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Dr. phil. Christian Discher Headshot

So hart kann das Leben in einer Psychiatrie sein

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
PSYCHIATRY
VASILY MAXIMOV via Getty Images
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Ziemlich m├╝de betrat ich das Geb├Ąude. Wir stiegen die Treppe hinauf, klingelten an der T├╝r. Ein ├Ąlterer Herr mit Brille und einem wei├čen Kittel bat uns hinein. ┬╗Kommen Sie und verhalten Sie sich ruhig! Er f├╝hrte mich in ein ger├Ąumiges Zimmer.

Auch wenn Mila nirgends zu sehen war, setzte ich mich auf den Stuhl.Ich wunderte mich ├╝ber die unerwartete Verabschiedung von Frau Rudi und sa├č f├╝r einen kurzen Moment allein in dem Raum. Die Luft war stickig. Ich wollte das Fenster ├Âffnen und r├╝ttelte am Griff.

┬╗Das ist zu Ihrer eigenen Sicherheit!┬ź

Diesen Satz verstand ich nicht. Zu Hause waren die Fenster doch auch nicht verschlossen.

┬╗Bitte legen Sie sich auf das Bett.┬ź

┬╗Warum soll ich mich auf das Bett legen? Bin ich jetzt hier, weil ich etwas Schlechtes getan habe?┬ź Darauf bekam ich keine Antwort.

┬╗Sagen Sie mir Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum!┬ź ┬╗Christian Discher, 10.11.1979.┬ź┬╗Wo wohnen Sie?┬ź┬╗In der Bergmannstra├če 79a.┬ź

┬╗Was haben Sie heute gegessen?┬ź ┬╗Ein Ei.┬ź Was f├╝r eine bl├Âde Frage. Will der mich verarschen?

Ich schmunzelte in mich hinein. ┬╗M├Âchten Sie sich umbringen?┬ź Nat├╝rlich nicht. Was sollte das?

┬╗Ich muss Sie das fragen. Ich bin Arzt und es geh├Ârt zu meinen Aufgaben, herauszufinden, ob Sie Suizidabsichten haben.┬ź

┬╗Bin ich in einem Krankenhaus?┬ź

┬╗Na, was dachten Sie denn?┬ź Kleinlaut lie├č ich die Untersuchung ├╝ber mich ergehen.

┬╗Legen Sie sich bitte aufs Bett, winkeln Sie die Beine an, schlie├čen Sie die Augen und f├╝hren den rechten Zeigefinger an Ihre Nasenspitze. Halten Sie beide Arme gestreckt vor sich. Bemerken Sie einen Unterschied?┬ź

┬╗Nein, nicht wirklich.┬ź

Eine ├ťberpr├╝fung der Reflexe und anderer k├Ârperlicher Funktionen folgte. Danach k├╝ndigte der Arzt Besuch f├╝r mich an und verlie├č das Zimmer. In dem Haus herrschte eine angenehme Stille. An den Fenstern hingen bemalte Glasfiguren.

Ziemlich kitschig. Alles kam mir fremd vor. Im Raum gegen├╝ber von meinem Zimmer reihten sich alte Blument├Âpfe, St├╝hle und Tische aneinander. Es musste kurz vor Mitternacht gewesen sein.

Ich stand auf und blickte neugierig aus dem Fenster auf einen Parkplatz und auf zwei hochgewachsene Ahornb├Ąume.

Aber was w├╝rde Mila blo├č sagen?

┬╗Ach, Christian, alles wird gut. Hier wird dir geholfen.┬ź Die T├╝r klackte, Bea schaute hinein und verabschiedete sich. Ich legte mich zur├╝ck ins Bett. Vielleicht war dies der Anfang. Endlich ist mein altes Leben vorbei.

Jetzt kann ich die Vergangenheit abschlie├čen und meine Zukunft beginnen. Noch bevor ich die Augen schloss, betrat eine junge Frau das Zimmer und entnahm mir Blut.

┬╗Muss ich mich ausziehen?┬ź

┬╗Bleiben Sie im Bett und schlafen. Hier ist noch etwas zur Beruhigung.┬ź

┬╗Warum bekomme ich Medikamente?┬ź ┬╗Damit Sie einschlafen.┬ź ┬╗Sagen Sie meinen Eltern Bescheid?┬ź

┬╗Das haben wir schon getan.┬ź Ersch├Âpft schlief ich ein. Ein lautes Ger├Ąusch weckte mich am n├Ąchsten Morgen.

Ich erschrak, wusste im ersten Moment nicht, wo ich war, f├╝hlte mich schlapp. Mein Mund war ausgetrocknet. Ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl. Ich hatte eigentlich ganz gut geschlafen, l├Ąnger als in den letzten Tagen. Auf dem Tisch stand das Fr├╝hst├╝ck bereit.

Auf dem Teller lagen eine Scheibe Mischbrot und K├Ąse. Der Tee war viel zu hei├č. Nicht unbedingt appetitanregend. Ich musste in die Schule, der Unterricht hatte l├Ąngst angefangen. Rasch warf ich mir etwas ├╝ber und suchte das Bad. Die Wanne war riesig. Das habe ich jetzt wirklich gebraucht. Ein guter Start in das neue Leben. Ich lie├č mir Wasser ein.

Eingeh├╝llt in warmen Schaum malte ich mir voller Enthusiasmus in leuchtenden Farben meine Zukunft aus. Nach dem Abitur ein Umzug nach Frankfurt, ein Leben mit Stefan und nat├╝rlich wollte ich den F├╝hrerschein machen.

Jetzt kann ich allen erz├Ąhlen, dass ich schwul bin, zu mir stehen und so sein wie ich bin. Kein Versteckspiel mehr, dachte ich bei mir. Ein Klopfen an der T├╝r unterbrach meine Gedanken. Ich zog den St├Âpsel aus der Wanne, denn die Stimme vor der T├╝r forderte Eile.

Richtig so. Nach dem Z├Ąhneputzen wurde ich auf den Flur zum Blutdruckmessen gerufen. ├ťberall liefen M├Ąnner und Frauen in wei├čen Kitteln umher.

┬╗Wann kann ich endlich los? Ich muss in die Schule.┬ź

L├Ąchelnd antwortete mir die Schwester: ┬╗Gar nicht!┬ź

┬╗Gar nicht? Aber ich muss doch f├╝rs Abitur lernen!┬ź

Obwohl mir der Schlaf gut getan hatte, war ich pl├Âtzlich sehr traurig, f├╝hlte mich alleingelassen, unverstanden. Es fiel mir schwer, in zusammenh├Ąngenden S├Ątzen zu sprechen. Die Frau, die den Blutdruck ├╝berpr├╝fte, wirkte gestresst. ┬╗Welchen Arm nehmen wir?┬ź

┬╗Warum messen Sie Blutdruck? Ich bin nicht krank.┬ź

Au├čer Bauchschmerzen hatte ich doch keine weiteren Beschwerden. ┬╗Das sagen sie alle hier.┬ź Dabei lachte sie. Auch ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, weil sie sympathisch war und ich ihre Antwort nicht verstand.

Ich hatte gut geschlafen und wollte nach Hause.

┬╗Ich bin Leistungssportler. Mit dem Blutdruck habe ich keine Probleme.┬ź ┬╗Ja, ja.┬ź

Mittlerweile war es schon nach acht Uhr. Meine morgendliche Zigarette fehlte mir. Auf dem Schulweg h├Ątte ich um diese Zeit bereits die zweite geraucht.

┬╗Kann ich nach unten vor die T├╝r? Ich will eine rauchen.┬ź ┬╗Moment!┬ź Sie hielt R├╝cksprache und forderte mich auf, die Zigaretten aus dem Zimmer zu holen.

Drau├čen schien die Sonne. Jetzt freute ich mich auf einen Spaziergang. Verwundert fragte ich, als sie den Schl├╝ssel in die T├╝r steckte: ┬╗Warum schlie├čen Sie ab?┬ź ┬╗Weil man das so macht.┬ź

Ich folgte ihr die Treppe hinunter und stellte mich neben den Aschenbecher.

┬╗Ihre Mutter wird Sie gleich besuchen.┬ź

├ťber diese Nachricht freute ich mich. An meine Eltern hatte ich gar nicht mehr gedacht. Unten angekommen schaute ich mich um. Eigentlich kannte ich diese Ecke gut. Auf dem Weg ins Katharinenviertel lief ich hier h├Ąufiger vorbei.

F├╝r die Menschen, die dort auf der Bank sa├čen, interessierte ich mich nicht. Sie wirkten alle ziemlich niedergeschlagen, waren weit ├╝ber 40, rauchten und benutzten zum Abaschen einen aus Eisen gefertigten K├╝bel, der fest im Boden verankert war.

Als Jugendlicher machte ich mir kaum Gedanken, schon gar nicht ├╝ber Menschen, die deprimiert auf einer Bank sa├čen und sich nichts zu erz├Ąhlen hatten.

In Begleitung der Schwester rauchte ich nun vor der T├╝r, beobachtete die Leute und wollte spazieren gehen. Das h├Ątte mir wahrhaftig gut getan. Das M├╝hlenholz, ein dicht bewachsenes Waldst├╝ck, in dem ich k├╝rzlich mit Anna war, w├Ąre auf dem Fu├čweg in 15 Minuten zu erreichen gewesen.

┬╗Bitte, kommen Sie!┬ź ┬╗Ja, ja. Wo sind wir hier eigentlich?┬ź

┬╗In der psychiatrischen Abteilung des Klinikums Neubrandenburg.┬ź

┬╗Was? Ich bin in der Psychiatrie?┬ź Irgendwie glaubte ich ihr nicht. Aus dem Fernsehen wusste ich, dass Verbrecher in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Was hatte ich denn angestellt? Hatte Frau Rudi ihnen erz├Ąhlt, was f├╝r ein schlechter Mensch ich war? ┬╗Rauchen Sie Ihre Zigarette, beeilen Sie sich ein bisschen!┬ź

Ich zog ein letztes Mal, als ich den ├Ąlteren Herrn, deutlich vom Alkohol gezeichnet, links au├čen auf der Bank wahrnahm. Ich schaute ihn an und dr├╝ckte dabei meine Zigarette in den Aschenbecher:

┬╗Es tut mir leid. ├ťber Menschen wie Sie habe ich fr├╝her immer gelacht. Daf├╝r m├Âchte ich mich entschuldigen.┬ź Regungslos nahm er meine Worte zur Kenntnis.

Ich hingegen war gl├╝cklich, voller Freude, meine Gedanken aus- gesprochen zu haben. Mit dieser Ansage waren die Zeiten beendet, in denen ich hinter dem R├╝cken anderer Menschen redete.

Ab heute spreche ich jeden direkt an und werde keine Geheimnisse mehr in mir tragen. Leicht beschwingt kehrte ich in Begleitung der Schwester ins Geb├Ąude zur├╝ck. Im Zimmer sa├čen meine Mutter und die ├ärztin. Auf dem Tisch standen eine Flasche Mineralwasser und zwei Gl├Ąser.

┬╗Setzen Sie sich doch zu uns.┬ź┬╗Mama! Kommst du mich abholen?┬ź ┬╗Herr Discher, wissen Sie, dass Sie schwer krank sind?┬ź Ich sa├č auf dem Stuhl, blickte der ├ärztin in die Augen. Sie trug
eine Goldkette um den Hals und stellte sich als Frau und Kollegin des Chefarztes Doktor Robin vor.

┬╗Bin ich wirklich krank? Mama, sag was. Ich bin doch nicht krank!┬ź Ratsuchend schaute meine Mutter zur ├ärztin. Verunsichert wusste sie nicht, was sie mir antworten sollte.

┬╗Herr Discher, Sie sind sehr krank┬ź, ├╝bernahm die ├ärztin das Gespr├Ąch und sorgte im Raum sichtlich f├╝r Erleichterung.

┬╗Ich will weg hier, nach Frankfurt ziehen. Meine Sachen k├Ânnt ihr behalten. Ich fange ein neues Leben an.┬ź

┬╗Das kannst du auch, aber erst musst du gesund werden.┬ź ┬╗Gehen Sie nun besser nach Hause. Ich melde mich bei Ihnen.┬ź Noch ein Abschiedsk├╝sschen auf die Wange. Mama und die ├ärztin verlie├čen das Zimmer.┬╗Tsch├╝ss┬ź, rief ich noch hinterher.

Beunruhigt ├╝ber dieses Gespr├Ąch lie├č ich meine Zukunftsvorhaben im Geiste an mir vorbei- ziehen, als eine Frau das Zimmer betrat. Sie war Assistenz├Ąrztin auf der Station. Dass ich nach Frankfurt gehen, das Abitur und den F├╝hrerschein machen wollte, wusste sie bereits aus den Vorgespr├Ąchen mit meiner Mutter. Sie war nicht nett, aber sehr engagiert.

┬╗Ich bin Frau Doktor Klein. Herr Discher, mit diesem Krankheitsbild wird es wohl nichts mehr mit dem Abitur und schon gar nicht mit dem F├╝hrerschein!┬ź Die Schwester kam herein und unter- brach das Gespr├Ąch.

┬╗Hier sind Ihre Medikamente!┬ź Traurig und unverstanden legte ich mich aufs Bett. Mit diesem Krankheitsbild? Was? Kein Abitur, keinen F├╝hrer- schein? Panik schn├╝rte mir die Brust zu. Das konnte doch nur ein falscher Film sein.

Ich versuchte, mich zu beruhigen. Sicherlich wer- de ich gleich nach Hause d├╝rfen. Das hier war bestimmt nur ein Test, weil ich als Kind immer so frech zu den Erwachsenen gewesen bin und so viel ├╝ber andere gel├Ąstert habe.

Obwohl ich ziemlich ersch├Âpft war, trieb es mich in die N├Ąhe des Fensters. Ich blickte hinaus und traute meinen Augen nicht. Mila schaute vom Parkplatz aus zu mir hoch. Ich winkte ihr zu und versuchte, mit Handzeichen zu erkl├Ąren, dass ich nicht nach Hause durfte.

Kurz vor den Sommerferien freuten sich alle auf den Strand und auf die Erholung. Mila ganz besonders. Wir sa├čen gern am Wasser und unterhielten uns stundenlang.

Heute durfte sie mich nicht mehr treffen. Hilflos und traurig ging sie fort. Und wieder ├Âffnete sich die T├╝r meines Zimmers. Frau Doktor Klein mit ihren blonden Locken und der markanten Nase trat ein.

┬╗Hatten Sie in der letzten Nacht irgendwelche Tr├Ąume?┬ź ┬╗Nein. ┬źOhne ihre Frage zu kommentieren, verlie├č sie das Zimmer. Auch wenn sich niemand ├╝ber meine Probleme unterhalten wollte, sollte die Zeit des Schweigens vorbei sein. Ich m├Âchte einen Neuanfang. Ich legte mich aufs Bett und starrte an die Decke.

Bisher wusste niemand au├čer Sabine und Mila von meiner Homosexualit├Ąt. Um ein neues Leben beginnen zu k├Ânnen, musste ich mich von negativen Gef├╝hlen freimachen, neu geboren werden, mich entkleiden und mein Innerstes nach au├čen kehren.

Noch im Zimmer zog ich mich aus, ├Âffnete die T├╝r und stellte mich in den Aufenthaltsraum, in dem die ├ärztin mit Patienten Gespr├Ąche f├╝hrte.

┬╗Ich bin schwul┬ź, rief ich in die Runde.

Endlich hatte ich mich getraut, es laut auszusprechen. Befreiung lag auf meiner Seele. Dass ich etwas falsch gemacht hatte, entnahm ich dem Gesichtsausdruck der ├ärztin. Mit einem L├Ącheln sagte sie: ┬╗Aber Herr Discher, gehen Sie in Ihr Zimmer und ziehen Sie sich bitte Ihre Sachen an.┬ź

Ohne zu z├Âgern, drehte ich mich um und folgte ihrer Anweisung. Anziehen wollte ich mich noch nicht. Ich legte mich unter die Bettdecke und schloss die Augen. Wenig sp├Ąter kam Frau Doktor Robin und schaute nach mir. Ich ruhte mich aus und war froh ├╝ber meine mutige Aussage. Getr├╝bt wurde meine Freude von den Bauchkr├Ąmpfen.

Seit Wochen hatte ich keine feste Nahrung mehr zu mir genommen. Ich musste auf die Toilette. Ich kleidete mich an, aber die Zimmert├╝r war verriegelt. Gestern waren doch nur die Fenster verschlossen. Warum lie├č sich die T├╝r nicht mehr ├Âffnen? Von Panik ergriffen machte ich mich mit Klopfzeichen bemerkbar.

┬╗Warum geht die T├╝r nicht auf? Ich will nicht eingeschlossen werden. Lassen Sie mich raus. Was habe ich falsch gemacht? Was machen Sie mit mir?┬ź Mila, wenn du mir nur helfen k├Ânntest. Warum sperren die mich ein?

┬╗Ich wollte doch nur ├╝ber meine Gef├╝hle reden. Hallo? Hallo? H├Ârt mich jemand?┬ź

Durch das ├ťberwachungsfenster beobachteten mich die Schwestern.

┬╗Ich muss auf die Toilette. Schnell! Bitte, bitte!┬ź

Nerv├Âs lief ich auf und ab. Auf keinen Fall wollte ich in die Hose machen. Seit Wochen hatte ich mich enormen k├Ârperlichen Strapazen ausgesetzt, Entw├Ąsserungstees getrunken und massiv an Gewicht verloren. In mir zog sich alles zusammen. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen.

Ich h├Ârte, wie jemand den Schl├╝ssel im Loch drehte. Die Schwester lie├č mich aufs WC. Ich setzte mich auf die Toilettenbrille und hielt mir den Bauch. V├Âllig fassungslos und benommen sah ich Blut im Becken.

Das ist deine Strafe, Christian, schwirrte mir noch durch den Kopf. Du h├Ąttest mehr essen m├╝ssen. Aber das spielte jetzt keine Rolle. Mein K├Ârper war krank.

Um niemanden zu ver├Ąrgern, s├Ąuberte ich die Toilette und meine Beine, die einige Spritzer Blut abbekommen hatten. Es dauerte l├Ąnger als gedacht. Ich wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser und machte mich auf den Weg zur├╝ck ins Zimmer.

Auf dem Flur warteten zwei ├ärzte und vier m├Ąnnliche Pfleger, die in meine Richtung starrten.
┬╗Was wollen Sie von mir? Warum gucken Sie mich so an?┬ź Eine Antwort erhielt ich nicht.

Eingesch├╝chtert und ├╝berrascht von diesem M├Ąnnerauflauf ergriff mich die Panik. Sie kreisten mich ein. In die Enge getrieben schubste ich den Arzt zur Seite, der mir den Weg versperrte.

┬╗Pack ihn!┬ź

Von hinten ergriff Doktor Robin meinen Arm und drehte ihn bis zum Anschlag hoch. Es tat h├Âllisch weh, meine Gelenkknochen knackten. Meine Kr├Ąfte hatte ich in den letzten Wochen verloren. Ich war zu schwach, um mich zu wehren.

┬╗Entschuldigung, Entschuldigung, das wollte ich nicht. Ich dachte, Sie wollen mir weh tun.┬ź

Es war zu sp├Ąt. Sie ├Âffneten die T├╝r zum Wachzimmer und warfen mich aufs Bett. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir passieren w├╝rde. Von allen Seiten fixierten sie mich. Der blutige Vorfall auf der Toilette war in diesem Moment vergessen.

Jetzt standen sie um mich herum, hielten und befestigten mich gleichzeitig mit den Gurten an Handgelenken und F├╝├čen.

Das Anlegen des Bauchgurtes war kaum noch zu sp├╝ren. Die Schwester hatte zwischenzeitlich ein Medikament aufgezogen und es mir routiniert ins Bein gespritzt. Kurzzeitig schlief ich ein. Als sich nach dem Aufwachen der Brustkorb nicht mehr heben lie├č, dachte ich an Gott.
Es war offensichtlich klar. F├╝r meine S├╝nden wurde ich nun bestraft.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Die Stimmen der ├ťbriggebliebenen" von Christian Discher. Es erschien 2015 im Underdog-Verlag.

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