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Dr. Dr. Rainer Zitelmann im Interview: Erfolg ist kein Zufall

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Jeder Mensch strebt nach Selbstverwirklichung - doch nur wenigen gelingt der Schritt. Dr. Dr. Rainer Zitelmann hat sich zeitlebens mit den Themen Politik, Erfolg und Durchsetzungskraft beschäftigt und erläutert nun in einem exklusiven Interview die wichtigsten Fragen hierzu.

1. Ihre Vita liest sich wie ein Abenteuerroman; erst Linker, dann Journalist, später Immobilieninvestor und Unternehmer und dann bekannter Publizist. Was hat Sie angetrieben sich so vielfältig im Leben zu engagieren?

Zitelmann: Die meisten Menschen haben vermutlich mehr als nur ein Talent. Ob das aber bei Ihnen wirklich zutrifft, können Sie nur herausfinden, wenn Sie es probieren.
Ich wollte in meinem Leben in verschiedenen Bereichen Neues lernen. Und probieren, ob ich auch in ganz neuen Feldern, so etwa als Unternehmer oder Investor, Erfolg haben könnte. Ich habe seit meiner Jugend Arnold Schwarzenegger bewundert, der - auf einer sehr viel höheren Stufe - ein ähnliches Lebenskonzept verfolgt hat. Er war zuerst der erfolgreichste Bodybuilder aller Zeiten. Dann nahm er sich vor, einer der bestbezahlten Filmschauspieler in Hollywood zu werden. Er hat dieses Ziel erreicht, übrigens nicht mit Muskelfilmen, sondern mit einer Komödie. Und dann hat er alles in der Politik der USA erreicht, was ein Zuwanderer, der nicht dort geboren ist, erreichen kann - er wurde zwei Mal als Gouverneur von Kalifornien gewählt. Mich hat dieser Lebensweg ungemein beeindruckt. Jemanden, der vierzig Jahre lang im öffentlichen Dienst Formulare bearbeitet und der schon heute weiß, wie viel er in zehn Jahren verdient - den kann ich nicht verstehen, wenn ich ehrlich bin.

2. Als Kind haben Sie einen Brief an Willy Brandt geschickt und sogar beantwortet bekommen. Heute sind Sie noch immer politisch aktiv. Warum hat die Politik einen so großen Einfluss auf Sie ausgeübt?

Zitelmann: Das hängt mit meinem Elternhaus zusammen. Da wurde stets über Politik diskutiert. Ich habe mit acht Jahren angefangen, den „Spiegel" zu lesen. Irgendwie ist es auch die Prägung durch das Evangelische Pfarrhaus, in dem ich aufgewachsen bin: die Welt verändern zu wollen, etwas zu bewegen. Ich schreibe gerade an einem Buch, das eine aus meiner Sicht sehr wichtige Botschaft hat: „Kapitalismus tut den Menschen gut", so der Arbeitstitel. Ich vergleiche beispielsweise China vor und nach der Einführung des Kapitalismus, Nord- und Südkorea, die Bundesrepublik und die DDR - vielleicht schreibe ich auch was über Chile und Venezuela. Ich habe eine Botschaft, die ich in der ganzen Welt mit diesem Buch verbreiten will: Der vielgeschmähte Kapitalismus ist nicht das Problem dieser Welt, sondern die Lösung für viele Probleme auf diesem Planeten.

3. Ihr Buch „Setze dir größere Ziele" wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Warum glauben Sie, dass Ihr Buch so einen großen Anklang gefunden hat?

Zitelmann: Den größten Erfolg haben meine Bücher in Asien. Das sagt mehr über Asien als über meine Bücher. Meine Bücher handeln ja vom Erfolg. Besonders erfolgreich ist das Buch „Setze dir größere Ziele!" - in Indien, Korea, Taiwan usw. Der Grund: Asiaten sind viel hungriger als wir Europäer. Sie sehen das auch in den USA: 49 Prozent der Amerikaner mit asiatischen Wurzeln besitzen einen Bachelor-Abschluss, im Vergleich zu 28 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Sie stellen gerade mal 3,6 Prozent der US-Bevölkerung, aber zum Beispiel ein Drittel der Teilnehmer bei nationalen Mathe- und Physikwettbewerben. Auch verdienen Asiaten in den USA deutlich mehr als alle anderen ethnischen Gruppen, inklusive der Weißen. Meine Bücher kaufen Menschen, die hungrig sind. Die Satten wissen sowieso schon alles, die brauchen solche Bücher nicht.

4. Ihre Autobiografie "Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu!" steht derzeit hoch in der Gunst von Unternehmern, jungen Menschen und Menschen, die etwas bewegen wollen. Warum ist es wichtig, immer wieder neu zu starten?

Zitelmann: Die Botschaft des Buches ist: Du kannst immer wieder neu starten, egal wie alt du bist. Ich bin vor zwei Monaten 60 geworden. Da denken viele schon an die Rente. Ich habe mit 59 meine Firma verkauft und meinen zweiten Doktor gemacht. Ich will Menschen Mut machen, die nicht begeistert sind von dem, was sie tun: Hör auf, starte neu! Die Zeit ist viel zu schade, um sie mit Dingen zu verschwenden, die dich nicht begeistern.

5. Sie plädieren in Ihrem neuen Buch dafür lebenslang zu lernen, aber gleichzeitig auch solche Berufe zu wählen, bei denen keine sehr lange Ausbildungszeit notwendig ist. Wie haben Sie es geschafft in so kurzer Zeit vom Journalisten zum Immobilien-Millionär zu werden?

Zitelmann: Ja, mit Ausnahme meiner Tätigkeit als Historiker an der FU Berlin habe ich für keinen der Berufe, die ich ausübte, eine Ausbildung gebraucht. Ich habe überall wieder als Seiteneinsteiger von vorne angefangen. Vielleicht wird das nicht jedem so gelingen wie mir, aber ich möchte einfach an meinem Beispiel zeigen, dass es gehen kann und wie es gehen kann. Als Journalist muss man nicht Journalismus studiert haben, wie viele junge Leute denken. Ich halte das nicht für eine gute Idee. Sie müssen schreiben können, recherchieren können und vor allem von einer Sache etwas verstehen. Ich habe nie ein Volontariat gemacht, sondern bin gleich als Ressortleiter bei einer großen Zeitung eingestiegen. Auch für den Beruf des Verlagslektors, was ich vorher gemacht habe, braucht man keine formale Ausbildung. Ich bin auch da als Seitensteiger gleich oben eingestiegen - als Cheflektor eines der größten Verlage. Man muss sich so was zutrauen, und natürlich müssen einem andere das auch zutrauen, sonst bekommt man den Job nicht. Bei meinem Erfolg als Immobilieninvestor kam mir neben dem gesunden Menschenverstand vor allem zugute, dass ich überhaupt kein Problem damit habe, gegen den Strom zu schwimmen. Im Gegenteil: Mir macht es, so wie vielen erfolgreichen Investoren, geradezu Freude, nach links zu gehen, wenn alle meinen, man müsse jetzt nach rechts gehen. Als Nonkonformist hat man es in einem Großunternehmen oder gar im öffentlichen Dienst wohl oft schwer. Als Investor ist es dagegen ein großer Vorteil, wenn man sich nicht so von Mehrheitsmeinungen abhängig macht. Das ist sicher eine freudige Botschaft für viele Leser der „Huffington Post", denn ich bin sicher, darunter sind eine Menge Nonkonformisten.

6. Sie waren als Agenturinhaber mit Ihrer PR-Agentur weithin bekannt und überaus erfolgreich. Warum sehen Sie Eigen-PR als erfolgskritische Größe an, um im Beruf und auch im Leben Erfolg zu haben?

Zitelmann: Auch da möchte ich Arnold Schwarzenegger zitieren: In seiner Biografie betont er: „Man kann die beste Arbeit abliefern, doch wenn die Leute nichts davon erfahren, ist alles umsonst!" Schwarzenegger ist ein genialer Selbstvermarkter: Ich denke, fast jeder Mensch auf diesem Planeten kennt ihn und weiß, wer er ist. Das hat er ausschließlich seinem PR-Talent zu verdanken. In meinem Buch „Setze dir größere Ziele" habe ich gezeigt, dass das auch für viele andere erfolgreiche Menschen zutrifft, beispielsweise für Richard Branson oder Madonna. Übrigens trifft das ja auch für Trump zu, den ich zwar ganz und gar ablehne, der aber trotz aller seiner massiven Persönlichkeitsdefizite Milliardär und US-Präsident wurde. Das hat er ausschließlich seinem PR-Talent zu verdanken.

7. Was hat Sie motiviert Ihre zweite Doktorarbeit über die Psychologie der Superreichen zu verfassen?

Zitelmann: Ich habe mich stets dafür interessiert, warum manche Menschen mehr und andere weniger Erfolg haben. Es gibt dazu viele populäre Bücher, aber die Wissenschaft hat sich mit der Frage, welche Persönlichkeitsmerkmale Voraussetzung sind, um vermögend zu werden, kaum befasst. Ich war fasziniert, als ich die erste Doktorarbeit zu diesem Thema las, die auch an der Uni Potsdam entstanden war. Die beschäftigte sich allerdings mit Menschen, die im Schnitt „nur" etwa zwei Millionen Euro hatten. Ich sah eine Forschungslücke, sich mit Menschen zu befassen, die es zu einem zwei- bis dreistelliges Nettomillionenvermögen (oder auch mehr) gebracht haben. Da ich ja in meinem ersten Leben Wissenschaftler war, traute ich mir zu, diesem Thema wissenschaftlich nachzugehen. Freilich habe ich Geschichte und Politikwissenschaft studiert und nicht Soziologie. Ich musste mich also noch mal in eine ganz andere Wissenschaft einarbeiten. Das war eine Herausforderung mit 58, 59 Jahren, die mir Freude gemacht hat. Und so ist überhaupt die erste wissenschaftliche Studie entstanden, die sich mit der Reichtumsgenese von Menschen in dieser Vermögenskategorie befasst. Derzeit bin ich deshalb in Gesprächen mit einem Verlag, der Interesse hat, das Buch „Psychologie der Superreichen" auch auf amerikanischen und englischen Markt herauszubringen. Das Interesse an dem Thema ist groß: Nachdem "Der Spiegel" einen vier Seiten langen, sehr positiven Artikel dazu brachte, war die erste Auflage sofort ausverkauft. Ich habe durch die Interviews mit 45 Superreichen zudem interessante neue Menschen kennen gelernt und die Beziehung mit anderen, die ich schon vorher kannte, vertieft. Wenn Sie ein bis zwei Stunden mit einem Selfmade-Unternehmer, der Hunderte Millionen gemacht hat, über sein Leben sprechen, lernen Sie eine Menge. Und lernen ist für mich - direkt nach dem Sex - das Schönste, was es im Leben gibt.

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