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Die Gesetzliche Krankenversicherung - Bereitschaft zum Wechsel ist bares Geld

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HEALTH CARE
Thomas Barwick via Getty Images
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Der erste Knackpunkt bei Abschluss einer GKV - der Gesetzlichen Krankenversicherung - schon vor Jahren Versicherungsnehmer zunehmend belastete, waren die von Versicherern vorgenommen Kürzungen im Bereich der zahnmedizinischen Versorgung.

Denn dank regelmäßiger Korrekturen der Leistungspflichten für Versicherungsanbieter durch den Gesetzgeber wurden die übernommenen Leistungen in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt heruntergefahren.

Viele Gründe für einen Wechsel des Versicherers

Der einzige Grund für einen Anbieter- und Tarifwechsel sind die hohen Eigenleistungen von Patienten in diesem Bereich indes nicht.

Denn aufgrund der zunehmenden Freiheiten bei der Gestaltung der Policen lohnt es sich, einen regelmäßigen Wechsel vorzunehmen. Entweder wegen der Möglichkeit, Einsparungen zu erreichen oder weil das jeweilige Leistungsspektrum eines anderen Anbieters besser zum eigenen Bedarf passen.

Zusatzbeiträge sind für viele Versicherte ein Grund zum Wechseln

Spätestens seit Beginn des Jahres 2015 (im Grunde schon viel früher) raten Verbraucherschützer Versicherungsnehmern, sich mit den Vorteilen eines Versicherungswechsels vertraut zu machen.

Der Grund ist darin zu sehen, dass Gesetzlichen Krankenkassen seit diesem Termin das Recht haben, individuelle Zusatzbeiträge zu erheben - zusätzliche zum vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Basisbeitrag, der sich nach dem Einkommen berechnet. In erster Linie aber können es für viele Versicherte die Extraleistungen der Dienstleister sein, die einen Wechsel der GKV nahelegen. Schon deshalb, weil die Pflichtleistungen immer weiter reduziert wurden.

Und wohl auch weiterhin gesenkt werden. Die Versicherungen erklären die Abstriche und steigenden Kosten insbesondere durch die geringeren Umsätze bzw. Gewinne. Vermeintliche „Bonus"-Leistungen gibt es mehr als reichlich, schaut man sich die Vergleiche einmal aus der Nähe an.

Zu den typischen Extra-Leistungen gehören unter anderem:

1. kostenlose Vorsorgeuntersuchungen, die sonst nicht Standard sind
2. Zuzahlungen für Besuche beim Osteopathen oder Heilpraktiker
3. Kostenübernahmen oder -erstattungen für professionelle Zahnreinigungen
4. besondere Leistungen für den Nachwuchs - z.B. bessere Zuschüsse für Zahnspangen
5. schlichtweg geringere Zusatzbeiträge
6. die freie Auswahl von Krankenhäusern bei stationären Aufenthalten
7. höhere Zuschüsse für Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Implantate
8. Bonusprogramme (etwa Kurse zur Rauchentwöhnung oder zur Prophylaxe von Rückenleiden, Work-Live-Balance-Veranstaltungen, etc.)

Welche Extraleistungen weisen die Angebote der Versicherer auf?

Gerade ein niedriger angesetzter Zusatzbeitrag kann sich bezahlt machen, wenn Versicherte genau wissen, welche Leistungen ihnen wichtig sind und welche Extras ihnen wirklich wichtig sind. Um einen Eindruck der relevanten Extras zu bekommen, reicht oft ein Blick in die eigene Vergangenheit. So erfährt man als Versicherter meist recht schnell, welche Leistungen meist in Anspruch genommen wurden.

Wer bisher zum Beispiel Besuche beim Heilpraktiker oder einem Experten für Osteopathie aus eigener Tasche bezahlen musste, weil die aktuelle Kasse keinerlei Zuschüsse zahlt, kann diese Zahlungen durchaus zur Grundlage eines Vergleichs für die gesetzliche Krankenversicherung machen.

Extras können im Vergleich den Ton angeben

Auch wenn viele Bürger mittlerweile zusätzliche Policen abgeschlossen haben, durch die derartige Leistungen oder Zahnersatz besser versichert ist: Durch einen GKV-Wechsel können Versicherungsnehmer in die glückliche Situation kommen, zumindest einen Teil ihrer Ausgaben zurückzubekommen.

Mit etwas Glück kann die Zusatzversicherung sogar gekündigt werden, wenn die Extraleistungen ausreichend sind, um den Bedarf in den genannten Bereichen in Zukunft in einem zufriedenstellenden Maße zu decken. Selbst wenn ich als Kunde weitgehend zufrieden bin mit den Qualitäten der bisherigen Versicherung, ist die Überraschung im Rahmen eines Vergleichs nicht selten groß.

2015 - ein wichtiges Jahr für gesetzlich Krankenversicherte

Wichtig ist dabei, dass Krankenversicherungsvergleiche bewusst genutzt werden. Denn die Redewendung „es ist nicht alles Gold, was glänzt" hat auch hier seine Berechtigung. Denn manches Angebot klingt günstiger, als es eine objektive Bewertung am Ende bestätigen wird. Einmal mehr macht sich hier der individuelle Zusatzbeitrag durchaus deutlich bemerkbar. So dürfen Versicherungsanbieter (Stand: Oktober 2016) bis zu 1,9 Prozent extra zum gesetzlich geregelten Basisbeitrag berechnen.

Wer vergleichsweise viel für die Gesetzliche Krankenkasse zahlt, wird mit einer einfachen Rechnung erkennen, dass dieser scheinbar geringe Prozentsatz ordentlich ins Geld gehen kann. Denn der Zusatzbeitrag geht vollends zulasten der berufstätigen Versicherten. Einen Zuschuss vom Arbeitgeber gibt es in diesem Fall nicht. Das Sparpotenzial insgesamt kann sich schnell auf einige Hundert Euro pro Jahr belaufen.

Große Auswahl an Versicherern schafft Chancen & Probleme

Der Markt rund um die GKV in Deutschland ist über die Jahre merklich gewachsen. Inzwischen gibt es mehr als 100 Versicherer, die um die Gunst der Verbraucher werben. Die Leistungen, die übernommen werden, sehen dementsprechend unterschiedlich aus.

Um einen Vergleichsrechner richtig nutzen zu können, sollten sich Kunden vor Augen führen, dass die angeblich besten Angebote in den Vergleichsportalen nicht immer die beste Wahl sind. Der Grund sind meist Kooperationen, die Vergleichsanbietern besonders hohe Provisionen einbringen. Hier gilt es sehr genau zu prüfen, ob „Top-Tarife" einer bedarfsgerechten Analyse tatsächlich standhalten.

Der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel

Bevor sich Verbraucher, also Versicherte in diesem Fall, für einen neuen Anbieter entscheiden können, gilt es einige wichtige Dinge zu klären. Dazu gehört vorrangig die Kündigungsfrist. Diese liegt bei den meisten Versicherern bei zwei Monaten. Eine Ausnahmestellung nehmen dabei Policen aus dem Sektor der Wahltarife ein, deren Leistungen vielfach über das Spektrum der Basistarife eindeutig hinaus gehen.

Doch selbst wenn es sich um einen solchen Tarif handelt, kann durch die Inanspruchnahme eines Sonderkündigungsrechts ein vorzeitiger Wechsel samt Kündigung infrage kommen. Berechnet die Versicherung beispielsweise erstmals einen Zusatzbeitrag, führt dies zum außerplanmäßigen Wechselrecht. Die sonst geltenden Fristen für Kündigungen sind den Verträgen zu entnehmen; der Kontakt zum Support des Anbieters bringt zügig Klarheit im Hinblick auf bestehende Fristen.

Welche Fragen sollten Versicherungsnehmer vor dem Wechsel stellen?

Experten stellen im WWW diverse wichtige Fragestellungen zusammen, um Versicherungsnehmern einen möglichen Wechsel so einfach wie möglich zu machen. Die genannten Zusatzleistungen (beim Basis- wie beim Wahltarif) sind ein relevantes Kriterium.

Selbstständige Versicherungsnehmer sollten des Weiteren hinterfragen, wann und in welcher Höhe Versicherer im Krankheitsfall Krankengeld zahlen. Erfolgt dies erst nach einigen Monaten, steht es um die finanzielle Lage in der Zwischenzeit alles andere als rosig.

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Empfänger von Sozialleistungen wie Hartz IV müssen prüfen, ob sie selbst für Zusatzbeiträge aufkommen müssen. Chronisch Kranke und Mitglieder besonderer Berufsgruppen tun ebenfalls gut daran, gezielt zu erfragen, ob ihnen Sonderleistungen zuteil werden.

Erst neuen Antrag stellen und dann Altverträge kündigen

Hat man sich erst einmal für einen bestimmten Anbieter einer Gesetzlichen Krankenversicherung entschieden, stellt sich die Frage: Wie gehe ich richtig vor, um einen Wechsel erfolgreich und sicher auf die Beine zu stellen. Die richtige Vorgehensweise sieht vor, dass ich als Versicherter im ersten Schritt die Mitgliedschaft bei meiner zukünftigen Versicherung beantrage. Wie gesagt unter Wahrung der geltenden Kündigungsfristen.

Hat die neue Gesetzliche Krankenversicherung den Antrag bewilligt (anders als bei privaten Versicherungen sind Ablehnungen wegen der Aufnahmepflicht bedingt durch die gesundheitliche Vorgeschichte hier nicht zulässig), kann ich als Versicherungsnehmer die Bestätigung bei der bisherigen Kasse einreichen. Sind die Fristen gewahrt, darf der Wechselantrag nicht abgelehnt werden.

Ohnehin muss dem Wechsel zugestimmt werden. Es geht hierbei vielmehr darum, einen reibungslosen Wechsel und die direkte Haftung für Leistungen durch die neue GKV sicherzustellen. Der Vorteil für Nutzer der „alten" Police besteht darin, dass diese so lange für Leistungen haften muss, bis der fristgerechte Wechsel vollzogen ist.

Guter Kundenservice kann durchaus den Ausschlag geben

Übrigens sind Aspekte wie ein guter Kundendienst (telefonisch, per Mail oder Chat) und eine ordentlich Beratung ebenfalls von Bedeutung in einem seriösen Vergleich. Dazu gehören Serviceleistungen wie das Vereinbaren von Terminen bei einem Facharzt, was der langen Wartezeiten wegen immer wichtiger wird für Mitglieder einer Gesetzlichen Krankenversicherung. Diese sind mindestens so wichtig wie die Kostenübernahme im Falle alternativer Behandlungsmethoden. Darüber hinaus sind Präventions-Leistungen (Stichwort: Impfungen) für eine ständig wachsende Kundengruppe ebenso von Bedeutung.

Gemeint sind in diesem Fall Dinge wie die Übernahme der Kosten für die Teilnahme an Reha- und anderen Gesundheits-Kursen, die dazu dienen, größere und längere Erkrankungen zu vermeiden.

Extras geben für viele Versicherte den Wechselausschlag

Um an den schlimmstmöglichen Ernstfall zu denken, sollten auch Faktoren wie Hospizleistungen oder Diätprogramme Bestandteil eines sinnvollen GKV-Vergleichs sein. Ideal sind in vielen Fällen günstige Familientarife, die bei einem günstigen Beitrag alle Leistungen beinhalten, die Eltern und Kindern im Ernstfall helfen. Richtig jedenfalls ist, dass es sich lohnen kann, nicht allein die Ortskrankenkassen in Betracht zu ziehen. Hier zeigt sich eine Parallele zur Auswahl von Konto- und Kreditofferten, bei denen Verbraucher ebenfalls zusehends auf Partner vertrauen, die eben nicht regional angesiedelt sind.

Wurden alle genannten Aspekte berücksichtigt, gelingt der Wechsel der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur im Handumdrehen, sondern vor allem kostensenkend und inklusive Optimierung des Leistungsspielraums.

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