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Nitratbelastung des Trinkwasser - 30 Jahre UntÀtigkeit deutscher Politik

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Tara Moore via Getty Images
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Schon Anfang der 80-er Jahre wurde die Öffentlichkeit immer wieder auf steigende Nitratwerte im Grundwasser hingewiesen. In der schnelllebigen-medialen Welt wurden die Warnungen jedoch kurze Zeit darauf schon wieder vergessen. Die Lobbyarbeit der Agrarindustrie sorgte gewissenhaft dafĂŒr, dass Politiker keinen Ansporn hatten, sich energischer fĂŒr unser Grundwasser einzusetzen.

Medienrecherchen ergaben jetzt erneut, dass mittlerweile 25% der GrundwasserflĂ€che in Deutschland den Grenzwert von 50 mg/l ĂŒberschreitet. In den Regionen mit hoher NutztierbestĂ€nden sind die Zahlen deutlich Besorgnis erregender. Besonders die von GrĂŒnen regierten BundeslĂ€nder NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein weisen die höchsten Werte auf, obwohl die GrĂŒnen stets die Bedeutung dieses Umweltthemas betonten und den anderen Parteien UntĂ€tigkeit vorwarfen.

Es ist unbestritten, dass ein Großteil der Nitratbelastung durch GĂŒlle aus der Tierhaltung verursacht wird. Ein kleinerer Teil mittlerweile auch von GĂ€rresten aus Biogasanlagen. Große Teile deutscher Billigfleischproduktion wird ĂŒbrigens nach China und Afrika exportiert und dient mitnichten der Versorgung der eigenen Bevölkerung.

Die EU-Kommission droht mittlerweile mit einer Klage gegen Deutschland und der deutsche Landwirtschaftsminister von der CSU versucht es mit Verzögerungstaktik. Er will seine KernwÀhlerschaft eben nicht verÀrgern. Dies erscheint wichtiger als unsere Lebensgrundlage, nÀmlich sauberes Trinkwasser zu garantieren.

Ich bin der Auffassung, dass umfangreiche Sofortmaßnahmen in Angriff genommen werden mĂŒssen.

1. Das Bauplanungsrecht fĂŒr neue große TierstĂ€lle (vor allem fĂŒr Schweine und HĂŒhner) muss verschĂ€rft werden. Eine UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung im Hinblick auf bereits verhandenes Nitrat vor Ort muss obligatorisch durchgefĂŒhrt werden. Anwohnerproteste gegen solche Anlagen mĂŒssen endlich auch ernst genommen werden.

2. In Landkreisen, in denen bereits jetzt die Grenzwerte an Nitrat ĂŒberschritten sind, muss eine Senkung der TierbestĂ€nde herbeifĂŒhrt werden.

3. In Landkreisen, in denen die Grenzwerte fast erreicht werden, mĂŒssen Tierhaltungsobergrenzen festgelegt werden.

4. Die Agrarsubventionenen fĂŒr die gesamte Landwirtschaft mĂŒssen gesenkt werden. FĂŒr Großbetriebe gilt dies im Besonderen.

Es kann nicht sein, dass eine kleine Berufsgruppe durch Massentierhaltung enorme Einnahmen generiert, die Kosten der Trinkwasseraufbereitung jedoch sozialisiert werden. 30 Jahre politische UntÀtigkeit ist genug!

Das wir mit „ Geiz ist geil-MentalitĂ€t, hohem Fleischkonsum als Verbraucher eine Mitschuld an diesen Nitratwerten haben, dĂŒrfte ebenfalls unbestritten sein. Das Verbraucherverhalten ist jedoch ein Thema fĂŒr sich.

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