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David Groenewold Erstmals im Interview zur Causa Wulff

03/07/2015 21:33 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 11:12 CEST
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Es wurde still um Wulff , stiller um Groenewold

Die Berichterstattung um Christian Wulff und David Groenewold ist spätestens seit dem Freispruch durch das hannoversche Gericht nahezu eingestellt worden. Die nahezu einzigen medialen „Lebenszeichen" des ehemaligen Bundespräsidenten waren die Buchveröffentlichung „Ganz Oben, Ganz Unten" im Sommer 2014 und sein Comeback mit Bettina im Frühjahr 2015. Auch scheint es, als hätte Christian Wulff Pläne gefasst, wieder in der Politik Fuß fassen zu wollen.

Über seinen Freund und damaligen Mitangeklagten David Groenewold wurde (noch) weniger berichtet. Er verfasste bisher kein Buch und gab auch keine Interviews - bis jetzt.

Groenewold nimmt endlich Stellung

Nach gut einem Jahr bricht er endlich sein Schweigen zu den Geschehnissen in der Causa Wulff in einem Video-Interview. Überraschend dabei ist allerdings die Form des Interviews: nicht etwa bei den großen öffentlichen oder privaten Sendern - nein, es handelt sich um ein Youtube-Video für die studentische Webseite Jurakurs. Offen bleibt, ob Groenewold durch den gewählten Rahmen der Darstellung seiner selbst ein gewolltes Zeichen gegen die Massenmedien und der von ihm bezeichneten „Verdachtsberichterstattung" setzen wollte.

Groenewold gibt gleich zu Beginn des Interviews in einem Satz zusammenfassend wieder, was Inhalt der sog. Wulff Affäre war:

„Insgesamt kann man es so formulieren, dass Allgemeinheiten und Dinge aus dem täglichen Leben aus dem Zusammenhang gerissen worden sind, damals von Journalisten und dann von Staatsanwaltschaften, und aus winzigsten Begebenheiten Skandale kreiert wurden. Wie sich im Ermittlungsverfahren und im Gerichtsverfahren herausgestellt hat, war an keinem einzigen der von der Presse erhobenen Vorwürfe etwas dran."

Groenewold werden im Gespräch die sehr interessanten Fragen gestellt, wie er den damaligen Prozess und die Berichterstattung empfunden hat und wie sich die Darstellungen in der Presse auf seine berufliche Laufbahn ausgewirkt haben.

Er bleibt sichtlich sachlich in seinen Ausführungen und bewahrt trotz Kritik und erlebten Enttäuschung seine Fassung. Es scheint, als ob er die Geschehnisse verarbeitet hätte. Er gibt Einblicke in sein Gefühlsleben, sucht aber nicht nach Mitleid. Es wird dennoch im Gespräch deutlich, dass die Wulff-Affäre für ihn die Zerstörung seiner beruflichen Existenz zur Folge hatte.

Was darf die Presse?

Groenewold analysiert die damaligen Geschehnisse und ist auch bemüht Lösungsansätze zu finden. Damit stößt er eine rechtsphilosophische Diskussion an:

Wie weit darf die sog. Verdachtsberichterstattung gehen und ob bzw. wie muss man die „kommunizierenden Röhren" zwischen Medien und Staatsanwaltschaft unterbinden?

Darf die Presse einen Bundespräsidenten „aus dem Amt lügen"?

Wie viel Macht darf die Presse haben?


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