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Rendite um jeden Preis im Aktiendepot? Kalkuliertes Risiko eingehen

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STOCKMARKET
Bloomberg via Getty Images
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Anleger haben oft - das zeigen Erfahrungsberichte vieler unzufriedener Aktionäre sehr deutlich - eine nicht immer haltbare Vorstellung davon, welche Renditen sie realisieren können. Genauer gesagt: Welche Gewinne bei welchem Verlustrisiko im Einzelnen überhaupt existieren. Die eigene Unerfahrenheit ist nur ein Grund für die drohenden Fehleinschätzungen, die in aller Regel vor allem Anfängern unterlaufen.

Mancher Depotanbieter hüllt sich bei Risiken in Schweigen

Auf der anderen Seite sind es oft nicht zuletzt auch die Broker und Banken, bei denen Aktiendepots geführt werden, die sprichwörtlich das Feuer schüren. Unzutreffende Rendite-Aussagen aufgrund eines stetig zunehmenden Wettbewerbs am Markt sind durchaus nicht unüblich. Für Händler von Aktien bedeutet dies insbesondere, dass sie sich sehr bewusst nach seriösen Dienstleistern umsehen sollten. Seriosität heißt in diesem Zusammenhang nichts Anderes, als dass depotführende Anbieter von sich aus informieren sollte, welche Produkte welche Gefahren bergen. Letzten Endes sind falsch gestreute Informationen und Risikowarnungen nicht wirklich nachvollziehbar. Denn Neukunden erkennen meist recht schnell, wer ihnen gegenüber nicht haltbare Versprechungen getroffen hat.

Indes: Im Ernstfall binden sich Kunden in spe im Moment der Depoteröffnung für einige Monate an ein kostenpflichtiges Aktiendepot, was am besten von Anfang an vermieden werden sollte. Denn sonst müssen sich Neukunden mit diesen Gebühren bis zur fristgerechten Kündigung erst einmal abfinden.

Händler müssen jederzeit alle Gebühren kennen

Dabei ergibt sich die tatsächlich realisierte Rendite aus den Transaktionen. Und dazu gehören gerade Depotführungsentgelte, erst nach Abzug aller Handelskosten. Manches Depot ist gebührenfrei, wenn ein gewisses Mindesthandelsvolumen pro Monat oder Jahr beziehungsweise ein vorgegebener Depotübertrag nach einem Anbieterwechsel erreicht wird. Doch ein solches Entgegenkommen ist zum Leidwesen der Aktionäre nicht überall an der Tagesordnung. Dieser Gedanke muss zwingend schon im Rahmen eines Banken- und Brokervergleichs berücksichtigt werden, um die Ausgaben so gut es geht in Grenzen zu halten.

In was investiere ich mein Geld am Aktienmarkt überhaupt?

Auch deshalb, weil eben doch viele Depots am Markt mit Fixkosten allein für die Nutzung der Depots und die Verwaltung der Bestände verbunden sind. Insgesamt gesehen sind die Depotnutzungskosten natürlich nicht der einzige Kostenfaktor. Ein zunehmend wichtigeres Thema ist die Frage, was Aktienunternehmen mit den Geldern ihrer Kunden anstellen, wie ein Kommentar in der WirtschaftsWoche anspricht. Ethik und Moral spielen immer öfter bei der Produkte eine zentrale Rolle - Unternehmen etwa, die in Zusammenhang mit der Rüstungsindustrie stehen, sind heute für viele Anleger tabu.

Auch außerbörslich Handel verursacht Anlegern Kosten

Auch der aktive Handel zieht Entgelte nach sich, mit denen sich Händler vor Investitionen an nationalen oder internationalen Börsen (wie auch außerbörslich) im eigenen Interesse befassen sollten. Andernfalls droht das böse Erwachen, weil vom erreichten Gewinn im Zuge der Abrechnung am Jahresende vielleicht sogar deutlich weniger übrig bleibt als erwartet. Im Übrigen sei erwähnt, dass auch Passivität mit Kosten verbunden sein kann. Hier geht es darum, dass Händlern Ausgaben entstehen können, wenn sie die schon angesprochen Anforderungen wie einen Übertrag bestimmter Mindestbestände oder einen Mindestumsatz beim Spekulieren nicht erreichen.

Trader anderer Produkte - gerade von Instrumenten aus dem Bereich derivater Finanzinstrumente - wissen, dass eine dauerhafte Inaktivität zur Belastung werden können. Inaktivitätsentgelte sind wie alle Gebühren Ursache für Rendite-Senkungen. Solche Situationen können Depotnutzern beim Aktienhandel durchaus ebenfalls begegnen. Wenngleich auch seltener als beim Trading binärer Optionen oder anderer Formate wie etwa Differenzkontrakten oder Devisenprodukten.

Vergleichsangebote eröffnen günstige Chancen für Depotwechsel

Es geht beim Aktienhandel und damit beim Einsatz eines Aktiendepots stets darum, alle möglicherweise entstehenden Gebühren vor Augen zu haben, damit ein verlässlicher Gesamteindruck erreicht wird. Normalerweise sind es selbstredend die gehandelten Positionen selbst, die beim Kalkulieren aller Nebenkosten im Hinterkopf zu behalten sind. Dazu gehören allgemeine Börsengebühren, aber auch Maklercourtagen für den Fall, dass dieser Umweg über einen professionellen Vermittler gewählt wird vom Anleger. Denkbar sind des Weiteren Korrekturen der aktuellen Broker-Geschäftsmodelle.

Depots können immer wieder gewechselt werden

Gerade aus diesem Grund empfehlen unabhängige Anlageberater Verbrauchern gebetsmühlenartig, regelmäßig erneute Aktiendepotvergleiche durchzuführen. Je nachdem, welchem Depottest man nun im Einzelnen Glauben schenkt, kann einige hundert Euro durch einen Wechsel des Anbieters sparen. Dazu gehört natürlich auch eine mögliche Umschichtung des Depots. Tipps für eine rentablere Ausrichtung des Aktiendepots, wie im Magazin Focus sollten beherzigt werden, um die Performance schrittweise zu optimieren. Ein Gewinnplus winkt aber auch an anderer Stelle.

Was bringen mir Bonusleistungen beim Aktienhandel wirklich?

So sind Bonuszahlungen ein beliebtes Instrument, das Banken und Broker nur allzu beim Anwerben neuer Kunden für sich nutzen. Jedoch müssen wechselwillige Anleger vor Augen haben, welche möglichen Anforderungen mit einem solchen Umstieg inklusive Willkommensbonus verbunden sind. So kann es dazu kommen, dass abermals ein Mindestumsatz in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Sprache kommt. Dieser kann im Ernstfall ein Vielfaches der Boni betragen. Bedingungen, die gerade Anfänger beim gelegentlichen Spekulieren nur mit Mühe - oft aber gar nicht - zu erfüllen imstande sein werden. So ist mitunter ein mutmaßlich deutlicher Vorteil des Wechselkandidaten aus dem Depotvergleich bereits entschwunden, bevor die erste Position eröffnet wurde über den Anbieter.

Boni & Rabatte immer nur ein Vergleichsaspekt von vielen

Ohnehin sollten Boni - nicht nur für Neukunden, sondern gleichermaßen für Bestandskunden als Belohnung für sehr aktives Handels oder weitere Einzahlungen aufs Depotkonto - stets als das bewertet werden, was sie wirklich sind: Ein Zuschuss, wenn die Depot-Gebührenmodelle und der Spielraum für den Handel mit Wertpapieren beim jeweiligen Aktiendepot insgesamt überzeugen können. Andere Anreize können da schon eher positiven Einfluss auf die Renditen haben. So wirbt mancher Broker mit Rabatten auf die sonst üblichen Ordergebühren, die oft die Folge von strategisch wichtigen Partnerschaften in bestimmten Marktbereichen sind.

Solche Rabattmodelle können sich meist eher als Neukundenboni als Kostenvorteil erweisen, da sie im Regelfall für einen längeren Zeitraum oder sogar dauerhaft gelten im Vergleich mit anderen Anbietern.

Jährliche Depotgebühren wirken sich auch auf Renditen aus

Allerdings profitieren Händler meist erst dann von solchen Aktionen, wenn sie sich zur erlesenen Gruppe der „Vieltrader" zählen können. Verzichtet ein Depotanbieter generell auf Verwaltungsentgelte, erhöht dies die Rendite im Marktvergleich schnell mal um 50 bis 100 Euro pro Jahr, da typische Monatsgebühren für die Aktiendepot-Nutzung im Bereich von 5,00 bis 10 Euro angesiedelt sind. Klingt wenig, macht sich pro Jahr aber dennoch bemerkbar.

Rabatte auf Börsen- und Transaktionsentgelte beliebtes Werbemittel

Deutlich stärker profitieren fraglos jene Händler, denen der Anbieter des Aktiendepots einen generellen Rabatt teils bis zu 50 Prozent auf die üblichen Ausgabeaufschläge in einzelnen Sparten wie beispielsweise Fondssparplänen einräumen. Solche Sparplan-Produkte sind längst für viele Anleger zu einem Rendite-Garanten mit vergleichsweise geringem Risiko geworden, wenn die gehandelten Finanzprodukte nur genau genug auf die Risikobereitschaft abgestimmt ausgewählt werden. In anderen Fällen sind die besagten Fondssparpläne explizit von Rabattierungen und Prämienzahlungen für engagierte Trader ausgeschlossen. Ein Grund mehr, nicht nur die maximale Rendite um jeden Preis vor Augen zu haben.

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Vor allem die Bereitschaft zum Risiko hat Einfluss auf die Gewinne

Parallel dazu sollten Interessen ohne Wenn und Aber die regulären Ordergebühren interessanter Broker und Banken sowie etwaige anfängliche Vergünstigungen auf die Transaktionsnebenkosten in den Vergleich und die Analyse der Chancen und Risiken einzubeziehen. Wer diese Hinweise beachtet und beim Trading stets ein individuell gesundes Risiko- und Kapital-Management zugrunde legt, kann fast zu jedem Zeitpunkt Renditen realisieren - nur liegen die nicht immer im Rahmen, mit dem im Wettbewerb als Höchstwerte gerne geworben wird.

Dabei sollten Anleger am Anfang so oder so lieber von kleinen Häppchen zehren, statt direkt Renditen anzupeilen, bei denen das Verlustrisiko automatisch ins kaum Kalkulierbare ausufern muss.

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