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Wechsel zur Privaten Krankenversicherung - Wie gelingt der Wechsel?

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HEALTH CARE
Thomas Barwick via Getty Images
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Früher wurden privatversicherte Berufstätige von Seiten der gesetzlich Versicherten neidisch beäugt. Von gravierender Bevorzugung bei Behandlungen durch Haus- und Fachärzte wurde gerne vorwurfsvoll berichtet, auch (vermeintlich) bessere Leistungen standen bei Verbraucherschützern stetig in der Kritik.

Dass manche Meldung über die luxuriöse Situation von Versicherten in der Privaten Krankenversicherung faktisch nicht korrekt, spielte in den kritischen Stimmen oft nur eine Nebenrolle.

Leistungsvorteile sollten nicht überbewertet werden

Zudem ist zu sagen, dass die komfortable Lage wie in der GKV in den vergangenen Jahren doch einen deutlichen Wandel durchlaufen hat.

Zum Beispiel haben Versicherungsnehmer, die aus beruflichen Gründen zurück in eine gesetzliche Police wechseln möchten, oft denkbar schwer, den Wechsel in die Wege zu leiten. Und damit nicht genug: Der Wechsel innerhalb des privaten Systems ist ebenfalls nicht immer ganz einfach.

Kundenzahlen der PKV-Anbieter nach und nach gesunken

Möglich und lohnend sind regelmäßige Vergleiche samt Anbieterwechsel in vielen Fällen nichtsdestotrotz, wie die folgenden Abschnitte unter Beweis stellen. Knapp unter neun Millionen Versicherungsnehmer in Deutschland waren im Jahr 2015 Mitglieder in einer privaten Krankenversicherung.

Wie im Bereich der GKV erschienen am Markt immer neue Dienstleister, die Kunden von sich und ihren Tarifmodellen zu überzeugen versuchen. Eine weitere Erkenntnis ist diesbezüglich, dass die Gruppe der PKV-Kunden insgesamt über die Jahre nach und nach gesunken ist. Zunächst stellt sich Interessenten die Frage, welche Grundvoraussetzung für einen Eintritt in die Private Krankenversicherung erfüllt sein muss. Diese Bedingung ist zunächst einmal eine rein monetäre.

Mindesteinkommensgrenze über die Jahre deutlich gestiegen

Nach schrittweisen Anhebungen der sogenannten Versicherungspflichtgrenze auf 56.250 Euro pro Jahr (Stand: Jahr 2016) sind die Einstiegshürden in die so beliebte „Absicherung mit Vorzügen" innerhalb von nur fünf Jahren um fast sage und schreibe 6.750 Euro nach oben korrigiert worden. Dies ist durchaus eine Hausnummer, die dazu geführt hat, dass weniger potentielle Berufstätige mit dem Gedanken an einen Wechsel aus der GKV in die PLV spielen können.

In der Kritik stand zuletzt immer wieder, dass es Versicherten, die zu einem späteren Zeitpunkt zurück in den Schoss der Gesetzlichen Krankenversicherungen möchten, oft Steine in den Weg gelegt werden. Der Gesetzgeber ist indes bemüht, diese Probleme zusehends durch Anpassungen der Rechtslage aus der Welt zu schaffen.

PKV oder GKV - eines von beiden muss abgeschlossen werden

Richtig ist ebenfalls, dass hierzulande eine Pflicht zum Abschluss einer Krankenversicherung existiert - ganz gleich, ob es sich dabei nun am Ende um eine gesetzliche oder private Police handelt.

Die angehobene Einkommensgrenze macht die PKV natürlich auch weiterhin eher zu einer Option für Verbraucher mit einem überdurchschnittlichen Einkommen, wenngleich der Begriff „Versicherung für Besserverdiener" angesichts der Mindesteinkommensgrenze sicher durchaus fragwürdig ist. Auch wenn der durchschnittliche Arbeitnehmer sicher eher weniger verdient. Verglichen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung bietet die typische PKV nach wie vor durchaus manchen Anreiz, den wechselwillige Versicherte aus gutem Grund zu schätzen wissen. Dafür allerdings ist auch das Beitragssystem anders als bei der gesetzlichen Versorgungsvariante gestaltet.

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Wen sprechen Privatversicherer eigentlich an?

Zielgruppe der Privaten Krankenversicherungen sind also eher Menschen mit höherem Einkommen, wobei es gewisse Ausnahmen gibt. So haben Studenten und Selbstständige, aber auch Berufstätige mit Beamtenstatus die freie Wahl. Anders als Arbeitnehmer sind sie nicht an die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) gebunden. Jedoch sollte genau abgewogen werden, ob der Wechsel wirklich mit den erhofften Einsparungen oder besseren Leistungen verbunden ist, die man sich vom Umstieg verspricht.

Jedenfalls haben sich die Bedingungen merklich geändert, denn nicht nur Top-Verdiener sind heute potentielle Kunden der privaten Versicherer. Vor Augen führen sich interessierte Versicherte nur, dass der erneute Wechsel aus der PKV zurück ins gesetzliche System nicht generell ganz einfach ist. Möglich aber ist er dennoch, dafür hat der Gesetzgeber ebenfalls gesorgt.

Gesundheitliche Probleme können zur Ablehnung führen

Allerdings: Einen Zwang zur Aufnahme neuer Antragsteller sieht der Gesetzgeber für eine private Police nicht vor. Hier ist der Begriff der Antragstellung also berechtigt. Versicherer haben das Recht, Neukundenanträge abzulehnen. Einzig der Basistarif stellt in diesem Kontext eine Ausnahme dar. Dieser aber ist keineswegs für jeden Versicherungsnehmer empfehlenswert. Die persönliche Situation - vor allem also der Gesundheitszustand - der Antragsteller kann also Einfluss auf das Resultat der Antragsprüfung haben.

Erkrankungen dürfen beim Wechsel nicht verschwiegen werden

So müssen Vorerkrankungen wie chronische Rückenleiden, Depressionen und andere psychische Probleme wie auch andere Beschwerden zwar nicht in jedem Fall eine Ablehnung nach sich ziehen. Denkbar sind gleichermaßen, dass Versicherer Risikozuschläge in Rechnung stellen. Auf diesem Wege fangen sie die höheren wahrscheinlichen Kosten nach Aufnahme in den Wunschtarif ab.

Vorerkrankungen lassen die Beitragssätze steigen

Höhere Beiträge aufgrund gesundheitlicher Vorbelastungen wiederum können dazu führen, dass ein (zumindest für gesunde Antragsteller) scheinbar so günstiger Tarif unterm Strich eher dem Branchendurchschnitt entspricht, wenn alle Zuschläge einkalkuliert wurden. Wichtig ist allemal, dass im Antrag keine falschen Angaben im Bereich der Gesundheitsfragen gemacht werden. Auch wenn es verlockend sein mag, das einige oder andere zu beschönigen oder zu verschweigen: Derlei Vorgehen kann dramatische Auswirkungen haben, sollten die Falschangaben später ans Licht kommen. Der Rauswurf aus der PKV ist dann vorprogrammiert, auch müssen Versicherungsnehmer im Ernstfall rückwirkend selbst für Behandlungskosten aufkommen.

Welche Leistungen sind Versicherten wirklich wichtig?

Was inzwischen für die GKV Gültigkeit hat, trifft längst auch auf die Private Krankenversicherung zu. Vor dem Vergleich sollten sich interessierte Versicherte überlegen, welche Gesundheitsleistungen für sie von Bedeutung sind.

Zahnärztliche Behandlungen sollten möglichst Standard sein, andere Dinge wie die Übernahme von Heilpraktikerkosten ist überflüssig, wenn ich als Patient ohnehin nur auf eine schulmedizinische Betreuung vertraue. Der Einschluss einer Unterbringung im Einzelzimmer im Krankenhaus sowie die Chefarztbehandlung mag für manchen Vergleichs-Nutzer eine größere Bedeutung haben. Selbst wenn dies die Beiträge steigen lässt.

Wissenswert ist, dass einmal inkludierte PKV-Leistungen nicht ohne Austrittsrecht gestrichen werden können. Dies stellt einen Unterschied zur Gesetzlichen Krankenversicherung dar, bei der durchaus Leistungen nachträglich aus dem Leistungskatalog entfernt werden können.

Kündigung und Wechsel sind heute schnell erledigt

Wer als Versicherter einen individuell passenden Rundum-Sorglos-Versicherungsschutz sucht, sollte darauf vorbereitet sein, mehr für die Vorsorge im Interesse der eigenen Gesundheit zu zahlen. Dafür aber können auf dem Sektor der Privaten Krankenversicherung besonders flexible Leistungspakete auf die eigenen Lebensumstände hin abstimmen - ohne Zusatzversicherungen abschließen zu müssen, die weitere monatliche Kosten verursachen würden.

Wurde neben der GKV bisher eine Zahnzusatzversicherung sowie eine Extrapolice für naturheilkundliche und ostepathische Behandlungsverfahren geführt, können verschiedene Verträge im Zuge eines Wechsels in einem Einzeltarif für die Private Krankenversicherung aufgehen.

Fraglos müssen sich Versicherte zuvor mit den Kündigungsfristen ihrer Altverträge befassen, um einen reibungslosen Übergang bei der Haftung zu garantieren. Vorteilhaft ist, dass Anbieter inzwischen den Großteil der mit einem Wechsel verbundenen Arbeit für Neukunden übernehmen - zum Beispiel auf Wunsch die Kündigung des Vertrags beim bisherigen Versicherer.

Wechsel im höheren Alter mit höheren Prämie verbunden

Ein früher Wechsel in jungen Jahren macht sich insofern bezahlt, da die Beiträge für die PKV mit steigendem Alter steigen werden. Übermäßig hohe Beiträge vermeiden Versicherer durch Alterungsrückstellungen, die in den Monatsbeiträgen bereits eingeschlossen sind. Eben diese Rückstellungen können nicht bei allen Versicherungsgesellschaften im Rahmen eines erneuten Tarif- und Anbieterwechsels mitgenommen werden, weshalb dies ein weiteres Auswahlkriterium für den Vergleich sein sollte.

Tarife setzen sich aus verschiedenen Aspekten zusammen

Alle genannten Faktoren zusammen ergeben letzten Endes einen möglichst guten Eindruck dessen, was Versicherungskunden wichtig sein sollte. Dass dabei eben nicht nur die monatlichen Versicherungsbeiträge entscheidend sind, wird im Vergleich sehr rasch offensichtlich. So sind es oft die Feinheiten, die über Sinn und Zweck eines Wechsels bestimmen können.

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