Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Christian Edler Headshot

So umgehen sie hohe Dispozinsen durch einen Kontowechsel problemlos

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ECONOMY
Jupiterimages via Getty Images
Drucken

Dass sowohl viele Banken als auch Sparkassen die Phase der Niedrigzinsen zum Anlass genommen haben, ihre Gebührenmodelle zu überdenken und im Einzelfall zu überarbeiten, ist ein offenes Geheimnis.

Zahllose Kunden mussten in Deutschland miterleben, wie ihre bisherige Hausbank die Konditionen anpassten - meist eher zuungunsten der Kontonutzer. Gerade die Dispozinsen sind und bleiben ein Ärgernis. Abfinden müssen sich Kunden mit dem Kostenpunkt aber nicht, wenn sie bereit sind, sich von teuren Konten zu verabschieden.

Hohe Dispozinsen trotz günstiger Bedingungen am Kreditmarkt

Während die Europäische Zentralbank seit Monaten am historisch niedrigen Leitzins festhält, profitieren Kunden beim Dispositionskredit leider eher nicht von der aktuellen Lage am Kreditmarkt. Sie zahlen für die Kontoüberziehung weiterhin oft Jahreszinsen, die weit über den Bedingungen bei normalen Ratenkrediten liegen. Ein Bank- und Kontowechsel liegt angesichts dieser Erkenntnis nahe. Vergessen wird dabei gerne, dass die Zinsen für den Dispo nicht der einzig relevante Kostenpunkt sind.

Banken berechnen nach wie vor hohe Zinssätze

Das Anziehen der Gebührenschraube ist für die Kundschaft ganz ohne Frage ein Ärgernis. Während Kreditnehmer zwischenzeitlich so günstig wie seit Jahrzehnten nicht mehr Baufinanzierungen planen oder Konsumdarlehen aufnehmen konnten, zahlen Nutzer beim Dispokredit wie gehabt Zinssätze, die nicht selten jenseits der Marke von zehn Prozent liegen. Nichtsdestotrotz bezeichnen Experten deutsche Kontonutzer gerne als eher treu.

Oder anders gesagt: als wechselfaul oder sogar vollends unwillig. Denn trotz der oft hohen Kreditzinsen und Entgelte, die seit der Kontoeröffnung vielleicht sogar deutlich gestiegen sind, bleiben Kunden bei ihrer Bank. Ob der Grund nun in der Angst vor dem vermeintlich großen Aufwand oder in der Bequemlichkeit der Verbraucher zu sehen ist, spielt zumindest für die Statistik keine Rolle.

Ratendarlehen für Dauernutzer die bessere Variante

Richtig ist, dass ein hoher Dispozins durchaus ein denkbar gutes Argument für den Kontowechsel ist. Der einzige Faktor für die Entscheidung aber sollten die jährlichen Dispokreditzinsen aus Expertensicht möglichst nicht sein. Gerade Kunden, die den persönlichen finanziellen Spielraum wirklich nur kurzfristig und lediglich im Notfall in Anspruch nehmen, können den Aspekt vielfach eher außer Acht lassen.

Bei ständiger Inanspruchnahme hingegen empfiehlt es sich generell, lieber einen „echten" Ratenkredit aufzunehmen, da die Jahreseffektivzinssätze in diesem Bereich des Kreditmarktes im Moment erfreulich gering ausfallen. Freilich ist ein bewusster Umgang mit den Mitteln unverzichtbar, auch muss die Höhe der Finanzierungen wohl überlegt festgelegt werden.

Der Dispo sollte nur eine kurzfristige Notlösung sein

Jedes Darlehen muss zurückgezahlt werden. Deshalb ist unbedingt darauf zu achten, dass monatliche Kreditraten samt Tilgung finanzierbar bleiben. Mieten, Versicherungsbeiträgen, Unterhaltungsverpflichtungen und andere Fixkosten müssen weiterhin gezahlt werden. Auch gelegentliche Extraausgaben müssen berücksichtigt werden, wenn beispielsweise Reparaturen im Haushalt oder am Kfz nötig sind.

Als Argument für einen Kontowechsel kann der Dispokredit natürlich trotz dieser Information dennoch ins Feld geführt werden. Wenngleich der Kreditrahmen nicht die einzige potentielle Kostenfalle im Kontovertrag sein kann.

Zu den weiteren Kriterien für einen objektiven Kontovergleich vor dem Wechsel gehören:

1. die normalen Kontoführungsgebühren
2. mögliche monatliche Mindesteingänge für die kostenlose Kontoführung
3. Gebühren für Überweisungen (vor allem ins Nicht-EU-Ausland!)
4. Entgelte für Transaktionen am Schalter/Terminal mit Beleg
5. Gebühren für die girocard oder eine zusätzliche Kreditkarte
6. Abhebungsgebühren am Geldautomaten im In- und Ausland
7. weitere Zinsen für die Überziehung der Dispokreditlinie

Kunden, denen die persönliche Betreuung rund ums Girokonto am Herzen liegt, müssen im Online-Vergleich zwangsläufig nach Banken mit eigenem Filialnetz suchen.

Positiv fällt auf: Viele Filialbanken bieten bei der Online-Eröffnung und -Nutzung der Konten inzwischen ebenfalls günstige Konditionen, sodass nicht allein reine Direktbanken bzw. ihre Kontomodelle für wechselwillige Verbraucher im Vergleich von Interesse sein können.

Überziehung der Kreditlinie kostet Kunden noch mehr Geld

Wer den Rahmen des Dispokredits sprengt (was viele Banken gelegentlich und kurzfristig durchaus erlauben), muss nochmals mit höheren Kosten rechnen. Außerdem sollte diese Kulanz nicht überstrapaziert werden, denn irgendwann wird die Bank den Geldhahn zudrehen und schlimmstenfalls sogar den Kontovertrag kündigen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Kommt es zu diesem Szenario, muss der beanspruchte Dispo umgehend in voller Höhe ausgeglichen werden. Wer die Kreditlinie nutzt, wird genau dieser Pflicht jedoch kaum nachkommen können. So können ernste Konsequenzen drohen, von denen ein negativer Eintrag im Schufa-Register vielleicht noch die harmloseste ist.

Viele Banken verzichten nur bei Mindesteingängen auf Grundgebühren

Im Mittelpunkt eines Vergleichs müssen aber vor allem Punkte wie die Abhebungsgebühren oder die Transaktionsentgelte für Überweisungen stehen. Gleiches gilt für die Frage, ob als kostenlose Girokonten beworbene Produkte wirklich bedingungslos kostenfrei sind.

Oft verlangen Banken und Sparkassen für die Kontoführung ohne Grundgebühr einen monatlichen Mindesteingang, der je nach Anbieter bei deutlich mehr als 1.000 Euro liegen kann. Studenten, Schüler und Geringverdiener können um diese Angebote dementsprechend meist von Anfang einen Bogen machen. Denn sie kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in den Genuss einer kostenlosen Kontoführung.

Auslandsentgelte oft ein besonders lästiger Kostenfaktor

Der Blick auf die berechneten Entgelte empfiehlt sich vor allem für Bankkunden, die viel auf Reisen sind - insbesondere im Ausland können nämlich durchaus üppige Gebühren entstehen.

Die genaue Analyse des Nutzungsverhaltens ist dementsprechend unverzichtbar, um das passende Angebote aus einem Girokonto Vergleich herauszufiltern. Am einfachsten geht die Bedarfsanalyse durch die Lektüre der Kontoauszüge vonstatten. Nicht alle Kunden wissen ohne Recherche, welche Leistungen sie am häufigsten in Anspruch nehmen und welche Kosten ihnen derzeit auf diese Weise genau entstehen.

Wichtigste Fragen für den Girokontovergleich

Wie oft und wo nutze ich die girocard (vormals „EC-Karte) oder die Kreditkarte, sofern eine solche als Extra zum Konto gehören kann. Im Einzelfall können die Kontokarten selbst ebenfalls mit einer monatlichen Grundgebühr verbunden sein.

Zumindest einige Anbieter erheben weder auf girocard-Modelle noch auf Kreditkarten der Gesellschaften MasterCard oder VISA Zusatzgebühren, sodass Kunden weltweit komfortabel Zugriff auf ihr Kontoguthaben sowie den Dispo haben oder bargeldlos per Karte zahlen können. Vielerorts kann einige Male pro Jahr entgeltfrei Geld am Automaten abgehoben werden. Innerhalb des Verbands, zu dem die zukünftige Hausbank gehört, sind Abhebungen üblicherweise gratis.

Gebühren für Abhebungen in der Heimat & im Ausland

Auch (Online-) Transaktionen können Kosten nach sich ziehen. Spätestens bei Buchungen außerhalb des SEPA-Raumes fallen fast immer Gebühren an. Doch auch bei Bargeldverfügungen bei Fremdinstituten in der Heimat bittet manche Bank Verbraucher spürbar zur Kasse.

Kunden, die ständig Geld ins Ausland überweisen, sollten also umso genauer hinschauen, welche Kosten in den Verträgen bezüglich genannt werden. Und zwar sowohl im Hinblick auf beleghafte/beleglose Überweisungen sowie Lastschriften und Daueraufträge.

Um Missverständnisse bezüglich der zu erwartenden Gebühren zu vermeiden, empfiehlt sich der Kontakt zum Banksupport, der in aller Regel sowohl per Hotline als auch per E-Mail oder sogar Live-Chat auf den Bankenwebseiten erreichbar ist.

So kann auch erfragt werden, ob kostenlose Partnerkarten erhältlich sind, damit eine zweite Person nach dem Kontowechsel aufs Girokonto zugreifen kann. Stimmen die Konditionen insgesamt, können Wechselboni für Neukunden ein weiterer Anreiz für den Bank- und Kontowechsel sein. Das alleinige Auswahlkriterium aber sollten Willkommensbonus-Angebote niemals sein.

Banken arbeiten zunehmend mit Serviceangeboten für den Wechsel

Es wird also deutlich, dass Verbraucher durch einen regelmäßigen Kontovergleich und einen daraus folgenden Wechsel des Girokontos nicht nur die Höhe der Dispozinsen, sondern die Kosten insgesamt im eigenen Interesse zu beeinflussen.

Dabei muss stets bedacht werden, dass das komplette Leistungspaket stimmen muss. Angesichts der Produktvielfalt müssen Kunden heutzutage keine Abstriche in Kauf nehmen.

Für ausnahmslos jeden Kundentypus gibt es das richtige Konto. Erfreulich: Die meisten Banken bieten Kunden mittlerweile einen Wechselservice an. Dazu gehört neben der Kündigung des aktuellen Kontos meist die Übertragung bestehender Lastschriften und Daueraufträge.

So ersparen sich Kunden die eigenständige Meldung bei Vertragspartner wie Vermietern, Versicherungen und Co. Die Zusammenstellung der Daten obliegt aber zumeist dennoch den Neukunden der Banken.

In wenigen Minuten zum neuen Girokonto

Eine Erleichterung der Wechselprozedur ist der Service nichtsdestotrotz, da der Aufwand der Übertragungsarbeit durchaus erheblich ist. Gerade bei Geschäftskonten. Der Kontowechsel als solcher ist damit in wenigen Schritten rasch, vergleichsweise unbürokratisch und ohne Stress erledigt.

Sichergestellt wird durch den Wechselservice übrigens ebenfalls, dass der Umstieg vom alten aufs neue Konto ohne Komplikationen gelingt, wie es bei der Kontoeröffnung und der Kündigung in Eigeninitiative mitunter passieren kann.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.