zu leben und sich dort komplett selbst zu versorgen.

Heute jedoch entspricht solch eine Lebensweise nicht mehr der Norm. Menschen, die sich bewusst für ein einsames Leben im Einklang mit der Natur entscheiden, sind in unserer Gegenwart nicht mehr als Sonderlinge, Spinner oder Träumer, auf die unsere Gesellschaft mit dem Finger zeigt.

Woran sich unsere Gesellschaft heute orientiert

Doch wer oder was entscheidet nun heute, was normal ist? Was ist es, dass die gesellschaftlichen Ansichten lenkt? War das schon immer so oder haben sich die Dinge, an denen sich unsere Gesellschaft orientiert, im Laufe der Zeit verändert?

Wahrscheinlich kennst du die Antwort. Fast jedem ist klar, dass die großen Medien in der Gegenwart die Mehrheit der Gesellschaft lenken - unser aller Meinung formen. Fernsehsender, Radio, Zeitungen, Magazine und immer mehr Onlinemedien erschaffen unsere Normalität. Sie allein haben unsere Gesellschaft seit einigen Jahrzehnten fest in ihrer Hand.

Da die Medien heute aber auch nicht mehr als ein gutes Geschäft sind, geht es in der Breite schon lange nicht mehr um Informationsverbreitung oder gar Bildung. Gnadenlos wird jeder "Dreck" publiziert, mit dem sich auch nur ein Moment an Aufmerksamkeit bei den Konsumenten erhaschen lässt.

Rund um die Uhr "prasselt" diese Informationsflut auf allen Kanälen ungefiltert auf die Gesellschaft ein und formt damit ihre Realität. Durch die undurchdringliche Masse an Informationen ist es jedoch kaum noch möglich zu entscheiden, was nun wirklich wichtig ist.

Wahrscheinlich will die breite Masse das aber auch nicht mehr - sich mit tiefgreifenden Themen beschäftigen. Entertainment und leichte Kost ist fast alles, was zum "Abschalten" heute noch gefragt ist.

Nur nicht zur Ruhe kommen und sich mit den grundsätzlichen Dingen oder gar seinem eigenen Leben beschäftigen - ja nichts in Frage stellen und schon gar nicht die eigene Lebensweise oder deren Sinn.

Alles was der Gesellschaft heute bleibt, sind fünf Minuten Empörung zu einem x-beliebigen Thema. Maximal fünf Minuten blankes Entsetzen über Umweltverschmutzung, Überbevölkerung & Co. - bevor es zurück geht zum Dschungelcamp, zum ziellosen Einkaufen oder anderen Nichtigkeiten, die Zerstreuung bieten.

Unser Grund zum Aussteigen aus der Gesellschaft

Natürlich ist es schwer, sich diesem immensen Mediendruck vollkommen zu entziehen, doch wir haben für uns entschieden, so gut es eben geht nicht Teil dieser breiten Masse zu sein. Uns nicht mehr auf diese künstliche Welt einzulassen, sondern unsere Perspektive gänzlich zu verändern - uns vermehrt an den ursprünglichen Werten dieser Welt zu orientieren.

Du fragst dich, was ich damit meine? Eigentlich ist es recht einfach...

Vielleicht war die viele Zeit, die wir bereits in der Natur verbracht haben, der Auslöser oder auch einige der einzigartigen Tierbegegnungen unter wie über Wasser - ich kann es selbst nicht genau sagen.

Wenn Du "da draußen" bist, die Natur hautnah erlebst. Wirkliche Natur. Die wenigen wilden Gegenden und Geschöpfe, die auch heute noch komplett sich selbst überlassen sind. Wenn du mitten im Pazifik mit Haien und Walen tauchst, interagierst, für eine Zeit lang ein Teil ihrer Welt wirst, dann wird dir irgendwann klar, dass du genau hierhin gehörst.

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Credit:feel4nature.com

Du, der Mensch, warst schon immer ein Teil des großen Ganzen - und egal, was du im Leben auch tun wirst, mehr als dieser kleine Teil kannst und wirst du niemals sein.

Ob Geld, Macht oder Anerkennung - nichts davon ist letzten Endes real. Es sind nur künstliche Werte, von Menschen geschaffen um die "Scheinwelt", in der wir leben, am Laufen zu halten.

Um uns Menschen in unserem "Mikrokosmos" in Klassen zu teilen, uns zu richten, zu kategorisieren und zu motivieren, ja nicht auszusteigen aus dem System.

Aber wenn du erst einmal die Perspektive wechselst - weg von den gesellschaftlichen Werten, die uns auferlegen was angeblich richtig oder falsch sein soll.

Wir haben uns eine Parallelwelt geschaffen

Wenn du einmal einen Moment innehältst und versuchst unsere Gesellschaft nach den Regel zu bewerten, die in der Natur seit Millionen von Jahren Bestand haben und funktionieren, dann wirst du feststellen, dass wir Menschen uns eine Parallelwelt geschaffen haben.

In monotonen Großstädten lebt die Gesellschaft ihre eigene Realität - fast so als hätten die Menschen vollkommen vergessen, dass wir nur ein kleiner Teil dieses Planeten sind.

Ungebremst, höher, schneller, weiter und ungeachtet jeglicher Konsequenzen betreiben wir einen Raubbau an der Natur, an unserem Planeten und somit letztlich an unserer Heimat selbst.

Doch diese Selbstherrlichkeit und Gier die unsere Gesellschaft umtreibt, der in Stein gemeisselte Glaube mit Gottes Segen alles besitzen und beherrschen zu können, was uns umgibt - diese Selbstherrlichkeit führt uns zu keinem Ziel, zu keiner glücklichen Zukunft, zu keinem "Happy End". Der Mensch hat jegliche Demut verloren und er verschließt die Augen vor der Realität.

Wenn du das erstmal realisiert hast, dann verliert alles, wonach unsere Gesellschaft heute strebt, seinen Sinn. In einer Welt, die ständig nach Wachstum strebt, gibt es keine dauerhafte Zufriedenheit, es gibt kein Ende - keine Vollkommenheit, wenn man seine Ziele ständig neu definiert.

Mehr zum Thema: Neun Aussteiger-Geschichten, die eure Vorstellung vom Leben verändern könnten

Konsumgüter, die gestern noch erstrebenswert waren, haben schon morgen ihren Wert wieder verloren. So ist die Gesellschaft in einer Endlosschleife gefangen und rennt fortwährend einer Karotte hinterher, nicht anders als ein "dummer" Esel - ohne ihr Tun zu hinterfragen, ohne sich gegen dieses triste Schicksal aufzulehnen.

Dauerhafte Zufriedenheit und Glück kannst du durch Konsum niemals erlangen. Wahres Glück misst sich nämlich nicht in Geld oder Besitz, sondern ausschließlich in vollkommenen Momenten.

Dies sind die Momente, in denen du tief in Dir drin fühlst, dass du genau jetzt, in dieser Sekunde, am richtigen Platz bist.

Solche vollkommenen Augenblicke erlebst du nirgendwo so intensiv wie in der Natur. Wenn dir klar wird, wie klein und unbedeutend du doch bist. Wenn du realisierst, das die Spanne deines Lebens nicht einmal ein Wimpernschlag für das Universum ist.

Dann erkennst du vielleicht genau wie wir, dass all die Dinge und Sorgen die unsere Gesellschaft heute bewegen eigentlich keinerlei Bedeutung haben, ja sogar vollkommen sinnlos sind.

Konsequenzen beim Aussteigen aus der Gesellschaft

Hast du erst wirklich realisiert, dass du nicht mehr als ein winziger Teil der uns all umgebenden Natur bist, dann kannst du einfach nicht mehr so weitermachen wie bisher.

Wahrscheinlich wirst Du genau wie wir erkennen, dass deine Lebenszeit und was du daraus machst der einzig wirklich nennenswerte Wert im Leben ist.

Darum kümmern wir uns mittlerweile nicht mehr um gesellschaftliche Anerkennung und kaufen nur noch die Dinge, die wir zum Leben oder unsere Arbeit wirklich brauchen.

Den "Löwenanteil" unserer Zeit verbringen wir heute lieber in der Natur mit den Dingen, die uns wirklich Freude bereiten, statt den krankhaften Werten nachzueifern, die unsere Gesellschaft für erstrebenswert hält.

Vielleicht werden wir eines Tages doch in der einsamen Hütte in der Wildnis enden oder als Nomaden auf einem kleinen Segelboot durch die Weltmeere streifen. Niemand weiß, was der nächste Morgen bringt...

Dieser Artikel erschien zuerst auf feel4nature.de

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