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Der Widerspruch der Linksliberalen

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REFUGEE CRISIS
Getty Images
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Ich bin in einer Zeit politisch aufgewachsen, als die internationale Finanzwelt zusammenbrach und Österreichs Politik durch diverse Korruptionsskandale national für Verdruss sorgte. Angefangen bei den SPÖ verschuldeten Pleiten der Bawag Bank und der Handelskette Konsum bis zum Milliardengrab Hypo Alpe Adria.

In dieser Zeit war es klar, mit den Grünen das geringste Übel zu wählen, da diese als einzige von derartigen Verbrechen verschont geblieben waren. Aber gerade den Umgang mit den eigenen Idealen dieser linksliberalen Alternative musste man in letzter Zeit immer stärker in Frage stellen.

Soziale Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert heißt Arbeit angemessen zu belohnen

Durch die Leistungen unserer Vorgängergenerationen haben die wenigsten der Mittel oder Oberschicht je Existenzängste durchleben müssen und ein noch Gespür dafür was Ungerechtigkeit ist und was nicht. Es mag sein, dass nach Zeiten der Industriellen Revolution Kinderbeihilfe, Mindestsicherung und Arbeitslosengeld essentielle Fortschritte waren.

Wenn aber Familien seit Generationen bewusst nur von Sozialbeihilfe leben, ist das genau das Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit. Jedes umverteilte Geld ist das hart erarbeitete Geld eines anderen, der dafür kostbare Zeit seines Lebens geopfert hat. Bei diesen fragwürdigen Transferzahlungen geht es nämlich nicht um ein paar Euro, sondern um Summen von oft mehr als 5.000 Euro und das 14-mal im Jahr.

Ein Einkommen von dem 99 Prozent der Bevölkerung, die dies finanziert nur träumen kann.

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Die Angst davor "der Böse" zu sein

Abgesehen von der finanziellen Gerechtigkeit war den Fortschrittsbewegungen der Vergangenheit, die zweifelsohne viel zu unserer hochentwickelten Gesellschaft beigetragen hat der gesellschaftliche Aspekt mindestens genauso wichtig und das bedeutete in erster Linie keine Tabus zu kennen.

Die Gleichberechtigung der Frau, Ehe für alle und klare Intoleranz gegenüber Antisemitismus und Extremismus ist dann aber auch bei absolut jedem ohne Verständnis auf Ausnahme einzufordern. Gerade diese Standhaftigkeit ist der Knackpunkt, der den Reiz einer solchen Bewegung ausmacht.

Wenn es Verboten ist den Islam zu kritisieren oder Nationalismus und daraus entstehenden Chauvinismus zu thematisieren, weil es sich um Minderheiten handelt und "man das nicht tut", darf man sich eben auch nicht liberal nennen. Abgesehen von dieser Tabuisierung merkt man auch immer stärker den fehlenden Realismus der handelnden oder eben leider nicht handelnden Personen.

Zu glauben, dass Homoehe und Zuwanderung aus Failed States problemlos unter einem Hut vereinbar ist, ist schlichtweg dumm und asozial denen gegenüber, die das dann mitmachen dürfen. Alle bisherigen Erfahrungen sprechen klar dagegen und sich gegen seinen Realitätssinn zu stellen und auf seine Gefühle zu hören oder einfach den leichtesten Weg zu nehmen, wird bestraft. Auch wenn das nichts daran ändert, dass es das Ziel sein sollte über die nächsten Jahrhunderte die Welt zu humanisieren, wäre es schlichtweg zu viel verlangt dies in wenigen Jahren lösen zu wollen.

Der Deal ist somit klar: entweder heile Welt aber Abschottung oder keine Grenzen und die daraus folgenden Probleme.

Wenn eine liberale Bewegung es verabsäumt Toleranz restriktiv einzufordern auch wenn es unangenehm wird ist das kritisch. Wenn sie aber sogar selbst auf ihre eigenen Ideale vergisst umso trauriger.

Sich für die Gleichheit und Meinungsfreiheit aller Menschen einzusetzen und dann Andersdenkende zu degradieren indem man ihnen fehlenden Intellekt unterstellt was zu einem Gesichtsverlust führt, baut neue Tabus auf und ist der Gipfel einer Bewegung die ihre Sinnhaftigkeit verloren hat und bei der eine Erneuerung längst überfällig ist.

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