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Kredit, Mobil oder Fingerabdruck - Wie sieht die Zukunft des Bezahlens aus?

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MONEY PAYING
Pinkypills via Getty Images
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Dank Digitalisierung kann jeder Verbraucher heute rund um die Welt in wenigen Klicks sich alles direkt in die Wohnung liefern lassen.

Der E-commerce verändert nicht nur grundlegende logistische Prozesse wie same-day und 1-hour delivery, sondern beeinflusst auch unser Zahlungsverhalten. Dass der Kauf- und Zahlungsprozess, vor allem in Deutschland, noch Welten auseinander liegen zeigt ein Blick in die Statistik und die Entwicklungen der letzten Jahre.

Regulierung treibt Innovation voran

In der Payment Branche hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Ob SEPA-Verordnung, Interbankenentgelte oder PSD2, die Branche wurde zuletzt stark durch die Regulierung der EU-Kommission vorangetrieben. Die PSD2 hat die Wertschöpfungskette der Transaktionen für Fintech Players weit geöffnet.

Der Markt wird kleiner, die Anzahl der Fintechs immer größer. Die Kosten für Transaktionen sinken, die Margen sinken noch drastischer. Banken geraten unter Zugzwang, da die Fintechts auf den Markt drängen und über Schnittstellen an die Daten der Firmenkunden wollen.

Einer der europäischen Projekte mit großen Erfolgsaussichten, ist der Bereich „Instant-Payments". Der European Payments Council (EPC) entwickelt derzeit ein pan-europäisches, Echtzeit-Bruttozahlungsverkehrssystem nach dem Modell des SEPA Credit Transfer (SCT) Scheme.

Da der Clearing- und Settlement-Prozess unter 5 Sekunden stattfinden soll, bietet dies sowohl dem Handel als auch dem Verbraucher enorme Vorteile.

Der sofortige Zahlungseingang reduziert das Risiko eines Zahlungsausfalls und das Geld ist für den Händler sofort verfügbar. Auch für Kunden bietet dies enorme Vorteile, da nur minimale Gebühren anfallen (0,3 Cent) und die Daten der Kunden vornehmlich bei den Banken bleiben sollen.

Instant Payments werden bereits ab November 2017 in Deutschland verfügbar sein. Als einer der wenigen deutschen Banken, hat die Unicredit Bank angekündigt, ihr Instant Payments Zahlungssystem bereits ab November 2017 live schalten zu wollen.

Rechnung & Lastschrift dominieren

Der Kauf auf Rechnung erfreut sich, trotz voranschreitender Digitalisierung, größter Beliebtheit. Neben der Barzahlung im stationären Handel, bezahlt jeder zweite mit dem Elektronischen-Lastschriftverfahren (ELV) oder per Kauf auf Rechnung. Dabei gilt: Sicherheit und Käuferschutz sind für die Konsumenten am wichtigsten.

Falls die bestellte Ware nicht ankommt, können Verbraucher beim ELV den Betrag einfach innerhalb von 8 Wochen zurückbuchen. Beim Kauf auf Rechnung bezahlt der Käufer die Ware erst nach Erhalt. Anders als in England oder den Niederlanden, schätzen die Kunden in Deutschland Sicherheit über Convenience.

Der Kauf auf Rechnung wird sich deshalb auch mittelfristig weiterhin behaupten können, wenn auch in abgewandelter Form (Bezahlen per QR-Code oder Mobil).

Nur jeder dritte Verbraucher besitzt eine Kreditkarte

Knapp 15% der Verbraucher zahlen im Online-Handel mit Kreditkarte (2016), im Einzelhandel sind es sogar nur rund 6%.

Diese Zahl dürfte sich aber, aufgrund vieler Faktoren, im Laufe der nächsten Jahre steigen. Größtes Hindernis, ist die allgemeine Verbreitung der Kreditkarte in Deutschland. Statistiken zeigen, dass nur knapp jeder dritte Deutsche im Besitz einer Kreditkarte ist.

Das Potenzial der Kreditkarte ist groß, denn der Kauf per Kreditkarte gilt eigentlich als ziemlich sicher und bequem. Falls ein Betrag unrechtmäßig oder doppelt abgebucht wird, können Verbraucher einfach über die kartenherausgebende Bank (Issuer) den Betrag zurückbuchen (Chargeback).

Zudem sind viele In-App Käufe kartengebundene Zahlungsverfahren, bei dem Konsumenten eine Kreditkarte hinterlegen müssen. Die Entwicklung im kontaktlosen Bezahlen bei Point-of-Sale (POS) Terminals mittels Near-Field-Communication (NFC) wird die Nutzungsrate von VISA und Mastercard zukünftig steigen lassen.

Das erst kürzlich beschlossene Zahlungsdiensteumsetzungsgesetz (ZDUG), welches die PSD2 in nationales Recht 1:1 umsetzt, hat das bereits geltende Surcharge-Verbot auch auf die regulierten Kreditkarten ausgeweitet.

Entgelte oder Gebühren für bargeldlose Zahlungsarten im Online-Handel werden somit ab 2018 nicht mehr erlaubt sein, womit der Kauf per Kreditkarte für Verbraucher noch attraktiver sein wird.

M-Payments werden Potential nicht gerecht

Mobile Zahlverfahren z.B. per Tablet- oder Smartphone liegen sowohl im stationären als auch im Online-Handel nur im einstelligen Prozentbereich. Studien zeigen, dass während bereits knapp 10% der Befragten angaben über sogenannte In-App Käufe mobil zu bezahlen (MyTaxi, Streaming) liegt die Nutzungsrate im Handel (Mobile E-Commerce) nur knapp bei 1%.

Die in Deutschland herrschende Abneigung der Verbraucher gegenüber bargeldlosen Zahlungen hemmt die erfolgreiche Umsetzung mobiler Zahlungsverfahren im Handel. Nach dem Motto - nur Bares ist Wahres - sprachen sich erst kürzlich in der letzten Allensbach Umfrage 86% der Bundesbürger für den Erhalt des Bargeldes aus.

Selbst mit der Abschaffung von 1 und 2 Cent Stücken hadern die Deutschen. Hier schreiten bereits andere Länder wie Italien oder die Niederlande voran. Mittelfristig wird man sich jedoch wohl vom Kleingeld trennen müssen, da sich die Banken, der Handel und die EU-Kommission bereits seit geraumer Zeit für die Verbannung der Cent-Stücke aussprechen.

Kunden- sowie die Händlerakzeptanz sind eine weitere Hürde. Da die Einführung eines neuen Zahlungsverfahrens mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden ist, werden Händler erst dies integrieren, wenn die nötige Reichweite, bzw. „Kundenakzeptanz" gegeben ist. An der technischen Umsetzung und Innovation mangelt es in Deutschland zumindest nicht.

Für Mobile Payments stehen die Zeichen auf Wandel. Mobile Payments bei denen In-App Käufe getätigt werden erfreuen sich größter Beliebtheit und haben das Potential als Katalysator für den Mobile E-Commerce zu wirken.

In der erst kürzlich veröffentlichte PwC Studie „Mobile Payment Report 2017" gaben 55% der Befragten an, bereits jetzt oder in naher Zukunft mobile Zahlungsverfahren nutzen zu wollen. Datenschutz und Sicherheit sowie gewisse Incentives, also Vorteile bei der Nutzung von Mobile Payments sind für die Verbraucher wichtig. Das Marktpotential ist also gegeben.

Die Zukunft ist mobil, gebündelt und pan-europäisch

In Zeiten, in denen Omni-Channel-Vertriebskanäle zunehmen, werden hybride Geschäftsmodelle, die den stationären und Online-Handel miteinander verknüpfen, die Payment Branche stark beeinflussen. Die Grenzen zwischen dem traditionellen stationären und dem Online-Handel sind bereits fließend.

Geschäftsmodelle wie "Click & Collect", in dem Verbraucher ihre Waren online kaufen und dann stationär abholen sind gängiger Alltag. Dies wird sich langfristig auch in der Payment Branche spiegeln.

Der Markt an Zahlungsanbieter und Zahlungsdienstleister ist enorm gestiegen und wird sich, zumindest kurzfristig, durch die PSD2 (Zahlungsauslösedienste & Kontoinformationsdienste) noch steigen. In Zukunft werden Zahlungen gebündelt sein, denn zunehmend werden Verbraucher nicht per Banking-App, Wallet-App, NFC-App oder Mobile-Payment-App jeweils gesondert bezahlen wollen.

Somit wird eine Bündelung der verschiedenen Zahlungsdienstleistungen stattfinden, die zu einer Ausdünnung des Marktes führen werden.

Zahlungen müssen in Zukunft sowohl am Point-of-Sale (POS) im Geschäft, als auch gleichzeitig per Smartphone oder Tablet im Online-Shop von unterwegs mit ein und derselben App getätigt werden können. Integrierte Peer-to-Peer (P2P) Überweisung und Chatfunktionen bieten zusätzlich den Value-Added-Service.

Physische Karten wie die Debit- und Kreditkarte werden langfristig verschwinden und durch Wallets ersetzt und wandern digitalisiert auf die Smartphones. Dass Zahlungsdienste zu jederzeit, deutschlandweit und pan-europäisch einsetzbar sein müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Nationale Insellösungen wie iDeal oder paydirekt werden zunehmend unter Druck geraten.

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Über die Frage wie Payments in Zukunft authentifiziert und verifiziert werden, herrscht auf europäischer Ebene derzeit Uneinigkeit. Unabhängig davon, welche Regelungen die Europäische Bankenaufsichtsbehörde in den RTS festlegen wird, werden in Zukunft Payments vermehrt dynamisch authentifiziert.

Eine zwei-Faktor Authentifizierung die lediglich zwei Wissensfaktoren erfordert ist starr und anfällig für Betrug.

Kriminelle die durch Schadprogramme oder Phising-Mails im Besitz der Kreditkarte sowie dem PIN oder Passwort sind, können die Sicherheitsbestimmung leicht umgehen. Dynamische Authentifizierungsmaßnahmen wie Fingerabdruck, Geo-localisation oder Biometrie bieten eine optimale Ergänzung zur Betrugsprävention.

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