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Malaria - bald weltweit unter Kontrolle?

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Bild: Anopheles-Mücke: ein Stich kann tödlich enden, Fotolia©mycteria

Malaria ist eine Tropenkrankheit. Doch noch vor 70 Jahren erkrankten auch hierzulande noch viele Menschen entlang von Flüssen und Feuchtwiesen am Sumpffieber. Mittlerweile schwanken die Zahlen der in Deutschland gemeldeten Malariafälle jährlich nur noch zwischen gut 500 und knapp 1.100 meist eingeschleppten Erkrankungen. Für den Überträger, die weibliche Anopheles plumbeus-Stechmücke, ist es hierzulande meist zu kühl und es gibt zu wenige warme Feuchtgebiete, um länger zu überleben. Trotzdem breitet sie sich südlich des Mains in den letzten Jahren wieder aus. Aus Südeuropa werden in den letzten Jahren immer wieder Malaria-Infektionen vor allem aus Griechenland gemeldet.

Stechmücke überträgt tropischen Parasiten

Nicht die Mücke an sich ist gefährlich, doch in ihr vermehren sich humanpathogene Plasmodien, einzellige Parasiten, die mit dem Mückenstich übertragen werden. Für die Malariaerreger ist der Mensch nur ein Zwischenwirt, doch das genügt, um mit periodischem Wechselfieber, Schüttelfrost, Magen-Darm-Beschwerden und Krämpfen an Malaria zu erkranken. Etwa 5-12 Tage vergehen zwischen dem Mückenstich und dem Ausbruch der Erkrankung. Dabei gibt es die schwächere Malaria tertiana und die lebensgefährliche Malaria tropica, die von mittlerweile fünf verschiedenen Plasmodien-Erregern ausgelöst werden.

Malaria ist kaum ansteckend und betrifft besonders Kinder

Auch wenn Malaria nur in seltenen Fällen über infiziertes Blut ansteckend ist, tritt Malaria doch gehäuft entlang von Tropen und Subtropen weltweit auf, weil die klimatischen Bedingungen für Mücke und Erreger hier zur Verbreitung optimal geeignet sind. Besonders Kinder sind anfällig für das Malaria-Krankheitsbild: die Plasmodien vermehren sich zunächst in der Leber, streuen dann aus und befallen die roten Blutkörperchen. Wenn die platzen, gelangen die Erreger erneut in die Blutbahn, worauf der Körper mit Fieberschüben reagiert. Diese Kettenreaktion kann je nach Erreger bis zu drei Tagen dauern.

Über 400.000 Tote könnten durch Prophylaxe vermieden werden

Mit weltweit etwa 429.000 Malaria-Toten (2015) und geschätzt jährlich etwa 212 Mio. Neuerkrankungen stirbt statistisch alle zwei Minuten ein Kind an Malaria. In 91 Ländern existiert die Infektionserkrankung, mit einer endemischen Häufung von 90 % besonders in Zentralafrika.

Malaria-Prophylaxe durch Netze und Schutzkleidung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt zur Malariaprophylaxe Moskitonetze, den Einsatz von Insektiziden und eine saisonale Chemoprophylaxe. Doch Malaria ist eine Armutskrankheit. 43 % der Betroffenen haben weder Moskitonetze noch können sie sich andere Präventionsmaßnahmen leisten. Zwei Drittel der schwangeren Afrikanerinnen haben keinen Zugang zur nötigen Chemoprophylaxe. Wer Zugang hat, dem empfiehlt die WHO die neuen Interceptor G2-Moskitonetze von BASF. Sie sind mit dem Insektizid Chlorfenapyr versehen, dass das Chemieunternehmen seit 20 Jahren erfolgreich gegen Schädlinge in der Landwirtschaft einsetzt. Ein Chlorfenapyr-Spray aus Ludwigshafen für Innenräume erprobt die WHO gerade.

Medikamentöse Prophylaxe durch Tropenmedizinier

Die Malaria-Expositionsprophylaxe besteht aus Moskitonetzen und Schutzkleidung sowie der medikamentösen Prophylaxe: Tropenmediziner verschreiben nach individueller Beratung Präparate wie Resochin, Paludrin, Lariam, Malarone, Riamet und in Ausnahmefällen das Antibiotikum Doxycyclin, die teils vor, teils als Notfallmittel während und nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiert genommen werden sollten.

Erster Malaria-Impfstoff in Entwicklung

Ein erster Impfstoff gegen Malaria soll 2018 in Ghana, Kenia und Malawi getestet werden. Der ‚RTS,S'-Impfstoff von GlaxoSmithKline soll dort an 360.000 Kindern im Alter von 5 bis 17 Monaten getestet werden. Im klinischen Versuch 2009-14 mit Mitteln der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung war das Präparat bereits erfolgreich.

Schnelle und gezielte Diagnose: Malaria muss nicht tödlich enden

Wenn es für die Malariaprävention zu spät ist, kommt es bei einer Infektion darauf an, die Fiebersymptome rechtzeitig und richtig zu deuten. Bei mehr als zwei Tagen Fieber bedeutet dies: sofort zum Arzt. Die Chancen auf eine richtige Behandlung sind in einer Klinik oder bei einem erfahrenen Reise- und Tropenmediziner natürlich größer als beim Hausarzt. Immerhin kann eine unbehandelte Malaria tropica ab dem 5. Ausbruchstag bereits zum Tode führen. Häufiger sind allerdings spätere Malariaausbrüche und gutartige Verläufe durch die harmloseren Plasmodien von Malaria tertiana oder Malaria quartana.

Hoffnung auf künftig bessere Malariaprävention für alle

Rechtzeitig erkannt ist jedoch jede Malariaerkrankung behandelbar und heilbar. Wenn sich die Malariaimpfung im Freilandtest bewährt und zugelassen wird, könnte eine der verbreitetsten Tropenerkrankungen weltweit schon bald erheblich eingedämmt werden. Derzeit finanziert die Gates Foundation mit bisher ca. 2 Mrd. USD etwa 50 % der weltweiten Forschung zur Malariakontrolle. Dass am Ende die weltweite Ausrottung der Malaria wie in den 30er Jahren in Europa und Anfang der 50er in den USA steht, scheint möglich.

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