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Festgeldkonten: Investieren mit Mut und Sicherheit

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BANK COUNTER
Bruce Ayres via Getty Images
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Die Deutschen gelten nicht nur als ein Land der Dichter und Denker. Sie gelten darüber hinaus allgemein gerade auch als ausgesprochen sparfreudig. Schon in jungen Jahren legt mancher Bürger gerne den einen oder anderen Euro auf die sprichwörtliche hohe Kante.

Auch wenn diese Eigenschaft bei jüngeren Bankkunden vielleicht zunehmend seltener zu beobachten ist: Insgesamt müssen deutsche Verbraucher den Vergleich mit anderen Ländern in diesem Zusammenhang beim besten Willen nicht scheuen - trotz der momentan doch eher wenig erfreulichen Zinslage am Anlagemarkt.

Doch gerade wegen dieser vermeintlich schlechten Aussicht erfreut sich der Klassiker Festgeld bei vielen Anlegern nach wie vor als das Mittel der Wahl.

Langfristiges Anlegen weiterhin beliebt bei deutschen Sparern

Deutschlands größtes und wohl bekanntestes Meinungsforschungsinstitut, die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat vor einiger Zeit die aktuellen Zahlen zum Anlageverhalten der Bürger publiziert, nachdem der deutsche Bankenverband eine entsprechende Erhebung in Auftrag gegeben hatte.

Der repräsentativen Umfrage zufolge bringen es die beiden Anlagen Tages- und Festgeld zusammen auf einen Anteil von mehr als 40 Prozent unter den gefragtesten Geldanlage-Varianten. Festgeld erreicht im besagten Jahr einen Wert von 18 Prozent und liegt damit - hinter Festgeld und dem normalen Sparkonto - auf dem dritten Rang.

Doch was macht die Anlageklasse für viele Anleger interessant und welche Faktoren müssen für einen Vergleich verschiedener Angebote berücksichtigt werden? Um eben diese Frage wird es in den kommenden Abschnitten gehen.

Zwei mögliche Wege zur Kontoeröffnung

Wollten Anleger früher ein Festgeldkonto eröffnen, suchten sie die örtliche Niederlassung ihrer Hausbank auf, unterzeichneten einen Vertrag, zahlten Geld ein und begannen mit dem Sparen. Auch heute können Kunden natürlich den direkten Weg über eine x-beliebige Bank beschreiten, bei der solche Konten erhältlich sind.

Zunehmend häufiger aber werden die erwähnten Vermittlungs- und Vergleichsportale im WWW verwendet. Der Vorteil besteht hierbei natürlich darin, dass Kunden Zugriff auf eine weitaus größere Menge an Banken und Kontomodellen haben als bei der alleinigen Suche in Eigenregie.

Vergleichsangebote nehmen Internetnutzern die Arbeit ab

Wer auf eigene Faust nach dem besten Konto sucht, wird in vielen Fällen das eine oder andere Produkt übersehen - und genau dieses ist vielleicht jenes mit dem besten, ergo höchsten Jahreszins für die Einlagen. Und noch eine Angebotsgruppe hat sich entwickelt im Zuge des digitalen Anlagebooms.

Gemeint sind Portale, die als Vermittler zwischen ausländischen Instituten und deutschen Kunden auftreten. So kassieren im Normalfall eine Provision von der Bank, in anderen Fällen wird der Anbieterumsatz eventuell über die Zinshöhe realisiert. Zutreffend jedenfalls ist, dass Verbraucher durch solche Dienstleister laut objektiven Vergleichen und sogar Verbraucherschützern wie der Stiftung Warentest verstärkt in den Genuss besonders guter Verzinsungen kommen können.

Bonuszahlungen als zusätzlicher Anreiz für Neukunden

In einigen Fällen werben Anbieter auch mit einem gewissen Neukundenbonus, der teils bei 50 Euro oder mehr liegen kann. Wichtig: Dieser Zuschuss sollte nur dann den Ausschlag geben, wenn das Konto insgesamt ohnehin bereits durch die Rahmenbedingungen zu überzeugen weiß.

Dabei geht es natürlich zwangsläufig in erster Linie um die Höhe der jährlich ausgeschütteten Zinserträge. Diese sollten nicht nur die aktuelle Inflationsrate ausgleichen, sondern Anlegern eine möglichst üppige Rendite einbringen.

Auszahlungen vor Laufzeitende nur in Ausnahmefällen möglich

Wie der Name Festgeld schon sagt, geht es in diesem Fall darum, dass Anlegern von der kontoführenden Bank für einen längeren Zeitraum ein fester Zinssatz gewährt wird. Im Gegenzug müssen Anleger eine langfristige Bindung ans Konto eingehen.

Vorzeitig sind die anlegten Gelder üblicherweise nicht verfügbar. Sollte die Bank Kunden gegenüber so kulant auftreten und eine Auszahlung vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit erlauben, entfällt aber normalerweise die Zinsgutschrift - oder Kontonutzer sind gezwungen, bereits verbuchte Zinseinkünfte zurückzuzahlen. Werden die Mittel aber dringend benötigt, wird die Mehrheit der Anleger die Rückzahlungspflicht sicher in Kauf nehmen.

Große Differenzen im Bereich der Laufzeit-Bedingungen

Die Laufzeiten betreffend, gibt es mehr oder minder deutliche Unterschiede zwischen den zahllosen Angeboten am Markt. Einige Banken beginnen im Bereich weniger Monate, andere Dienstleister sehen eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten oder längere Zeiträume vor. Typischerweise gehen die maximalen Laufzeiten je nach Angebote in den Bereich von bis zu zehn Jahren.

Fraglos sollten Interessenten gerade wegen des Ausschlusses einer Vorab-Auszahlung sehr gut abwägen, ob sie sich über derart lange Zeitspannen an ein und dasselbe Kontomodell binden möchten. Bei echten Top-Zinsen lohnt sich das Investment durchaus - doch in Niedrigzinszeiten gilt es genau zu kalkulieren, ob wirklich das komplette Budget auf ein Festgeldkonto überwiesen werden sollte.

Positiv wirkt es sich aus, wenn Kunden zwischen möglichst vielen verschiedenen Laufzeiten wählen können. So nämlich kann besonders flexibel entschieden werden.

Diese Fakten sollten Anleger vorab in Erfahrung bringen:

1. die Mindest- und Maximallaufzeiten
2. der jährliche Festgeld-Zinssatz
3. die Frage, wie Erträge ausgezahlt werden (jährlich oder komplett)
4. mögliche Werbemaßnahmen für Neukunden (Willkommensbonus, höherer Zins, etc.)
5. Aussagen zur staatlichen Regulierung & zum Thema Einlagensicherung

Neukunden können sich oft einen Bonus sichern

Angebote, bei denen die Zinsgewinne nicht pro Jahr ausgezahlt, sondern bis zum Laufzeitende reinvestiert werden, bringen Kunden den sogenannten Zinseszinseffekt ein, dessen Nutzen bei langen Produktbindungen über etliche Jahre nicht unterschätzt werden sollte. Wer sich mit Sonderaktionen für Neukunden befasst, muss prüfen, wer genau einen Bonus oder einen vorübergehend besseren Festgeldzins erhält.

Meist bezeichnen Banken solche Anleger als Neukunden, bei denen mindestens sechs Monate zwischen der Kontoeröffnung und einer früheren Kundschaft (im Festgeldbereich oder anderen Sparten) liegen. Auch sollte sichergestellt sein, dass die Zinssätze auch nach Ablauf der Aktionsphasen noch mit den ansonsten geltenden Bedingungen am Festgeldmarkt mithalten können.

Andernfalls bringt mir die Werbemaßnahme als Kunde herzlich wenig. In Vergleichen können Verbraucher bequem durch Eingabe des gewünschten Anlagezeitraums sowie der Wunschsumme eine Übersicht zusammenstellen lassen, um nicht in mühsamer Kleinarbeit selbst planen zu müssen.

Welchen Anlegerkreis sprechen Banken mit Festgeldkonten an?

Zu unterscheiden ist des Weiteren zwischen Festgeldkonten für Gewerbe- und Privatkunden. Einige Anbieter sprechen beide Zielgruppen an, andere nur private oder ausschließlich gewerbliche Kunden. Letztere können oft mehr Geld investieren, was Banken gerade dann zu schätzen wissen, wenn sie besonders dringend Geld für eigene Aktivitäten benötigen.

Die Höhe der Mindestanlagebeträge ist bereits ein Indiz. Konten, die es erst ab 10.000 Euro oder mehr gibt, verdienen nicht unbedingt das Gütesiegel „verbraucherfreundlich".

Unbedingt beachten: Aussagen zur Einlagensicherung & Regulierung

So oder so sollten Anleger in spe prüfen, wie es um die staatliche Regulierung der Festgelddienstleister steht. Die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin gilt als besonders streng. Einen elementaren Hinweis ist die mögliche Regulierung von staatlicher Seite auch bezüglich der Anbieter-Herkunft.

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Denn der Standort wirkt sich auf die Absicherung der Kundengelder aus. Innerhalb der EU gilt eine staatliche Einlagensicherung in Höhe von maximal 100.000 Euro, was für die Mehrheit aller Festgeld-Anleger ausreichenden Schutz bietet. Ausländische Banken nennen oft deutlich geringere Obergrenzen oder bieten sogar keinerlei Schutz für den Fall einer Insolvenz.

Was passiert mit Geldern zum Ende der Festgeldlaufzeit?

Wer größten Wert auf kompletten Schutz für seine Gelder legt, sollte keine höhere Summen anlegen. Apropos Sicherheit: Zu klären ist, ob zum Ende der Laufzeit eine Kündigung des Konto vonnöten ist oder ob Auszahlungen automatisch durch die Banken erfolgen. Teilweise sehen Banken eine direkte Reinvestition der Festgelder für dieselbe Laufzeit vor, wenn keine fristgerechte Kündigung ausgesprochen wird.

Im Vergleich mit flexibleren Anlageklassen wie Tagesgeld wissen Sparer beim Festgeldkonto von Anfang an ganz genau, welcher Ertrag während der Laufzeit erreicht wird. Beim Tagesgeld hingegen können - abseits gewisser Zinsgarantien, die manche Bank verspricht - jederzeit Zinsänderungen vorgenommen werden. Dafür aber können Gelder jederzeit abgehoben werden.

Dass viele Festgeldkonten eine Mindesteinlage von einigen tausend Euro vorsehen, schließt solche Konten für manchen Anleger im Vorhinein aus. Wer sich die Einlage aber leisten kann und will, geht langfristig auf Nummer Sicher, ohne sich Gedanken über kommende Zinsentwicklungen am Anlagemarkt machen zu müssen. Ganz gleich, ob diese nun positiver oder negativer Natur sind.

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