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Politik mit Groove: Politische Songs haben eine lange Tradition in Afrika

13/02/2016 11:53 CET | Aktualisiert 13/02/2017 11:12 CET
Bruno De Hogues via Getty Images

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

"Was kann Deutschland über die Einbeziehung von Jugendlichen in die Politik von Ihren Ländern lernen?" fragte HuffPost-Herausgeber Cherno Jobatey zum Abschluss des Adenauer Huffington Briefing-Launchs Anfang Februar in Berlin.

Über Skype aus Johannesburg zugeschaltet antwortete ich: „Bessere Wahlkampfsongs schreiben" - und meinte das nur halb im Spaß. Denn das politische Lied hat eine lange und wichtige Tradition in Afrika, und es erreicht tatsächlich junge Wähler. In meinem zweiten Beitrag zum Briefing möchte ich mich diesem Thema daher etwas detaillierter widmen.

Selbst wenn rund ein Viertel der Menschen auf dem Kontinent inzwischen Zugang zum Internet haben und die Alphabetisierungsraten steigen: Das Medium Nummer Eins in Afrika ist weiterhin unangefochten das Radio.

Talkshows sehr beliebt


Vor allem Talkshows erfreuen sich dabei großer Beliebtheit, so dass der Wortanteil bei den meisten afrikanischen Radiostationen wesentlich höher ist als in Europa. Gewiefte Wahlkämpfer versuchen zusätzlich, auch ins Musikprogramm vorzustoßen.

So wie Patrick Muyaya aus der Demokratischen Republik Kongo. „Während des Wahlkampfs habe ich ganz auf eine junge Kampagne gesetzt. Daher habe ich einen befreundete Musiker gebeten, ein Lied über mich zu schreiben, und einen Teil meines Budgets in den Videodreh gesteckt", erzählt er. Herausgekommen ist ein MTV-würdiges Produkt:

Auch dank seiner erfolgreichen Kampagne sitzt Muyaya heute mit 33 Jahren als einer der jüngsten Abgeordneten im kongolesischen Parlament. Noch höhere politische Weihen strebt Kiiza Besigye an, der am 18. Februar bei den Präsidentschaftswahlen in Uganda als Herausforderer von Langzeitpräsident Yoweri Museveni antritt.

Im Video zu seinem Wahlkampsong „Besigye Songa Mbere" („Vorwärts mit Besigye") lässt sich schön beobachten, wie wichtig Tanz und Gesänge bei Wahlkampfveranstaltungen in Subsahara-Afrika sind:

Präsident Museveni griff anlässlich seiner geplanten sechsten (!) Wiederwahl sogar selbst zum Mikrofon und nahm den Song „Yengoma" auf. Neben der titelgebenden Trommel besingt er darin weitere Instrumente, die Viehzucht sowie die Wichtigkeit von Ausdauer. Kein Wunder also, dass das Gesamtpaket eher unfreiwillig komisch wirkt:

Der kleine Rundgang durch zeitgenössische afrikanische Wahlkampf-Songs soll daher besser von einem Profi beschlossen werden.

Als Youssou N'Dour, der 1994 für den Song „Seven Seconds" mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, im Jahr 2012 als Präsidentschaftskandidat in seinem Heimatland Senegal antrat, hatte er natürlich auch ein Lied für seine Bewegung „Fekke Maci Boole" geschrieben. Übersetzt heißt es "Ich mische mich ein":

Auch wenn es die Kandidaten tatsächlich schaffen, einen Teil ihres Wahlprogramms in Liedform darzureichen, so entfalten die politischen Botschaften mit Instrumentalbegleitung vor allem dann ihre volle Wirkungskraft, wenn sie eine ganze gesellschaftliche Bewegung begleiten.

Als herausragendes Beispiel in der afrikanischen Geschichte darf hierfür der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika gelten. Unvergessen ist zum Beispiel das große Solidaritätskonzert zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela, den dieser noch in Gefangenschaft verbringen musste. Lieder wie „Free Nelson Mandela" von The Special A.K.A. und „Talking about a revolution" von Tracy Chapman kennt bis heute jeder.

"Wir können ihn nicht sehen"


In Südafrika selbst heißt der wohl bekannteste Anti-Apartheids-Song „Asimbonanga", zu deutsch: "Wir können ihn nicht sehen". Das vom südafrikanischen Songwriter Johnny Clegg geschriebene Lied handelt davon, wie sehr der auf Robben Island eingesperrte Nelson Mandela der südafrikanischen Gesellschaft fehlt.

Als Clegg das Lied 1987 sieben Jahre vor dem Ende Apartheid veröffentlichte, glaubte er wahrscheinlich wirklich nicht daran, Nelson Mandela noch einmal zu sehen - und schon gar nicht auf einer Bühne mit ihm selbst:

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