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Digital-CEO Jorga im Interview: So funktioniert Digitalisierung wirklich

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Frank S. Jorga, CEO von WebID

Moderne Manager sollten sich von ihren B├╝ros und Papierstapeln l├Âsen und stattdessen digitale L├Âsungen nutzen - diese Meinung vertritt Frank S. Jorga von WebID. Der ÔÇ×Travelling Digital-CEO" pl├Ądiert f├╝r mehr Verzicht und Freiheit.

Herr Jorga, Sie scheinen die Digitalisierung wahrhaft zu leben. Wie managt man als Gr├╝nder und Co-CEO ein 350-Personen-Unternehmen ohne eigenes B├╝ro?

Frank S. Jorga: Wir alle sind doch heute so miteinander vernetzt, dass ein festes B├╝ro nicht mehr notwendig ist. In meinem Fall pflege ich enge Mitarbeiterkontakte mit unseren f├╝nf Standorten von WebID. Mit allen bin ich im permanenten Austausch. Doch da an pers├Ânlichen Begegnungen kein Weg vorbeif├╝hrt, bin ich regelm├Ą├čig vor Ort. Und da wiederum w├Ąre es t├Âricht und kostenintensiv, in jeder einzelnen Dependance ein Gesch├Ąftszimmer f├╝r mich vorzuhalten. Das w├Ąre auch im Wortsinne feudal - und damit widerspr├╝chlich im Zeitalter der Digitalisierung.

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Ein eigenes B├╝ro ist heute also nicht mehr zeitgem├Ą├č?

Frank S. Jorga: Ich staune, wie viele Chefs, aber auch das mittlere Management, immer noch an der Vorstellung dieser eigenen vier W├Ąnde festhalten. F├╝r mich ist das ein weitestgehend ├╝berfl├╝ssiges und obendrein noch teures Statussymbol. Nat├╝rlich ist es in manchen Bereichen sinnvoll, ein festes B├╝ro zu haben; zum Beispiel, wenn man fest an einem Standort angestellt ist oder man dort auch gleich seine Meetings abh├Ąlt. Moderne Manager hingegen sollten sich freimachen von einem festen Arbeitsplatz - was selbstverst├Ąndlich auch gedanklich befreit. Gerade als FinTech ist es lebensnotwendig, flexibel denken zu k├Ânnen und sich schnell zu adaptieren. Nur so entstehen Kreativit├Ąt und neue Ideen. Auch hier ist das Silicon Valley Vorreiter. Doch all dies geht nur, wenn es ein Konzept gibt und die ganze Firma mitmacht. Sonst siegen wieder Neid und Eitelkeit und das geht sofort nach hinten los. Wichtig ist, dass verstanden wird, wie sehr ein eigenes B├╝ro auch unser Denken bremst.

Sie fliegen mehrmals w├Âchentlich nationale und internationale Ziele an. Wie gelingt Ihnen dabei das Arbeiten?

Frank S. Jorga: Mein zeitlicher Einsatz ist sehr hoch, aber der technische Aspekt dieser Antwort ist kinderleicht. Schlie├člich arbeiten die meisten von uns haupts├Ąchlich mit Computer/Laptop und Telefon/Smartphone. Akten, Papierstapel und damit verbundene Utensilien wie Tacker, B├╝roklammern oder Radiergummi, die nur den B├╝roschrank verstopfen, sind da ├╝berfl├╝ssig. Am Ende brauchen wir und ich doch nur eine Netzverbindung, einen Laptop, ein Smartphone und Strom. So kann ich theoretisch von ├╝berall arbeiten. Mit den ÔÇ×digitalen Nomaden" ist dabei schon eine regelrechte Berufsspezies entstanden, die sich an den passendsten Pl├Ątzen der Welt niederl├Ąsst und ihre Auftr├Ąge abarbeitet. Das eigene B├╝ro ist dann gleichzusetzen mit dem stilvollen Caf├ę in London, dem Strandhotel in Dubai, dem angesagten Restaurant in Palo Alto, dem passenden Platz direkt im Central Park von New York oder dem Clubhaus an der Promenade von Mumbai. Was glauben Sie, wie das die Leistungen befl├╝gelt.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Das B├╝ro der Zukunft ist digital

Hand aufs Herz, geht das alles so leicht?

Frank S. Jorga: Ich habe deswegen bewusst den rein technischen Aspekt herausgestellt. Was hingegen unersetzbar ist f├╝r einen Chef und andere F├╝hrungskr├Ąfte ist der pers├Ânliche Kontakt. Den sollten sie mindestens an drei Wochentagen halten, sonst verlieren sie den Draht zum Unternehmen und vor allem den Leuten. Nur brauche ich f├╝r den direkten Austausch eben gerade nicht mein eigenes B├╝ro, in dem man sich wom├Âglich so wohl f├╝hlt, dass man dort gar nicht mehr herauskommt.

Welche Philosophie steckt hinter diesen Ideen?

Frank S. Jorga: Ich war schon immer ein l├Âsungs- und zielorientierter Mensch. Denn so wie die inhaltlichen Digitall├Âsungen, die WebID anbietet, um online die Personenidentifikation und rechtsverbindliche Unterschriften zu vereinfachen, suche ich stets nach neuen Technologien, die meinen Arbeitsalltag erleichtern und optimieren. Au├čerdem habe ich als ÔÇ×Digital-CEO" zehn Jahre Erfahrung, so habe ich meine Arbeitsmethoden nat├╝rlich ├╝ber die Zeit verfeinert und kann voller ├ťberzeugung davon reden. Zumal doch sp├Ątestens vor zehn Jahren Mobilfunk, mobiles Internet und Laptops die Voraussetzungen daf├╝r geschaffen haben, ortsungebunden zu arbeiten. Nun sind wir ein paar Entwicklungsstufen weiter und die komplette Digitalisierung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche steht kurz vorm Einzug. Da liegt es auf der Hand, dass wir dann auch r├Ąumlich gesehen nicht mehr so arbeiten wie im Analogzeitalter, wo jeder Chef noch seine kaffeekochende Sekret├Ąrin hatte.

Wenn Sie fast nur unterwegs sind, wie sehen dann Ihr Arbeitsplatz und das dazugeh├Ârige Material aus?

Frank S. Jorga: Ein Thema unserer Zeit ist der Verzicht; also der Verzicht auf ├╝berfl├╝ssige Dinge, die uns nur belasten. Und das lebe ich. Allem voran bedeutet das auch weitest gehenden Verzicht auf Papier. Ich habe zum Beispiel an meinem Hauptstandort in Hamburg nur sechs Schrankf├Ącher: in einem davon liegen Steuerbelege (die es nur gibt, weil das Finanzamt diese Form verlangt) und weitere handunterzeichnete Dokumente, in weiteren zwei befinden sich Ladeger├Ąte, USB-Sticks, Anschlusskabel und andere Technik und dann gibt es noch das Fach f├╝r Snacks und Getr├Ąnke f├╝r G├Ąste. Die restlichen drei sind komplett leer.

Welche Rolle spielt Ihr Smartphone im Alltag?

Frank S. Jorga: Das Smartphone ist nat├╝rlich mein wichtigstes Arbeitsinstrument. So kann ich meine Zeit viel effektiver nutzen, also am Flughafen meine Mails checken und ├╝ber alle Kan├Ąle mit Personal, Kunden und Partnern kommunizieren, w├Ąhrend ich auf den n├Ąchsten Flieger warte. Zum Gl├╝ck gibt es seit einigen Jahren st├Ąrkere Powerbanks, damit die Akkuladung nie zum Thema werden kann.

Welche Rolle spielen vertraute Partner und Mitarbeiter/-innen?

Frank S. Jorga: Das Thema ist zentral und ich bin jeden Tag stolz darauf, mit so engagierten und herausragenden Mitarbeitern bei WebID an allen Standorten zusammenarbeiten zu k├Ânnen. Insbesondere mein Co-Gesch├Ąftsf├╝hrer Franz Thomas F├╝rst ist einer der wertvollsten Menschen f├╝r mich und das Unternehmen. Ohne ein harmonisierendes und leistungsf├Ąhiges Team geht es nicht. Ich sprach ja schon von der Bedeutung des pers├Ânlichen Kontakts, der nat├╝rlich Vertrauen f├Ârdert und den Leuten ein Gef├╝hl f├╝r ihre Spielr├Ąume gibt. Entscheidend ist hier jedoch, dass man als Chef auch delegiert. Nur so ergibt ein Team Sinn und die Leistung wird abgerufen.

Welchen Ratschlag w├╝rden Sie Managern im Hinblick auf Ihre Organisation geben?

Frank S. Jorga: Vor allem junge Firmen und Start-ups haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie fangen mit den Methoden, Abl├Ąufen und Inhalten der Old Economy am besten gar nicht erst an. Ich w├╝rde ihnen also raten, sich von Ballast wie Papierbergen oder B├╝routensilien zu befreien, also dies gar nicht erst anzuschaffen, und mehr digital zu arbeiten. Sie sollten vermehrt die digitalen M├Âglichkeiten wie Cloudl├Âsungen, synchronisierende Kalenderapps und Online-Organisationsprozesse nutzen, die sie ohnehin st├Ąndig bei sich tragen. Auf diese Weise bilden sie Schritt f├╝r Schritt eine feste Routine mit den entsprechenden Tools auf ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop heraus. Damit lassen sie nicht nur die Produkte und Dienstleistungen ihrer Konkurrenz hinter sich, sondern auch die konkrete Arbeitswelt.

Gab es einen Schl├╝sselmoment, der Sie zum Umdenken in Richtung ÔÇ×Travelling Digital-CEO" bewegt hat?

Frank S. Jorga: Als ich vor vielen Jahren in den USA in der N├Ąhe des Silicon Valleys bei der deutsch-amerikanischen Auslandshandelskammer gearbeitet habe, habe ich gelernt, neue Wege zu gehen. Ich habe schnell gemerkt, dass es nur wenige essentielle Dinge braucht, um ├╝berall arbeiten zu k├Ânnen. Nat├╝rlich hat es einige Zeit gedauert, sich umzustellen, aber nun arbeite ich schon mehr als 20 Jahre auf dem digitalen Weg, bin also technisch und r├Ąumlich gesehen v├Âllig autark.

Vermissen Sie es manchmal nicht, ein eigenes B├╝ro zu haben?

Frank S. Jorga: Gar nicht! Nat├╝rlich verbringe ich einen Teil meiner Zeit in Deutschland in unserem B├╝ro in Hamburg. Dort ist meine Basis, doch ansonsten genie├če ich es, so viele Themen und Termine national und international zu verantworten und an den verschiedensten Orten t├Ątig sein zu k├Ânnen. Ich k├Ânnte mir heute gar nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten, und das verdanke ich der modernen Technik, aber auch meinen herausragenden Teams.

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