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Digital-CEO Jorga im Interview: So funktioniert Digitalisierung wirklich

20/08/2017 10:51 CEST | Aktualisiert 20/08/2017 10:51 CEST

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Frank S. Jorga, CEO von WebID

Moderne Manager sollten sich von ihren Büros und Papierstapeln lösen und stattdessen digitale Lösungen nutzen - diese Meinung vertritt Frank S. Jorga von WebID. Der „Travelling Digital-CEO" plädiert für mehr Verzicht und Freiheit.

Herr Jorga, Sie scheinen die Digitalisierung wahrhaft zu leben. Wie managt man als Gründer und Co-CEO ein 350-Personen-Unternehmen ohne eigenes Büro?

Frank S. Jorga: Wir alle sind doch heute so miteinander vernetzt, dass ein festes Büro nicht mehr notwendig ist. In meinem Fall pflege ich enge Mitarbeiterkontakte mit unseren fünf Standorten von WebID. Mit allen bin ich im permanenten Austausch. Doch da an persönlichen Begegnungen kein Weg vorbeiführt, bin ich regelmäßig vor Ort. Und da wiederum wäre es töricht und kostenintensiv, in jeder einzelnen Dependance ein Geschäftszimmer für mich vorzuhalten. Das wäre auch im Wortsinne feudal - und damit widersprüchlich im Zeitalter der Digitalisierung.

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Ein eigenes Büro ist heute also nicht mehr zeitgemäß?

Frank S. Jorga: Ich staune, wie viele Chefs, aber auch das mittlere Management, immer noch an der Vorstellung dieser eigenen vier Wände festhalten. Für mich ist das ein weitestgehend überflüssiges und obendrein noch teures Statussymbol. Natürlich ist es in manchen Bereichen sinnvoll, ein festes Büro zu haben; zum Beispiel, wenn man fest an einem Standort angestellt ist oder man dort auch gleich seine Meetings abhält. Moderne Manager hingegen sollten sich freimachen von einem festen Arbeitsplatz - was selbstverständlich auch gedanklich befreit. Gerade als FinTech ist es lebensnotwendig, flexibel denken zu können und sich schnell zu adaptieren. Nur so entstehen Kreativität und neue Ideen. Auch hier ist das Silicon Valley Vorreiter. Doch all dies geht nur, wenn es ein Konzept gibt und die ganze Firma mitmacht. Sonst siegen wieder Neid und Eitelkeit und das geht sofort nach hinten los. Wichtig ist, dass verstanden wird, wie sehr ein eigenes Büro auch unser Denken bremst.

Sie fliegen mehrmals wöchentlich nationale und internationale Ziele an. Wie gelingt Ihnen dabei das Arbeiten?

Frank S. Jorga: Mein zeitlicher Einsatz ist sehr hoch, aber der technische Aspekt dieser Antwort ist kinderleicht. Schließlich arbeiten die meisten von uns hauptsächlich mit Computer/Laptop und Telefon/Smartphone. Akten, Papierstapel und damit verbundene Utensilien wie Tacker, Büroklammern oder Radiergummi, die nur den Büroschrank verstopfen, sind da überflüssig. Am Ende brauchen wir und ich doch nur eine Netzverbindung, einen Laptop, ein Smartphone und Strom. So kann ich theoretisch von überall arbeiten. Mit den „digitalen Nomaden" ist dabei schon eine regelrechte Berufsspezies entstanden, die sich an den passendsten Plätzen der Welt niederlässt und ihre Aufträge abarbeitet. Das eigene Büro ist dann gleichzusetzen mit dem stilvollen Café in London, dem Strandhotel in Dubai, dem angesagten Restaurant in Palo Alto, dem passenden Platz direkt im Central Park von New York oder dem Clubhaus an der Promenade von Mumbai. Was glauben Sie, wie das die Leistungen beflügelt.

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Hand aufs Herz, geht das alles so leicht?

Frank S. Jorga: Ich habe deswegen bewusst den rein technischen Aspekt herausgestellt. Was hingegen unersetzbar ist für einen Chef und andere Führungskräfte ist der persönliche Kontakt. Den sollten sie mindestens an drei Wochentagen halten, sonst verlieren sie den Draht zum Unternehmen und vor allem den Leuten. Nur brauche ich für den direkten Austausch eben gerade nicht mein eigenes Büro, in dem man sich womöglich so wohl fühlt, dass man dort gar nicht mehr herauskommt.

Welche Philosophie steckt hinter diesen Ideen?

Frank S. Jorga: Ich war schon immer ein lösungs- und zielorientierter Mensch. Denn so wie die inhaltlichen Digitallösungen, die WebID anbietet, um online die Personenidentifikation und rechtsverbindliche Unterschriften zu vereinfachen, suche ich stets nach neuen Technologien, die meinen Arbeitsalltag erleichtern und optimieren. Außerdem habe ich als „Digital-CEO" zehn Jahre Erfahrung, so habe ich meine Arbeitsmethoden natürlich über die Zeit verfeinert und kann voller Überzeugung davon reden. Zumal doch spätestens vor zehn Jahren Mobilfunk, mobiles Internet und Laptops die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, ortsungebunden zu arbeiten. Nun sind wir ein paar Entwicklungsstufen weiter und die komplette Digitalisierung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche steht kurz vorm Einzug. Da liegt es auf der Hand, dass wir dann auch räumlich gesehen nicht mehr so arbeiten wie im Analogzeitalter, wo jeder Chef noch seine kaffeekochende Sekretärin hatte.

Wenn Sie fast nur unterwegs sind, wie sehen dann Ihr Arbeitsplatz und das dazugehörige Material aus?

Frank S. Jorga: Ein Thema unserer Zeit ist der Verzicht; also der Verzicht auf überflüssige Dinge, die uns nur belasten. Und das lebe ich. Allem voran bedeutet das auch weitest gehenden Verzicht auf Papier. Ich habe zum Beispiel an meinem Hauptstandort in Hamburg nur sechs Schrankfächer: in einem davon liegen Steuerbelege (die es nur gibt, weil das Finanzamt diese Form verlangt) und weitere handunterzeichnete Dokumente, in weiteren zwei befinden sich Ladegeräte, USB-Sticks, Anschlusskabel und andere Technik und dann gibt es noch das Fach für Snacks und Getränke für Gäste. Die restlichen drei sind komplett leer.

Welche Rolle spielt Ihr Smartphone im Alltag?

Frank S. Jorga: Das Smartphone ist natürlich mein wichtigstes Arbeitsinstrument. So kann ich meine Zeit viel effektiver nutzen, also am Flughafen meine Mails checken und über alle Kanäle mit Personal, Kunden und Partnern kommunizieren, während ich auf den nächsten Flieger warte. Zum Glück gibt es seit einigen Jahren stärkere Powerbanks, damit die Akkuladung nie zum Thema werden kann.

Welche Rolle spielen vertraute Partner und Mitarbeiter/-innen?

Frank S. Jorga: Das Thema ist zentral und ich bin jeden Tag stolz darauf, mit so engagierten und herausragenden Mitarbeitern bei WebID an allen Standorten zusammenarbeiten zu können. Insbesondere mein Co-Geschäftsführer Franz Thomas Fürst ist einer der wertvollsten Menschen für mich und das Unternehmen. Ohne ein harmonisierendes und leistungsfähiges Team geht es nicht. Ich sprach ja schon von der Bedeutung des persönlichen Kontakts, der natürlich Vertrauen fördert und den Leuten ein Gefühl für ihre Spielräume gibt. Entscheidend ist hier jedoch, dass man als Chef auch delegiert. Nur so ergibt ein Team Sinn und die Leistung wird abgerufen.

Welchen Ratschlag würden Sie Managern im Hinblick auf Ihre Organisation geben?

Frank S. Jorga: Vor allem junge Firmen und Start-ups haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie fangen mit den Methoden, Abläufen und Inhalten der Old Economy am besten gar nicht erst an. Ich würde ihnen also raten, sich von Ballast wie Papierbergen oder Büroutensilien zu befreien, also dies gar nicht erst anzuschaffen, und mehr digital zu arbeiten. Sie sollten vermehrt die digitalen Möglichkeiten wie Cloudlösungen, synchronisierende Kalenderapps und Online-Organisationsprozesse nutzen, die sie ohnehin ständig bei sich tragen. Auf diese Weise bilden sie Schritt für Schritt eine feste Routine mit den entsprechenden Tools auf ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop heraus. Damit lassen sie nicht nur die Produkte und Dienstleistungen ihrer Konkurrenz hinter sich, sondern auch die konkrete Arbeitswelt.

Gab es einen Schlüsselmoment, der Sie zum Umdenken in Richtung „Travelling Digital-CEO" bewegt hat?

Frank S. Jorga: Als ich vor vielen Jahren in den USA in der Nähe des Silicon Valleys bei der deutsch-amerikanischen Auslandshandelskammer gearbeitet habe, habe ich gelernt, neue Wege zu gehen. Ich habe schnell gemerkt, dass es nur wenige essentielle Dinge braucht, um überall arbeiten zu können. Natürlich hat es einige Zeit gedauert, sich umzustellen, aber nun arbeite ich schon mehr als 20 Jahre auf dem digitalen Weg, bin also technisch und räumlich gesehen völlig autark.

Vermissen Sie es manchmal nicht, ein eigenes Büro zu haben?

Frank S. Jorga: Gar nicht! Natürlich verbringe ich einen Teil meiner Zeit in Deutschland in unserem Büro in Hamburg. Dort ist meine Basis, doch ansonsten genieße ich es, so viele Themen und Termine national und international zu verantworten und an den verschiedensten Orten tätig sein zu können. Ich könnte mir heute gar nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten, und das verdanke ich der modernen Technik, aber auch meinen herausragenden Teams.

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