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Risiken des Devisenhandels: Gebühren nur eine der Forex-Gefahren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BRSE FRANKFURT
Johannes Eisele / Reuters
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Immer häufiger landen Anleger, die sich sonst eher als klassisch orientiert bezeichnen würden, bei Anlageklassen, mit denen sie sich in früheren Jahren eher nicht befasst hätten. Denn normale Privatanleger fragten die Berater bei der Hausbank meist im ersten Schritt nach den Risiken und erst im Anschluss nach den erreichbaren Renditen. Der Grund: Viele Händler waren mit den möglichen Gewinnen bei typischen Sparvarianten wie dem Tagesgeldkonto durchaus weitgehend zufrieden.

Klassische Anlageklassen bieten kaum noch Renditen

Diese Zeiten aber sind inzwischen - zumindest erst einmal und bis zur ersten Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank - vorüber. Der Devisenhandel oder das Trading von Differenzkontrakten findet in dieser Phase des Zinsmarktes zunehmend Anhänger, die sich zuvor keine oder nur bedingt Gedanken über diese vermeintlich riskanten Bereiche machten. Dabei müssen Händler in spe alle Risiken des Forex-Handels kennen.

Nachschusspflicht in etlichen Bereichen noch Standard

Auch wenn es sich mancher Trader kaum vorstellen kann, sind die Gebühren, die von Seiten der Broker sowie der Handelsplätze und Börsen für den Handel erhoben werden, nur ein Faktor, den Trader kennen und berücksichtigen müssen.

Einige Besonderheiten müssen Händlern rund um das FX- und CFD-Trading zur Kenntnis nehmen, um eine Risikoanalyse im eigenen Sinne in Angriff nehmen zu können. Wichtig für Händler, die ein ausuferndes Verlustrisiko von Anfang an ausschließen möchten, sind Maßnahmen, um die sogenannte Nachschusspflicht verhindern zu können.

Hier hilft nur die gezielte Auswahl eines Brokers, dessen Geschäftsmodell den eigenen Trading-Zielen und den finanziellen Möglichkeiten des potentiellen Neukunden gerecht wird oder wenigstens in weiten Teilen zu den Wünschen des Händlers passt.

Händler sollten wissen, welche Risiken auf sie warten

Doch was genau ist die besagte Nachschusspflicht, vor der in Ratgebern vielfach so eindringlich gewarnt wird? Letztlich lässt sich das Problem knapp zusammenfassen. Sehen Forex-Broker und Anbieter des CFD-Handels generell eine mögliche Pflicht zum Nachschuss in ihren AGB vor, bedeutet dies, dass Trader im Ernstfall über ihren eigentlich geleisteten Einsatz über die gehebelten Produkt für zusätzliche Verluste nach falschen Entscheidungen haften müssen. Ein teures „Vergnügen", wenn Broker-Kunden nicht genau genug planen.

Erfreulicherweise schließen immer mehr Broker eben dieses nicht zu unterschätzende Risiko explizit aus. Zum Wohle der Händler, die ein solches potentielles Dilemma gerade am Anfang noch immer gerne vergessen, sodass es plötzlich zu erheblichen Kapitalproblemen kommen kann.

Ohne Margin Call kennen Händler Verlustrisiken ganz genau

Vom Reiz des Handels mit Hebelwirkung berichtet auch focus.de, ohne dabei die Gefahren der Nachschusspflicht beim Forex-Trading zu unterschlagen.

Wichtig ist der Hinweis: Der Nachschuss wird beim Devisenhandel mehrheitlich ausgeschlossen, was einen recht deutlichen Unterschied zu vielen anderen Arten des Derivat-Handels darstellt. Vor allem verhindert der Ausschluss, dass unerwartet große Budget-Lücken entstehen, obwohl die vergangenen Trades fast durchgehend erfolgreich und gewinnbringend ausfielen.

Der professionelle Fachbegriff für die Nachschusspflicht ist „Margin Call". Im Prinzip kann eine durch diesen Ruf entstehende Zwangsliquidierung sogar einen grenzenlosen Verlust nach sich ziehen. Ohne diese Gefahr hingegen, kann generell nur der Einsatz verloren gehen.

Maximaler Hebel, Ersteinlage und Mindesteinsatz

Zudem kommen beim besagten Nachrichtenportal ausdrücklich die Aspekte der Sicherheitseinlagen für das Eröffnen von Positionen zur Sprache. Auch weist der Bericht darauf hin, dass es für den Einstieg in den Devisenhandel fast bei allen FX-Brokern gewisse Einstiegshürden gibt, mit denen sich Trader zu Beginn befassen müssen.

Der Verzicht auf die Nachschusspflicht bedeutet im Übrigen nicht, dass der Handel am Devisenmarkt ohne eine Hebelwirkung auskommen muss. Faktisch erlauben Forex-Broker im Extremfall einen Einsatz eines Hebels von bis zu 1 : 400 (selten mehr), sodass mit einem Einsatz von 1,00 Euro pro Kontrakt bis zu 400 Euro investiert werden können. Der Hebel wird im Fachjargon auch als „Leverage" bezeichnet.

Kennen müssen Trader außerdem die Mindesteinlagen für die Kontoeröffnung sowie den Mindesteinsatz pro Order. Ein paar hundert Euro reichen meist für die Eröffnung eines Accounts, bei geschickter Auswahl des Brokers können Positionen schon mit einem einstelligen Euro-Einsatz auf den Weg gebracht werden.

Handel mit Hebelwirkung birgt hohe Verlustrisiken

Was der Verzicht beim Margin Call für Trader in der Realität heißt, wird bei der Lektüre eines Artikels des Online-Portals der ARD nur allzu offensichtlich. Insbesondere bei exotischen und weniger häufig gehandelten Devisenpaaren könnte der Einsatz von „nur" 500,00 Euro bei einem 200-fachen Hebel verheerende Konsequenzen für Trader haben.

Mit diesem vermeintlichen Minimaleinsatz würden im Beispiel 100.000 Euro bewegt. In sehr volatilen Momenten am Devisenmarkt mit Kursentwicklungen entgegen den Erwartungen können die Folgen durchaus existenziell für Broker-Kunden sein.

Broker ohne Nachschuss schaffen klaren Rahmen fürs Trading

Letzten Endes gehen Broker-Kunden mit der Auswahl eines „Nachschuss-freien" Anbieters also erst einmal auf Nummer sicher. Nichtsdestotrotz aber müssen die potentiell entstehenden Entgelte beim Devisenhandel sowohl im Kontext von Gewinnen und Verlusten im Vergleich eine Hauptrolle spielen.

Wer unterm Strich eine Zeit lang eher in die Verlustzone tendiert, muss zusätzlich auch noch Gebühren für den Handel zahlen. Bei erfolgreichen Positionen am Forex-Markt wiederum wirken sich Entgelte von Seiten der Börsen, Handelsplätze und Broker selbst direkt auf die tatsächlichen Renditen aus.

Gebühren für Transaktionen und allgemeine Handelsfinanzierungen

Besonders wichtig sind die Spreads, also die Unterschiede zwischen den Kauf- und Verkaufspreisen, die Devisenbroker auf ihren Plattformen in fixer oder variabler Form nennen. Bei den meist gehandelten Währungspaaren fallen diese üblicherweise relativ gering aus, während bei Werten mit geringerem Handelsvolumen in aller Regel deutlich höhere Spreads erkennbar werden.

Wie erwartet sind die Geld- und Briefkurse, wie Kauf und Verkaufspreise auch genannt werden, nicht der einzige mögliche Kostenfaktor, zumal die Kosten an dieser Stelle durch den außerbörslichen Handel merklich reduziert werden können.

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Gutschriften oder Extragebühren bei Trading jenseits der Handelszeiten

Transaktionsentgelte entstehen vielfach zwar, sind aber bereits in der Geld-Brief-Spanne inkludiert - hier spricht man auch von einer Einpreisung. Zudem sind Kosten für die Positionen bei Einhaltung vorgegebener Mindest-Anlagesummen pro Order bei den meisten Brokern nicht mehr von Bedeutung.

Nur wenn Grenzwerte nicht eingehalten werden, können weitere Bearbeitungsgebühren entstehen. Übrigens auch wenn Positionen ein sehr hohes Volumen aufweisen. Ansonsten ist es weitgehend der Handel über den Handelsschluss hinaus bei vielen Börsen und Handelsplätzen, der Finanzierungskosten verursacht. Hier geht es um den sogenannten Roll-Over. Allerdings können Händler auch Gutschriften erreichen, sofern sie allein mit eigenem Kapital und ohne Kredite vom Anbieter spekulieren.

Aktuelle EU-Wirtschaftslage bietet Tradern neue Gelegenheiten

Dass sich auch und gerade im zeitlichen Umfeld des „Brexit" Chancen ergeben, zeigt unter anderem die Berichterstattung der FAZ seit dem Referendum in Großbritannien, bei dem sich die Mehrheit der Wähler gegen einen Verbleib in der EU aussprach.

Von einer Neuordnung spricht mancher Experte beim Blick auf den Devisenmarkt. Und von diesen Chancen können gerade Privatanleger durchaus profitieren, wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen - immer sollten sie dabei die Gebühren und Risiken des Devisenhandels im Hinterkopf behalten, um nicht zu viel zu wagen, sondern lieber in kleinen Schritten Renditen realisieren.

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