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Devisenhandel - Steuern sind für jeden Anleger ein Thema

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STOCKMARKET
Holger Leue via Getty Images
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Die Alternativen, die sich Anlegern bieten, wenn sie auf klassische Geldanlagen wie etwa Tagesgeldkonten setzen möchten, sind in den vergangenen Jahren zunehmend rarer geworden. Historisch niedrige Leitzinssätze in der Europäischen Union und weltweit haben schlechte Zeiten für Sparer eingeläutet, die neben guten Renditen vor allem auch Sicherheit beim Investieren anstreben. Binäre Optionen, Differenzkontrakte und vor allem der Devisenhandel profitierten von der Zinsentwicklungen.

Devisenhandel auch für Kleinanleger mit guten Gewinnchancen

Anleger suchen heute immer wieder neue Wege, um ebenfalls von den Veränderungen am Finanzmarkt profitieren zu können und Gewinne nicht allein den institutionellen Investoren zu überlassen. Dabei spielte das Aufkommen der Online-Forex-Broker eine zentrale Rolle, da Devisenhändler über die Plattformen mit wenig Zeitaufwand werden können.

Dass auch für Erträge aus dem Devisenhandel Steuern gezahlt werden müssen, sollten Anleger stets im Hinterkopf behalten.

Enormes Handelsvolumen am FX-Markt zieht normale Sparer an

Der Handel mit Forex-Produkten - wie der Devisenhandel abgeleitet vom englischen Begriff „Foreign Exchange" auch genannt wird - erweist sich für potentielle Anleger in erster Linie aufgrund der hohen Volatilität des Devisenmarktes als lukrativ. Gemeint ist damit die Tatsache, dass kein Finanzmarkt ein höheres Handelsvolumen pro Tag vorweisen kann als der globale Devisensektor.

Mehr als 5,0 Billionen US-Dollar werden hier mittlerweile täglich umgesetzt. Entsprechend akut können die Kurse gerade im Segment der „Majors", der meist gehandelten Devisenpaare, schwanken. Und derartige Schwankungen sind stets eine gute Möglichkeit, um Gewinne ohne lange Vorlaufzeiten zu realisieren.

Devisenmarkt entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts

Und genau diesen Vorteil machen sich verstärkt auch Kleinanleger zunutze, die über Forex-Broker im WWW oft schon mit einem Startkapital in Höhe von wenigen hundert Euro in den Handel einsteigen können. Dass der Markt an sich auf eine lange Historie zurückblicken kann, erklärt focus.de mit Verweis auf den Ursprung des Devisenhandels im Jahr 1880.

Damit ist dieser Markt keineswegs ein Novum. Einzig normale Privatanleger entdeckten den Sektor erst spät infolge des Booms im Internet für sich. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Händler bei Brokern mittels Hebelwirkung ein Vielfaches ihres Budgets investieren können, um so die möglichen Renditen zu optimieren. Fraglos steigt damit auch das Risiko, was Trader nicht vom Hebeleinsatz abhält.

Individuelle Besteuerung durch Einheitsmodell ersetzt

Höhere Gewinne wiederum bedeuten generell, dass ebenfalls höhere Devisenhandel-Steuern entrichtet werden müssen. Im Mittelpunkt steht dabei die Abgeltungssteuer (Quelle: www.brokervergleich.com), seit der Gesetzgeber für Kapitalerträge statt der vormals üblichen einkommensabhängigen Steuersätze recht einheitliche Regelungen geschaffen hat.

Seit der Einführung der Abgeltungssteuer wird immer Kritik daran laut, dass Anleger mit geringerem Einkommen nun mehr Steuern auf ihre Gewinne abführen müssen. Großverdiener hingegen würden steuerlich besser gestellt im Vergleich zum vorherigen Spitzensteuersatz.

„Soli" und Kirchensteuer werden zusätzlich fällig

Die „neue" Kapitalertragsteuer - also die besagte Abgeltungssteuer beträgt generell 25 Prozent. Doch damit nicht genug. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag, der im Moment bei 5,5 Prozent liegt. Des Weiteren müssen die meisten Anleger Kirchensteuer auf ihren Kapitalertrag zahlen. Der Steuersatz in diesem Bereich liegt bei 8,00 % in Baden-Württemberg und dem Freistaat Bayern beziehungsweise 9,00 % in allen anderen deutschen Bundesländern. Mit dieser noch recht jungen Art der Besteuerung hat der Fiskus für klare Verhältnisse gesorgt - auch mit Blick darauf, wie steuerlich vorzugehen ist.

Einkünfte sollten vollständig und rechtzeitig gemeldet werden

So sind Anleger gezwungen, selbst für die Meldung der steuerpflichtigen Einnahmen beim zuständigen Finanzmarkt im Rahmen der Einkommenssteuererklärung zu sorgen. Eine gewisse Entlastung hingegen erleben Devisen-Trader insofern, dass Broker und Banken mit Sitz in Deutschland automatisch Meldungen für Kunden an die Behörden machen müssen. Es sei denn, Kunden stellen einen Freistellungsauftrag.

Kunden ausländischer Dienstleister müssen sich grundsätzlich eigenständig um die fristgerechte Steuermeldung ihrer Erträge kümmern. Einkünfte sollten nicht verschwiegen werden, da ein solches Verhalten juristische Konsequenzen haben wird.

Finanzbehörden haben Recht auf Einsicht in die Unterlagen

Zumal die Erträge bei Vorlage von Kontoauszügen auf Nachfragen ohnehin offen gelegt werden müssen. Besser ist es daher, direkt die nötige Eigeninitiative an den Tag zu legen. Eine Ausnahmestellung nimmt dabei nach aktueller Rechtsprechung die Cyberwährung „Bitcoin" ein, wie aus einem Bericht im Handelsblatt hervorgeht. Der Europäische Gerichtshof entschied Ende 2015, dass Bitcoins weiterhin von der Steuerpflicht ausgenommen bleiben. Vorerst jedenfalls.

Gesetzgeber gönnt Anlegern gewisse Freibeträge

Rund um die Devisenhandel-Steuer dürfen einige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. So zeigt die FAZ, dass es immer wieder - je nach Art des Devisenhandels - durchaus nicht überall die Klarheit gibt, die sich Anleger vom Staat wünschen würden.

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So traten zuletzt Probleme bei der Steuer-Behandlung von Fremdwährungsgeschäften auf, mit denen sich auch die Gerichte befassen müssen. Auf der anderen Seite gibt es auch Positives zu vermelden. So muss zum Beispiel erwähnt werden, dass der Fiskus auch bei der Abgeltungssteuer und allgemein Kapitalerträgen gewisse Freibeträge vorsieht.

Dieser im Einkommensteuergesetz verankerte Sparer-Pauschbetrag liegt für allein veranlagte Steuerzahler bei 801 Euro und beträgt bei gemeinsam veranlagten Paaren entsprechend 1.602 Euro. Ambitionierten Anleger, die beim Devisenhandel Steuern zahlen müssen, mag dies nur als sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein erscheinen. Für Kleinanleger hingegen mag diese Obergrenze durchaus ausreichend sein, wenn sonst nur geringe Renditen aus klassischen Anlageklassen existieren.

Verluste können die Steuerbelastung senken

Eine weitere Besonderheit, die Anlegern vertraut sein muss: Sie können verbuchte Verluste auch von der Steuer absetzen. Kann ich als Anleger insgesamt in einem Jahr höhere Verluste als Gewinne nachweisen, werden keine Steuern auf die Kapitalerträge erhoben. Ansonsten können Verluste aus dem Forex-Handel gegengerechnet werden, um die Steuerlast zu reduzieren. Natürlich aber ist es eher nicht das Ziel, Verluste als Ausgleich zu erreichen.

Wer hohe Gewinne erzielt, muss sich mit der Devisenhandel-Steuer abfinden und wird dies normalerweise wohl auch größeren Ärger tun. Wichtig ist die Thematisierung der pauschalen Besteuerung über die Abgeltungssteuer deshalb, weil Anfänger auf diese Weise zweierlei verstehen. Zum einen gehören ihnen die Renditen nach Abzug aller mit dem Handel verbundenen Gewinne eben nicht in voller Höhe.

Abgeltungssteuer-Pflicht in jedem Moment berücksichtigen

Zum anderen sollten sie ihren Ertrag am besten nicht direkt reinvestieren. Denn unter Umständen müssen später selbst dann Steuern gezahlt werden, wenn die erzielten Gewinne längst wieder durch neue Positionen verloren wurden. Selbst professionelle und erfahrene Devisenhändler werden nicht ausnahmslos nur gewinnbringend auf die Kursentwicklungen spekulieren, sondern dann und an Verluste hinnehmen müssen.

Und an dieses mögliche Dilemma sollten Händler jederzeit denken, um im Alltag über die Handelsplattformen ihrer Forex-Broker keine zu hohen Risiken einzugehen, die sie sich gar nicht leisten können. Spätestens bei der Steuer kann es nämlich nochmals teuer werden.

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