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„Wir nehmen den Bakterien das Mobiltelefon weg" - Knoblauch bekämpft nicht nur Vampire

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Wie sehr meine Metapher von Jonathan Harker aus Bram Strokers „Dracula" zutrifft, wusste ich bis vor Kurzem nicht. Ich verwende diese Figur oft, wenn ich über meinen Beruf als kreativer Immobilien-Entwickler spreche.

Jonathan Harker reiste nach Transsilvanien, um das Schloss des Grafen Dracula zu verkaufen und mit dem Erlös ein Grundstück in London zu erwerben. Was er bei diesem Auftrag erlebte, ist heute nicht nur literarisches Welterbe, sondern zeigt mir wie aufregend unser Beruf ist und dass wir uns manchmal unseren Dämonen stellen müssen, um ein Vorhaben zu realisieren.

Jonathan Harkers Feind ist ein Blutsauger, ein Vampir. Meiner, ein Tod bringender Schleimer namens Mukoviszidose (Zystische Fibrose). Beide kämpfen wir nun mit Knoblauch.

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Der Todfeind meiner Tochter - wie ich den Kampf gegen Mukoviszidose aufgenommen habe"

Wir kämpfen alle nur mit Knoblauch

Passender hätte ich die Metapher nicht wählen können. Wie passend sie wirklich ist, wusste ich bis vor Kurzem nicht. Im Februar habe ich der Öffentlichkeit meine Vision von ATMOS präsentiert. Eine Stadt, von Coop Himmelb(l)au als biomechanischer Musentempel konzipiert, die ein Ort der Kreativität und Inspiration ist und gleichzeitig ein Hoffnungs-Tempel für Mukoviszidose Betroffene.

Sie finden hier optimale Klimabedingungen und docken unmittelbar an einer Forschungsstation an. Wir werden diese Stadt bauen - dafür kämpfe ich. Denn meine Tochter ist selbst eine Betroffene und damit auch meine ganze Familie.

Nachdem wir damit an die Öffentlichkeit gingen, rief mich ein Pharma-Unternehmen an. Eines, von dem ich noch nie zuvor etwas gehört hatte: Zaluvida, mit Sitz in der Schweiz, Kuala Lumpur und Wales.

Ich recherchierte. Es stellte sich heraus, dass dieses Unternehmen von einem Ehepaar gegründet wurde, das durch Forschung die Welt ein Stück weit besser machen will. Und sie halten meinem Todfeind - der Mukoviszidose - dasselbe entgegen, wie Jonathan Harker den Vampiren: Knoblauch!

Der „Tesla" unter den Pharma-Unternehmen

ATMOS sei eine große Vision, wie er sie noch nie gesehen, aber immer vermisst habe - so fasst es Christoph Staeuble, Group CEO von Zaluvida, zusammen, nach dem sie nach Linz gereist waren, um uns zu treffen. Sie seien davon begeistert, dass einer dunklen Krankheit wie Mukoviszidose eine so helle, positive und farbenfrohe Vision entgegenstellen wird.

Sie wollen ein Teil von ATMOS werden. Unser gestecktes Ziel, die Krankheit in zehn Jahren in den Griff zu bekommen, könnte zusammen mit Zaluvida und ihrer Tochterfirma Neem Biotech unterboten werden. Das bedeutet für mich als betroffener Vater, aber auch aus meiner Verantwortung gegenüber anderen Betroffenen, ein erstes Durchatmen.

„Wir nehmen den Bakterien das Mobiltelefon weg"

Ein großes Problem am Krankheitsbild Mukoviszidose betrifft den zähen Schleim in der Lunge. Dort siedeln sich Bakterien an und bilden einen Biofilm, unter dem sie sich - ähnlich einer Decke - verschanzen und so ungehemmt schlimme Entzündungen hervorrufen. „Betroffene müssen kiloweise Antibiotika schlucken, um zuerst den Biofilm zu durchbrechen und dann die Bakterien zu bekämpfen", erklärt Christoph Staeuble, Group CEO Zaluvida.

„Wir haben nun einen innovativen Ansatz gewählt, den es in der klassischen Medizin bisher nicht gab. Diese Bakterien kommunizieren miteinander und attackieren gemeinsam. Wir unterbrechen das und nehmen ihnen quasi das Mobiltelefon aus der Hand und hindern sie daran, den Biofilm aufzubauen.

Wir reparieren dadurch nicht den Gen-Defekt, reduzieren aber seine Auswirkungen, denn durch den Einsatz unseres Wirkstoffes können die oft schweren und manchmal sogar tödlichen Lungeninfektionen von Mukoviszidose Patientinnen und Patienten wesentlich effektiver behandelt werden."

Dr. Michael Graz, Managing Director von Neem Biotech, ergänzt: „Die Kommunikation der Bakterien passiert chemisch. Wir stören dieses Signal.

Dafür arbeiten wir mit einem Molekül, welches vergleichbar auch in Knoblauchzubereitungen vorkommt und durch eine spezielle Technologie bei Neem Biotech nun auch in kommerziellem Umfang hergestellt werden kann, und das voraussichtlich zuerst als Pulver zur Inhalation auf den europäischen und amerikanischen Markt kommen wird.

Wir müssen direkt in die Lunge und hier ist Inhalation ein guter Weg, den Mukoviszidose-Patienten gewöhnt sind. Wir arbeiten an der Entwicklung von drei Generationen unseres Arzneimittels. Was ich jetzt aber schon versprechen kann, sind: weniger Infektionen, weniger Entzündungen in der Lunge und weniger Krankenhausaufenthalte."

Sehen Sie hier den Mitschnitt des Besuchs von Zaluvida

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Der Preis des Wartens ist viel zu hoch!

Auf die Frage, welche Stolpersteine die Einführung der Präparate noch behindern könnten, sagt Staeuble: „Nichts!" Lediglich die Dauer macht ihm Sorge. „Jeder Tag, an dem jemand leiden muss, ist einer zu viel. Der Preis des Wartens ist viel zu hoch. Jedoch: Der Gesetzgeber ist gewohnt Dinge zu administrieren, die zehn, 15, 20 Jahre dauern und weiß nicht, wie man mit solchen Innovationen umgehen soll. In den USA gibt es zahlreiche innovative Pharma-Unternehmen, in Europa gibt es gerade einmal drei dieser sogenannten ‚Unicorns'."


Wie die Zulassung weitergeht, erklärt Matthias Miller, Chief Scientific Officer: „Der nächste Schritt ist, dieses Produkt in die klinische Phase zu bringen, dafür vernetzten wir uns rund um den Globus mit Mukoviszidose-Gesellschaften, Fachärzten, Praktikern, Schwerpunktzentren, Betroffenen etc. Es ist wichtig, in einer gemeinsamen Anstrengung den Behörden die Wichtigkeit und Vordringlichkeit klar zu machen. In den USA geht das oft sehr viel schneller, man ist optimistischer. In Europa sieht man immer zuerst Schwierigkeiten, daher ist es sehr wichtig, auch mit der politischen Ebene laufend Gespräche zu führen. Wir haben hier einen Ansatz, der nicht in die klassischen Checklisten passt und daher für die Behörden schwieriger zu handhaben ist."

Ein Farbtupfer für ATMOS

Zaluvida gilt als der „Tesla" unter den Pharma-Unternehmen. Durch die globale Ausrichtung, funktioniert das Firmengefüge als weltumspannendes Beziehungsnetzwerk. Große Träume, ungewöhnliche Kombinationen und Diversität sind für die Life Science Gruppe Erfolgsfaktoren. Die Idee von ATMOS hat sie überrascht.

„Hier wird einer dunklen Krankheit eine hellstrahlende, positive und farbenfrohe Vision entgegengestellt. Diese Menschen haben genug Zeit im Krankenhaus verbracht und die unmittelbar angrenzenden Themen sind gut abgedeckt. Der ganz große Wurf - und so sehe ich ATMOS - hat noch gefehlt. Das inspiriert mich und motiviert mich, noch eine Schippe drauf zu legen", so Staeuble. Er glaubt fest daran, dass in Ökologien, wie sie für ATMOS gedacht werden, die Zukunft liegt. „Sie ziehen Gleichgesinnte an und können weit über den angestammten Bereich hinaus Technologien inspirieren."

Auch Dr. Graz war von dem Ansatz überrascht: „Als Wissenschaftler im Labor, denkt man zwar ständig an den Patienten, aber er ist physisch nicht da. ATMOS bringt Forschung und Soziales zusammen, wie es sonst oft nicht zusammenpasst. Diese Idee inspiriert mich außerordentlich! Ich denke, das wird sehr bald Wirklichkeit werden und hoffe, dass wir da mitmachen können!"

Stadt-up ATMOS vereint Lebenswelten

Die Forschungsergebnisse von Zaluvida geben große Hoffnung, dass der Gen-Defekt in absehbarer Zeit so weit kontrollierbar ist, dass Mukoviszidose-Betroffene ein größtenteils uneingeschränktes Leben führen können. Der Prototyp einer Stadt-up hätte damit einen Erfolg, der sich nicht ausschließlich auf die Krankheit beschränkt: ATMOS ist eine Stadt-up, in der - frei nach Aristoteles - das Wirtschaften kein Selbstzweck ist. I

n ATMOS verfügt über eine Ökologie, die der Prototyp des neuen Wirtschaftens ist. Wir kreieren damit den positiven Entwurf zur immer massiver-werdenden Entgrenzung der Lebenswelten. Arbeiten, wohnen, denken, bauen, Familien gründen, Freizeit haben - die Welten verschwimmen und Grenzen nützen sich ab, durch neue Kommunikationsmittel, diverse Lebensentwürfe, andere Produktionswege und Wertschöpfungsketten.

Die Vereinbarkeit ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die durch die Digitalisierung nochmals angeheizt wurde. ATMOS siedelt zusammen, was in alten Denkmustern nicht zusammenpasst. Was separat betrachtet wurde, wird neu kombiniert, was der Nährboden für Innovation ist und ATMOS zum Quellgebiet der Inspiration macht.

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