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Ich ziehe sie groß, damit sie mich verlassen

11/01/2017 10:56 CET | Aktualisiert 11/01/2017 10:56 CET

Gestern Abend habe ich mit der Lehrerin eines meiner Kinder gesprochen.

Alles in allem entwickelt sich mein Sohn prima und ich bin eine stolze Mama.

Als ich dann zu Hause war und Raum zum Nachdenken hatte (also schon im Bett lag, versuchte, einzuschlafen... immer dann kann ich am besten nachdenken, wer braucht schon Schlaf?), blieben meine Gedanken beim Gespräch mit dieser lieben Lehrerin hängen.

Ihr Sohn leistet tolle Arbeit, vor allem, wenn er sich anstrengt.

Trotzdem benimmt sich Ihr Sohn manchmal sehr kindlich und bearbeitet seine Aufgaben flüchtig, lässt sich ablenken oder nimmt die Aufgaben nicht ernst genug.

Sie stellte mir ein paar Methoden vor, mit denen sie ihn am Ball behalten will.

Hallelujah!

(Glaubst du, ich kann sie fragen, ob sie meinen Sohn auch dazu überreden könnte, die Methoden zu Hause anzuwenden? Zum Beispiel um... sein Zimmer aufzuräumen? Ich meine, Übung macht den Meister, oder?)

Ich lobte die Lehrerin für ihre Arbeit

Ich lobte ihre Mühen,

ich lobte ihre Geduld

und ich lobte sie für ihr Durchhaltevermögen.

Sie sah mich einen Moment verwirrt an... als ob sie auf eine Reaktion von mir warten würde. Eine Entschuldigung oder Rechtfertigung.

Peinliche Stille.

(Irgendwie passiert das immer häufiger in meinem Leben)

Dann dankte sie mir.

Lehrer haben heute keine Freiheiten

Der Rest des Gesprächs verlief super, aber während ich letzte Nacht versuchte zu schlafen, ging mir dieser Teil des Gesprächs nicht mehr aus dem Kopf.

Sie. Dankte. Mir.

Dann traf es mich wie ein Schlag...

Lehrer haben heutzutage nicht viele Freiheiten beim Unterrichten.

Oft sind ihnen die Hände gebunden, die Eltern sitzen ihnen ständig im Nacken.

Wir müssen zur Seite treten und unseren Lehrern die Freiheit geben, zu lehren.

Versteht mich jetzt nicht falsch... natürlich müssen wir als Eltern unsere Kinder vor Unheil und Ungerechtigkeit schützen. Ich will niemanden davon abhalten, das zu tun.

(Sei gewarnt... ich zeige dir eine völlig neue Form von Durchgeknallt, wenn du meinem Kind etwas antust.)

Kinder müssen auch mal unangenehme Dinge machen

Aber was ist mit all den unangenehmen Dingen, die Kinder manchmal machen müssen?

Was, wenn sie eine Klassenarbeit wiederholen müssen?

Was, wenn sie nachsitzen müssen?

Was, wenn ein Lehrer kein Mitleid hat, wenn sie eine Aufgabe zu spät einreichen und dafür eine schlechte Note bekommen?

Was bringen wir unseren Kindern bei, wenn wir jedes Mal eingreifen, wenn etwas schief geht?

Ich sage dir, was du ihnen dann beibringst...

Du bringst ihnen bei, dass sie diese Sache namens Leben nicht alleine stemmen können.

Du bringst ihnen bei, dass Mami und Papi mehr zu sagen haben, als alle anderen Autoritäten.

Du bringst ihnen bei, dass man seinen Willen durchsetzen kann, wenn man nur ein bisschen jammert.

Doch das sind Lügen.

Wir müssen unsere Kinder scheitern lassen

Für deine Kinder den Helden zu spielen, ist wie ein Pflaster auf ein Problem zu kleben, das irgendwann zu eitern beginnt und dann zu einer klaffenden Wunde im Erwachsenenleben wird.

Wenn unsere Kinder sich in die große, böse Welt hinauswagen...

... können wir einem Uni-Dozenten keine E-Mail schreiben, um die jüngsten Probleme zu "diskutieren".

... können wir nicht den Campus stürmen, um eine unfaire Note anzufechten.

... können wir nicht ihren Chef anblaffen, um ihren Willen durchzusetzen.

Und ich hoffe, dass niemand auf die Idee kommt, sich in ihre Ehen einzumischen.

Wir müssen unseren Kindern beibringen, wie sie mit dem Leben zurechtkommen können.

Wir müssen sie scheitern lassen und ihnen dann zeigen, wie man wieder auf die Beine kommt.

Manchmal ist es schwer, das mit anzusehen, sogar schmerzhaft... aber es formt den Charakter dieses zukünftigen Erwachsenen.

Ich möchte, dass meine Kinder auf harte Arbeit vorbereitet sind und dass sie zu Fehlern stehen.

Ich will sie mit den richtigen Mitteln gegen die Probleme und Sorgen wappnen, die das Leben ihnen unweigerlich entgegenwerfen wird.

Ich glaube fest daran, dass es besser für unsere Kinder ist, wenn sie all das lernen, solange sie noch unter unserem Dach leben.

Wir müssen unsere Kinder so erziehen, dass sie uns nicht brauchen

Kleine Menschen, kleine Probleme... größere Menschen, größere Probleme.

Unser Job ist es, ihnen bei Schwierigkeiten beizustehen.

Unser Job ist es nicht, ihnen bei Schwierigkeiten vorauszueilen.

Wir müssen sie so erziehen, dass sie uns NICHT brauchen.

Wir müssen sie so erziehen, dass sie uns verlassen können.

(Du darfst jetzt übrigens weinen.)

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Dieser Text erschien zuerst bei ForEveryMom.com und wurde von Agatha Kremplewski aus dem Englischen übersetzt.

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