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Die CDU ist keine (konservative) Familienpartei

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HARTZ
dpa
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6 EUR. Daf├╝r gibt's einen D├Âner plus Cola. So ÔÇ×viel" mehr wert ist der CDU die Familie. Vereinfacht ausgedr├╝ckt. In Sachen Kindergeld. Auf den Punkt formuliert. Ausgerecht der (einstigen) politischen Bastion der Konservativen, die stets das Leitbild der traditionellen Familie postuliert hat, mangelt es an Durchschlagskraft. Da mutet ihr an die Familien adressiertes Statement ÔÇ×Wir setzen auf familienfreundliche Rahmenbedingungen und starke Familien in Deutschland. Eltern mit Kindern wollen wir weiter entlasten." wie Hohn und Spott an.

Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft - auf dieses Gesellschaftsbild steht den ehemaligen Konservativen kein Monopol mehr zu.

12 Millionen Menschen leben in Deutschland an der Armutsgrenze. Davon leben ├╝ber 2,5 Millionen Kinder in Hartz IV Bedarfsgemeinschaften. 40 Prozent aller Alleinerziehenden bundesweit bekommen ganz oder erg├Ąnzend SGB II Leistungen. ├ťberdies verbleibt den meisten berufst├Ątigen Eltern am Ende des Monats nicht ausreichend Kapital, um privat f├╝r ihre Altersabsicherung oder den Sterbefall attraktiv vorzusorgen.

Und das in einem von der Kanzlerin stets als so unermesslich reich gepriesenem Land (sic!). Das ist mit Verlaub an Dreistigkeit kaum zu ├╝berbieten! Insbesondere, da einem von der verm├Âgenden politischen Klasse grunds├Ątzlich jegliches Recht auf ein Leben ohne finanzielle Sorgen abgesprochen wird. Das wirtschaftliche Wohlergehen von Familien ist auch den "Christdemokraten" vollkommen egal.

Sicherlich, den Kinderfreibetrag steigerte die CDU f├╝r das Jahr 2015 um 144 Euro und 2016 um nochmals 96 EUR auf nun insgesamt 4.608 EUR. Der Entlastungsbetrag f├╝r Alleinerziehende wurde r├╝ckwirkend zum 1. Januar 2015 um vergleichsweise satte 600 EUR erh├Âht. Dennoch sind dies unbedeutende Peanuts, verschlungen in einem Sammelsurium an Sozialbeitr├Ągen, Steuern und anderweitigen Abgaben.

Dabei gibt es ein ganzes Potpourri an M├Âglichkeiten, die sich durch mehr Haushaltsdisziplin gegenrechnen lie├čen: - Familiensplitting, - Kinderbetreuungskosten sollten (wie Spenden an politische Parteien) zur H├Ąlfte direkt von der Steuerlast abzuziehen sein, - sp├╝rbare Reduzierung der Sozialabgaben und Lohnsteuer in Relation zur Kinderanzahl, - Eingruppierung beider Elternteile in Steuerklasse 3, - Wegfall der Steuernachzahlungen bei der Kombination 3 und 5, - Mehrwertsteuer von 7 Prozent auf Baby- und Kinderartikel (wie bei Verlagsprodukten und Nahrungsmitteln) und ganz wesentlich: deutlich h├Âhere Kinderfreibetr├Ąge.

Summa summarum sind die von der Union umgesetzten Ref├Ârmchen zur Entlastung von Familien ein Hamsterschritt in die richtige Richtung. Leider nicht mehr und nicht weniger. Es bedarf jedoch m├Ąchtiger Elefantenschritte, um Deutschland zu einem Magneten f├╝r einheimische kinderreiche Familien zu machen.

Die Frauen und M├Ąnner auf einem zu Lebzeiten andauernden Hedonismus-Trip werden sich freilich nicht im gro├čen Stil wegen kr├Ąftiger finanzieller Entlastungen f├╝r Nachwuchs entscheiden - doch sind mutige Reformen in der Familienpolitik, auch gegen den Willen des Finanzministers, der Schl├╝ssel zu einem wahrhaftig reichen Land. Ein Segen f├╝r die aktuellen und zuk├╝nftigen Eltern. F├╝r Deutschland als Werte-, Solidar- und Wirtschaftsgemeinschaft. F├╝r uns alle.

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