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Hier erfährst du, wie du dir Kontogebühren und hohe Dispozinsen sparen kannst

25/11/2017 16:27 CET | Aktualisiert 25/11/2017 16:27 CET
Portra via Getty Images

Ein Dispokredit kann sich schnell als Kostenfalle erweisen - doch die Zinsen sind zuletzt gesunken. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat immer Gewinner und Verlierer gehabt.

Seit der Banken- und Finanzkrise, die in der öffentlichen Wahrnehmung scheinbar nahtlos in die Schuldenkrise der EU-Südländer überging, stehen auf der Verliererseite viele Haushalte. Hintergrund: Die EZB hält die Leitzinsen - unter anderem um die Wirtschaft durch Investitionen anzukurbeln und die Inflation im Bereich der 2 Prozent zu halten - niedrig.

Damit gehören alle Haushalte, die über Zinsen sparen wollen, zu den großen Verlierern. Die Guthabenzinsen für verzinsliche Geldanlagen sind in den letzten Jahren - wie die Statistiken der Bundesbank zeigen - deutlich eingebrochen.

Davon sind unter anderem Anlageformen wie das Tagesgeld- und Festgeldkonto betroffen. Aber auch die Sparbücher sind angesichts der Niedrigzinspolitik unter die Räder gekommen. In den letzten Jahren hat diese Entwicklung nicht nur Sparern zu schaffen gemacht.

Auch institutionelle Anleger, die aufgrund gesetzlicher Bestimmungen einen Teil ihres verwalteten Kapitals - etwa Versicherungen - sicher anlegen müssen, kämpfen mit Problemen. Und müssen die Zinsen herunterschrauben oder Beiträge erhöhen.

Leitzinsen und Bankkunden - Kreditnehmer als Gewinner?

Als Kreditnehmer gehöre ich zu den Gewinnern! Diese Ansicht ist bequem und scheinbar zutreffend, bleibt am Ende aber nur Teil der Wahrheit. Richtig ist, dass die Kosten für Finanzierungen - also der Kreditzins - laut Bundesbank in den letzten Jahren deutlich gesunken sind.

Die durchschnittlichen Kreditzinsen im Überblick:

Durchschnitt Kreditzins (Juli des Jahres)Zinssatzfür Darlehen insgesamt
20175,97 Prozent p.a.
20166,18 Prozent p.a.
20156,40 Prozent p.a.
20156,69 Prozent p.a.
20166,81 Prozent p.a.

Immer weniger kostenfreie Girokonten

Auf der anderen Seite brauchen Kreditnehmer auch ein Bankkonto. Und genau hier werden viele Haushalte heute zur Kasse gebeten.

Hintergrund: Über Jahre war das kostenlose Girokonto - also Bankkonten ohne Kontoführungsgebühr - ein Aushängeschild vieler Banken. Inzwischen hat dieses Kontomodell scheinbar ausgedient. Seit einigen Jahren verabschieden sich viele Kreditinstitute von diesem Bankprodukt - zugunsten von Girokonten mit monatlicher Kontoführungsgebühr.

Vorreiter waren hier unter anderem die Sparkassen und Volksbanken. Inzwischen ist das kostenlose Girokonto aber auch bei vielen Direktbanken ein Auslaufmodell, auch wenn es natürlich noch Ausnahmen gibt.

Ein zweites Phänomen betrifft Banken, die auf den ersten Blick zwar am Konto ohne Kontoführungsgebühr festhalten, dieses aber überarbeitet haben. Heißt: Inhaber müssen plötzlich einen höheren Mindestgeldeingang auf dem Konto vorweisen, um in den Genuss des Verzichts auf die Kontoführungsgebühr zu kommen.

Dispozinsen: Günstige Zinssätze lassen sich realisieren

Ist das Girokonto vom früher preisgünstigen Service der Banken zur Kostenfalle geworden? Diese Frage drängt sich angesichts der Entwicklung durchaus auf.

Zu pauschal darf die Entwicklung nicht betrachtet werden. Bei den Kontoführungsgebühren haben die Banken an der Gebührenschraube gedreht.

Ein Schritt, welcher gern mit der sinkenden Zinsdifferenz (Unterschied zwischen den Kosten für Refinanzierungen und den Kreditzinserträgen) begründet wird.

Niedrige Leitzinsen sorgen für günstigere Dispozinsen

Im Hinblick auf die Zinsen für den Dispokredit profitieren Bankkunden allerdings von der Entwicklung. Hier haben in den letzten Jahren Banken teils massiv den Rotstift angesetzt. Wurden für den Dispokredit vor einigen Jahren noch Zinssätze jenseits der 10 Prozent erhoben, liegen inzwischen viele der Banken darunter - und zwar teils deutlich.

Einige Kreditinstitute bewegen sich laut einiger Untersuchungen bei den Dispozinsen sogar zwischen sechs Prozent bis sieben Prozent.

Diese Entwicklung kommt allen Bankkunden entgegen, die den Dispo in Anspruch nehmen. Einer Umfrage der ING-DiBa zufolge handelt es sich hierbei um etwa 43 Prozent der Bankkunden, die zumindest einige Male im Jahr zugreifen.

Aber: Niedrige Dispozinsen sollten nicht dazu verleiten, andere Alternativen außer Acht zu lassen. Eine Option ist der Rahmenkredit, welcher ähnlich funktioniert, der hinsichtlich der Zinsen aber oft etwas besser abschneidet.

Was ist bei einem Girokonto noch wichtig?

Die Kontoführungsgebühr ist ein Punkt, den viele Bankkunden in den Mittelpunkt stellen. Wieso sollte ich für eine Leistung bei Bank A eine Gebühr zahlen, wenn es bei Bank B auch kostenlos geht? Eine verbreitete Ansicht, die schnell zu Fehlentscheidungen führt. Hintergrund: Die Auswahl von Bank und Konto hängt nicht nur an der Kontoführungsgebühr.

  • Online-Banking: Eine wachsende Zahl von Bankkunden nutzt das Internet zum Erledigen der Bankgeschäfte. Neben einem sicheren Zugang geht es hier um eine umfassende Funktionalität und hohe Sicherheitsstandards in Bezug auf die TANs. Leider gibt es Banken, die für den Versand der TAN im mobileTAN-Verfahren Gebühren erheben, was Bankkunden nicht immer klar ist.
  • ec-/Bankkarte: Bargeldabhebungen und unbarer Zahlungsverkehr werden mittels Karten abgewickelt. Letztere sollte kostenlos sein und Abhebungen an vielen Akzeptanzstellen erlauben. Diesbezüglich haben sich in Deutschland verschiedene Automatennetze entwickelt.

    Es ist durchaus anzuraten, die Verfügbarkeit der Netze in unmittelbarer Umgebung zu prüfen - da andernfalls jede Abhebung teuer wird.

  • Filiale in der Nähe: Direktbanken versuchen bei den Konditionen Filialbanken auszustechen. Nicht jeder Bankkunde verzichtet gern auf Ansprechpartner in einer Filiale. Ist dieser Punkt wichtig, sollte auf das Filialnetz geachtet werden.
  • Mindestgeldeingang: Dieser Aspekt verdient Aufmerksamkeit. Hier locken Banken mit der Möglichkeit, sich die Kontoführungsgebühr sparen zu können. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, den erforderlichen Geldeingang zu realisieren. Banken schreiben mitunter vor, welche Verwendungszwecke angerechnet werden - und welche nicht.

Neben diesen Aspekten spielen noch diverse andere Punkte eine Rolle. So steht die Frage im Raum, ob eine Kreditkarte wirklich nötig ist. Besonders kritisch sollte dieser Aspekt bewertet werden, wenn für das erste Jahr die Karte zwar keinen Euro Jahresgebühr kostet - im zweiten Jahr aber umso teurer wird.

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Fazit: Kostenlose Girokonten werden immer seltener

Ohne Bankkonto ist an einen geregelten Alltag heute eigentlich nicht mehr zu denken. Das Girokonto ist mittlerweile selbstverständlich, in den letzten Jahren aber in Bezug auf die Aufmerksamkeit in den Mittelpunkt geraten.

Hintergrund: Banken verzichten auf Modelle ohne Kontoführungsgebühr und überarbeiten die Gebührenverzeichnisse. Damit werden bisher kostenlose Leistungen teuer. Für Bankkunden eine ärgerliche Entwicklung.

Beim Dispo sind die Zinsen hingegen in den letzten Jahren gesunken.

Ein Wermutstropfen, auf dem sich niemand ausruhen sollte. Steigen die Leitzinsen wieder an, dürfte es auch mit niedrigen Dispozinsen vorbei sein. Bleibt die Frage, ob Banken dann auch wieder zum kostenlosen Girokonto zurückkehren?

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