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Mit Crowdinvesting kann jeder Innovationen fördern

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Über Companisto können Menschen in Startups investieren. Innovative Startups präsentieren sich mit einem Pitch-Video, Businessplan, Finanzzahlen und weiteren Informationen den etwa 70.000 angemeldeten Investoren. Wenn diese an die Zukunft des Unternehmens glauben, können sie ab 100 Euro investieren und werden dafür am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Das Prinzip Crowdinvesting gibt es bereits seit fünf Jahren in Deutschland. Bisher wurden knapp 40 Millionen Euro allein über den deutschen Marktführer Companisto investiert. Aber kann tatsächlich jeder in Startups investieren und ist das überhaupt für jeden Privatanleger geeignet?

Interview mit David Rhotert


Herr Rhotert, 2012 haben Sie mit Ihrem ehemaligen Studienkollegen Tamo Zwinge die Plattform Companisto gegründet. Wieso braucht die Welt eine Plattform für Investitionen in Startups?

Unternehmensgründungen sind der Motor der Wirtschaft. Der wichtigste Bestandteil der deutschen Wirtschaft sind die vielen mittelständischen Unternehmen. Im Zuge der Digitalisierung entstehen viele neue Startups mit digitalen und innovativen Geschäftsmodellen - das werden die Mittelständler der Zukunft. Nur durch technologischen Fortschritt werden wir im internationalen Wettbewerb bestehen können, denn die digitale Transformation ist tiefgreifender und verläuft vor allem viel schneller als beispielweise die der Industrialisierung. Und damit Startups wachsen können, brauchen sie Wachstumskapital. Davon gibt es allerdings in Deutschland traditionell zu wenig. Unser Ziel ist es, Gründer mit wegweisenden Ideen und wagemutige Investoren zusammen zu bringen. So kann Innovation durch jeden einzelnen gefördert werden und alle haben etwas davon.

Es gibt in Deutschland viele verschiedene Plattformen für Investitionen in Startups. Warum sollten Investoren gerade in Startups von Companisto investieren?

Jede Plattform ist anders. Die Crowdinvesting-Branche ist zwar durch das Kleinanlegerschutzgesetz reguliert, jedoch ist die Form und Ausgestaltung der Beteiligungsverträge individuell. Bei Companisto haben wir die Verträge beispielsweise derart gestaltet, dass die Investoren ein Leben lang von ihren Beteiligungen profitieren können. Damit haben wir deutschlandweit die fortschrittlichsten Verträge, die das Beste für Investoren herausholen - da kamen uns unsere Erfahrungen als Rechtsanwälte zugute. Außerdem fokussieren sich die meisten Plattformen auf einen Bereich, Energie-oder Immobilien-Projekte zum Beispiel. Wir setzen dagegen voll auf junge Unternehmen. Für Investoren, die sich für Technologie, IT und Kommunikation, Medizintechnik und Dienstleistungen interessieren, sind wir definitiv die richtigen Ansprechpartner. Wir wählen unsere Startups dabei nach klassischen VC-Kriterien aus, gucken besonders auf den Innovationsgrad des Produkts, sehen uns das Team genau an und werfen natürlich auch einen Blick auf die Finanzzahlen. Wir wissen mittlerweile recht gut, welche Startups unsere Investoren bevorzugen und achten bei der Auswahl besonders auf Qualität statt Quantität. Letztendlich entscheiden aber immer die Investoren selbst, ob sie investieren wollen.

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Welche Anlagemodelle bietet Companisto den Investoren an?

Wir haben mittlerweile drei Anlageformen für Investitionen in Startups und Wachstumsunternehmen auf Companisto. Den größten Teil nehmen die Startup-Beteiligungen ein. Diese sind lebenslange Beteiligungen, die eine Gewinnbeteiligung und eine Beteiligung am Verkauf des Startups - Exit genannt - beinhalten. Wir finanzieren hier besonders Early-Stage-Startups, das heißt Startups, die eventuell schon erste Umsätze verzeichnen konnten, aber noch immer ganz am Anfang stehen. Dann gibt es das Venture Loan, ein Darlehen mit vier Jahren Laufzeit und einer Festverzinsung von 8 % pro Jahr. Hier investieren Anleger in wachsende Startups, die schon über 500.000 Euro Umsatz im Jahr aufweisen können. Und die dritte Möglichkeit ist dann das Impact Loan für Investitionen in Unternehmen mit einem Fokus auf soziale Geschäftsmodelle. Auch hier wird das Investment mit 8 % pro Jahr verzinst, allerdings über eine Laufzeit von sechs Jahren. Ja nachdem, wie ein Investor bevorzugt investiert, eignet sich das eine Modell mehr als ein anderes.

In all diesen Anlagemodellen handelt es sich um Risikoinvestments. Warum glauben Sie, dass sich diese Art von Investitionen für Privatanleger eignet?

Investitionen in Startups sind natürlich risikoreiche Investitionen. Sie eignen sich daher auch nicht für die Altersvorsorge, denn mit dem unternehmerischen Risiko muss man rechnen. Startups können scheitern und dann ist das Investment eventuell weg. Allerdings kann es zu dreistelligen Renditen kommen, wenn ein Unternehmen Erfolg hat und verkauft wird oder sogar an die Börse geht. Das Prinzip Keine Rendite ohne Risiko zieht sich aber durch die gesamte Finanzanlage, das ist kein Prinzip, dass man nur beim Crowdinvesting findet. Auch bei Investitionen in Aktien besteht ja ein Risiko, dass das Unternehmen insolvent geht, nur ist es dort aufgrund der Größe der Unternehmen geringer als bei Startups. Dementsprechend fällt auch die Rendite niedriger aus. Crowdinvesting eignet sich vor allem als Ergänzung des eigenen Portfolios. Investoren sollten ihr Kapital auf mehrere Anlageklassen streuen und so mögliche Verluste ausgleichen. Unsere Daten zeigen, dass unsere Investoren das auch berücksichtigen. Sie investieren in ganz unterschiedliche Finanzanlagen und haben auch ihre Investments bei Companisto auf durchschnittlich drei Startups gestreut. Gerade in Zeiten der Niedrigzinsen werden renditestarke Anlagemöglichkeiten immer wichtiger, um noch eine positive Rendite zu erwirtschaften. Von daher: Ja, Crowdinvesting kann grundsätzlich jeder betreiben. Wir haben eine Investorenakademie ins Leben gerufen, um den Anlegern dabei zu helfen, ihre Investmententscheidungen zu professionalisieren. Bisher konnten die Investoren ja schon ab fünf Euro investieren und sich so mit dem Modell vertraut machen.

Jetzt nicht mehr?

Nein, wir haben auf Wunsch unserer Investoren die Mindestinvestitionsschwelle auf 100 Euro angehoben. Aber auch das ist noch ein vergleichsweise niedriger Wert.

Beim Crowdinvesting gibt es erste große Exits: Das Startup Doxter hat bereits einen erfolgreichen Exit hingelegt. Was bedeutet das für die Investoren?

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Doxter war tatsächlich unser erstes Startup, das wir finanziert haben. 2016 wurde das Unternehmen von dem luxemburgischen Mitbewerber Doctena übernommen, der dadurch zum Marktführer aufgestiegen ist. Die Investoren erhielten so eine sehr hohe zweistellige Rendite. Das Investment in Doxter war damals mit einem hohen Risiko verbunden, die fünf Gründer standen noch ganz am Anfang. Umso erfreulicher ist es natürlich, wenn man nach vier Jahren schon einen solchen Erfolg miterleben kann.

Companisto versteht sich selbst als Pionier und ist Marktführer im Bereich Crowdinvesting. Wie wird sich der Markt in Zukunft weiter entwickeln?

Der Kapitalbedarf der Startups in Europa nimmt weiter zu, wie man unter anderem im European Venture Capital Report 2017 nachlesen kann. 2016 sammelten Unternehmen 2,6 Milliarden Euro mehr ein als im Vorjahr. Die Zahl der innovativen Gründer wächst laut KfW-Gründungsmonitor seit 2015 ebenfalls an. Grundsätzlich wird die Finanzierung von Startups also immer wichtiger werden. Und Crowdinvesting ist hier ein Wachstumsmarkt im Bereich Wagniskapital. Ein aktueller Zwischenbericht des Branchenportals crowdfunding.de zeigt: Crowdinvesting für Unternehmen hat 2017 im Vergleich zum Vorjahr wieder um 18 Prozent zugelegt.
Diesen Trend spüren wir auch auf Companisto. Nicht nur das Investitionsvolumen wächst jedes Jahr, sondern auch die Zahl der Finanzierungsrunden auf Companisto nimmt zu. Im Geschäftsjahr 2016 konnten wir die Anzahl der Crowdinvestings im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent steigern. Aufgrund dieser Zahlen gehen wir auch weiterhin von einem positiven Wachstum der Branche aus.
Ganz aktuell wird das Kleinanlegerschutzgesetz im Bundesrat diskutiert, das unsere Branche reguliert. Das Thema Regulation ist natürlich wichtig für uns, da wir Verbraucherschutz und Aufklärung für sehr wichtig halten, gleichzeitig aber natürlich auch international konkurrenzfähig bleiben wollen. Und zum Thema Pionier sei nur so viel verraten: Wir optimieren unsere Plattform jeden Tag, arbeiten aber auch gerade an zwei großen Projekten, die Crowdinvesting in Zukunft maßgeblich verändern werden.

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