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Missbraucht, gepeinigt und entmenschlicht: Psychiater ohne Skrupel

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Heute erinnere ich mich nur an einen Übergriff, als mir im Alter von sechs oder sieben Jahren ein Medikament verabreicht worden war. Danach spürte ich nur noch eine Hand auf meinem Oberschenkel, es roch nach Alkohol und aus dem geöffneten Mund blickte mich der Zahnersatz eines erwachsenen Mannes an. Danach fiel ich in den Tiefschlaf.

Im Namen meiner langjährigen Freundin Judi Klein, die als Protagonistin Renate eine tragende Rolle in meiner Tagebucherzählung „Die Stimmen der Übriggebliebenen" spielt, habe ich wesentliche Etappen ihrer Lebenserinnerungen zusammengefasst.

Renate, Elisa, ich, Christian und die in meinem Buch erwähnten Personen wurden in einem grauenvollen Herrschafts- und Willkürsystem erniedrigt. Elisa und zahlreiche Wegbegleiter aus unserem Umfeld leben heute nicht mehr. Die Ärzte und das Personal aus jener Zeit sind aber nach wie vor tätig.

Bis heute hüllen sich Verantwortungsträger in Schweigen. An einer Aufklärung dieser grausamen Geschehnisse besteht kein Interesse. Renate und ich sind wohl die letzten übriggebliebenen Zeugen.

Kindheitserinnerungen

Heute erinnere ich mich nur an einen Übergriff, als mir im Alter von sechs oder sieben Jahren ein Medikament verabreicht worden war. Danach spürte ich nur noch eine Hand auf meinem Oberschenkel, es roch nach Alkohol und aus dem geöffneten Mund blickte mich der Zahnersatz eines erwachsenen Mannes an. Danach fiel ich in den Tiefschlaf.

Wie hätte ich als Kind erahnen sollen, dass dieses Erlebnis mich nie wieder loslassen würde. Meine Mutter wollte von alledem nichts wissen. Vielleicht hatte sie es bereits geahnt, aber wollte sich ihre Welt nicht von ihrer Tochter zerstören lassen. Nach diesem traumatischen Erlebnis habe ich angefangen, mich zu verändern.

Ich war sensibler und nachdenklicher als die anderen Kinder, habe im Kindergarten oft stundenlang mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, nur um auf den Arm genommen zu werden. Daran, was zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr geschah, fehlt mir die Erinnerung. Dennoch war ich eine gute Schülerin.

Meine Eltern achteten sehr auf die schulischen Leistungen. Sie wollten mir die bestmögliche Ausbildung zukommen lassen, haben mich jedoch nie nach meinen eigenen Lebenszielen gefragt, sondern versuchten, ihre Vorstellungen an mir zu verwirklichen. Nach Jahren des fremdbestimmten Lebens und der zum bedingungslosen Gehorsam ausgerichteten Erziehung war ich bereits in jungen Jahren am Ende meiner Kräfte angelangt.

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Nach dem Ende des Ingenieurstudiums im Jahr 1989 verließ ich mit meinem Jugendfreund die DDR. In Bayern angekommen fiel auch schon die Grenze, so dass wir von dort aus zur Verwandtschaft des damaligen Lebenspartners nach Bielefeld fuhren, die uns ein Zimmer zur Verfügung stellte. Die Beziehung zu diesem Mann war von psychischer und körperlicher Gewalt geprägt. Mein Umzug zur Berliner Verwandtschaft 1991 sollte ein Neuanfang für mich werden.

Sensibilisiert durch die eigene Missbrauchserfahrung in der Kindheit interpretierte ich "wohl" eine in der Wohnung der Verwandtschaft beobachtete Szene fehl und erstattete bei der Polizei eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen, die zu meinem Rauswurf aus der Berliner Wohnung führte. Fortan bezog ich eine Berliner Dachkammer, war psychisch destabilisiert, zog mich zurück und fühlte mich allein gelassen. Jener Zeit lief ich orientierungslos durch Berlin bis ich in dieser Situation erneut telefonischen Kontakt zu meiner Mutter aufnahm.

Die ersten Einweisungen in die Psychiatrie

Nach all den Jahren der emotionalen Belastungen und ewigen Auseinandersetzungen im Elternhaus wollte ich mit einem Gespräch eine Freundschaft zu der Mutter aufbauen, deren Art zu lieben, ich nie verstanden hatte. Wir trafen uns in einem Kreuzberger Kaffee. Ich schilderte ihr zunächst mein traumatisierendes Kindheitserlebnis. Unglaubwürdig schaute sie mich an und ließ mich allein zurück. Die Zeit der Vergangenheit hatte Spuren an mir hinterlassen.

Einige Tage nach dem Gespräch mit meiner Mutter sollte ich unter Aufsicht meines Bruders und der Schwägerin, Psychologin B, im Beisein zweier Psychologiestudenten zur Unterbringung ins psychiatrische Krankenhaus der Charité Berlin aus meiner bezogenen Dachkammer entfernt werden. Grund dafür war mein nach Auffassung der Familie auffälliges Verhalten (Strafanzeige, Offenbarung meines sexuellen Missbrauches in der Kindheit und mein persönlicher Rückzug).

Aufgrund meines Hilferufs auf der Straße konnte eine mir unbekannte Person das gewaltsame Eingreifen der von der Schwägerin beauftragten Psychologiestudenten abwenden, die mich in ihr Auto zerren wollten. Ich entkam ihnen und kehrte in meine Dachkammer zurück. Wenige Tage später stellte sich mir eine Sozialarbeiterin vor, zu der ich Vertrauen fasste, die mir anriet, mich in die Psychiatrie zu begeben, zu der sie mich begleitete.

Dort waren die Zuständigen bereits informiert. Nach Angaben meiner Familie gegenüber dem Psychiater wirkte ich seit dem 20. Lebensjahr stark verändert, war schnell reizbar, verschlossen und brach zunehmend die Kontakte zu Freunden und Eltern ab.

Der Wunsch, die Schmerzen meiner Kindheitserinnerungen durch die Kontaktaufnahme zu einem in Afrika lebenden Medizinmann zu lindern, wurde fortan als wahnwitzige Idee abgetan.

Meine Missbrauchserfahrung, die von mir in der Kindheit erlebte Freiheitsberaubung und Fremdbestimmung durch mein Elternhaus sowie das Erleben der äußeren Kontrolle durch die auch in Behörden tätige Verwandtschaft waren künftig als „Denk- und Erlebnisstörungen mit bizarren inhaltlich offensichtlich absurden Wahn- und Beziehungs-Phänomenen, verbunden mit Anzeichen einer erheblichen Realitätsverzerrung", schriftlich in meinen Krankenakten fixiert. Seit 1991 dokumentierten Ärzte in den Krankenakten Enuresis nocturna [Bettnässen] bis zur 5. Klasse und einen von mir im Alter von 15 Jahren begangenen Suizidversuch wegen eines „asozialen Freundes".

Im Rahmen der ersten psychiatrischen Untersuchung stellte der Psychiater auf fremdanamnestischer Grundlage, ohne meine Sicht der Dinge ernst zu nehmen und unter nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als fragwürdig einzustufenden Testverfahren, die Diagnose einer paranoid-halluzinatorischen Psychose.

Unbestreitbar ist, dass ich nach dem erlebten Martyrium in der Kindheit psychisch auffällig und meine Wahrnehmung zum Zeitpunkt der Einweisung in die Psychiatrie gestört war. Waren es doch Erlebnisse des Beobachtetwerdens, der Fremdbestimmung und der äußeren Gewalteinwirkung, die mich psychisch destabilisiert hatten und sich im Laufe des Lebens in Form einer psychischen Erkrankung manifestierten.

Spätestens seit der ersten Einweisung in die Psychiatrie sollte meine Sicht der Dinge zukünftig nicht mehr berücksichtigt werden, insbesondere meine Erlebnisse im Elternhaus und der sexuelle Missbrauch spielten bei der Diagnostik keine maßgebliche Rolle mehr.

Belegt werden kann diese Einschätzung mit folgendem Satz des Psychiaters aus der Psychiatrischen Klinik in Neuruppin aus dem Jahr 1992: "Die bei uns erhobenen fremdanamnestischen Angaben decken sich im wesentlichen mit der Epikrise" aus dem Jahr 1991, welche maßgeblich auf den Darstellungen meiner Eltern beruhten und bei Folgediagnosen immer nur wiederholend zur Grundlage genommen wurden.

Auch meine Tante, die zum damaligen Zeitpunkt tätige Amtsärztin A, schüttelte nach meiner ihr gegenüber geäußerten Missbrauchsoffenbarung in der Charité ungläubig den Kopf und ließ mich allein im Krankenhaus zurück.

Ärzte und Behörden: Gute Bekannte der Familie

Zunächst kehrte ich nach der Entlassung aus der Psychiatrie in Neuruppin im Jahr 1992 in das Wohnhaus der Eltern zurück. Unweit des Wohnortes der Eltern behandelte mich bis 1994 ambulant Psychiater A1, ein Studienkollege meiner Tante, der Amtsärztin A.

Nach meinen dortigen Praxisbesuchen waren die Eltern noch vor meiner Ankunft zu Hause über die Gesprächsinhalte informiert. Schweigepflicht sollte in meinem Fall im Laufe der nächsten beiden Jahrzehnte keine Relevanz mehr für weitere Verantwortungsträger haben.

Nach dem zweiten Aufenthalt in der Psychiatrie verschlechterte sich mein psychischer Zustand dermaßen, als ich von dem Vorhaben der Eltern erfuhr, meine Unterbringung in einem Heim veranlassen zu wollen.

Unterstützung erhielten sie dabei regelmäßig vom damaligen Chefarzt der Psychiatrie Neubrandenburg, der mir bei meinen dortigen Aufenthalten wiederholend einreden wollte, dass ein Leben im Heim für mich die bessere Alternative wäre. Frau Hässel arbeitete in engem Kontakt mit meiner Tante, der Amtsärztin A, und unterstützte dieses Vorhaben vehement.

Trotz der starken Dosierung der Psychopharmaka und der damit verbundenen Nebenwirkungen stellte mich ab 1992 der Verband A als psychisch erkrankte „Rehabilitandin" in Neubrandenburg als Bürohilfskraft ein. Im Verband A, ein dem Verband B untergeordneter Verein, in dem mein Vater beschäftigt war, kontrollierte mich Psychologin B1, eine enge Freundin meiner Schwägerin Psychologin B, regelmäßig.

Psychologin B1 hatte seit geraumer Zeit auch privat Kontakt mit der Geschäftsführung des Verbandes A sowie mit der psychosozialen Einrichtung, die Psychologin B1 mitbegründet hatte. Somit wurde der Austausch zwischen meiner Verwandtschaft und anderen für psychisch Erkrankte zuständige Behörden in der Region optimiert.

Nach den ersten Aufenthalten in den Psychiatrien beschlich mich immer wieder das Gefühl, beobachtet zu werden und dem an mir begangenen Unrecht gegenüber vollkommen ausgeliefert zu sein. Auch berichtete ich meinen behandelnden Ärzten von dieser Totalüberwachung, was lediglich die Erhöhung der Medikamentendosis zufolge hatte.

Meine Person betreffenden Angelegenheiten konnten nun in dem um mich gesponnenen Netz bestehend aus Psychologen, Ärzten und Sozialarbeitern ausgetauscht werden. Nachdem ich als Schwerbehinderte vom Verband A gekündigt wurde, folgten weitere Eingliederungsversuche, die aufgrund meines psychisch instabilen Zustandes erfolglos blieben.

Schließlich wurde mein Antrag auf EU-Rente 1998 bewilligt. Ich verließ das elterliche Wohnhaus und suchte mir in Neubrandenburg eine Wohnung. Weitere Psychiatrieaufenthalte folgten.

In Neubrandenburg fühlte sich Frau Hässel für mich verantwortlich. Zwischen der noch heute beim Sozialpsychiatrischen Dienst tätigen Sozialarbeiterin Hässel und der bereits aus dem Dienst ausgeschiedenen Amtsärztin A hatte aufgrund des Zuständigkeitsbereiches eine berufliche Beziehung bestanden.

Diese ermöglichte nach dem Wohnortswechsel, einen weiteren Ausbau der Kooperation zwischen meinen Eltern und allen für mich zuständigen Stellen in und um Neubrandenburg, die bis ins Jahr 2015 angehalten hat. Die Verantwortlichen hatten nicht nur Einblick in meine, sondern auch in alle notwendigen Krankenakten der Menschen aus meinem sozialen Umfeld.

Gegen diese von außen gestrickte Totalüberwachung hatte ich als paranoid-schizophren Diagnostizierte keine Möglichkeiten vorzugehen. An wen hätte ich mich in meinem durch die Gabe der Neuroleptika geschwächten körperlichen und psychisch instabilen Zustand mit der Bitte um Unterstützung wenden sollen, ohne die nächste Einweisung in die Psychiatrie zu riskieren?

Psychiatrie in der Wilhelm-Külz-Straße

Anstatt mir eine passende Psychotherapie zu verordnen, hatte kein Arzt, weder ambulant noch stationär, je nach meiner Version der Kindheit gefragt, geschweige denn, einen anderen Weg der Linderung für mich gesucht, obwohl das Personal während meiner zahlreichen Aufenthalte in der Psychiatrie in der Wilhelm-Külz-Straße Gelegenheit dazu gehabt hätte: Ganz im Gegenteil: Eine breite Palette an Medikamenten habe ich in den letzten 25 Jahren meines Lebens eingenommen.

Beim regelmäßigen Personalwechsel in der Wilhelm-Külz-Straße fragte mich ein damals dort tätiger Assistenzarzt, nachdem ich mich ihm gegenüber zur Missbrauchsgeschichte geäußert hatte: "Ob es denn schön gewesen wäre?" Meine schweren Kindheitstraumata und der erlebte Missbrauch sollten mir ausgeredet, der Umgang zu engen Vertrauten aus meiner Umgebung ausdrücklich vom Chefarzt dieser Psychiatrie verboten werden, um auch noch den letzten gesunden Einfluss aus meinem Leben zu entfernen.

Gehörte es zu den Aufgaben eines Psychiaters einer durch Missbrauchserfahrungen und psychischer Gewalt erkrankten Frau einzureden, dass die eigenen Erinnerungen verschwommen seien, die Gedanken aus der Kindheit doch eher Einbildung waren?

Warum hörte ich immer wieder dieselben Fragen der für mich Verantwortlichen: Warum jetzt und nicht früher? Ach, das ist schon so lange her. Patienten, die solche Äußerungen machen, machen es selbst. Das war doch eine Zuneigung.

Gehörte es zu den Aufgaben der Psychologin B1, sich im Beisein ihrer Kolleginnen sowohl beim Verband A als auch in der Stadtverwaltung über mich lustig zu machen? Wie kam Psychologin B1 nur darauf, meiner verstorbenen Freundin Elisa aufgrund ihrer „Erkrankung" Gefährlichkeit zu unterstellen?

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Ist es die Aufgabe einer Frau Hässel ihren zu "Betreuenden" Einladungskarten für jeden lesbar im Imperativ verfasst zu verschicken, unangemeldet in die Privatsphäre einzudringen und ohne Zustimmung der Betroffenen einen regen Austausch zwischen den Behörden und den Eltern zu forcieren?

Gehörte es zu den Aufgabenbereichen der Mitarbeiterinnen der psychosozialen Einrichtungen, die Frühberenteten gegeneinander auszuspielen und sich daran zu erfreuen, weil die sedierten Betroffenen nicht eloquent darauf reagieren konnten?

Auch verstehe ich nicht, dass diejenigen vor meinen Einweisungen in die Psychiatrien Stellung zu meinem Leben beziehen konnten, die meinen psychisch instabilen Zustand mit ihrem jahrelangen Fehlverhalten meiner Person gegenüber ausgelöst hatten. Warum hat mich niemand von den Ärzten ernst genommen?

Waren meine Eltern tatsächlich dem Glauben verfallen, mir, ihrer zu bedingungslosen Gehorsam erzogenen Tochter, in Krisensituationen helfen zu können, indem sie mir die Amtsträger ohne meine Zustimmung nach Hause schickten, nur um danach erneut Rücksprache mit den Ärzten, Psychologen und Sozialarbeitern halten zu können?

Am 22. Januar 2001 reichte ich gegen den Chefarzt bei der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern eine Beschwerde ein. Inhaltlich bezog sich das Schreiben auf die mir gegenüber getätigten Äußerungen des Arztes, in denen er mich als Simulantin bezeichnete, mir meinen sozialen Umgang verbieten wollte und über den Verein Lichtblick mit meinen Eltern über meine Person kommunizierte.

Als ich aufgrund einer depressiven Episode stationär in der Psychiatrie in der Wilhelm-Külz-Straße behandelt werden musste, wurde ich von diesem Arzt bedrängt, die Beschwerde zurückzuziehen. Viele Jahre sind seit dem vergangen.

Abschließende Worte

Seit Jahrzehnten lebe ich in Angst vor einer zwanghaften Heimunterbringung. Erst seitdem ich im Jahr 2013 mit meinen Büchlein an die Öffentlichkeit gegangen bin, fühle ich mich einigermaßen sicher. Mittlerweile habe ich vereinzelte Unterstützer gefunden. Mein Leben hätte mit zu mir passenden Therapieangeboten anders verlaufen können.

Nachdem mir jahrelang eingeredet wurde, ich habe mir mein Leben eingebildet, konnte ich dem äußeren Druck der Ärzte und Behörden und der Nebenwirkungen der Medikamente einfach nicht standhalten. Das ist leider nicht mehr rückgängig zu machen.

Die Verantwortlichen werden für ihr Fehlverhalten gegenüber den Patienten nie zur Rechenschaft gezogen und lassen sich in der Öffentlichkeit für ihre Lebensleistungen feiern. Ein auf Kooperation ausgerichtetes und interdisziplinär arbeitendes Gesundheitssystem ist notwendig, um Betroffenen unabhängig vom Krankheitsbild Unterstützung zukommen zu lassen.

Dass ein derartiges System zum Missbrauch einlädt, belegt die Geschichte „Die Stimmen der Übriggebliebenen".

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Der Einfluss meiner Eltern, der Ärzte und Behörden auf mein Leben war mächtig, zu mächtig, als dass ich mich je dagegen hätte wehren können. Diejenigen, die in Krisensituationen für mich verantwortlich waren, haben mich in der Vergangenheit medikamentös behandelt, ihre Schweigepflicht missachtet, mich unter Druck gesetzt und mich dadurch in eine ausweglose Situation manövriert.

Und ich wollte doch bloß die Traumata der Vergangenheit aufarbeiten. Nach all den Jahren gibt es keine Worte, die mein empfundenes Leid beschreiben könnten. Ich streite nicht ab, nach alledem psychisch erkrankt zu sein. Aber wie hätte ich unter den beschriebenen Voraussetzungen je gesund werden können?

Als mittlerweile 48-jährige Frau, die eigenständig leben und denken kann, wird mir nach dem zuvor auch in meinen bisherigen Publikationen unter dem Titel Fatum dargelegten Sachverhalten eine komplette Einsicht in die Akten des Sozialpsychiatrischen Dienstes verwehrt.

Mit welchem Recht? Zu wessen Schutz? Die Schizophrene Judi Klein wurde von ihrem Umfeld tatsächlich für verrückt erklärt. Nur gut, dass ich trotz der zahlreichen mir verabreichten Medikamente den Durchblick nicht verloren habe. Dennoch hat mein Körper durch die Neuroleptika irreversiblen Schaden genommen.

Dass Menschen nach Jahrzehnten der Einnahme von starken Neuroleptika nicht mehr ernst genommen werden, belegt meine Geschichte. Heute möchte ich gern wissen, wie vielen psychisch Erkrankten es in der Region ähnlich wie mir ergangen ist.

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