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Beleidigende Mails aus dem Innenministerium

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Für Schlagzeilen sorgte kürzlich ein Mitarbeiter des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern, indem er sich in abwertender Art und Weise über die Anfrage eines Bürgers äußerte. Im Beitrag " "Der kranke Typ". Hass-Botschaften aus Caffiers Innenministerium" aus dem Nordkurier vom 11. Februar 2017, wird über Jens-Uwe Kasowski berichtet, der eine Selbsthilfegruppe für Depressionspatienten in Wolgast leitet. Wegen des großen Interesses an seinem Angebot und der umfangreichen Arbeit bat Kasowski für seine Gruppe „Angst und Depression" das Innenministerium um Unterstützung.

Die Antwort, die Kasowski vom Büromitarbeiter des Innenministers Caffier, Raphael W., erhielt, war offenbar nicht für ihn bestimmt: „Am Wochenende fahre ich mal nach Wolgast und therapiere den kranken Typen auf meine Weise... Grüße ins Büro." Angesichts des entwürdigenden Inhalts der Nachricht und der großen Empörung, die sie hervorgerufen hat, dürften die Rechtfertigungsversuche aus dem Innenministerium vergeblich bleiben.

Inwieweit die Äußerungen des Raphael W. stellvertretend für die Haltung des Innenministeriums gegenüber psychisch Erkrankten und ihren Anliegen in Mecklenburg-Vorpommern stehen und ob diese Haltung darüber hinaus auch stellvertretend für weitere Teile der Landesregierung steht, kann bisher nicht abschließend beantwortet werden. Dennoch könnte der E-Mail-Verkehr erklären, warum auch zahlreiche Versuche, politische Verantwortungsträger zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen in den Psychiatrien in Neubrandenburg und Ueckermünde zu bewegen, ins Leere gelaufen sind.

Es sei daher darauf hingewiesen, dass sich auch die Mecklenburger Ärztekammer gegenüber monierten Menschenrechtsverletzungen in Psychiatrien bisher gleichgültig gezeigt hat, die Weiterbeschäftigung von Arzt- und Pflegepersonal mit unrühmlicher DDR-Vergangenheit an der Tagesordnung ist, Medikamententester Gold einen Chefarztposten besetzen konnte, der historisch umstrittene Psychiater Kraepelin eine Gedenktafel erhielt, obwohl seine Schriften von nationalsozialistischer Ideologie geprägt sind, und die Öffentlichkeit bis zum heutigen Tag nicht über den Verbleib und das Schicksal der Menschen informiert wurde, über die Ernst Klee in der Reportage "Die Hölle von Ueckermünde - Psychiatrie im Osten" berichtet hat.

Es bleibt zu hoffen, dass der Vorfall Kasowski die Verantwortlichen in der Politik wachgerüttelt hat und, dass die Themen psychische Erkrankung und geeignete Therapieangebote sowie die Aufklärung von nach wie vor bestehenden Missständen in naher Zukunft einen sorgsameren Umgang im Land Mecklenburg-Vorpommern erfahren.

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Dr. Christian Discher