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Was ist konservativ?

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I. Der Konservative zeichnet sich dadurch aus, dass er auf einem festen Wertefundament stehend den Fortschritt fördert und daher mit Realitätssinn für eine Verbesserung der Verhältnisse kämpft. Er unterscheidet sich unmissverständlich vom Reaktionär, der mit Zähnen und Klauen den Status quo verteidigt und aus dem Gestern lebt. Linke Ideologen diffamieren den Konservativen als „reaktionär" und erzeugen den irrigen Eindruck, „konservativ" und „reaktionär" seien Synonyme.

II. „Konservativ ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt." (Antoine de Rivarol) Der Konservative verteidigt daher nicht das Bestehende, sondern das Bewährte. Für ihn ist nicht dasjenige Fortschritt, was heute schlicht nur anders ist als gestern. Fortschritt ist dagegen das, was heute besser ist als gestern. Deshalb wägt der Konservative ab: Das Neue wird nur dann an die Stelle des Alten gesetzt, wenn es sich als überlegen erwiesen hat. Der Konservative schätzt nicht den gut gemeinten Geburtstagswunsch: „Bleibe, wie Du bist," sondern die Aufforderung: „Höre nicht auf zu werden."

III. Zahlreiche Beispiele belegen den Wert konservativer Haltung:

1) Mit zunehmender Dauer der deutschen Teilung nahm die Bereitschaft der westdeutschen Öffentlichkeit ab, das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes ernst zu nehmen und in die Tat umzusetzen. In der Politik wuchs die Zahl der Gegner einer Wiedervereinigung. Führende Repräsentanten der damaligen Opposition lehnten die deutsche Einheit mit scharfer Polemik ab. Noch wenige Monate vor Öffnung der Mauer im Jahr 1989 wurde die Wiedervereinigung als „historischer Schwachsinn", als „Lüge" und als „gefährliche Illusion" bezeichnet. In einer Erklärung vom September 1989 hieß es, dass „außer den deutschen Konservativen in Europa und in der Welt die deutsche Einheit niemand" wolle. Die Grundsatzfestigkeit von Helmut Kohl und der Union waren eine der Voraussetzungen der Wiedererlangung der Einheit.

2) Der Patriotismus - die Liebe zum eigenen Land - ist eine Konstante konservativer Lebenseinstellung. Bis zum heutigen Tag verunglimpfen Linke ihn als „Nationalismus". Sie verkennen die Realität: Der Nationalist hasst das Fremde, der Patriot liebt das Eigene. Die Vaterlandsliebe schafft innere Bindung zu unserem Staat und - wie der Philosoph Hermann Lübbe es sagt - „eint die Bürgerschaft" und ist „der Name einer politischen Tugend".

3) Der konservative Politiker verliert in seinem Handeln die religiöse Dimension nicht aus den Augen. Er nimmt wahr, dass die Menschen heute zwar wissen, wovon sie leben; sie wissen aber häufig nicht mehr, wozu sie leben. Gefordert ist deshalb Mut zum Bekenntnis - nicht aufdringlich, aber hörbar. Warum soll ein Politiker z.B. nicht darüber sprechen, dass er betet. Denn wer betet, verbindet seine begrenzten Möglichkeiten als Mensch mit den unbegrenzten Möglichkeiten Gottes. Für Kardinal Lehmann bedeutet konservativ, „sich seiner Wurzeln besinnen. Wessen Leben christlich verwurzelt ist, wird in besonderer Weise an den Werten festhalten wollen, die das Christentum wesentlich ausmachen: Nächstenliebe, Menschenwürde, Freiheit, aber auch solidarische Verantwortung für die, die nicht privilegiert sind. Diese Werte sind nicht alt, sondern ewig."

4) Der Konservative schützt die kulturelle Identität seiner Heimat und seiner Nation. Er weiß, dass er andere Kulturen nur zu würdigen versteht, wenn er sich seiner eigenen Identität gewiß ist und wenn er sich der Stärken und Schwächen der eigenen Geschichte - der politischen sowie der kulturellen - bewusst ist. Dieses Bewusstsein ist im übrigen die unabdingbare Voraussetzung von Tolerierung des Anderen, auch des Fremden. In diesen Zusammenhang gehört auch die Bedeutung der Muttersprache. Eine Enquetekommission des Deutschen Bundestages hat schon 2011 festgestellt, dass „die Sprache das prägende Element der deutschen Identität" sei. Bundestagspräsident Norbert Lammert fügte hinzu: „Für keine andere Sprache haben wir eine ähnliche, eine auch nur vergleichbare Verpflichtung wie für die eigene."

5) Öffentliche Aufregungen verstärkt der Konservative nicht; er hysterisiert die Bevölkerung nicht, sondern vertieft die problem- und lösungsorientierte, sachliche Betrachtung. Der Philosoph Odo Marquard hat den „Satz der Erhaltung des moralischen Empörungsaufwandes" formuliert: „Je mehr Gewissen man 'ist', desto weniger Gewissen braucht man zu 'haben'. Man erspart sich das Tribunal, indem man es wird." Der Konservativismus lebt von Praxis und Erfahrung, nicht von Spekulation und Ideologie. Hieraus ergeben sich für ihn auch die Ablehnung von Denk- und Sprechverboten. Die moralisch verbrämte Diktatur der sog. Political Correctness ist ihm fremd.

IV. Aufgabe des Konservativismus heute ist es, auf der Grundlage christlicher Orientierung Botschaften zu senden zur Bedeutung von Verantwortung und Freiheit, zur Leitkultur, zur Sozialen Marktwirtschaft, zur inneren und äußeren Sicherheit, zur Familie, zum Lebensschutz, zum Umwelt- und Naturschutz und zum Patriotismus.

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