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Niedrigzinsen - deutsche Sparer auf der Suche nach Alternativen

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STOCKMARKET
Adam Gault via Getty Images
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Des einen Freund, des anderen Leid: Während sich Kreditnehmer dieser Tage über das historisch niedrige Zinsniveau am Kreditmarkt freuen dürfen, gehen klassisch orientierten Anlegern zunehmend die Alternativen aus. Anlageklassen wie Tagesgeld oder Festgeld werfen seit einigen Jahren bereits kaum noch Renditen ab.

Zieht man dann auch noch die Inflation ab, sieht die Lage noch schlechter aus. Dennoch gibt es diverse Varianten der Anlage, die Verbrauchern durchaus Aussichten auf gute Gewinne eröffnen. Allerdings braucht es in diesem Fall in vielen Fällen eine deutlich größere Risikobereitschaft als beim normalen Sparbuch. Sicherheit und hohe Gewinne - beides auf einmal ist kaum realisierbar.

Haus oder Eigentumswohnung als lohnende Geldanlage?

Dies aber bedeutet auf der anderen Seite beim besten Willen nicht, dass Anlegern nicht diverse Anlagemodelle zur Verfügung stehen, bei denen sowohl die Verluste als auch die Risiken denkbar gut kalkuliert werden können. Die Frage ist im ersten Schritt, welche Ziele mit dem Investment verfolgt werden. Und in gewisser Weise schließt sich schon an dieser Stelle der Kreis zur Einleitung, in der von den niedrigen Kreditzinsen die Rede war.

So stehen die Zeichen für Verbraucher, die schon lange mit dem Gedanken an einen Neubau oder den Erwerb von Wohneigentum spielen, denkbar gut dieser Tage. Noch nie war „Betongold", wie Häuser und Wohnungen aufgrund der vorbildlichen Inflationssicherheit zu Recht betitelt werden, so einfach finanziert wie heute.

Immobilienkauf muss gut durchdacht sein

Dafür jedoch sollten Käufer und Bauherren in spe sehr genau abwägen, ob sie sich damit abfinden können, für 20 Jahre oder mehr in der Schuld eines Kreditinstituts zu stehen. Zudem sind die Baukosten und Immobilienpreise in vielen deutschen Städten erheblich gestiegen in den vergangenen Jahren.

Engagiertes Sparen ist des Weiteren schon in der Vorbereitung einer Baufinanzierung gefragt, denn ohne einen gewissen Anteil Eigenkapital werden Kredite deutlich teurer. Dennoch gilt Wohneigentum für viele Experten als beste Vorsorgemaßnahme fürs Alter. Denn auch die Mieten steigen konstant weiter, weshalb sich mancher Bürger vielleicht doch überlegen, ob sich die Kreditaufnahme als indirekte Variante der Geldanlage langfristig als sinnvoll erweisen kann. Wer clever vorgeht und genau plant, hat durchaus Chancen.

Das Edelmetall Gold - damals wie heute bei Sparern begehrt

Eine Anlageklasse, die auch normale Anleger zunehmend anspricht, steckt bereits im zuvor erwähnten Betongold. Nämlich das Edelmetall Gold. Immer wenn Krisen drohen, steigt die Nachfrage nach Gold am internationalen Markt. Dabei entwickelte sich der Goldpreis - abgesehen von einigen zwischenzeitlichen Preisbereinigungen - zuletzt - teils mit rasanten Höhenflügen, die auch nach der akuten Phase der Finanzkrise mehr oder weniger deutlich anhielten.

Gerade der weiterhin enorme Bedarf an Gold in der Industrie wird angesichts der schwindenden Ressourcen Analysten zufolge den Preis langfristig hoch halten und weiter steigen lassen. Glücklich vor allem der, der schon vor Jahren zu einem sehr guten Kurs eingestiegen ist.

Ein vermeintliches Dilemma, das allmählich Geschichte ist: Früher waren viele Anleger der Meinung, ohne die Bereitschaft, größere vierstellige Summen in das Edelmetall zu investieren, lohnten sich Goldeinlagen schlicht nicht. Ungeeignet ist übrigens das Investieren in Goldschmuck. Hier zahlen Kunden neben dem Materialwert die Arbeitszeit und das Design. Bei einem späteren Verkauf aber erhalten Besitzer vielfach nur den aktuellen Goldpreis auf Basis des Gewichts und der Feinheit.

Der Goldsparplan - ein Format mit Zukunft

Sieht man einmal davon ab, dass am Markt durchaus Barren (oder Münzen) geringeren Gewichts gehandelt werden, entdecken deutsche Sparer zunehmend das Goldsparen für sich. Hier können Anleger vielerorts schon mit einer monatlichen Sparrate ab 50 Euro oder mitunter sogar noch geringeren Mindestbeträgen tätig werden. Das Ergebnis ist ein langfristiger Vermögensaufbau. Der Vorteil hierbei besteht darin, dass Anbieter von Goldsparplänen bessere Preise am Markt erhalten können als einzelne Anleger. Einfluss hat dies erwartungsgemäß auf die spätere Rendite im Verkaufsfall.

Beachten müssen Anleger die anfallenden Entgelte, die beispielsweise für die Lagerung der Goldbestände durch die Anbieter oder den Kauf selbst entstehen. Vorrangig sind freilich die Ausgabeaufschläge auf den Goldpreis zu nennen.

Optionen, Devisen oder Differenzkontrakte als Chance?

Anleger, die schnellere und höhere Gewinne anstreben, als diese bei klassischen Geldanlagen und selbst bei Gold winken, landen oft bei derivaten Finanzinstrumenten wie (Binären) Optionen, Differenzkontrakten (CFD) oder dem Devisenhandel (Forex). Dieser Markt erlebt seit einigen Jahren einen eindrucksvollen Boom. Wie in vielen Bereichen hat das Internet diesbezüglich für innovative Entwicklungen gesorgt. Gleiches gilt für Spekulationen am Aktienmarkt. So benötigen Aktionäre und Trader, wie CFD-, Binäroptionen- und Forex-Händler genannt werden, keinen Kontakt mehr zu einem persönlichen Berater bei der Hausbank, um aktiv werden zu können. Ein Online-Handelskonto reicht aus, um in Minuten Renditen realisieren zu können.

Und die potentiellen Chancen lesen sich mehr als optimistisch. CFD- und Binärhandels-Broker nennen Gewinnquoten von bis zu 80 Prozent, bei entsprechender Risikobereitschaft können gerade im Hochrisiko-Modus mitunter sogar mehrere hundert Prozent pro Position winken. Seriöse Anbieter verschweigen dabei natürlich nicht, dass der Risiko eines Verlusts ebenfalls hoch ausfällt.

Gewinnen oder verlieren - dazwischen gibt es vielfach nichts

Typische Binäre Optionen sehen - schließlich stammt der Name aus der Mathematik - entweder einen vorab bekannten Gewinn oder den vollständigen Verlust des Einsatzes vor. Diese Eigenschaften des Derivathandels müssen Anleger vor dem Einstieg unbedingt kennen. Riskant sind nämlich alle der genannten Handelsmodelle. Gerade der Devisenmarkt zeichnet sich aber als gutes Terrain für Anleger aus, die in kurzer Zeit gute Gewinne mitnehmen möchten. Der Grund ist darin zu sehen, dass der Forex-Sektor der größte Finanzmarkt der Welt ist. Pro Tag werden hier mehr als fünf Billionen US-Dollar umgesetzt, gerade die Kurse der meist gehandelten Währungspaare sind sehr schwankungsanfällig (volatil), sodass akut enorme Gewinne locken.

Handel mit Derivatprodukten mit geringem Kapitaleinsatz möglich

Gemeinsam haben die Derivatprodukte, dass hier nicht in physische Werte wie etwa Gold oder Aktien investiert wird. Vielmehr spekulieren Händler über die Plattformen ihrer Broker auf die Entwicklungen der Kurse von Basiswerten, die wiederum Aktien, Indizes, Devisen oder Rohstoffe sein können. Der Vorteil der Broker-Angebote besteht darin, dass Kunden oft schon mit ein paar hundert Euro ein Handelskonto eröffnen und mit einem einstelligen oder geringen zweistelligen Eurobetrag in den Handel starten können.

Welche Produkte werden mir und meinen Zielen gerecht?

Ganz gleich, ob sich Anleger für eines der erwähnten Anlage- und Spekulationsobjekte begeistern oder Alternativen wie edle Weine, Oldtimer oder anderes bevorzugen. In jedem Fall müssen Käufer und Produkte hinsichtlich der erforderlichen Budgets, der wahrscheinlichen Zeiträume zwischen Kauf und Verkauf sowie das zu erwartende Gewinn-Verlust-Verhältnis am besten auf ganzer Linie zueinander passen. Dies betrifft auch und gerade die Frage, wie lange Geld in ein bestimmtes Produkt investiert werden kann und soll. Bei einigen Angeboten braucht es Geduld, andere Formate eignen sich vorrangig für „Daytrader", die innerhalb eines Handelstag Gewinne anstreben.

Außerdem können selbst vermeintlich sichere Investments Verluste verursachen. Insider empfehlen nicht grundlos, nur mit Geld zu spekulieren, das bei einem Minus auf dem Handelskonto nicht schon kurze Zeit später an anderer Stelle schmerzlich fehlt.

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