Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Christian Edler Headshot

Endlich klare Verhältnisse für Sportwettenfans - das leidige Thema Wettsteuer

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SPORT BETS
ASSOCIATED PRESS
Drucken

Über das Thema Sportwetten in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren so viel geschrieben, dass viele Interessenten nicht nur den Durch- und Überblick, sondern zwischenzeitlich vielfach sogar die Lust an der Eröffnung eines Wettkontos und ersten Tipps auf große oder kleine Sportevents verloren haben. Schade, denn gerade zuletzt hat sich unklare Lage am deutschen Markt endlich weitgehend geklärt. Zumindest erweckt dies vordergründig den Anschein. Ganz so eindeutig geregelt wirkt die Sachlage hierzulande dann aber spätestens auf den zweiten Blick nicht. Denn abseits der regulierten Anbieter regt sich immer wieder Widerstand bei Dienstleistern, denen es nicht gelungen ist, ihrerseits eine Lizenz zu erhaschen.

Nachfrage nach Sportwetten in Deutschland nimmt stetig zu

Wie sehr Sportwetten bei den Deutschen im Trend liegen, wird schon bei einem einfachen Gang durch die städtischen Fußgängerzonen nur allzu offensichtlich. In vielen Städten schießen die Niederlassungen der Anbieter regelrecht wie Pilze aus dem Boden. Kein Wunder. Denn natürlich möchten die ständig neu erscheinenden Unternehmen der Branche am Boom mitverdienen. Dabei wird zudem klar, dass die Mehrheit der Plattform-Betreiber längst ihren Horizont Schritt für Schritt erweitert hat.

Neben reinen Wettgeschäften auf Ereignisse aus den Bereichen Fußball, Tennis, American Football oder auch Eishockey tauchen in Vergleichsangeboten immer häufiger auch Angebote aus dem Bereich der Casino- und Automatenspiele und andere Offerten auch. Warum auch nicht? Eine breitere Produktpalette erhöht die Chance auf eine Umsatzsteigerung in aller Regel deutlich, da so eine größere Zielgruppe angesprochen werden kann.

Wo haben die Betreiber der Plattformen ihren Sitz?

Die Frage nach den möglicherweise fälligen Steuern auf Gewinne aus Sportwetten-Aktivitäten indes ist lange Zeit ein sprichwörtliches heißes Eisen gewesen. Einfach deshalb, weil die rechtliche Lage in Deutschland alles andere als eindeutig war. Der Gesetzgeber, vor allem aber die zuständigen Minister in den verschiedenen Bundesländern waren sich uneins darüber, welche Stellung die Angebote der Betreiber denn eigentlich einnahmen. Dies wiederum liegt in weiten Teilen daran, dass die Portale ihren Firmensitz mehrheitlich im Ausland hatten - oft sogar außerhalb der EU. Zwar unterhalten die Unternehmen oft schon seit längerer Zeit auch deutsche Dependenzen. Juristisch greifbar waren sie deshalb für den Fiskus aber noch lange nicht. Was fehlte, war also der „große Wurf" des Gesetzgebers.

Deutscher Fiskus verdient an allen Sportwetten mit

Erstaunlich ist dies insbesondere deshalb, weil der Staat sonst recht schnell mit Lösungen bei der Hand ist, wenn es darum geht, die eigenen Einnahmen aufzubessern und an Spekulationen und Wettgeschäften seiner Bürger teilzuhaben. Mittlerweile haben die zuständigen Instanzen tatsächlich einen Weg gefunden. Dieser aber schlägt sich bei den Konditionen fürs Sportwetten in unterschiedlicher Weise nieder. Schaut man sich die Abrechnungs-Systeme aus der Nähe an, werden einige Unterschiede deutlich. Das betreffende Gesetz gilt nun seit Sommer des Jahres 2012. Das Gesetz sieht für Buchmacher, die in Deutschland tätig sind, eine Steuer von 5,00 % der Gewinne? ihrer Kunden vor.

Verschiedene Modelle der Steuer-Abfuhr am Markt erkennbar

Wie diese Steuer aber im Einzelnen eingezogen wird, dahingehend gibt es Abweichungen, die oft erst beim Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wirklich offenkundig werden. Teilweise zahlen Spiel-Kunden die Steuer über die Wettquoten bereits mit, bei anderen Dienstleistern wird die Steuer erst später vom Konto abgebucht. Bei ausländischen Anbietern wiederum liegt die Verantwortung beim Kunden selbst. Wer keine Steuern zahlt, nimmt Bußgelder und andere Konsequenzen in Kauf. Einige Sportwettenanbieter übernehmen die Steuern zumindest anteilig für ihre Kunden, andere sogar in voller Höhe. Hier braucht es einen ausführlichen Blick in die AGB der Anbieter, um eine Vorstellung aller Kosten und Gebühren zu erhalten.

Mehr Geld für den Staat, aber keine klaren Richtlinien

Richtig ist aber, dass der Fiskus auf diesem Wege konstant steigende Einnahmen verbucht. Denn die Deutschen sind durchaus eifrige Nutzer der Wettportale. Dabei gelten die Verbraucher hierzulande eher als sparfreudig denn risikofreudig. Wie schwierig sich die Situation gestaltet, zeigt unter anderem der Beitrag des Focus. Dort wird sehr gut deutlich, dass die Rechtslage beim besten Willen nicht so eindeutig ist, wie sich dies Spieler bei Sportwetten wohl wünschen würden. Der „Witz" ist, dass viele Wettfreunde zwar die Hoffnung hatten, das Dilemma sei spätestens mit der
Fußball-Europameisterschaft ausgestanden. Faktisch aber hat der Boom nicht dafür gesorgt, dass die juristisch schwierige Komponente endlich aus der Welt geschafft ist.

Erstaunlicherweise, führt man sich die Schätzungen zum jährlichen Steuerertrag an, den Sportwetten in Deutschland angeblich in die Kassen des Finanzministers spülen. Und laut aktuellen Statistiken der Glücksspielmarkt in Deutschland wächst der Markt wohl auch weiterhin, was nicht zuletzt sicher auch dem anhaltenden digitalen Fortschritt geschuldet ist. Dank Mobile Apps können Sportwetten heute rund um die Uhr von jedem Ort der Welt ausgeführt werden - längst auch während laufender Events und Spiele.

Bund und Länder sind uneins bei der rechtlichen Bewertung

Wie komplex die Thematik beim Thematik Sportwetten ist, hat schon im Jahr 2014 der große Focus-Gegenspieler Spiegel klargestellt. Denn die Debatte zwischen den Bundesländern hält weiterhin an. Die deutschen Gerichte befassen sich nach wie vor mit der Frage, ob und inwieweit Sportwettanbieter ihre Arbeit verrichten dürfen. Gerade das Bundesland Hessen hat einiges zur Diskussion beigetragen. Denn von dort aus wurden die vermeintlich richtigen Lizenzen vergeben. Das Problem: Einige Anbieter haben gegen die Vergabe der Lizenzen geklagt. Genauer gesagt: Etwa ein Dutzend Dienstleister sind gegen die bisherige Praxis.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Viele Wettportalbetreiber gingen bei Lizenzvergabe leer aus

Glaubt man bild.de, geht die Gesamtsumme der Ausgaben in Deutschland längst über die Marke von fünf Milliarden Euro hinaus. Der Fiskus wiederum verdient kräftig mit. 2014 flossen deutlich mehr als 220 Millionen Euro ins Staatssäckerl. Dementsprechend ist es auch nur allzu gut nachvollziehbar, dass nicht nur die Anbieter endlich klare Verhältnisse anstreben - auch Bund und Länder wissen um die nach wie vor komplizierte Lage und möchte diese auflösen. Die bisherigen Ideen und Pläne aus der deutschen Politiklandschaften waren bis dato aber nicht in allen Fällen so erfolgversprechend wie erhofft.

Dies bestätigen auch die angesprochenen Klagen vieler Sportwettenanbieter, die gegen die vor einiger Zeit in Deutschland vergebenen 20 Lizenzen juristisch vorgingen und weiterhin gehen. Ganz klar wurden die zugrundeliegenden Kriterien für die Vergabe nämlich nicht, wie Kritiker - immerhin zum Teil durchaus berechtigt - nach wie vor bemängeln.

Früheres Vertragskonzept hatte bereits EU-Zuspruch erhalten

Zudem hatte auch der Europäische Gerichtshof Kritik geäußert am zuletzt in Deutschland verabschiedeten Glücksspielvertrag, an dem die Innenminister der Länder wie beispielsweise Hessens Minister Peter Beuth federführend mitgearbeitet hatte. Umso kurioser liest sich, dass schon die frühere schleswig-holsteinische Regierung aus CDU und FDP bereits einen eigenen Vertrag ausgearbeitet und sogar verabschiedet hatte - mit dem sich seinerseits die Europäische Union im Jahr 2014 angefreundet hatte. Alles in allem also bleibt die Situation schwierig, die Spieler stört es jedoch wenig, da sie allemal in den Genuss einer ausreichend großen Anbieter- und Wettplattform-Auswahl kommen dieser Tage. Ob mit oder ohne bessere und umfangreichere Lizenzierung als bisher.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Lesenswert: