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Warum Deutschland Englisch als zweite offizielle Sprache einfĂĽhren muss

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Zwei Orte sind symbolhaft fĂĽr die Zukunft Deutschlands.
Wenn ich aus meinem Fenster in Düsseldorf-Oberbilk schaue, sehe ich Frauen in Burkas, Männer mit langen Bärten und wallenden Gewändern sowie Fastfood Shops die damit werben, dass ihr Essen „Halal" ist.

Dieses Bild bestimmt die Diskussion um Einwanderung in Deutschland. Mit großer Emotionalität wird darüber debattiert, wie wir Ausländer dabei helfen, sich in Deutschland zu integrieren. Oft ist damit gemeint: Ausländer sollen sich den Deutschen anpassen.

Ganz anders der zweite Ort. Tallinn. FĂĽnf Jahre lang habe ich in Estland gelebt. Dass kleine Land hat mir gezeigt wie Erfolg in der Zukunft aussieht.

Estland hat eine kleine Bevölkerung und keine Bodenschätze. Weniger als ein Prozent der Europäer sprechen Estnisch. In der estnischen Sprache gibt es weder „er, sie, es" noch eine Zukunftsform. „No sex, no future" lautete denn auch ein ständiger Witz unter uns Einwanderern.

Die Esten verstanden: Ihre Sprache ist ein weiteres, großes Hindernis für Ihren Erfolg. Mit Estnisch kann man keine Produkte ins Ausland verkaufen, keine ausländischen Investoren ins Land holen und auch keine internationalen Fachkräfte gewinnen.

Ohne Ausländer kein Verständnis des Auslands

Da das „Ausland" aber 99% des Marktes ausmacht, mussten die Esten etwas ändern. Denn ohne Export kann das Land nicht überleben.

Was die Esten taten, erforderte großen Mut. Sie führten Englisch als zweite Amtssprache ein. Jedes Gesetz und jedes Formular ist in Estland auf Englisch erhältlich. Jeder Beamte, jeder Arbeitgeber und jedes Kleinkind spricht fließend Englisch.

Alle Fernsehprogramme sind in englischer Originalsprache (mit Untertiteln) und der Sprachunterricht beginnt im Kindergarten. Heute ist Estland dass Land mit den 4. besten Englischkenntnissen weltweit.

Wie mutig diese Entscheidung war, wird klar, wenn man die Geschichte Estlands kennt. Das Land wurde immer wieder von gierigen Nachbarn erobert. Die Bewahrung der eigenen Identität ist den Esten darum sehr wichtig. Trotzdem wählten die Esten Offenheit statt Abschottung. Die Ängste ihrer Vergangenheit sollten ihre Zukunft nicht blockieren.

Heute ist Estland das modernste Land Europas. Das Recht auf freies Internet steht in der Verfassung, die Steuererklärung (20 Prozent Steuer-Flatrate) kommt fertig ausgefüllt per email. Die Esten wählen sogar ihr Parlament bequem zu Hause am Computer. Estnische Firmen wie skype operieren weltweit.

Die Folge: Der Staatshaushalt ist ausgeglichen. Die Verschuldung beträgt nur 10 Prozent. (Deutschland 82 Prozent). Trotz Eurokrise geht es den Esten Jahr für Jahr besser. Noch wichtiger: Die breite Masse der Bevölkerung profitiert vom Aufschwung.

Darum sind z.B. die Konflikte mit der russischen Minderheit gering. Wer nach Estland kommt, spürt überall den ruhigen Optimismus der Menschen. Sie wissen: Ihr Erfolg hängt ab von ihrer eigenen Tatkraft.

Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Erinnern Sie sich an meine Nachbarn vom Anfang dieses Textes? Sie weigern sich, unsere Sprache zu lernen, sie schotten sich ab von der Mehrheitsgesellschaft und sie wollen keinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten - auĂźerhalb ihres eigenen Kulturkreises. Kein Wunder dass sie keinen wirtschaftlichen Erfolg haben, oder? Wir Deutschen handeln genau so.

Wir denken, dass die gut ausgebildeten Menschen, die heute aus Spanien, Portugal oder Rumänien zu uns kommen, „nicht zum deutschen Markt" passen. Weil sie kein Deutsch sprechen.

In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt: Wir Deutschen sind zu schlecht in die weltweite Wirtschaft integriert

Es gibt nur noch einen weltweiten Markt. Die Strategien sind weltweit, nur das Marketing ist lokal. Das Internet hat alle Grenzen aufgehoben. Logistikunternehmen liefern heute jedes Produkt in jedes Land der Erde - zu wirtschaftlichen Preisen.

Eine Riesenchance. Während ich dies schreibe, sitzt mein Sales Manager in seinem Homeoffice in Sao Paulo (+ 28 Grad, wolkenloser Himmel) - und wirbt Klienten für Immigrant Spirit in Deutschland.

Die Berliner Startups, die unsere wichtigsten Klienten sind, planen die weltweite Expansion vom ersten Tag. Ein Jahr nach der Firmengründung sind die meisten dieser jungen Firmen in zehn Ländern oder mehr aktiv.

Nur Nordkorea kann sich vom Wettbewerb der Welt abschotten. Wenn Deutschland erfolgreich bleiben will, braucht es Unternehmen die weltweit agieren. Das erfordert zwingend Mitarbeiter die international denken. Wir brauchen keine „deutschen", „indischen" oder „chinesischen" Fachkräfte. Wir brauchen Kosmopoliten.

Die Zukunft gehört den Kosmopoliten

Kosmopoliten sprechen die Sprache des Business. Das ist Englisch, nicht Deutsch. Von den 25.000 internationalen Fachkräften die meinen Newsletter lesen, sprechen alle fließend Englisch, aber nur zwei Prozent Deutsch. Dabei sind dies schon Fachkräfte, die sich für eine Karriere in Deutschland interessieren. Die meisten Topkräfte träumen aber von den USA, UK, China, Indien oder Singapur.

Wie würden Sie lieber „Talent" rekrutieren? Aus 25.000 Kandidaten - oder aus 500?
Wenn wir ausländische Investoren, Geschäftspartner und Fachkräfte gewinnen möchten, müssen wir unnötige Hindernisse abbauen. Das beharren auf Deutsch als einziger Amtssprache ist heute das wichtigste Hindernis.

Englisch als zweite Amtssprache ist aber auch ein Zivilisationsprojekt. Nur als Teil Europas kann Deutschland eine Bedeutung in der Welt bewahren. Wir müssen uns weiterentwickeln: Vom Bayern oder Westfalen zum Deutschen - und jetzt vom Deutschen zum Europäer.

Dies erlaubt auch den Einwanderern, eine gemeinsame Identität mit uns zu entwickeln. Als Europäer können wir die Zukunft gestalten. Für eine gemeinsame europäische Identität brauchen wir aber eine gemeinsame Sprache: Englisch.

Darum ist das Projekt von „The European" so großartig. Es bietet die Chance, eine gemeinsame, europäische Öffentlichkeit zu schaffen. Wussten Sie dass es eine englische Ausgabe des „The European" gibt?

Estland ist klein in Europa. Deutschland ist klein in der Welt. Wir Deutschen machen weniger als 1% der Weltbevölkerung aus. Und wir werden älter und weniger.

Mir scheint, dass viele Deutsche nicht verstehen, wie unbedeutend wir in der Welt sind - und wie sehr unser Einfluss in den nächsten Jahren sinken wird:

Wie Deutschland sich verändert:

  • Nur 65 Millionen Deutsche haben keine ausländischen Vorfahren. Die Hälfte von ihnen ist älter als 46 Jahre.
  • Ein Viertel der Einwohner Deutschlands sind Einwanderer oder Einwandererkinder.
  • Die Flut der Rentner hat begonnen. Weit ĂĽber eine Million Deutsche verlassen jedes Jahr den Arbeitsmarkt - nur 650.000 Berufseinsteiger folgen jährlich.
  • Ein Drittel der Berufseinsteiger hat einen „Migrationshintergrund".
  • Zusätzlich kommen eine Million Einwanderer pro Jahr. Anders als frĂĽher sind diese besser ausgebildet als der Durchschnittsdeutsche.
  • In 10-20 Jahren wird fast die Hälfte Deutschlands aus Einwanderern bestehen. Wir werden bunt sein.
  • Es werden diese Einwanderer sein, welche die Renten der Babyboomer zahlen und die rund eine Million zusätzlicher Pflegefälle versorgen.

Wie die Welt sich verändert:

Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen kann, hat einen gewissen Lebensstandard erreicht. 1975 lebten 2/3 der Menschen, die sich einen Flug leisten konnten, im Westen. (Amerika und die EU). Heute lebt die Hälfte dieser wohlhabenden Menschen im „Rest" der Welt. In zehn Jahren werden 2/3 der wohlhabenden Menschen außerhalb von EU und Amerika leben. Ersetzen Sie Menschen durch „Kunden" und sie verstehen wo in Zukunft die Musik spielt.

Schon heute investieren deutsche Unternehmen mehr im Ausland als in Deutschland. Wenn der Umsatz, die Kunden und die Mitarbeiter im Ausland sind - wie lange bleibt dann die Firmenzentrale im Hochsteuerland Deutschland?

Und wenn die Unternehmen abwandern, wer bezahlt dann unser Sozialsystem?

Wir können dann entweder eine Auseinandersetzung „junge Einwanderer gegen alte Deutsche" führen - oder wir entwickeln eine gemeinsame europäische Identität.

Das beharren auf Deutsch als einziger Sprache ist unsere „Burka": Sie schottet uns ab von unseren Mitmenschen. (Dem Rest der Welt).

Bewahren wir unsere Sprache und Tradition - aber führen wir gleichzeitig Englisch als „gemeinsame Sprache" ein. Schaffen wir eine europäische Öffentlichkeit und eine europäische Identität.

Dann bleibt Europa relevant. Und wir erfreuen uns an einer Welt, die - entgegen des „gesunden Menschenverstandes" - immer besser wird, wie Hans und Ola Rosling belegen.



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