Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Christian Dettenhammer Headshot

Das ist das beste Mittel, Jugendliche vor Populisten zu schützen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PEGIDA
Getty
Drucken

Nur noch wenige von uns haben Zeiten der Diktatur in Deutschland persönlich erlebt. Die Erinnerungen an diese Zeit verblassen. Wir alle sind aufgewachsen in einem Umfeld vieler persönlicher Freiheiten und Möglichkeiten der individuellen Entfaltung. Demokratie wird als Selbstverständlichkeit wahrgenommen, von der man stets profitieren will, ohne jedoch auch einen eigenen Beitrag dazu zu liefern.

Wir sehen seit vielen Jahren, dass sich unsere Jugend und unsere jungen Erwachsenen kaum inhaltlich mit Politik auseinandersetzen. Mitarbeit in einer Partei gilt als spießig und langweilig.

Man will sich mit ernsten Themen nicht die Freizeit belasten. Viele interessante Hobbies bringen einen schnell auf andere Gedanken.

Pokemon Go und hundert andere Spiele, Facebook, WhatsApp und Co. fordern stets die Aufmerksamkeit dieser Generation. Während die echte Konversation zwischen Personen immer weniger wird, steigt die Taktung im Netz an und erfordert die volle Konzentration des Nutzers.

Demokratie wird als Selbstverständlichkeit wahrgenommen

Printmedien und besonders qualitativ hochwertige Printmedien haben es da schwer. Kaum beginnt der jugendliche Leser mit der Überschrift eines Artikels, wird er schon durch sein vibrierendes Smartphone abgelenkt.

Mehr als die Überschrift hat er heute auch nicht geschafft, denn Beate hat gerade in Hamburg ein Steak bestellt, Werner teilt allen 30 Freunden mit, dass er heute ausspannt und Ilse´s Fische haben Junge bekommen, ach und ich hab es noch vergessen, Onkel Willi aus Paderborn muss uns noch dringend mitteilen, dass es bei ihm gerade zu regnen begonnen hat.

Wer hat da noch Zeit und Lust, sich in der Zeitung mit einem Artikel über Klimaveränderung, über die Wasserversorgung im Westjordanland oder das 20. Rettungspaket für Griechenland inhaltlich auseinanderzusetzen. Regionale Nachrichten versinken im Sumpf der Nichtigkeiten.

Das gleiche Bild im Fernsehen, wo Dschungelcamp, Frauentausch und die tausendste Game-Show höhere Einschaltquoten erreichen als das Auslandsjournal, als Frontal 21 oder der Bericht aus Berlin und Brüssel.

Schwindende Zukunftschancen

Die Wahlbeteiligung der unter 25-Jährigen ist weit niedriger als z.B. die der deutschen Rentner. Was unsere Jungwähler allerdings nicht erkennen ist, dass bereits seit langem durch die etablierte Politik überwiegend der Kernwählerschaft entgegen gekommen wird. Rentner werden auch durch den demografischen Wandel als Wähler immer wichtiger. Man verteilt neuerdings die Lebensleistungsrente, die Rente mit 63 und die Mütterrente. Finanzieren sollen es die Jüngeren.

Aufgrund ihres fehlenden Interesses an Politik merken die Jüngeren jedoch nicht, wie ihre Zukunftschancen in den Entscheidungen der Politik zunehmend schwinden und ein erheblicher Wohlstandsverlust droht.

Politik wird nur dann kurzfristig interessant, wenn zum Beispiel durch einen Krieg in unserer europäischen Nachbarschaft eine Last-Minute-Reise abgesagt werden muss und geprüft werden muss, ob man vom Reisevertrag kostenlos zurücktreten kann. Nervosität ist zu spüren, wenn durch politische Krisen das Tanken teurer wird, oder in der Nachbarschaft ein Flüchtlingsheim belegt wird.

Da jedoch das Tanken aktuell wieder billiger ist, das Flüchtlingsheim oder die Mülldeponie in die Nachbargemeinde verlegt wird, ist die Harmonie bald wieder hergestellt und das nächste Level der Online-Spiele kann begonnen werden. Auch Onkel Willi aus Paderborn bekommt dann wieder mehr "Likes" für seine ins Netz gestellten Erdbeeren aus dem eigenen Garten, für die Info über neue Sonderangebote beim Discounter und sein neues FC-Bayern Fan-Trikot.

Gut informiert zur eigenen Meinung

Es ist also eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Jugend für Politik zu interessieren und dieses Interesse auch einzufordern. Demokratie wird auf die Dauer nur funktionieren, wenn sich auch ein größerer Teil der Bevölkerung, aus allen Alters-und Berufsgruppen daran beteiligt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

In den Schulen wird auf die politischen Parteien in Deutschland nicht oder nur kaum eingegangen, weil die Schulaufsicht Angst hat, dass ihr in irgendeiner Weise Parteilichkeit vorgeworfen werden kann. Die inhaltlichen Positionen der Parteien bleiben einem Großteil der Jugendlichen verborgen. Desinteresse der Eltern wird an die Kinder weitergegeben.

Politik-Talkshows werden meist mit älteren und erfahrenen Politikern besetzt. Wo kann ein Jugendlicher einmal eine Talkshow zu aktuellen Politikthemen sehen, die ausschließlich mit Nachwuchspolitikern besetzt ist? Wie kann der normale Jugendliche im täglichen Leben mit solchen Nachwuchspolitikern in Kontakt kommen und sich begeistern lassen?

Unsere Berufspolitiker-Kaste wird heute nur alle 4 Jahre vom Wahlvolk gestört. Wenigstens in dieser Zeit sollten wir sie gehörig stören und Ihr als Jugendliche und junge Erwachsende eure Forderungen und eure Erwartungen an sie artikulieren! Man braucht dabei den Populisten vom braunen Rand und linken Chaoten nicht auf den Leim gehen.

Wer gut informiert ist, hat sich eine eigene fundierte Meinung gebildet. Er wird dann hoffentlich weder Flüchtlinge anpöbeln, noch Autoreifen auf Straßen anzünden oder unsere Polizisten mit Steinen bewerfen.

Mischen wir uns also gemeinsam ein, Jung und Alt! Es geht um unsere Zukunft.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: